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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-08-19 · 33 (19.8.1898) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
33 (19.8.1898)
Date
1898-08-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 33 Vr. Bloch's Wochenschrift Seite 617 minder dem Secretär der Allianz Herrn Dr. Friedrich S. Kraus unb dein Vertrauensmanne derselben, Herrn Franz Fischer^ welche in hochherziger Weise ihre Mission ersüllten und jede Gabe mit herzerhebenden Worten des Trostes begleitet haben. N e u - S a n d e c. 15. August 1898. Aron Neben zahl, Cultusvorsteher, Aron Halberstam m, Rabbiner, I. U. Dr. Carl David, M. M. K l a p h o l z, Jacob G r o ß b a n d, Moses Engländer, Med. Univ. Dr. Leon Silbermann, N. Taubes, Gemeinde-Secretär, Berlin. Bor dem Grabe pflegen sonst politische Differenzen zu schweigen, vor dem Grabe Bismarck's haben wir Juden, wie rühmend anerkannt werden muß, Vaterlandsliebe und Takt genug besessen, die Verbitterung über die antisemitische Hetze, die wir seiner Connivenz danken, zum Schweigen zu bringen. Nicht so die Antisemiten. Eines ihrer ältesten und radicalsten Organe, der „Freie Beobachter" in Nürnberg, findet den Muth zu der Beschuldigung gegen den großen deutschen Staatsmann, die wir niedriger hängen wollen, nämlich, daß Bismarck den Krieg gegen Frankreich vom Zaune gebrochen, habe, um „Dotationen für sich zu holen". Wir hätten den Lärm nicht hören mögen, den die antisemitische Preßmeute gemacht hätte, wenn ein „Judenblatt" etwas derartiges geschrieben hätte. Dem Parteigenossen lassen sie diese Frechheit natürlich durchgehen. Ja Antisemit! Das ist ganz was Anderes! Berlin. Charakteristisch für den Eifer, den die Inden jetzt für körperliche Uebungen an den Tag legen, ist die folgende Thatsache, die wir den Mittheilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus entnehmen. Bei dem großen Hamburger Turnfest im vorigen Monat war der erste Preisträger, Adolf Flatov aus Berlin, ein Jude. Auch sein Bruder hatte einen Preis errungen und was besonders interessant ist, unter den Turnern aus Oesterreich, die Erfolge errungen haben, befand sich auch ein Jude, Sonnenschein aus Wien. Die antisemitischen Turnvereine aus Oesterreich, die den Turugau Ostmark bilden, mußten ohne Erfolg abziehen, sie haben freilich für das echt deutsche Turnen keine Zeit mehr übrig, sie müssen ja immerfort „Juden raus" schreien. London. Ein Correspondet des „Jewish Chronicle" hatte eine Unterredung mit Mr. Eugen Sandow, der eine berühmte Schule für körperliche Entwicklung in London, St. James-Street leitet, in der er diesen Fachmann nach den körperlichen Leistungen der Juden im Sport, Athletik rc. befragte. Sandow erklärte, daß vom athletischen Standpunkt aus die Juden sehr niedrig stünden. Keine Race bedürfe mehr der körperlichen Erziehung. Der Grund dafür ist sehr einfach, man hat durch so viele Jahrhunderte hindurch die Juden der Möglichkeit beraubt, in der frischen Landluft zu arbeiten und zu leben und hat sie auf Berufe gedrängt, bei denen die Geschicklichkeit, geistig und körperlich, eine besondere Rolle spielte. Wende sich aber ein Jude dem Athletiksport zu, so thue er das in der seiner Race eigenthümlichen Energie und erziele dadurch schnelle und große Erfolge. So sei derjenige Mann in England, der in Gewichtübungen das bedeutendste leiste, ein Jude, Mr. Lawrence Boy aus Birmingham, ein intimer Freund von Mr. Sandow. Auch Mr. Boy's Töchter sind berühmte Athletinnen. Obwohl in den Schulen für körperliche Entwicklung nur wenige jüdische Schüler sind, so sind doch ihre Leistungen vorzüglich. Gerade die ^uden brauchen aber diese Pflege des Körpers und sollten ihr mehr Aufmerksamkeit widmen. London. Der Streit im zionistischen Lager dauert noch immer fort und hat sich auch in die Provinz verpflanzt. Den Herzlisten ist ein neuer Bundesgenosse in dem bekannten russischen Arzte Hofrath Dembo entstanden, der jetzt die großen Gemeinden Nordenglands bereist und die Huldigungen der Herzlisten entgegen nimmt. Die Mehrheit der „Chavevi Zion" dagegen schließt sich Oberst Goldsmid und Mr.Prag, ihren alten Führern, an. — In dem Standard Theater ging am Dienstag den 9. August eine Premiere „Zola der Wahrheitssucher" von Rackow vor vollbesetztem Hause in Scene. Das Stück ist im Jargon geschrieben für die in London ansässigen russischen Juden und hat deren größten Beifall gefunden. Es ist indeß in der That ein ganz bedeutendes Werk, das sich weit über die gewöhnliche Höhe der Jargondramen erhebt und den Beifall voll verdient, der ihm zutheil wird. Paris. Was für eine Gesellschaft die französischen antisemitischen Abgeordneten vorstellen, beweist folgender Brief, den einer derselben an Drumont gerichtet hat und den dieser jetzt in der „Libre Parole" veröffentlicht: der Brief oder die Depesche vielmehr lautete: „Bitte zu vermerken, daß der „Fiskus" gestern meine Thür erbrochen hat, weil ich mich weigerte, die Steuern zu bezahlen. Ich setze meinen Widerstand fort, denn ich finde es schmählich, daß man das Geld unglücklicher Landwirthe holen kommt, während Financiers und Schufte nicht belästigt werden. Lasies, Deputirter von Gers." Der gute Mann denkt wahrscheinlich, daß er als Antisemit keine Steuer zahlen braucht. Petersburg. Es ist bekannt, daß Rußland sich zwei Häfen auf der chinesischen Küste zu eigen gemacht hat. Man weiß noch nicht, ob diese neuen Besitzthümer den Juden geöffnet sein werden; sicher ist indessen, daß die russiche Colonie in Port- Arthur bereits zahlreiche jüdische Soldaten zählt, die zur Besatzungsarmee gehörten. Vor wenigen Wochen wurden wiederum Truppen dorthin dirigirt, es befinden sich in ihren Reihen mehr denn hundert jüdische Soldaten. Diese, voraussehend, daß sie sich in der Unmöglichkeit befinden würden, mit ihren Glaubensgenossen des chinesischen Reiches in Beziehung zu treten, beschlossen eine Gesetzesrolle (Thora) mitzunehmen. Die Erlaubniß, diesen kostbaren Gegenstand mit sich zu führen, ward ihnen von der militärischen Obrigkeit ertheilt. Die Thora wurde beschafft aus Mitteln, welche die Soldaten, die zu dem abziehenden Corps gehören, zusammen steuerten. Bei dieser Gelegenheit muß hinzugefügt werden, daß alljährlich, so wie die Schifffahrt wieder ausgenommen wird, neue Truppen, in welchen sich eine Anzahl Juden befindet, nach Sibirien, nach Vladistok und mitunter nach den entlegensten Theilen des Landes entsendet werden. Gewöhnlich liefern die jüdischen Bewohner der Ortschaft ihren Glaubensgenossen Alles, was sie zur Ausübung ihrer religiösen Pflichten brauchen, namentlich die Mazzos, die sie zu Ostern essen wollen. Durch ein werkwürdiges Zusammentreffen feiern sie dieses Fest mitunter in der Nähe des Rothen Meeres, wo ihre Borfahren zum ersten Male das Freiheitslied anstimmten. Vermischtes. Wien. (Für die Wahlen in das Gewerbegericht) empfiehlt die antisemitische Partei unter Anderen auch Herrn Edgar Herb st. Genannter ist Director der österreichisch-amerikanischen Gummifabriks-Actien-Gesellschaft, die sich im Besitze der Herren Kohnberger u. Mandl befindet. Wenn Director Herbst die Zustimmung zur Aufstellung seiner Candidatur als Vertrauensmann der antisemitischen Partei gegeben hat, ist wohl die Frage gestattet, wie sich die Herren Kohnberger und Mandl zu dieser Candidatur verhallen. Wien. (Licitirte Compositionen Sulzer's.) Vom Bezirksgerichte Neubau wird die über den vom Notar Dr. Franz Mayrhofer in Wien. Köllnerhofgasse 3, als Saumsalscurator in Nachtragsabhandlung nach Salomon Sulz er gestellten Antrag bewilligte freiwillige Feilbietung des nachträglich hervorgekommenen Salomon Sulzer'schen Nachlaßvermögens, bestehend in Platten zu Compositionen sammt Verlagsrechten im Schätzungswerts von 942 fl. auf den 29. August 1898, 10 Uhr Vormittags, als einzigen Termin mit dem Bemerken angeordnet, daß diese Feilbietung im Geschäftslocale der Firma Jos. Eberle und Co. in Wien, 7. Bezirk, Seidengasse 3, 5 und 7, vorgenommen und die feilzubietenden Gegenstände auch unter dem Schätzungswerthe hintangegeben werden. Kauflustige können die feilzubietenden Gegenstände auch vor dem Feilbietungstermine bei der Firma Jos. Eberle und Co. besichtigen. Es hätte sich wohl eine Form finden lassen können, den Nachlaß des den Herzen der Wiener und der ganzen Judenschaft so sympatisch gewesenen Obercantors Salomon Sulz er in einer mehr pietätvollen Weise zu verwerthen. Wir lenken übrigens die Aufmerksamkeit des Curatoriums des jüdischen Museums auf die gewiß merkwürdige Auction zu dem Zwecke der Erwerbung interessanter Piecen. Wien. (L e i ch e n b e g ä n g n i ß.) Am 10. August fand hier unter überaus zahlreicher Betheiligung das Leichenbegängniß des Spirituosen-Fabrikanteu und Hausbesitzers Herrn Abraham H u t t r e r statt. Herr Oberrabbiner Dr. Schmidt

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