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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-08-19 · 33 (19.8.1898) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
33 (19.8.1898)
Date
1898-08-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 616 Dr. Bloch's Wochrnschrifl Nr. 33 keine Hausirlicenz, was will daher die statthalterliche Ordonanz denn eigentlich bezwecken? Soll sie ein avis au lecteur sein? Es hat den Anschein, daß man, um der jüdischen Hausirer so rasch als möglich ledig zu werden, den Hebel bei der Verlängerung der bestehenden Licenzen ansetzen will. Die Mischen Hausirer sind wohl auf den Aussterbeetat gesetzt, das Sterben dauert aber viel zu lange. Am lebendigen Leibe brennen, braten und spießen kann man sie leider nicht, daher muß wohl zu dem radicalen Mittel gegriffen werden, die bestehenden Hausierlicenzen aus irgend einem Vorwände einfach nicht zu erneuern. Was verschlägt es, wenn wieder einige hundert Juden mtt ihren Familien um ihren ehrlichen kümmerlichen Erwerb gebracht werden, wenn sie verhungern und im Elende zu Grunde gehen. Die jüdischen Hausirer haben ein viel zu zähes Leben, sie klammern sich mit allzu großem Conftrvatismus an ihren Erwerb und wollen sich consequenterweise nicht auf ihre Schlösser zurückziehen, und sich in ihrer Existenz nicht auf den Ertrag der von ihren Ahnen ererbten Latifundien beschränken. Da muß endlich radicaler Wandel geschaffen werden. Der Mittel hiezu gibt es zahlreiche genug; die mittelalterthümliche Rüstkammer birgt die verschiedensten Folterwerkzeuge, die langsam wohl, dafür aber sicher zum Ziele führen. Geht es nicht mit Mitteln, die allzusehr den Stempel der Gewaltthätigkeit zeigen, so wird die Steuerschraube in Thätigkeit gesetzt, welche auch nicht die lieblichsten Empfindungen für Leute wachruft, die jahraus, jahrein von der Hand zum Mund leben undmit steten Nahrungssorgen zu kämpfen haben. Erst in den letzten Tagen hat in Wien eine Hausirerversammlung getagt, welche den ganzen Jammer und das große Elend der Hausirer ad oculos demonstrirte. Nicht genug, daß die Hausirer non dem, allen Kleingewerbetreibenden durch die neuen Steuergesetze gewährten Steuernachlaß ausgeschlossen erscheinen, werden sie verhalten, die Steuerjahresschuldigkeit auf einmal im Vorhinein zu enttichten. Man kann füglich sagen, es ist keine Schlacht, aber ein Schlachten ist's, das gegen die Aermsten der Armen der wirthschaftlichen Existenzen mit einer Confequenz inscenirt wird, die einer besseren Sache würdig wäre. Was mit den Hunderten ihrer Existenz verlustig gewordenen Familien geschehen wird, darum scheert sich kein Mensch. Keine Hand wird gerührt, von keiner Seite winkt Hilfe, alle Hoffnung ist geschwunden. Es sind ja Binkeljuden, die überläßt man ihrem Schicksale, und wenn sie am Hungertuche nagen werden, wird man ihnen großmüthig ein dürftiges Almosen reichen. Und all dies geschieht in der Aera. deren Zug dahin geht, die schwachen wirthschaftlichen Existenzen zu stützen und zu kräftigen! Eduard Beer. Bad Nauheim. 15. August. Oberhalb der überaus schmucklosen Billa, die von der Kaiserin Elisabeth bewohnt wird, befindet sich, in einem herrlichen schattigen Garten versteckt, das Schweizerhaus, welches an das jüdische Kinderheim vermiethet ist. Das letztere, von Frankfurter Philantropen erhalten, läßt armen leidenden Kindern die Wohlthat der hiesigen Bäder zu theil werden. An der kaiserlichen Villa vorbei führt ein schattiger Weg zum Schweizerhause, welcher, bisher öffentliche Passage, seitens des Besitzers, eines Herrn Loew, Ihrer Majestät zu Ihrer ausschließlichen Benützung zur Verfügung gestellt wurde. Als Anerkennung hiefür wurde Herr Loew zu Ihrer Majestät befohlen und drückte ihm Allerhöchstdieselbe Ihren Dank in huldvollster Weise aus. Zu Ihren ausgedehnten Spaziergängen in Nauheims herrliche Wälder benützt die Kaiserin ausschließlich den Schweizerhausgarten als Passage, ja eine besonders schattige Laube in demselben hat sie sich als Lieblingsplätzchen erkoren, dort empfängt sie den Besuch ihres Arztes, des Dr. Schott (unseres Glaubensgenossen, dem letzthin vom Großherzoge von Hessen der Professortitel verliehen wurde), dort ergötzt sie sich an den munteren Spielen der Kinder. Ganz außerordentlich angenehm überrascht wurde die hohe Frau, als sie letzthin beim Betreten des Gartens von den Kleinen, die sich kleine Gewehre umgehängt hatten, milttärisch begrüßt wurde. Es vergeht kein Tag, an dem nicht das eine oder das andere der Kinder durch eine huldvolle Anrede ausgezeichnet wird. Wiederholt hat Ihre Majestät den Leitern der Anstalt ihre höchste Befriedigung über die Anstalt und über das Bettagen der Kinder ausgedrückt, ja vor 14 Tagen ließ die hohe Frau durch Allerhöchstihren Hofmarschall der Directtice Ihre besondere Anerkennung über die musterhafte Arttgkeit und Ruhe der Kinder beim Spielen aussprechen; es herrsche ein solch gesitteter Ton unter denselben, daß die Ruhe der hohen Dame trotz der großen Nähe der Anstalt — sie beträgt kaum 150 Schritte — in keiner Weise gestört werde. Das ist eine Anerkennung, auf die die Anstalt stolz zu sein wahrlich alle Berechtigung hat. Es dürfte auch Ihre Leser interessiren, zu hören, daß das Kinderheim im kommenden Jahre in eineni eigenen Gebäude, das zum großen Theile der Munificenz der Frau Baronin Willy von Rothschild seine Entstehung verdankt, untergebracht wird. Bad Nauheinn Ueber das Befinden der Kaiserin ist durchwegs Erfreuliches zu melden. Das Befinden der hohen Frau ist fortwährend gut, der Appetit hat zugenommen, während die frühere Schlaflosigkeit jetzt viel seltener und schwächer auftritt. Die Kaiserin befindet sich auch meistens in ausgezeichneter Stimmung. Zur Feier des Geburtstages des Kaisers Franz Joseph am 18. August werden von der hiesigen österreichischen Colonie größere Festlichkeiten geplant: eine kirchliche Feier, ein Fest auf der Curterrasse und ein Feuerwerk. Die Betheiligung der Kaiserin an der kirchlichen Feier ist bereits zugesichert, während sie für die anderen Festlichkeiten dankend abgelehnt hat. Seit dem 6. August nimmt die Kaiserin Sprudelbäder vom „großen Sprudel" (Quelle VH), der kohlensäurereichsten Quelle Europa's. Die Wirkung des ersten Sprudelbades wurde von Professor Dr. Schott auf das genaueste beobachtet. Die Kaiserin ging zu diesem Zwecke vom Badehaus I mit dem Arzte zu Fuß nach Hause — etwa 10 Minuten Entfernung — dabei wurde der Puls der hohen Patientin beim Verlassen des Badehauses und bei der Ankunft in der Villa Kracht gemessen. Wegen derselben Beobachtung war Professor Schott vor einigen Tagen mit der Kaiserin auch auf dem Johannisberge. Das Resultat der Unterfuchungen soll sehr günstig sein. Neu-Sandee, 15. August. Nicht blos in Erfüllung einer conventionellen, wenn auch moralischen Pflichst, sondern vielmehr dem hundertfach geäußerten Wunsche unserer armen Glaubensgenossen, welche der Raubwuth des von gewissenlosen Agitatoren und Strebern verhetzten Bauernpöbels in -Westgalizien zum Opfer fielen, und die nun durch die Munificenz der „Israelitischen Allianz zu Wien" an die Wiedererrichtung ihrer Existenzen schreiten können, nehmen wir hiemit Anlaß, der hochverehrten Israelitischen Allianz zu Wien den tiefempfundenen Dank zum Ausdrucke zu bringen. Man muß das Elend, den Jammer und die Verzweiflung der schwer heimgesuchten' geplünderten Juden im Neu-Sandecer und Limanower Bezirke mitangesehen haben, um die Größe und Tragweite der Hilfsaction diefes einzigen Institutes, das den Juden stets in der Noth beigestanden ist, ermessen zu können. Friedliebende und ehrenhafte Bürger, die ihrem ehrlichen und redlichen Gewerbe nachgegangen sind und die der Bevölkerung, unter der sie leben, nicht den geringsten Anlaß zur Unzufriedenheit geboten haben, sind binnen wenigen Tagen zu Bettlern geworden. Gehöhnt und gedemüthigt von einer rohen Horde, haben sie nicht blos ihr Vermögen, ihr redlich und schwer erworbenes Gut, sondern auch ihr moralisches Selbstgefühl verloren und wähnten sich von Gott und Menschen verlassen. Es war daher nicht blos die Gabe selbst, sondern auch die edle, feinfühlige Art, mit der die Unterstützungen verabfolgt wurden, welche ihren Muth neu belebte und ihnen Thränen des Glückes und des Dankes erpreßten. Im Namen der Geplünderten von Alt-Sandec, Bialawoda, Biczyce, Biegonice, Borowa Brzezna, Brzeziny, Chelmice, Chomranice, Cyganowice, Dombrowa, Dombrowka, Golombkowiee, Falkona Gwizdowka, Jasienna, Jelna Jadsownik, Just, Kamionka, Kadak, Kamiennice, Kleczany Klimkowka, Klodne, Kolylcyna Krasne, Lacko, Leka Leg, Librantona Lipic, Lososina dolna, Lososina gornaLaskona, MilkonaMecinaMordavka, Marcinkowice, Mistkow Nasciszowa, Neu-Sandec, Niskowa, Olszana, Onreczka, Paszyn, Przydonice Piatkowa, Pisarzowa, Podole, Pisadowa, Rojowka, Recmirowa, Siedlec, Scelma Sczesyce, Sienna, Slowikowa. Stankowa, Stadlo, Swidnik, Stavawics, Stronic, Tropic, Trzetrzewinic Trzycierz, Ubierd, Ujemuwice, Witowice, Wola, Witowice gorne, Witowice dolwe, Zabetcze, Zbek, Zbikowice, Zmigca, Zatubincze und Znamirowice, denen die Unterstützung der „Israelitischen Allianz zu Wien" die Möglichkeit zur Wiederbegründung ihrer Existenzen verholfen hat, sprechen wir daher der hochverehrten Israelitischen Allianz den aufrichtigsten Dank Aller aus. Insbesondere dem Vorsteher, dem verehrten Herrn Wilhelm Pappen heim, der die Mühe und Opfer nicht scheute, die geplünderte Gegend zu bereisen und sich Persönlich von der Noth zu überzeugen, nicht

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