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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-08-19 · 33 (19.8.1898) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
33 (19.8.1898)
Date
1898-08-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 33 Dr. Bloch's Wochrnschrifi Seite 607 dm Vorstand der jüdischen Gemeinde, daß ich auf Allerhöchsten Befehl schon nach Eingang der ersten Nachricht über jenen Gesetzentwurf auf telegraphischem Wege Erkundigungen in Bukarest eingezogen hatte. Hierauf ist mir aus sicherster Quelle die Mittheilung .zugegangen, daß der gedachte Gesetzentwurf gegen den Willen des Fürsten Karl eingebracht worden ist, daß dessen Annahme nicht zu erwarten stehe, und wenn sie dennoch erfolgte, die Sanctionirung des Gesetzes seitens der fürstlichen Regierung nicht stattfinden werde. Wenn somit in dieser Beziehung für den Vorstand der jüdischen Gemeinde keine Veranlassung zur Beunruhigung vorhanden ist, so hat die Königliche Regierung auch nicht unterlassen, jetzt ebenso, wie es bereits bei früherem Anlasse geschehen, infolge der in neuester Zeit verbreiteten Nachrichten über angebliche Judenverfolgungen in der Moldau, in Bukarest Vorstellungen machen zu lassen, und es ist uns hierauf die Zusicherung ertheilt worden, daß Maßregeln getroffen seien, um jede etwaige Beunruhigung der israelitischen Glaubensgenossen zu verhindern. Graf v. Bismarck. An den Vorstand der Synagogengrmrinde in Stettin. Berlin, 2. April 1872. Die in ihrer Vorstellung vom 26. v. M. erwähnten beklageuswerthen Vorgänge in Rumänien sind der Aufmerksamkeit der Regierung Seiner Majestät des Kaisers und Königs nicht entgangen, und wenngleich ich die Hoffnung hegen darf, daß die rumänische Regierung der Pflicht, die Wiederkehr solcher Excesse zu verhindem, genügen werden, so habe ich doch bei der lebhaften Theilnahme, welche das Schicksal Ihrer Glaubensgenossen bei Seiner Majestät erweckt, Veranlassung genommen, den Vertreter der Kaiserlichen Regierung in Bukarest in Uebereinstimmung mit den ihm schon früher ertheilten Instructionen erneuert anzuweisen, bei der rumänischen Regierung sich für Maßregeln zum Schutze derselben zu verwenden. v. Bismarck. Als vor einer Reihe von Jahren der jetzige Geheime Legationsrath Dr. Cahn, welcher jüdischer Confeffion ist, zum Legationsrath im Auswärtigen Amte ernannt werden sollte, wurde ihm von verschiedenen Seiten nahegelegt, zum Christenthum überzutreten. Dr. Cahn ließ aber diese Erinnerungen unbeachtet, und als ihm Fürst Bismarck selbst seine Ernennung zum Legationsrath überbrachte, gratulirte er ihm mit den Worten: »Wir haben Sie ja als tapfern Mann kennen gelernt." Bei dieser Gelegenheit mag auch erwähnt werden, daß Fürst Bismarck auch der Einweihung der neuen Synagoge in der Oranienburgerstraße, welche am 5. September 1866 stattfand, neben dem Minister von Mühler, dem Fürsten Radziwill und anderen hervorragenden Persönlichkeiten officiell beigewohnt hat. Bekanntlich hat auch der damalige Kronprinz Friedrich Wilhelm, der spätere Kaiser Friedrich, ein hohes Interesse für den herrlichen Bau in der Oranienburgerstraße an den Tag gelegt und ihn mehrere Male, so oft fremde Fürstlichkeiten ihn besichtigen wollten, besucht. Offener Brief an Sr. Wohlgeboren Herrn 1 U. Dr. Jacob Scharf, Landtagsabgeordneter, Stadtverordneter rc. rc. Euer Wohlg eboren! Mit vollem Fug und Recht haben nicht nur meine Wenigkeit, sondern auch gewiß eine große Anzahl böhmischer Inden erwartet, daß unsere jüdische Publicistik die für Euer Wohlgeboren und auch für Andere denkwürdige Sitzung des Prager Stadtverordnetencollegiums vom 11. d. M. zum Anlaß nehmen wird, wenigstens in einer kurzen Notiz ein Streiflicht auf die speciell jüdischen Verhältnisse in Böhmen zu werfen, umsomehr, als es sich itt erster Reihe zugleich unl den Führer der czechisch-jiidischen Bewegung handelt. Allein, die Welt ist mit weit wichtigeren Fragen vollauf beschäftigt: Dreyfus, Bismarck, mit dem spanisch-amerikanischen, anglo-russischen, österreichisch - ungarischen Conflict und hat darüber leider den Conflict Scharf—Breznovskv ganz übersehen. Damit jedoch derselbe, behüte, nicht in unverdiente Vergessenheit gerathe und auch weiteren Kreisen der Mit- und Nachwelt bekannt werde, entschloß ich mich. Ihnen dieses mein ergebenstes Promemoria zu unterbreiten. Sie belieben sich doch, hochgeehrter Herr Toctor. Landtagsabgeordneter, Stadtverordneter :c. 2c. noch der Aufregung giitigst zu erinnern, welche im Vorjahre gelegentlich der Reichsrathswahl in die V. Curie bei Ihren connationalen Glaubensgenossen in Prag herrschte, als ihnen zugemuthet wurde, sich als die Abkömmlinge egyptischer Ziegelbrenuer zu declariren, um Herrn Breznovskv in den Reichsrath zu wählen. Es war dies doch nur ein zu starker Tabak, welchen man ihren Nerven und ihrer Leistungsfähigkeit zugemuthet, den enragirtesten Antisemiten zu fördern; Sie hochgeehrter Herr Doctor rc. rc., glaubten eine Herde unwissender Taglöhner irgendwo bei Tabor her vor sich zu haben, als Sie Ihre Getreuen beschworen, Tisciplin zu wahren und um Gotteswillen und der heiligen nationalen Sache wegen nicht den Socialdemokraten Dediö zu wählen, sondern den von der jungczechisch-clerical-antisemitischen Seite patronisirten Breznovsk^. „Mein „Freund" Breznovskv ist, ich behaupte es aus eigener Erfahrung, durchaus nicht so schlimm, wie er sich stellt, er hat blos ein loses Mundwerk". Dies waren damals Ihre eigenen Worte, hochgeehrter Herr Doctor, Landtagsabgeordneter, Stadtverordneter rc. rc. Gottlob, daß es in unseren czechisch-jüdischen Kreisen genug Männer von jüdischem, ich betone ausdrücklich, von jüdischem Ehrgefühl gab, welche Ihrer preisgeberischen und selbstmörderischen Rathschläge nicht achteten und nicht wie Sie, hochgeehrter Herr Doctor rc. rc, vorschrieben, die Peitsche, welche sich gegen Sie so oft erhoben, noch küßten, sondern handelten wie Männer, wie jüdische Männer handeln mußten. Und sie handelten correct, wie es uns die allernächsten Wochen zu unserer traurigen Erfahrung b wiesen. Und Sie, hochgeehrter Herr Doctor rc. rc., erlauben Sie mir giitigst die Frage: Wurden endlich auch Ihnen die Augen geöffnet an jenem für Euer Wohlgeboren höchst denkwürdigen Montag, den 8. August 1898, als Ihnen Ihr „Freund" Breznovskv in der Sitzung des Stadtverordnetencollegiums des goldenen Mütterchens Prag gelegentlich mit seinem „losen Mundwerk" Ihr Judenthum als einen untilgbaren moralischen Schandfleck vorwarf und Sie mit moralischen Fußtritten regalirte und Ihnen erklärte, daß der Jude in seiner Gesammtheit, ob ungetanst oder gewässert, ohne Ausnahme der Ausbeuter seiner christlichen Mitbürger sei? Und Ihre Entgegnungen? Sie waren sehr lahm, es fehlte Ihnen an Kopf und Herz, Sie wollten hieraus keine Consegnenzen ziehen, es scheint, daß Sie sich, hochgeehrter Herr Toctor rc. rc., Ihrer „jüdischen" Abstammung nur höchst ungern erinnert wissen wollten. Was hat es Ihnen genützt, daß Sie als patentirter „Närodovec" jahrelang Zwietracht in die kleinen und armen Mischen Landgemeinden gesäet und so manchen ihrer würdigen Functionäre uni das Amt und in Verzweiflung gebracht? Haben Sie den tendenziöscorrumpirten Bericht des nationalen Moniteurs, der „Närodni Listy", über diese Sitzung gelesen? Und dies ist der Dank für all Ihren Eifer für die heilige nationale Sache? Aufrichtig gesagt, hochgeehrter Herr Doctor, Landtagsabgeordneter und Stadtverordneter rc. rc., ich gönne Ihnen die moralischen Ohrfeigen und Fußtritte, mit denen Sie Ihr „Freund" Breznovsh'- bedacht hat. von ganzem Herzen, Sie haben sich sie ehrlich verdient und sie sind Ihnen von berufenster Seite applicirt worden. Es naht unser Rosch haschonoh, „schreiben" Sie sich sie ein in das „Buch des Lebens", es naht unser Jom Kipur, „besingen" Sie sie mit „Teschuwoh". Wer einmal unvoreingenommen die Leidensgeschichte der böhmischen Juden in den letzten Jahrzehnten dieses Jahrhundertes schreiben wird, niuß zur gerechten und unwiderlegbaren Conclusion gelangen, daß wir. respective unsere sogenannten Führer, respective Leute, die sich hiezu aufgeworfen haben, an vielem Leide selbst schuld waren. Der leitende Gedanke des Judenthums und seiner ehrlichen Bekenner ist der Frieden, und wie wurde er bethätigt? Anstatt blos an den friedlichen culturellen Bestrebungen unserer Mitbürger, und an diesen nur allein theilzunehmen, verfielen Streber, welche sich ohne Mandat zu unseren Führern aufwarfen und im Namen der böhmischen Gesammtjudenheit eigenmächtig sprachen und handelten, in die atavistischen Fehler unserer deutschen und czechischen nationalen Chauvinisten, ja sie standen sogar häufig in deren vorderster Reihe. Welchen moralischen Nutzen es der böhmischen Judenheit überhaupt gebracht, daß einige ihrer Glaubens-, respective Stammesgenossen im Prager deutschen Casino oder sonstigen deutschen Vereinen für schweres Geld eine hervorragende Stellung einnahmen oder noch besitzen, ist mir trotz dreißigjährigen Forschens noch nicht bekannt geworden, daß aber diese Thatsache über die in böhmischen Gegenden wohnenden ärmeren Juden unendliches Weh gebracht und

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