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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-08-12 · 32 (12.8.1898) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
32 (12.8.1898)
Date
1898-08-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 32 Seite 597 Dr. Ebch's Wochrnfchrifi zur steten d an k b a r e n G eb e t s eri nner un g dafür, daß wir bei unserem Unternehmen die nothwendige materielle Unterstützung gefunden. Welches aber wird erst der Dank der Missionäre und Missionsschwestern, der Dank der Neger und Negerkinder sein, für welche diese Druckerei ein wahres Münzamt zu werden verspricht, fiir Zeit und Ewigkeit? Mit wie viel mehr Trost wird ein solcher „Actionär" unserer Druckerei einst in seiner Sterbestunde auf eine dieser von uns ausgegebenen „Sch ein-Act ien" blicken als auf eine der sogenannten wirklichen ActienPapiere, die er vielleicht besessen? Denn dann werden diese letzteren, in die sich lachende Erben tbeilen, für ihn zur „Schein-Actie" — was aber f r ü h e r „S ch e i n - A c t i e" war, wird nun wirkliches tausendfaches Besitzthum im Himmel, und zwar in Gestalt vieler Tausende von Seelen, welchen unsere apostolische Druckerei die Himmelspforte erschloß! Wahrlich, nicht nur Hunderte, sondern auch Tausende (denn die Errichtung einer Druckerei wird auch diese benöthigen) wären da gut, ja sehr gut capitalisirt! Es Ihne also ein Jeder, was er kann, was der heilige Geist und seine heiligen Schutzengel ihm eingeben. Theure Kampfgenossen! Gott mit Euch! Kämpfen, wir für Christus, kämpfen wir für unfern heiligen Glauben, und, wo immer wir können, errichten wir „Himmelsmaschinen", um den Himmel zu bevölkern, und „Blitzatzlei t e r", um den Zorn Gottes von uns abzuwenden. Ein solcher Blitzableiter für unser armes Europa sei: Die apostolische Druckerei in Maria-Sorg! M. Th. Ledochowska." Gemeinderath Wimberger's Speeulationen. Herr Wimberger ist ein Ehrenmann' Kein Zweifel, denn er ist Stadtvater und gehört jener gerechtenalle Christen mit gleicher Liebe umfassenden Partei der Christlich-Socialen an. Wenn es sich aber darum handelt, ein gutesGeschäft zu machen, dann vergißt man wohl gern einmal auf die lauteren Grundsätze der christlichsocialen Partei und — speculirt. Wie gut Herr Gemeinderath Wimberger speculiren kann und wie trefflich er seine Speeulationen mit seiner Stellung im christlich-socialen Parteihauptquartier zu fördern versteht, das lehren zwei amüsante Geschichtchen: Der Architekt Rudolf D e m s k i baute in der Westbahnstraße die Häuser Nr. 56, 58, 60, deren letzteres die Ecke der genannten Straße mit der Kenyongasse bildet. In diesem Hause befindet sich das große, geräumige und lichte Ecklocal mit entsprechenden Beilocalitäten, welches der Hauseigenthümer, da er seine besondere Eignung erkannte, der Commune für das zu errichtende Arbeitsvermittlungsamt anbot. Es fand sich auch alsbald eine städtische Commission in den offerirten Localitäten ein und die Mitglieder derselben, besonders aber der Vertreter der Sanitätsbehörde, äußerten sich mit überschwänglicher Begeisterung über die vorzügliche Eignung des Locals zu dem vorliegenden Zwecke. Besonders der Umstand fand allgemeine Anerkennung, daß vor dem Hause, in dem das Arbeitsvermittlungsamt untergebracht werden sollte, ein kleiner Park sich befindet, der im Falle großen Andranges der arbeitsuchenden Arbeiter von diesen zum Warten benützt werden kann, ohne daß dadurch die Passage irgend welche Störung erleidet. Herr Architekt D e m s k i wurde in das Rathhaus citirt, wo man seine Ansprüche bezüglich des Zinses zu Protokoll nahm. Er forderte für das erste Jahr 4000 fl., für die Folgezeit 4700 fl. jährlich, und mußte sich verpflichten, die gesammte Einrichtung für den Arbeitsvermittlungsverein aus Eigenem zu besorgen. Auch Herr Gemeinderath Wimberger äußerte sich, besonders als er hörte, daß in dem in Frage stehenden Local ein Gasthaus, also ein Coucurrenzgeschäft hätte errichtet werden sollen, über dessen Eignung für den genannten Verein vollkommen zustimmend. Herr Architekt D e m s k i, dem der Mietvertrag soviel wie zugesagt war, schlug alle von anderer Seite ihm gestellten Anerbieten aus und sah mit Beruhigung der Stadtrathssitzung, in welcher der Miethvertrag formell mit ihm abgeschlossen werden sollte, entgegen.. Da erinnerte sich Herr Wimberger im letzten Moment, daß er selbst durch Vermiethung eines eigenen Locals für den genannten Verein ein gutes Geschäft machen könnte. Daß in dem Local, das in der nächsten Nähe seiner Stallungen in einem alten Hause sich befindet, eine wahre Fliegenplage herrscht, genirte Herrn Wimberger ebensowenig, als die jedenfalls auch dahin entsandte städtische Commission. Er kündigte dem Inhaber des kleinen Kaffeehauses, das jetzt in dem plötzlich für den Arbeitsvermittlungsverein ausersehenen Local sich befindet, und da der Mann gegenwärtig in der todten Saison nichts verdient, ließ er sich gern durch eine kleine Abfindung dazu bewegen, das Local sofort zu räumen; doch erleidet der „kleine Man n" einen bedeutenden Schaden. Herr Wimberger aber erhielt s elb st ver stündlich in der entscheidenden Stadtrathssitzung das gute Geschäft mit dem Arbeitsvermittlungsverein zugewiesen. Das Local trägt ihm nun jährlich 4OO0 fl. und es wäre interessant zu erfahren, wie viel ihm der kleine Kaffeesieder dafür gezahlt hat. So viel gewiß nicht! Herr Wimberger aber gedenkt, so wird erzählt, in den benachbarten Localen, deren Inhaber er gleichfalls gekündigt hat, ein eigenes — Kaffeehaus zu errichten . . . Nicht weniger bezeichnend für den regen Geschäftsgeist des Herrn Wimberger ist eine zweite, wohlgelungene Speculation desselben: Als Herr Architekt D e m s k i die Häuser 56 und 58 in der Westbahnstraße baute, wurde der ausgehobene Schutt durch einen aufgenommenen Fuhrmann weggeführt. Da er denselben in die entfernten städtischen Ablagerungsstätten transportiren mußte, erhielt er für jede Fuhre 1 fl. 65 kr. Da machte Herr Wimberger dem Fuhrmanne den Vorschlag, er möge den Schutt auf den ganz nahe gelegenen Gründen W i m b e r g e r's, an der neu angelegten Erweiterung der Krenyongaffe, abladen, doch müsse er für diese Erlaubniß per Fuhr 50 kr. zahlen. Der Fuhrmann willigte ein und Herr Wimberger verdiente an mindestens 600 Fuhren über 300 fl. Bald darauf wurde auf denselben Gründen des Herrn Wimberger vov der Commune ein Canal gebaut und der Schutt auf Kosten der Gemeinde wieder weggeführt. Herr Wimberger hatte ein gutes Geschäft gemacht, die Commune aber hatte neben der theuren Wegführung des für Herrn Wimberger lucrativen Schuttes auch noch die sehr bedeutenden Aushebungskosten zu tragen .... Wie rührend ist doch die Opferwilligkeit und der Gemeingeist der christlich-socialen Stadtväter! Abgeordneter Stojalowski verhaftet. In Bielitz wurde der famose Reichsrathsabgeordnete P. Stojalowski bei Austheilung von Druckschriften in polnischer Sprache von der Polizei betreten, verhaftet und der Bezirkshauptmannschaft übergeben. Das Einschreiten erfolgte offenbar nur wegen Uebertretung des Preßgesetzes, denn wäre die Verhaftung wegen des Inhaltes der Druckschriften erfolgt, so wäre der Mann dem Strafgerichte eingeliefert worden. Seine Anhänger und Hintermänner brauchen um ihn nicht besorgt zu sein — er wurde sofort wieder freigelassen. Christian Esterhazys Enthüllungen. Die ueuesten Enthüllungen über die Betrügereien des Majors Esterhazy und die von ihm verübten Fälschungen haben den Zusammenhang der Dinge klargestellt. Der Untersuchungsrichter gegen Dreyfus, Paty de El am, hat gemeinschaftlich mit Esterhazy jene Depeschen gefälscht, durch welche die gegen Esterhazy auftretenden Zeugen verdächtigt werden sollten, und die verschleierte Dame, die dem Major das „rettende Document" übergab, war sein Cousin Graf Christian Esterhazy, welchen der Major um eine große Geldsumme betrogen hat. Dem Untersuchungsrichter liegen Briefe vor, aus welchen sich ergibt, iu welcher Weise Ma;or Esterhazy seinen Cousin Grafen Christian Esterhazy und die Mutter dieses jungen Mannes um ihr ganzes Erbe betrogen, wie er ihnen fast 40.000 Francs herausgelockt hat. Diese Briefe sind aber auch wichtig, weil sich daraus ergibt, in welcher Stimmung sich Esterhazy zur Zeit des Zola-Procefses befunden hat, daß er daran dachte, Transactionen einzugehen und seine Geheimnisse zu verwerthen und endlich mit seinem Cousin Christian ins Ausland zu gehen. Esterhazy schreibt bald nach vem Tode seines Cousins, des Vaters des jungen Christian: „Ich war im Lyceum Bonaparte der Freund und College des Baron Edmund Rothschild. Vor einigen Jahren habe ich als Duellzeuge des jüdischen Capitäns Cremieux-Foa und vor dem Schwurgerichtshofe als

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