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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-08-05 · 31 (5.8.1898) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
31 (5.8.1898)
Date
1898-08-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 582 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 31 werden, als daß ihre Leistungen von günstigem Erfolg gekrönt sein sollen. Ob der Knabe oder der Erwachsene, deutscher oder czechischer Jude ist, darunter leidet das Judenthum nicht, es leidet vielmehr an dem mangelhaften Religionsunterricht, und wenn ein Rabbiner-Lehrer das Einkommen eines k. k. Landesgerichtsrathes hat, ist es seine Pflicht, daß er sich durch Studium vollkommene Kenntniß der Sprache aneignet, die ihm seine glänzende Existenz bietet, um dann mit „Feuer und Begeisterung" den Kindern Religion vortragen und mit positiven Erfolgen sich rühmen zu können. C. Agram. In unserer reizenden Palmotiegasse erhebt sich seit Kurzem ein neues, schönes zweistöckiges Gebäude: das in dieser Woche fertiggestellte israelitische Gemeinde- und Schulhaus, welches am 1. September d. I. eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben werden wird. Für diesen Bau widmete die Agramer Stadtgemeinde, Dank der Fürsprache unseres Vorstehers, des Gemeinderathes Herrn Josef Siebe »schein, einen Vertrag von 10.000 fl. Wahrlich eine mit goldenen Lettern in die Geschichte unserer Cultusgemeinde zu verweisende hochherzige That. Die Mitglieder der Cultusgemeinde spendeten für den Bau nicht weniger als 33.000 fl., ein Verdienst des Oberrabbiners Herrn Dr. I a c o b i, der jedes einzelne Gemeindemitglied zur Subscription aneiferte. Unermüdlich wirkte ferner in dieser Angelegenheit Herr Vorsteher Siebenschein, indem er, als Ingenieur, sein Fachwissen und seine Zeit mit Hingebung und Schaffensfreude der Gemeinde zur Verfügung stellte und ihr dadurch in eigener Regie zu bauen ermöglichte. Endlich waren die Herrn Architekten Königsberg & Deutsch so gütig, ohne jeden materiellen Nutzen die Projecte auszuarbeiten und den Bau zu leiten. So ist das neue israelitische Gemeinde- und Schulhaus in Agram ein bleibendes Denkmal wahrhaft christlicher Munificenz und jüdischer Opferwilligkeit. Bukarest. Hier ist kürzlich durch ein jüdisches Comitö eine Handels- und Gewerbeschule eröffnet worden, welche eine große Lücke auszufüllen bestimmt ist. Die kleine Zahl von rumänischen Handels- und Gewerbeschulen nehmen jüdische Schüler fast gar nicht auf. In der neuen Schule, die von der Jewish-Colonisation-Afsociation 42.000 Frcs. Subvention erhielt, sollen 50 Schüler ausgenommen werden, darunter 20 vollkommen unentgeltlich. — In der Moldau gibt es eine Reihe von bedeutsamen Ortschaften, welche seit langer Zeit sich vergeblich um das Stadtrccht bemühen. Es wäre ihnen längst bewilligt worden, aber wenn dies geschieht, so könnten die Juden nicht mehr ausgewiesen werden und aus diesem Grunde allein verweigert man den großen Dörfern die Anerkennung als Stadt. — Es ging uns hier schon immer schlimm, und die Regierung wie das Volk suchten uns mit allen Mitteln zu drücken, seitdem aber der Antisemitismus in Frankreich so überhand genommen hat, glauben die hiesigen Judenfresser jeder Rücksicht überhoben zu sein. So wirken die Anfeindungen gegen unsere Glaubensgenoffen in Frankreich auf unsere Verhältnisse höchst ungünstig zurück. Berlin. Ein beliebtes Sujet antisemitischer Hetze sind von jeher die I u r i st e n mosaischer Confession. Die müssen es sich immer wieder gefallen lassen, durch die unsauberen Spalten judensrefferischer Blättchen geschleift zu werden, freilich ohne Schaden dadurch zu nehmen. Diese Arbeit besorgt soeben wieder einmal eine Hamburger Antisemitenzeitung, die sich „Deutsches" Blatt nennt. An der Hand einiger statistischer Zahlen, deren Richtigkeit wir, ohne sie zu prüfen, nicht anfechten wollen, wird dort über „das massenhafte Eindringen der Juden in die Juristerei" antisemitelt. Wie sich das bei böswilligen antisemitischen Ignoranten von selbst versteht, ohne auf die Ursachen dieser Erscheinung einzugehen. Mit Recht bemerken dazu die „Mittheilungen zur Abwehr des Antisemitismus": „Es ist dieser Gesellschaft natürlich nicht unbekannt, daß den Juden eine ganze Reihe von Berufen ganz, andere fast völlig verschlossen sind. Oeffentliche und private. Jawohl, auch private. Große Institute, Fabriken, Anstalten, deren Leiter sich schämen würden, in einem Athemzuge mit antisemitischen Demagogen genannt zu werden, treiben den sogenannten latenten Antisemitismus : sie halten ihre Betriebe „judenrein", wie es im antisemitischen Gaffenjargon heißt. Der Radauantisemitismus wird sich, wie jede Bewegung auf der Gasse, überleben, manche Leute behaupten, er habe schon den Höhepunkt überschritten. Gleichviel, er hat seine „Culturmission" erfüllt, er hat den latenten oder — deutsch gesprochen — den feigen, heuchlerischen Antisemitismus geschaffen. Der lehnt zwar nach außen aus Gründen der Reinlichkeit jede Gemeinschaft mit bein Parlamentsantisemitismus ab, aber im Geheimen besorgt er die Execution jener „Pionniere". Das „massenhafte Eindringen der Juden in die Juristerei" ist um so „gefährlicher", als die Juden gänzlich ungeeignet sind,, Richter oder Rechtsanwälte zu sein. So verkündet das „Deutsche" Blatt. Was qualificirt denn zum tüchtigen Richter? Gediegene Kenntnisse, Gerechtigkeitssinn, ein offener Sinn für das praktische Leben und liebevolles Eingehen auf das Vorbringen der Parteien. In allen diesen Punkten ist der jüdische Richter im Durchschnitte nicht um ein Deut mehr, aber auch nicht weniger begabt als der christliche. Die jüdischen Studenten recrutiren sich in überwiegend großer Zahl ans Kreisen, die nur so lange über Einkommen verfügen, als sie Erwerb haben. Ihr „Wechsel" ist ein sehr bescheidener, sie wissen auch, was sie, wenn sie ins „Philistertum" übertreten, nicht zu erwarten haben. Ihr Lebenslauf ist weniger „Lieb' und Lust", „Sauferei" und „Rauferei" als Vorbereitung zu ihrem Beruf. Protection und Connexion hat der junge jüdische Jurist nicht zu erwarten, im Gegentheil, Hindernisse auf allen Wegen. Jahrhunderte hindurch unter der brutalsten Ungerechtigkeit seufzend, weiß der Jude das köstliche Gut der Gerechtigkeit wahrlich nicht weniger zu schätzen als der Christ. Er sieht in jedem Mitmenschen den DiMschen, dessen Persönlichkeit er achtet, und dem er als Richter Verständniß entgegenbringt, nicht weniger als der christliche Richter, denn er hat die Nichtachtung der Persönlichkeit zur Genüge kennen gelernt. Er kennt die Bedürfnisse des kleines Mannes, er weiß, wo ihn der Schuh drückt, denn er lebt mit den kleinen Leuten, und keine Reservelieutenantsverpflichtungen trennen die Empfindungen des jüdischen Richters von dem kleinen Mann, der sein Recht sucht. Eine immer wiederkehrende Verleumdung ist die Behauptung, daß „jüdische Richter jedesmal, wenn unter den streitenden Parteien sich Stammesgenossen von ihnen befinden, ein lebhaftes Interesse zeigen, deren Angelegenheiten in ein günstiges Licht zu stellen und ihnen, soweit angängig, hilfreich zu sein — auch vielleicht ohne bestimmte Absicht." — Umgekehrt kann man in solchen Fällen, insbesondere unter der Herrschaft des Antisemitismus — zweifellos ohne bestimmte Absicht — das Gegentheil beobachten. Was soll man erst zu der verlogenen Schilderung des jüdischen Rechtsanwaltes seitens jenes Blattes sagen? Wir empfehlen dem Verfasser, sich seine Informationen bei diesem und jenem antisemitischen Rechtsanwalt zu holen, aber nicht in öffentlicher Versammlung, sondern im stillen Kämmerlein, und er wird da Manches hören, was er bisher noch nicht weiß oder nicht wissen will. Wir könnten mit einer ganzen Reihe jüdischer Namen aufwarten, die in hervorragender Weise die juristische Wissenschaft und die juristische Praxis befruchtet haben." Berlin. Der Wiener Correspondent der „Post" fällt ein recht ungünstiges Urtheil über die antisemitische Wiener Stadtverwaltung. Er schreibt: Man hat in jüngster Zeit viele erbauliche Dinge über die Wiener Stadtverwaltung gehört. Krasse Exempel von parteimäßiger Protectionswirthschaft und zuletzt Jndiscretionen über die angefaulte Moral gewisser maßgebender Stadtväter haben das Regime in Verruf gebracht. Aber am gefährlichsten dürfte der herrschenden Partei das Gasexperiment werden. Behufs Einlegung der neuen und Entfernung der alten Rohre müssen die Straßen im ganzen Weichbilde von Wien zwei- und dreimal aufgerissen werden. Schon diese permanente Verwüstung des Straßengebietes hat eine hochgradige Mißstimmung erzeugt, zumal in der dadurch finanziell hart getroffenen Geschäftswelt. Nun kommt auch der große finanzielle Mißerfolg dazu. Die Ablösung des der alten Gesellschaft gehörigen Rohrnetzes war um 14 Millionen Gulden zu erreichen, der Neubau wird mindestens 30 Millionen kosten. Und mm hat die Gemeinde auch den gegen die Gesellschaft angestrengten Proceß bezüglich der Straßenbeleuchtung der Vororte von Wien verloren. Durch das Urtheil des Oberlandesgerichtes ist in zweiter Instanz festgestellt, daß die Beleuchtungsverträge der Gasgesellschaft mit den ehemals selbständigen Vororten von Wien trotz der Vereinigung mit den inneren Bezirken fortdauern. Die ganze Rechnungsbasis, auf welcher die Errichtung des neuen städtischen Gaswerkes aufgebaut wurde, ist durch diesen verlorenen Proceß, dessen Ausgang von vorsichtigeren Leuten vorausgesagt wurde, in Frage gestellt, denn es handelt sich um ein Territorium von mehr als 10.000 Hektar, um nahezu ein Drittel des Gasconsums der künftigen städtischen Gasanstalt. Das so leichtblütig unternommene und in so verlockenden Farben dem Publicum geschilderte Unternehmen droht nun zu einer

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