Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 31 (5.8.1898)
- Date
- 1898-08-05
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 31 Dr. Block'« Wochenschrift Seite 585 Das Leichenbegäilgiliß findet heute um 10 Uhr Vormittags aus dem Centralfriedhose statt. Wien. (Cäcilie Adler.) Eine jener erlesenen edlen Persönlichkeiten, welche ihre Zeit und Kräfte uneigennützig dem Wohle der Armen und Enterbten des Glücks widmen, die in weiten Kreisen bekannte Curatorin des Blindeninstituts auf der hohen Warte bei Wien, Frau Cäcilie Adler, beging am 3. d. M. in Carlsbad ihren 70. Geburtstag. Frau Adler, eine Schwester der Vorkämpferin der deutschen Frauenbewegung, Frau Lina Morgenstern, war bei der Gründung der Wiener Volksküchen, die nach dem Vorbild des von Frau Morgenstern ins Leben gerufenen gleichen Berliner Unternehmens stattsand, in hervorragender Weise betheiligt. Ganz besonders hat sie ihr Talent und ihre unermüdliche Arbeitskraft dem israelitischen Blindeninstitut auf der hohen Warte, dessen Curatorium sie seit mehr als 15 Jahren angehört, zu Gute kommen lassen. Wer kennt nicht die „Blinden-Sparkörbchen", deren ungeahnter Erfolg und beispiellose Popularität viele andere gemeinnützige Vereine und Institute veranlaßt hat, in den letzten Jahren ähnliche Sammlungsmethoden für ihre Zwecke anzuwenden? Nicht nur die Idee, glückliche, sehende Kinder zum Sparen für die armen Unglücklichen, in deren Auge kein Strahl des Lichtes fällt, anzuhalten, ist das Verdienst der Frau Adler, auch die praktische Durchführung und die vortreffliche Organisation des guten Werkes hat man ihr zu danken. Wie sie sich mütterlich um jeden einzelnen Zögling des Instituts sorgt und seinem Fortkommen auch noch nach der Entlassung aus der Anstalt ihr Interesse nicht entzieht, so wirkt sie auch für zahllose andere Arme, indem sie sich bemüht, ihnen durch Schaffung einer Existenz dauernd zu helfen. Auch als kunstsinnige Förderin echter Talente hat Frau Adler ihre glückliche Hand bewiesen. Kein Wunder, wenn die hochherzige Frau, die sich übrigens durch ihr kindliches Gemüth, ihre Empfänglichkeit für alles Interessante und ihre unermüdliche Arbeitskraft den jungendlicheu Sinn und eine wunderbare Elasticität bewahrt hat, bei Allen, die je mit ihr verkehrten, die höchste Achtung genießt. Das Curatorium des Blindeninstituts ehrte sie mit einer künstlerisch ausgeführten Adresse, die ibre großen Verdienste um die Anstalt in anerkennendster Weise feiert. Mögen der edlen Frau noch viele Jahre vergönnt sein, in vollster Gesundheit ihr segensreiches Wirken fortzusetzen. Wien. (Adolf Mautner.) Am vorigen Freitag fand hier das feierliche Leichenbegängniß des in seinem 53. Lebensjahre plötzlich dahingeschiedenen Religionslehrers der Wiener israelitischen Cultusgemeinde, Adolf Mautner, statt. Zn der Trauerfeierlichkeit hatten sich außer den tieferschütterten Verwandten viele Freunde und Amtsgenossen.eingefunden, ferner die Herren Religions-Schulinfpector Dr. L. Langfelder, Rabbiner 1. Breier, Secretär-Stellvertreter Dr. Emil Adler, N. Königsberger u. A. m. An der Bahre des seiner segensreichen Wirksamkeit so früh Entrissenen hielt im Aufträge des Vorstandes Herr Rabbiner Dr. Langfelder eine ergreifende Leichenrede, in welcher der Bildung und dem Charakter des verdienstvollen Schulmannes volle Anerkennung gezollt wurde. Am offenen Grabe feierte Religionslehrer Herr E. Fränkel den entseelten Freund und Collegen als gediegenen Pädagogen und musterhaften Lehrer und nahm mit bewegten Worten im Namen des Vereines der israelitischen Religionslehrer „Esra" rührenden Abschied von dem in ein besseres Jenseits Eingegangenen. Friede seiner Asche! Wien. (Ein patriotisches Unternehmen.) Anläßlich des Kaiser-Jubiläums ist von Seite der Staatsbehörden dem Herrn Moritz P l a t s ch e k, Mauthpächter in Wisch au, die Bewilligung zur Herstellung und zum Verkaufe einer Kaiserjubiläums-Erinnerungsmedaille für die öffentliche Schuljugend ertheilt worden. Herr P l a t s ch e k, ein mehrfach ausgezeichneter Veteran, wird die Erinnerungsmedaillen schon zum diesjährigen Kaiser-Geburtstage in Verkehr bringen und wir machen insbesondere die israelitischen Schulleitungen auf dieses patriotische Unternehmen aufmerksam. Die Medaillen sind in Bronce, Silber und Gold hergestellt und werden an einem schwarzgelben Seidenbande getragen. Sie zeigen auf der Aversseite das ausgezeichnet getroffene Portrait Sr. Majestät des Kaisers mit der Inschrift: „Zum 50jährigen Regierungs-Jubiläum — 2. December 1898", auf der Reversseite.das Bild des jugendlichen Erzherzogs Franz Josef vor dessen Regierungsantritte, mit der Inschrift: „Zur Erinnerung an die Feuertaufe zu St. Lucia — am 6. Mai 1848." Plankenstein. (E h r u n g.) Durch die Errichtung einer neuen Bezirkshauptmannschaft zu Melk, wohin auch Plankenstein zugetheilt wurde, ist auch die seinerzeit geschaffene Sanitätsgruppe Plankenstein-St. Georgen a. Leyß zerrissen worden, welcher in rühmlichster Weise als Gemeindearzt Dr. S. Thierfeld von Oberndorf Vorstand. Es wurde eine neue Sanitätsgruppe Plaukenstein-Texing-St. Gotthard-Kirnberg gegründet mir einem eigenen Gemeindearzt Dr. Bilgeri in Texing. Diese definitive Regelung trat mit 1.' Juli d. I. in Kraft. Da nun der beliebte Arzt Herr Dr. S. Thierfeld nicht mehr Gemeindearzt von Plankenstein ist, so konnte die Gemeindevertretung von Plankenstein auf keine andere Weise ihren Dank für die ärztlichen Bemühungen, ihre Anerkennung für sein langjähriges verdienstvolles Wirken zum Ausdrucke bringen, als daß sie ihm eine Adresse unter Glas und Rahmen am 21. Juli durch den Bürgermeister Franz Baumgartner mit den beiden Gemeinderäthen Josef Fischer und Franz Dollfuß überreichen ließ. In der Adresse heißt es u. A.: „Unvergessen bleibt es uns, daß Sie jederzeit hilfsbereit dem Rufe unserer Kranken folgten. Mit schweren Herzen sehen wir einen Mann von dem Posten als Gemeindearzt scheiden, der selbstlos und barmherzig seinem schweren Berufe mit seltener Opferfreudigkeit oblag und darum soll dies kleine Blatt nur ein schwaches Zeichen unserer dankbaren Anerkennung sein". Montag den 25. Juli sprachen in Oberndorf der Pfarrer und Schulleiter von Plankenstein beim Herrn Dr. Thierfeld vor, um ihm persönlich den Dank auszusprechen für alle seine freundlichen Bemühungen im Interesse der Kranken der beschwerlichen und weitausgedehnten Pfarre und des großen Schulsprengels. Prerau. Diese Woche trat der hiesige Oberlehrer Herr Abraham Pollak, Leiter der hiesigen deutschen Volksschule nach 39jähriger Thätigkeit in den Ruhestand. Anläßlich seines Scheidens wurden ihm mehrfache Ovationen zutheil. Saaz. (T r a u u n g.) Sonntag den 14. August l. I. findet im israelitischen Tempel zu Saaz die Trauung von Fräulein Friederike Epstein, Tochter des Herrn Adolf Epstein, mit Herrn Arnold R e i ch n e r aus Lomnitz, statt. Troppau. (Abiturienten-Commers.) Die jüdischen Abiturienten der Städte Bielitz, Brünn. Jägerndorf. M ä h r. - O st r a u, Mähr.-Weißkirchen, Olmütz, Teschen und Troppau veranstalten am 6. August d. I. im Drei-Hahnen-Saale zu Troppau einen Commers. Humpoletz. Das langjährige Mitglied der hiesigen Cultusgemeinde Herr Äkbert Kraus wurde vor einigen Tagen zu Grabe getragen. Mit ihm verlor die Humpoletzer israelitische Gemeinde ein sehr verdienstvolles Mitglied, dem stets ein ehrendes Gedenken gesichert bleibt. An dem Leichenbegängnisse nahmen neben überaus zahlreichen Trauergästen auch mehrere Vereine, die mit Fahne und Musik ausgerückt waren, so wie die Freiwillige Feuerwehr und der Veteranenverein theil. Budapest. (T r a u u n g.) Im Ofner israelitischen Cultustempel findet am 7. August die Trauung des Kaufinannes Herrn Ede M o s k o v i tz mit Frl. Fanny Pollak statt. Die Brautleute entstammen sehr achtbaren Familien aus Eperies und Kis-Marton. Berlin. Felix Dahn hat dem dahingeschiedenen Botaniker- Ferdinand Cohn folgenden poetischen Nachruf gewidmet: Die Blume, die meist geliebt, das war die Rose: Und Dir zum Heile hast Du sie gepflückt; Denn eine Rose, eine Dornenlose, Das Leben hat geschmückt Dir und beglückt. Der edlen Wissenschaft galt all Dein edles Ringen: Zur Wahrheit drangst Du durck mit hoher Kraft, Drum durftest um das weise Haupt Du schlingen Den Siegeslorbeer, der da heldenhaft. Du selbst warst sterblich. Doch Dein Lebenswerk unsterblich, Fortleuchtend wird es strahlen hellen Glanz: So schmückt Dein Grab unwelkend, unverderblich Der deutschen Forschung Jmmortellenkranz. Bad Nauheim. Dem behandelnden Arzt der hier zur Cur weilenden Kaiserin von Oesterreich, Herrn Dr. Schott, ist vom Großherzog von Hessen der Professortitel verliehen worden. Sarajevo. Die Tochter des hiesigen Cantvrs 3 i ng e r, Fräulein Pauline Singer, hat sich mit Herrn B^-la Adler verlobt.