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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-08-12 · 32 (12.8.1898) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
32 (12.8.1898)
Date
1898-08-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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xwstaa Nr. 32 Dr. Bloch s Wochenschrift Seite 59t schrift „The Studio" urtheilt darüber in ihrer Nummer vom 15. Juli 1898 wie folgt: „M. Alexander Charpentier stellt in der Sculpturabtheilung die Medaille aus, welche Emile Zola aus Anlaß seiner muthigen Haltung in der Dreyfus-Affaire gewidmet wurde. Es ist ein kleines Werk von erstem Range, welches des wohlbekannten Künstlers Geschicklichkeit auf der Stufe der Vollendung zeigt. Die Züge des großen Romanciers sind niemals besser wiedergegeben worden. Das Gesicht ist wunderbar ausdrucksvoll und voll Wahrheit und Leben." Ein schöner und werthvoller Trost in trüben Tagen! Die Verunglimpfung und Beschimpfung reicht an die Höhe des Verdienstes nicht hinan, aber die große, reine Kunst tntt ihm näher, um Liebe und Huldigung in Ehrfurcht darzubringen. I. Saschar. Die Religion und ihre Repräsentanten. Der jüdische Glaube ist die erste geoffenbarte Religion auf Erden Mit „I ch b i n der Ewige, D e i n G o t 1!" hat sich der einige und alleinige Gott der Menschheit am Sinaj geoffenbart, und was seit jenem wunderbaren Augenblicke noch weiter sich ereignet hat, ob Propheten geweissagt, ob Messiase Wunder gewirkt, oder ob noch andere Religionen entstanden sind — all das hat die geoffenbarte Religion vom Sinaj zur Grundlage. Es ist undenkbar, ja rein unmöglich, eine neue Religion zu gründen, ohne dieses Grundprincip, dieses höchste Ideal alles religiösen Denkens und Fühlens, dabei in Betracht zu ziehen. Die hellsten Denker und Geister aller Jahrhunderte haben sich mit der Ergründung der Wahrheit abgemüht, und nach eifrigem Forschen blieben sie bei der Wahrheit stehen, welche von Choreb's Höhen herab der Menschheit verkündet ward: „Ich bin der Ewige, Dein Gott, der Einzige, keiner mehr!" Damit ist allem Streben nach Er- .reichung eines höchsten Ideals ein Ziel gesetzt. Die Wahrheit ist eben nur Eine, und da diese einmal gefunden ist, so läßt sich eine zweite nicht mehr ausfindig machen. Dieses geoffenbarte göttliche Wort reicht auch für den geistig begab en Menschen vollkommen aus, um ihn jene Stufe erreichen zu lassen, über welche der Psalmsänger (Psalm 8.6) so schön und poettsch erhaben sich ausdrückt: „Du hast ihn deü Engeln wenig nachgestellt". Das ist nämlich der tugendhaft reine Mensch, das Ebenbild der Gottheit, der Abglanz der himmlischen Vollkommenheit. Was wäre das für eine Welt, von einer Bevölkerung solcher Menschen edelster Gattung bewohnt! Doch muß man mit gegebenen, nicht aber mit eingebildeten Größen rechnen, und man muß die Wett nehmen, wie sie ist und nicht, wie sie sein soll. Da also die Menschen in ihren: Charatter, in ihren Eigenheiten, Gewohnheiten, Tugenden und Lastern ganz verschieden geartet sind, so müssen dieselben ununterbrochen belehrt und erzogen werden, und dazu ist die Religion, die Bibel, das geeignetste Lehrbuch, und zu diesem Zwecke ist dieselbe zusammengefaßt und niedergeschrieben worden. Die Glaubenslehren, die Lehren über Moral und Sittlichkeit, über das Leben in und mit der menschlichen Gesellschaft, kurz Alles, was dm Menschen in seinem Dasein auf Erden beglücken, seinen Wohlstand fördern und erhöhen und ihn als hehres Wesen glückselig machen kann, ist in diesem Buche der Bücher Prägnant dargestellt. Doch eben der vielsagende Inhalt dieses Buches bedarf des eingehenden Studiums und muß für den Laien, soll derselbe daraus Belehrung schöpfen könnenauf leicht begreifliche und verständliche Weise erklärt werden. Daher denn auch schon in den prophetischen Büchern, sowie in den anderen heiligen Schriften viele Stellen der Thora erläutert dargestellt und dem Volke verständlich gemacht werdm. In weiterer Folge sind Lehrer erstanden, welche sich mtt der. Erklärung des Gotteswortes eingehend befaßt und ganze Bücher verfaßt haben, welche die Traditton von Moses bis zur Feststellung der Halachah und Agadah enthalten. So ist denn nach und nach in einem Zeittaume von mehr als dreitausmd Jahrm eine Literatur des jüdischreligiösen Wissens entstanden, in welcher neben den Disciplinen der Religion viel Wiffenswerthes aus allen Zweigen menschlichen Denkens und Erkennens enthalten ist. Sprachwissenschaft, Mathematik, Naturwissenschaft, Astronomie, Geographie, Geschichte, Heil- und Arzneikunde u. s. w. finden in diesen Werken ihre Vertretung. Wiewohl schon während des babylonischm Exils einzelne Männer sich mit den biblischen Schriften und ihrer Auslegung befaßten, so nahm eine allgemeine Belehrung des Volkes erst zur Zett, als der Schriftgelehrte Esra nach Palästina kam, ihren Anfang damit, daß er Uebersetzer des Bibelwortes in das aramäische Idiom anstellte, welche das Volk mit dem Inhalte des göttlichen Gesetzes vertraut zu machen berufen waren. Selbst in dieser chaldäischen Übertragung der Thora finden sich viele Erläuterungen der biblischen Vorschriften, welche als Tradition in der Gelehrtenwelt sich erhalten haben und von Geschlecht zu Geschlecht, von Lehrer auf Schüler überliefert worden sind. Diese Uebersetzung des Bibelwortes wurde in den gottesdienstlichen Versammlungen allwöchentlich am Montag, Donnerstag und Samstag dem Volke neben der Verlesung des Originaltextes vorgetragen und erhielt sich Jahrhunderte hindurch im Munde der Nation, bis dieser chaldäische Text der Bibel von einem derartig bestellten Meturgeman unter dem Namen „Uebersetzung des Onkelos" niedergeschrieben und damtt der Vergeffenhett entrissen wurde. Neben diesen Vorlesungen, welche in den Lehr- und Bethäusern der einzelnen Ortschaften Palästinas und Babylons vorgenommen wurden, errichteten noch auserlesene Männer anfangs kleinere, später größere Akademien, wo Lehrvorträge für Jünger der Wissenschaft im wetteren Sinne des Wortes gehatten wurden. Viele dieser Akademien erhielten ihren Namen von den Begründern derselben, welche auch während ihres ganzen Lebens an ihrer Spitze gestanden sind. Der einzige Beweggrund zur Errichtung und Erhaltung solcher Akademien war der religiöse Gedanke nnd die religiöse Wissenschaft, welche immer weitere Kreise erfaßte und in die Lehrstube heranzog. Die Lehrer und Meister der Wissenschaft hatten kein anderes Ziel vor Augen, als das religiöse Wissen zum Gemeingut der gesammien Nation zu machen. Weder Titel, noch Ehren, am allerwenigsten materieller Gewinn, schwebte ihnen bei diesem Unternehmen vor. Wir finden daher anfangs auch nur die Namen der bedeutendsten Gelehrten ohne jeden Titel, wie: Simon der Gerechte, Antigonos, Schemajah, Abtalion, Hillel, Schamaj u. f. w. — Der Ehrentitel „Rabbi", Lehrer, Mann des Wissens, kam erst später in Gebrauch, etwa um die Zett des Rabbi Jochanan ben Sakkai. Noch später wurde nach Sanhedrin, Fol. 13, die Semichah, eine Art Promotion, eivgeführt. In nachtalmudischer Zeit kam ein noch höherer Titel „G a o n" zur Geltung, welcher einen besonders hohen Grad von Wissen ausdrücken sollte. Manche wollen dieses Wort auf den Zahlenwerth seiner Buchstaben zurückführen und soll so viel bedeuten als: Einer, dem die sechzig Tractate des Talmud geläufig sind. So kam nach und nach eine Anzahl von Titulaturen in die Praxis. Der Titel „Morenu" (unser Lehrer) für die Würde eines Rabbiners kam nach Grätz um die Mitte des vierzehnten Jahrhunderts über Anordnung eines gewissen Meir von Wien in Gebrauch. Derselbe ordnete an, daß jeder Rabbiner zur Einsetzung in dieses Amt ordinirt werden müsse, und ohne eine solche Ordination, mit welcher der Titel Morenu verknüpft ist, sich Niemand mtt Trauungen und Scheidungen befassen dürfe. Uebrigens finden wir diese Bestimmung schon im Talmud: Ni sche’eno jodea betiw gitin wekidduschin lo jihjeh lo essek immohen. In neunter Zeit wurde es zur Regel, daß ein Rabbiner nur dann zum Amte zugelasseu

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