Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 32 (12.8.1898)
- Date
- 1898-08-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 32 j&x. Blnrfj’* Wochenschrift Seite 599 Corresponderyen. Wien. (Jubiläums-Stiftung der Baronin Hirsch.) Bekanntlich unterhält Frau Clara Baronin Hirsch- Gereuth in Wien ein von ihrem verstorbenen Gemal gegründetes Wohlthätigkeitsbureau, welches die Unterstützung hilfsbedürftiger Gewerbs- und Handelsleute durch Gewährung von unverzinslichen, in kleinen Wochen- oder Monatsraten rückzahlbaren Darlehen, in einzelnen, besonders rücksichtswerthen Fällen auch durch Gewährung von Geschenken bezweck. Dieses Bureau erhielt bisher die Mittel zur Erreichung seiner Zwecke von Frau Baronin Hirsch in Forni von freiwilligen Beiträgen in sehr namhafter Höhe. Anläßlich des fünfzigjährigen Regierungsjubiläums des Kaisers hat sich nun Baronin Hirsch entschlossen, an Stelle des bisherigen Wohlthätigkeitsbureau eine förmliche Stiftung zu errichten und derselben den Capitalsbetrag von anderthalb Millionen Gulden österreichischer Währung, sowie alle jene Summen zu widmen, welche auf die vom bisherigen Wohlthätigkeitsbureau gewährten Darlehen bereits rückgezahlt wurden und noch werden rückgezahlt werden. Die bezügliche Widmungsurkunde ist bereits ausgestellt und nebst dem Entwürfe des Stiftungsbriefes durch ihren Wiener Rechtsanwalt, Dr. Otto E k st e i n, beim Ministerium des Innern als der Stiftungsbehörde überreicht worden. Die Stiftung soll den Namen „Baronin Hirsch'-Wohlthätigkeitsstiftung" führen, ihren Sitz in Wien haben und ihre Wirksamkeit, welche mit 1. Jänner 1899 zu beginnen hat, soll sich auf alle irn Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder erstrecken. Sie soll in erster Reihe israelitischen Hilfsbedürftigen zu Gute kommen, nach Entscheidung des Curatoriums auch Andersgläubigen. Das erste Curatorium soll aus jenen Persönlichkeiten bestehen, welche gegenwärtig das Comitä des Wohlthätigkeitsbureau bilden. Präsident des letzteren ist gegenwärtig, nachdem der erste Präsident Dr. Otto K e r p a l im Vorjahre gestorben, Herr Guido E l b o g e n, Vicepräsident Herr Oberinspector Felix Reifer. Wien. (Gottesdienst — Maria hilf.) Donnerstag, 18. August, 9 Uhr Vormittags findet wie alljährlich anläßlich des Allerhöchsten Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers im Tempel, VI., Schmalzhofgasse 3, ein feierlicher Gottesdienst mit Festpredigt statt. Wien. (Mandatsniederlegung.) Wir erhalten folgende Mittheilung: „In Folge Erlasses des löblichen Cultusvorstandes Wien an den Vorstand des Tempelvereins Wien XI. Bezirk, die Subvention des Tempelbaues betreffend, hat sich in der Ausschußsitzung vom 8. August d. I. der Vorstand des Tempelvereines Wien XI. Bezirk veranlaßt gesehen, das Mandat niederzulegen und wurde die Generalversammlung behufs Neuwahl des Vorstandes für den 4. September d. I. anberaumt. Preloue. Sehr verehrte Redaction! Als Erwiderung auf die ganz unbegründeten Angriffe des Anonymus „C." in Ihrem geschätzten Blatte vom 5. August d. I. ersnche ich höflichst nachfolgende Zeilen der Oeffentlichkeit zu übermitteln. Herr „C." scheint meinen Artikel entweder nicht gelesen oder zumindest nicht verstanden zu haben, da mir nichts ferner lag, als irgend Jemand, speciell als „jüdischer Lehrer", in seinem Nationalgefühle zu tangiren — ich verweise dabei gleichzeitig auf den ebenfalls von mir verfaßten Artikel in Ihrem werthen Blatte vom 17. Juni d. I. Nr. 24. Die Absicht meiner letzten Abhandlung war blos das „pädagogische" wie „psychologische" Moment festzustellen, welche die jetzige Wandlung in den „czechischjüdischen Gemeinden" zum Schaden der „jüdischen Allgemeinheit" hervorbrachte. Die weiteren Ausführungen des Herrn C. zeigen, daß er mit den jüdischen Lehrer- und Gemeindeverhältnissen nicht vertraut ist, und daß er wahrscheinlich zu jenen „Freunden" des jüdischen Lehrerstandes zählt, die den Functionär als „nothwendiges Uebel" betrachten, und überlasse ich seine Auslassungen vollkommen dem Urtheile der verehrten Leser dieses Blattes. Zum Schluffe gestattet sich Schreiber dieses persönlich zu bemerken, daß er seit vielen Jahren nur in „czechischen Gemeinden" thätig ist, seine Kenntniß der „czechischen Sprache" an der czechischen Universität in Prag und ebenso an einem Provinz-Gymuasium durch erfolgreiche Prüfungen genügend bezeugt und alle seine Bemerkungen auf Grund jahrelanger Erfahrungen und Beoback tungen niedergelegt hat. Für die Aufnahmen dieser Zeilen verbindlichst dankend zeichnet hochachtungsvoll Eduard Herm. S p i e l m a n n, öffentl. Lehrer und Cantor. — Auf Ersuchen des Herrn „C." conftatiren wir, daß sich seine Ausführungen nicht auf die Verhältnisse in Kuttenberg beziehe». Kladno. (Kaiserliche Anerkennung.) An den hiesigen Rabbiner ist folgende amtliche Zuschrift eingelangt: „Sr. Wvhlgeboren Herrn I. H. Schwarz. Rabbiner in Kladno. Seine k. und k. apostolische Majestät haben mit Allerhöchster Entschließung vom 17. Juni d. I. das in allerunterthänigste Vorlage gebrachte Exemplar des von Euer Wohlgeboren verfaßten Werkes „Al um im", 50 patriotisch; Festreden, der huldreichsten Annahme zu würdigen und anznbefehlen geruht, daß Sie von der Allergnädigsten Annahme Ihrer Vorlage in Kenntniß gesetzt werden. Indem ich Euer Wohlgeboren von dieser Allerhöchsten Entschließung im Grunde des Erlasses des hohen k. k. Statthalterei-Präsidiums in Prag vom 3. Juli 1898, Nr. 10.201, verständige, habe ich gleichzeitig beizufügen, daß das in Vorlage gebrachte Exemplar des obbezeichneten Werkes der k. und k. Familien-Fideicommis-Bibliothek zur Einreihung übergeben wurde. Kladno am 24. Juli 1898. Der k. k. Bezirkshauptmann : Dr. P a r a u b e k m. p " Teschen. (E r ö f f n u n g s c o m m e r s.) Im Saale des Kaiferhofhotels hielt die israelitische akademische Ferialverbindung „Emunah" ihren Eröffnungscommers in Anwesenheit zahlreicher Studierender und deren Angehörigen. Daran schloß sich eine Tanznnterhaltung. Die Concert- und Tanzmusik besorgte die Musikkapelle des Jns.-Reg. Nr. 56. Berlin. Sehr interessante Untersuchungen hat der hiesige Arzt Dr. Gutzmann an mehr als 5000 Kranken über die B e re r b l i ch k e i t von Sprachstörungen gemacht. Auffallend häufig hat Dr. Gutzmann die Form des S - L i s p e l n s bei Juden gefunden. Diese Beobachtung hat in gewisser Hinsicht geschichtliches Interesse; es gab nämlich eine Zeit, wo dieses Lispeln eine ausgesprochene jüdische Stammeseigenthümlichke't war. Denn in der biblischen Erzählung von dem Kampf zwischen den Gileaditen und Ephraiten heißt es: „Und die Gileaditer nahmen ein die Furth des Jordans vor Ephraim. Wenn nun sprachen die Flüchtigen Ephraims: „Lass' mich hinübergehen!" so sprachen die Männer von Gilead zu ihm: „Bist Du ein Ephraimiter? Wenn er dann antwortete: „Nein!" so ließen sie ihn sprechen Schibolet, so sprach er Sibolet und konnte es nicht (recht) reden; sie griffen ihn und schlugen ihn an der Furth des Jordans, daß zu der Zeit von Ephraim fielen 42.000". (Richter 12.) Auch Taubstummheit ist nach Dr. Gutzmann's Ermittelung unter der jüdischen Bevölkerung viel mehr verbreitet als unter der übrigen. So fand er in Berlin ans 1000 Katholiken 3, auf 1000 Protestanten 6 und auf 1000 Juden 27 Taubstumme — es gibt ja auch seit längerer Zeit besondere jüdische Taubstummenanstalten. In 45 vom Hundert war die Taubstummheit angeboren, und bei 17 2 vom Hundert dieser lag erbliche Belastung vor, eine Zahl, die als nicht sehr hoch gelten kann. Auch taubstumme Neffen und Nichten sind beobachtet worden, wenn ein Onkel oder eine Tante taubstumm war. Die Statistik ergibt auch, daß in blutsverwandten Ehen mehr Taubstummheit austritt als in nichtverwandten. Da bei der jüdischen Bevölkerung Berwandtschaftsehen häufiger sind, so spricht dieser Gesichtspunkt bei der Beurtheilung der Ursachen der Taubstummheit bei Juden wahrscheinlich mit. Amsterdam. Bei dem kürzlichen Empfang der Handelskammerdeputation zeichneten die Königin und die Regentin unseren Glaubensgenossen Herrn A. Duparc aus Leuwarden ganz besonders aus. Der Geehrte ist nicht nur Mitglied der Handelskammer von Holland, sondern besitzt noch viele andere Ehrenämter. London. Zwar ist die Fremdenbill für diese Session durch den Zeitmangel des Unterhauses beseitigt, denn sie kommt nicht zur Verhandlung, aber die Agitation dauert fort. Die Primrose Liga hat in wenigen Wochen viele Tausende von Unterschriften gesammelt für eine Petition gegen die ftemde Einwanderung, darunter 2630 aus dem Ostend, 2427 von Eisenbahnbeamten. 1820 von Omnibus uud Pferdebahn-Angestellten rc. Der Lord Mayor und alle seine Angestellten, sowie fast der ganze Stadtrath haben die Petition ebenfalls unterschrieben. London. Die jüdische Colonie in Bygern, die durch den Verein „Ahawaß Zion" in London gebildet wurde und von der „Jewish Colonisation Association" unterstützt wird, ist jetzt begonnen worden. 16 Familien werden im Laufe dieses Monats angesiedelt werden. London. Hier ist ein heftiger Zwiespalt unter den Zionisten ausgebrochen, der zu einer scharfen Trennung der alten Chovevi Zion unter Führung des Obersten Goldsmid und