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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-08-12 · 32 (12.8.1898) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
32 (12.8.1898)
Date
1898-08-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 696 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 32 semitismus Carriere zu machen, ist vielleicht nur daran gescheitert. Wenn ihm aber die Christlich-Socialen zum Vorwurfe machen, daß er zur Socialdemokratie übergetreten sei, so fürchten wir sehr, daß die Socialdemokratie für einen von den christlichsocialen Herrschaften abgelegten Parteiführer keine Verwendung haben dürste. Es ist schade, daß die Polizei die von Dr. Eder neuerlich einberufene Versammlung, bei welcher er die körperliche Sicherheit der christlich-socialen Führer durch uniformirte Leibgarden schützen zu wollen erklärte, aus Gründen der öffentlichen Sicherheit verboten hat. Es hätte sich bei derselben vielleicht gezeigt, ob man auch derzeit noch mit demselben Erfolg, wie es Dr. Lueger oft genug prakticirt, mit Gesinnungen und Ueberzeugungen je nach dem Geschmack des Publicums jongliren kann. Robert Wolf. Die Niederösterreichische Landes-Brandschaden-Verficherungsanstalt. Von einem Bersicherungs-Fachmanne erhält die „Neue Freie Presse" folgende Zuschrift: „Im niederösterreichischen Landtage wurde aus Anlaß der Debatte über die Brandschadeu- Bersicherungs-Gesellschaft für die Nothwendigkeit der Errichtung eines solchen Instituts auch der Grund angeführt, daß die Prämien im Jnlande bleiben und nicht von anderen Privatgesellschaften in das Ausland getragen werden sollen. Gerade diese Absicht der Gründer ist nicht nur nicht verwirklicht, sondern geradezu in einem gegentheiligen Sinne ausgeführt worden. Die Landes-Brandschaden-Versicherungsanstalt hat nur ein einziges Institut gefunden, welches für sie die Rückversicherung übernimmt, die französische Gesellschaft L'U r b a i n e. Da die Landes anstatt, wie jedes Unternehmen-, für eigene Rechnung meist nur einen Theil des Risicos selbst tragen und bei großen Risken in der Regel nicht mehr wie zehn Percent der Versicherungssumme übernehmen kann, so muß sie den ganzen übrigen Theil bei ihrem Rückversicherer, der Urbaine, unterbringen, woraus folgt, daß das Gros der Prämien gerade bei der Riederö st erreich ischen L and es-Versichern ngsan st alt ins Ausland wandert. Aus der ersten Bilanz, welche die Anstalt veröffentlichen wird, wird man ersehen können, welcher Betrag.Ion 1>en in Niederösterreich eingenommenen Prämien auf diese Art nach Frankreich geht. Jedenfalls wird bei der von der Leitung des Instituts eingeschlagenen Methode eine Prosperität sehr erschwert, da von einer eigentlichen Gefahren- Classification nicht die Rede ist. Mehrere bedeutende Schäden können die Betriebsrechnung leicht passiv gestalten. Eine genaue Fixirung des Risicos, welches die Landesanstalt bei einzelnen großen Objecten übernimmt, ist aus dem Grunde nicht möglich, weil nicht bekannt ist, welchen Maximalbetrag die Urbaine von der Landesanstalt übernimmt. Zweifellos muß aber das Risico der Landesanstalt ein sehr hohes sein, da sie sonst nicht bestrebt wäre, andere Institute zu finden, bei denen sie Rückversicherungen vornehmen kann. Verschiedene deutsche Gesellschaften, an die man sich in der letzten Zeit mit dem Ersuchen um Rückversicherungen durch eine Mittelsperson wendete, haben unter Hinweis auf die Agitation, welche die Gründer der Landesanstalt gegen die Privatgesellschaften richteten, eine Geschäftsverbindung mit derselben abge^- lehnt. Nach dieser Absage dürste die Landes-Brandschaden- Bersicherungs-Anstalt nunmehr an belgische Versicherungs- Gesellschaften herantreten." Die antisemitische Majorität des niederöstcrreichischen Landtages hat sich bekanntlich auf die Gründung der in dieser Zuschrift gekennzeichneten Anstalt nicht wenig zugute gethan und diese Gründung wird als eine „socialpolitische" That der christlich-socialen Partei gefeiert. Die hier geschilderten Thatsachen rücken die Socialpolitik und den Patriotismus der Christlich-Socialen in eine für sie sehr beschämende Beleuchtung. Ei« Geschäftsantisemit. In Krejci's Budweiser Bierhalle in der Alserstraße fand am 3. d. M. Abends eine neuerliche Versammlung von Krankenpflegerinnen statt, welche bekanntlich zur Wahrung ihrer durch die Einführung von Nonnen auf einigen Kliniken des Allgemeinen Krankenhauses gefährdeten Existenz einen Verein constituiren wollen. Die Versammlung nahm einen fast stürmischen Verlauf. Ursache hierzu gab ein Herr Hohen st einer aus Groß-Jnzersdorf, der die Gründung eines „Fachblattes", sowie das Fernehallen von jeder politischen Tendenz in Vorschlag gebracht hatte. Schon nach den Ausführungen der Privatkrankenpflegerin Frau Elise Maier, die von diesem Ansinnen Hohensteiner's Mittheilung machte, erhob sich eine Opposition, die denn auch nach dem Referate der Arbeiterführerin L i p p e r zu lautem Ausdrucke gelangte. Herr Hohen st einer, der sodann das Wort nahm und sich in seinen Auseinandersetzungen einen Sozialdemokraten nannte, damit aber nur lebhaften Widersprüchen begegnete, wurde von dem nächstfolgenden Redner, Dr. G o l d b e r g , mit der Bemerkung zurückgewiesen, daß er (Hohensteiner) weder Sozialdemokrat, noch sonst freisinnig, sondern ganz einfach ein Geschäftsantisemit sei, der die Wärterinnenbewegung zu seinen eigenen Zwecken nach bewährtem Muster mißbrauchen wolle. Auch die Arbeiterführerin Frau L l P P e r sprach sich in ihren Schlußworten sehr scharf gegen den entlarvten antisemitischen Agitator aus. Unter dem Eindrücke dieser Abfertigung, welcher die Versammlung einhellig zugestimmt hatte, wurde diese nach 10 Uhr Nachts geschlossen. Eine clericale Gründung. In Salzburg beabsichtigt die Gräfin M. Th. L e doch o w s k a, General-Leiterin der Sti. Petri-Claves-Sodalität, die Gründung einer „apostolischen Druckerei in Maria Sorg". Zn diesem Zwecke hat die Gräfin eine Buchdruckerei-Concession erworben. Nun fehlt ihr, um diese Concession zu betreiben, nur noch das nöthige Geld. Um dasselbe für ihren frommen Zweck, die Seelenrettung von Negern und Negerkindern, welche im Wege der schwarzen Kunst Gutenberg's gefördert werden soll, herbeizuschaffen, hat die Gräfin an „alle Kampfgenossen für Christus" einen Gründungs-Prospect veröffentlicht, dem wir nach dem „Salzburger Bolksblatt" einige Stellen entnehmen. Es heißt in diesem Schriftstück: „Die erste Waffe in der Hand einer Kampf- und Agitations-Gesellschaft ist heutzutage die Presse, und die rationellste Weise, diese Waffe zu handhaben, ist die Errichtung einer eigenen Druckerei. In früheren Jahrhunderten gab es sogenannte Höllenmaschinen, welche Tod und Verderben um sich verbreiteten. Auch heutzutage gibt es viele geheime „Höllenmaschine n", d. h. Druckereien, welche das Gift des Gotteshasses in Gestalt glaubens- und sittenloser Flugschriften mnd Tractätlein bis in die entferntesten Alpenthäler tragen. Dem entgegen tritt nun die Sti. Petri- Claves-Sodalität mit einer „H i m m e l s m a s ch i n e" hervor — einer apostolischen Druckerei, welche sowohl zur Herstellung ihrer Missionsschriften, und zwar in möglichst vielen europäischen Sprachen, als auch zur Herstellung der von den Missionären übersetzten oder frei verfaßten Katechismen und Gebetbücher in den Negersprachen dienen wird. Ein doppelt herrlicher Zweck! Jedes in dieser Druckerei gedruckte Heftchen oder Buch wird selbst zum Missionär werden; so viele Lettern sich in unseren Setzkästen befinden, so viele Seelen der Schwarzen werden wir für den Himmel gewinnen können! Wer möchte an dieser Seelen-Ernte nicht theilnehmen, wer nicht Mitbegründer, Mitbegründerin werden eines so herrlichen Werkes? Jeder kann es, der durch Gebete und Almosen dazu besteuert." Da aber mit Gebeten und Almosen allein eine Druckerei nicht erhalten werden kann, führt * der Aufruf aus, was Alles die „apostolischeDruckerei" außer der bereits erworbenen Concession braucht, und fährt dann fort: „Uns stehen keine anderen Capitalien zur Verfügung, als unser felsenfestes Vertrauen auf die Hilfe Gottes. „Gott will es!" Und deßhalb wird das Werk gelingen — mögen die materiellen Schwierigkeiten auch noch so große sein. Darum: beigesteuert zur „apostolischen Druckerei!" Eine segensreichere Capitalisirung wüßte ich gar nicht als diese. Zudem kommt der Kreuzer, der für die Errichtung einer apostolischen Druckerei gegeben wird, weiß Gott, auch unserem Lande zugute. Denn jede Schrift, die zur Stärkung des katholischen Bewußtseins beiträgt, kehrt sich gegen die Feinde im eigenen Lande, die uns den Glauben entreißen wollen! Die kleinste Gäbe wird natürlich dankend angenommen. Wer es aber kann, der greife für eine so extra gute Gelegenheit doch einmal tiefer in die Tasche und ziehe daraus 10, 50 oder gar 100 fl. (auch mehr ist nicht verwehrt) ans Tageslicht. Als Andenken erhält ein solcher Geber eine Empfangsbestätigung in Form einer „Actie" von 10, 50 oder 100 fl. Von 50 fl. an wird man als Mitbegründer, als „Actio när" der Druckerei betrachtet; die Namen dieser großmüthigen „Actionäre" werden wir in eine Gedenktafel in der Druckerei in „Maria Sorg" eintragen —

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