Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 31 (5.8.1898)
- Date
- 1898-08-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 31 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 581 Correspondenzen. Wien. (Von zwei Congres sen.) In der Vorwoche haben in Wien zwei internationale Congresse: der Chemiker- und der Blindenlehrer-Congreß getagt. In beiden Congressen haben sich Juden als-Fachmänner rühmlich hervorgethan. Im internationalen Chemikercongreß war es Dr. A b e l e s, welcher sich trotz seiner Jugend durch seine strengwissenschaftlichen Ausführungen bemerkbar machte. In der Section VII griffen Dr. Böhm und Dr. K l i m o n t mit Erfolg in die Debatte ein; Dr. Lilienfeld (Wien) legte in der X. Section Verbesserungen der von ihm erfundenen Pflanzeneiweiß-Präparate vor. H. Keßler (Wien) hielt einen Vortrag über den Vergleich von Magnesium- und Aluminium-Blitzlicht. Aus dem Atelier P i e tz n e r wurden auf Protalbinpapier hergestellte Bilder producirt, die allgemeinen Beifall fanden. Selbstverständlich machen diese Citate keinen Anspruch auf Vollständigkeit. — Auch der internationale Blindenlehrercongreß gab unseren Glaubensgenossen Gelegenheit sich in hervorragender Weise auf fachlichem Gebiete zu bethätigen. Das unvergängliche Verdienst Wilhelm K l e i n's in Wien um die Ausbildung der Blinden für das Leben wurde rühmlich hervorgehoben. Am Schluffe der Sitzung hielt Director Heller (Wien) einen Vortrag über: „Heilpädagogische Momente des Minden-Unterrichtes." Der Redner führte aus: Die Minden-Pädagogik ist ein wesentlicher Theil der heilpädagogischen Wissenschaft; darin ist die Forderung begründet, die Bildung des Blinden, den Gesetzen der Wissenschaft folgend, eigenartig zu gestalten. Nur so könne der Blindenlehrer seine Sendung erfüllen, welche die Devise trägt: Besiegung des Unglücks durch die Liebe und die Lehre! Die nicht genug zu preisende Absicht, den Blinden durch Arbeit selbstständig zu machen, habe auf unterrichtlichem Gebiete zu einem Uebergewicht des Lehrmittels über die Lehrmethode geführt und an die Stelle eines natürlichen ein künstliches Unterrichts-System gesetzt, was den Principien der Heilpädagogik widerspricht. Durch die Blinden - Pädagogik kann ein psychischer Heilungsproceß herbeigeführt werden. Auf der grundlegenden Stufe des Unterrichtes müsse der Gegenstand selbst, das Lehrmittel, der nächsten Umgebung entnommen werden. Alle elementaren Erwerbungen des Blinden müssen den Charakter der Einfachheit tragen, Wort und Begriff müssen sich decken, und die Vorstellungsrichtigkeit muß durch Darstellung erwiesen werden. Der Umwandlungsproceß, den die Kenntnisse des Sehenden durch deren praktische Anwendung im Leben erfahren, müsse für den Blinden in seiner Schule wohl vorbereitet werden; der Blinde soll aber auch lernen, die Erkenntnisse, seine inneren Vorgänge, zu beobachten, um ihm eine innere höhere Welt und die Fähigkeit zu verleihen, sie aus sich selbst zu erneuern und auszubilden. Die Mitglieder des Congresses folgten diesen Ausführungen mit Aufmerksamkeit und Interesse und dankten dem Redner durch lebhaften Beifall. Wien. (Der Tod Bismarck's — im Inserat.) Ein journalistisches Unicum, das wohl ohne Beispiel in der Journalistik bleiben wird, finden wir in der Sonntagsnummer der „Ostdeutschen Rundschau". Der Altreichskanzler starb und nicht die „Ostdeutsche Rundschau" war es, die zuerst und in würdiger Form 'dies der Welt verkünden konnte, sondern die immer bestgehaßten „Judenblätter" bewiesen wieder einmal ihre glänzende Organisation und Rührigkeit. Die „Ostdeutsche Rundschau" war so überrascht von dem historischen Ereignisse, daß sie dem Tode Bismarck's keinen anderen Platz als — im Jnseratentheile, in Form eines Partezettels widmen konnte! Wien. Die Wiener Zeitung vom 23. d. M. berichtet: „Ueber das Erwachen einer industriellen Bewegung in Dalmatien finden wir in den dortigen Blättern interessante Notizen. Herr Alexander König, Chef der Wiener Firma Ludwig König und Sohn, hat eine mehrwöchentliche Reise ins Innere Dalmatiens unternommen, die man angesichts des geringen Interesses, das man bisher diesem Lande gegenüber an den Tag legte, geradezu eine Forschungs- und Entdeckungsreise auf wirtschaftlichem Gebiete nennen könnte. Es sei erwähnt, daß der unter dem Protectorate des Erzherzogs Franz Ferdinand und dem Präsidium des Grafen Johann H arr ach stehende „Verein zur Förderung der wirtschaftlichen Jnterreffen Dalmatiens" mit den Jnpuls zu dieser Reise gegeben hat, und daß, wie verlautet, der Herr Statthalter FZM. Edler v. David, dem das Land schon so vieles verdankt, auch diesen Bestrebungen ein warmes Interesse entgegenbringt. Dem an landschaftlichen Schönheiten ebenso wie an meist unerschloffenen natürlichen Hilfsquellen reichen Lande ist es zu gönnen, daß sich ein Großindustrieller gefunden hat, der die an Mühe, Zeit und Geld zu bringenden Opfer nicht scheut, um Dalmatien aus dem hundertjährigen Dornröschenschlaf zu wecken. Im Verlaufe von wenigen Wochen hat Herr Alexander König mit einer, sonst nur für amerikanische Schöpfungen charakteristischen Schnelligkeit und Energie Schachtanlagen, Straßen- und Häuserbauten in Angriff nehmen, maschinelle Betriebe einrichten und die Exploitation der nenerschloffenen Asphaltgruben von Bergoraz, beginnen lassen. Die Bedeutung der damit zusammenhängenden, für Oesterreich ganz neuen Industrien darf nicht unterschätzt werden, denn es handelt sich um einen Stoff, von welchem hündertausende von Meter-Centnern auch exportirt werden können. In drei großen Residenzen Europas liegen bereits Probepflaster aus diesem Producte, die sich vorzüglich bewähren. Es muß ja von jedem Patrioten mit Freude begrüßt werden, wenn neue Industrien in Oesterreich entstehen, namentlich solche, welche durch Production neuer Exportartikel unsere Handelsbilanz verbessern; doppelt erfreulich aber ist es, daß das thatkräftige Eingreifen des Herrn Alexander König gerade dem Lande Dalmatien zugute kommt; der Dank eines ganzen Landes ist solchen Männern gewiß, die als opferwillige Pionniere einer neuen Aera auftreten." Mähr.-Ostrarr. Die constituirende Sitzung des neugewählten Cultusausschuffes ergab folgendes Resultat: Es wurden gewählt: als Cultusvorsteher Herr Markus Straßm a n n, als dessen 1. Stellvertreter Herr Dr. Josef W e ch sb e r g, als dessen 2. Stellvertreter Herr Dr. Alois Hilf und als Cultusräthe die Herren: Moriz K r a s n y, Nathan L i ch t e n st e r n, Franz G roß, Hermann F r i e d l ä n d e r, Dr. Leopold K a tz e r, Ignaz Reiß und Profeffor Alois Schwarz. Sadska. (Böhmen.) Anläßlich des bevorstehenden 50jährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers widmeten: 1. Die israelitische Beerdigungsbrüderschaft zu Pristoupim in Böhmen: ,i) für ein zu errichtendes Landes-Siechenhaus für arme Israeliten in Böhmen 500 Kronen; b) zur Stärkung des (Kaiser Franz Josef I. - Regierungs - Jubiläums - Stiftung)-Pensionssondes für israelitische Lehrer, deren Witwen und Waisen 300 Kronen; 2. Der israelitische Betverein (Synagogen-Gemeinde) zu Sadska in Böhmen: für das erwähnte israelitische Landes-Siechenhaus 150 Kronen; für den erwähnten Pensionsfond für israelitische Lehrer, deren Witwen und Waisen 150 Kronen. Nebstdem widmete ein ungenannt sein wollendes Mitglied der letzter» Synagogen-Gemeinde für das Siechenhaus 200 Kronen. Kuttenberg. In der letzten Nummer der Oesterreichischen Wochenschrift ist einem Artikel von einem Herrn Ed. H. Spielmann über czechisch-israelitischen Religionsunterricht Platz gegeben worden, der mich zu folgender Erwiderung veranlaßt. Herr Spielmann, wie ich erfahre auch Lehrer und Rabbiner in Prelove spricht davon, daß das „sittliche Gefühlsleben" der jüdischen Kinder darunter leidet, wenn ihm der Religionsunterricht in czechischer Sprache vorgetragen wird; Gerade das Gegentheil würde das „sittliche Gefühlsleben" der Kinder schädigen, da dieselben eine czechische Erziehung genießen und ihnen daher n u r in ihrer Muttersprache die Religion und überhaupt jedes Wissen mit Erfolg beigebracht werden kann. Unwahr ist, daß es Mittelschüler gibt, die kein deutsches Wort verstehen oder sprechen können; abgesehen davon, daß die deutsche Sprache schon in den Volksschulen vorgetragen wird genießen die meisten Deutschen Privatuntericht und da würde Herr Spielmann dem jüdisch-deutschen Lehrer, wie er behauptet, das Deutsche mit Feuer und Begeisterung lehrt, sehr in's Gewissen greifen. Unwahr ist auch die Behauptung, daß durch Regelung der Cultusgemeinden das Interesse der Functionäre gefährdet erscheint, es sind in Böhmen allein in den 190 Cultusgemeinden mindestens 140 Lehrer zu Rabbinern allerdings mittelst „Dispens" ernannt worden, und diesen Herren geht es bedeutend besser, als dem wirklichen Rabbiner; Gehaltsansprüche machen sie dieselben und erhalten sie auch, weil man sie braucht, außerdem bleibt er der alte Lehrer, gibt Stunden rc. rc. und erzielt dadurch ein Einkommen von mindestens 2000 fl. wie es wenige wirkliche Rabbiner haben. Wahr ist vielmehr, daß die meisten Lehrer ohne Liebe und ohne Begeisterung ihres Amtes walten, daß sie mehr Werth darauf legen stets mit dem Titel „Rabbiner" angesprochen zu