Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 30 (29.7.1898)
- Date
- 1898-07-29
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 30 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 567 New-Jork", dessen Besitzer^ Herr Emil Baruch, sein vorzüglich geleitetes Etablissement zu einem Haus ersten Ranges gestaltet hat. Im Hotel „New-Aork" wohnen u. A. auch Frau Baronin Geza Splenge, Frau Gräfin Jeanne Marie de Bourmont, Excellenz Alexander Troubnikoff, Gouverneur und Kammerherr des Kaisers von Rußland rc. Am 21. d. M. wurde für den Herzog von Orleans und seine Gemahlin Frau Erzherzogin Maria Dorothea im Hotel „New-Iork" ein Abschiedsdiner zu vierzehn Gedecken bestellt. An demselben nahmen u. A. theil: Prinzessin Bourbon, Graf M o m g o m m e r y, Graf Grammont. Der Herzog sah sich veranlaßt, dem Wirthe Herrn Emil Baruch persönlich seine besondere Zufriedenheit über die exquisite Küche uud ausgezeichnete Bedienung auszusprechen und ertheilte ihm die Zusicherung, auch im nächsten Jahre, wenn er wieder nach Marienbad komme, sich recht oft als Gast im Hotel „New-Z)ork" einfinden zu wollen. Herr Baruch dankte hocherfreut für diese wohlwollende Anerkennung seitens des hohen Gastes. Vielleicht wird dieser Erfolg eines jüdischen Wirthes so manche unserer Glaubensgenossen intereffiren, die es für angemessen halten, den jüdischen Restaurants ihre Kundschaft zu entziehen, angeblich weil sie die Kost daselbst nicht vertragen können. Krakau. Die Bemerkungen der „Oesterr. Wochenschrift" über den Aufruf der galizischen Abgeordneten wegen Sammlung von Geldern für die Familien „der irregeleiteten Excedenteu" haben hier überall Anklang gefunden, doch möge dies nicht Abbruch thun unseren armen und bewußten Glaubensgenossen, und möge jeder ein Scherflein beitragen, um dem schrecklichen Elend abzuhelfen, mit dem ausdrücklichen Vorbehalt, daß es nur für die Juden bestimmt ist. — Wie bekannt, befinden sich die Synagogen in Galizien in einer trostlosen Lage; nun wird jetzt auf Grund des Gesetzes vom Jahre 1890 Ordnung in der Verwaltung derselben eingeführt werden. Dieser Tage fand nämlich in Krakau unter Vorsitz des Vicepräsidenten der hiesigen Cultusgemeinde eine Enquete der Synagogenvorsteher in Krakau statt, denen der Bicepräsident Hirsch Landau ein Musterstatut vorlegte und über welche sich die Vorsteher äußerten. Herr Hirsch Landau dankte zum Schluffe den Mitgliedern für die Theilnahme an der EnquZte und wird demnächst im Plenum des Vorstandes über diese wichtige Angelegenheit referiren. Eger. Der in Meran vor Kurzem verstorbene ehemalige Präsident des Egerer k. k. Kreisgerichtes, Herr Rudolf Englisch, hinterließ letztwillig der hiesigen Cultusgemeinde ein Legat von 100 fl., als Beitrag zur Anschaffung einer neuen Ampel für das ewige Licht im hiesigen Tempel. Hierüber berichtete der Cultusvorsteher Herr Max Gottlieb in der letzten Plenarsitzung des Vorstandes, und wurde über dessen Antrag der Dank für dieses edle Legat durch Erheben von den Sitzen und Verzeichnung in das Sitzungsprotokoll Ausdruck gegeben. Der Verstorbene war römisch-katholischer Confeffion. Neu-Sandee. Die Sturm- und Drangperiode der hiesigen Judenexcesse ist vorüber und die erregten Gemüther beruhigen sich allmälig. Es ist nun an der Zeit, das Versäumte nachzuholen und dem hiesigen Cultusvorstande den Dank auszusprechen dafür, daß er die jüdischen Interessen während der Exceffe mit Entschlossenheit und Energie vertheidigt hat. — Die jüdische Gymnasialjugend hat sich veranlaßt gesehen, angesichts dessen, daß im Gymnasium bis nun kein Religionsunterricht ertheilt wurde — trotzdem die nöthige Zahl der Schüler vorhanden ist — eine schriftliche Bitte an die Cultusgemeinde zu richten, in welcher sie den Wunsch ausspricht, Religionsunterricht zu genießen. Ich gebe den Wortlaut der Bitte (in deutscher Uebersetzung) wieder: „In den Zeiten, in welchen unser Volk unter dem Drucke Außen so schwer zu leiden hat, empfindet es auf jedem Schritt den Mangel an moralischer Kraft und Selbstbewußtsein und fühlt durch die Unkenntniß seiner Religion und seiner Geschichte, dieser Lebenskräfte, welchk das jüdische Volk durch Jahrhunderte gesogen und welche ihm seine Unsterblichkeit verliehen haben, den festen Boden unter seinen Füßen entrissen, in solcher Zeit fühlen wir desto schmerzlicher den Mangel an Religionsunterricht an unserem Gymnasium. Wir erlauben uns daher, Euch, die Vorsteher unserer Gemeinde, deren Aufgabe es ist. die Stärkung und Kräftigung des jüdischen Volkes im Kreise Eures Wirkens anzustreben und es in seiner geistigen Entwicklung zu ,ördern — besonders auf dem Gebiete des Judenthums, zu bitten, unseren Wünschen Gehör zu schenken und Religionsunterricht bei uns einsühren zu wollen. Die Zahl der Schüler überschreitet zwanzig. Es wäre also kein Hinderniß vorhanden und nur von Euch, dem löblichen Vorstände der Cultusgemeinde, wäre es abhängig, daß wir uns mit der Religion unserer Ahnen bekannt machen, um einem Lebenshalt für die Zukunft zu haben. Das Judenthum wird Euch Dank wissen, daß Ihr uns zu guten Söhnen unseres Volkes gemacht habet. Wir hoffen, daß Ihr uns erhören werdet. Wir sind bereit, alle Mittel anzuwenden, um unfern Wunsch erfüllt zu sehen." Hierauf folgen die tlnterschr'ften der Gymnasialschüler." Hoffentlich wird dem Wunsche der Gymnasialschüler nachgekommen werden. Berlin. (Strebsamer Nachwuchs.) In einem so überschriebenen Artikel einer süddeutschen Tageszeitung finden wir folgende, leider nur zu wahre Sätze: „Die jungen Leute von heute, welche durch äußeres Gethue, durch Formencultus und gespreiztes Wesen ihre Zugehörigkeit zur „feinen" Welt beweisen wollen, haben auch die antisemitische Bewegung mitgemacht. Und nicht blos der Mode wegen. Es ist ihnen nicht verborgen geblieben, daß in den Gesellschaftsschichten, die für sie den Gipfelpunkt aller Vornehmheit bilden, die Juden eine Heimstätte nicht erhalten haben. Es genügt für sie die Thatsache. daß die Armee keine activen Officiere jüdischen Bekenntnisses anfweist, um die Judenhetze oder die möglichst deutliche Nichtachtung der Juden ihnen als eine sehr „schneidige" Sache erscheinen zu lassen. D--r Jude gilt ihnen nach wie vor als der Paria der Gesellschaft. Und dieser Geistesrichtung, diesem Treiben der Streber, das einen tiefen Niedergang des inneren Werthes des nationalen Lebens anzeigt, erwächst neuerdings eine Hilfe aus einer Seite, von der sie am allerwelligsten sollte erwartet werden dürfen. Der große Reiz, dem eine wirkliche oder vermeintliche Zugehörigkeit zur feinsten Sahne der Gesellschaft auf die jungen Streber an sich ausübt, wirkt im verstärkten Maße auf einen Theil der studierten jungen Leute jüdischen Glauberrs. Sie übersehen vollständig, daß ihnen ihre jüdische Abstammung von den vornehmell Mitstreblingen ja doch nie vergeben wird und daß gerade sie sich doppelt und dreifach lächerlich machen, wenn sie ihre gesellschaftlichen Talente darin erschöpfen, es den „feudalen" Herren glücklich abzugucken, wie sie sich räuspern ilnd wie sie spucken. Das Neueste auf diesem Gebiete ist eine merkwürdige Art der Armverrenkung, die ein Handreichen nach berühmten Mustern darstellen soll. Es ist eine Kleinigkeit, aber es ist überaus bezeichnend. Wenn da der eine oder andere Jüngling von unverkennbarer Echtheit orientalischer Eigenschaften aus Nützlichkeitsgründeu sich der Taufe unterzogen hat und nun glaubt, den antisemitischen Urdeutschen in serviler Gesinnung womöglich um einige Pferdelängen vorauseilen zu sollen, so wird damit doch weiter nichts erreicht, als die Bestätigung der Nothwendigkeit, Ueüerläufer mit einem geringen Maße d.'r Achtung zic behandeln, und dieses Mindermaß der Achtung, das von der vollsten Nichtachtung nicht gar weit entfernt ist, treffen diese Ueberläufer zuerst auf Seiten ihrer neuen Bundesbrüder an, für die der neu evangelisirte Herr Reservelientenailt oder Referendar, dessen Vater ein ehrsamer jüdischer Kaufmann ist oder war, doch der „Jude" bleibt, trotz alledem und alledem. Diese faden, eitlen Gecken, die gerade das jüdische Ueberläuferthum in reicher Zahl vorweist, sie bilden eine Spielart der Streblinge, die der Culturgeschichtsschreiber umso weniger übersehen wird, da wir hier erst in den Anfängen einer Zeiterscheinung stehen, die bei einer längeren Dauer des gegenwärtigen Zustandes unseres öffentlichen Lebens uns noch mancherlei des Interessanten darbieten dürfte." Stadtoldendorf. Der hochbetagte Fabriks- und Gutsbesitzer E. Rothschild, dessen Denkschrift über ein „System einer Oekonomie des Wassers für das deutsche Reich" in Fachkreisen berechtigtes Aufsehen erregt hat, ist vom Reichskanzler Fürsten Hohenlohe durch folgendes Schreiben ausgezeichnet worden: Berlin, 25. Juni 1898. Geehrter Herr! Für die Uebersendung Ihrer Denkschrift über ein System einer Oekonomie des Wassers für das Deutsche Reich sage ich Ihnen meiiren Dank. Die in Ihrer Schrift ausgeführten Gedanken bilden den Gegenstand der eingehenden Erwägungen der Staatsregierung und ihrer berufenen Organe und Ihre Denkschrift, die aus treuer patriotischer Gesinnung hervorgegangen ist, wird für die im Gange befindlichen Arbeiten werthvolles Material liefern. Mit vollkommener Hochachtung Ihr ergebener C. Fürst v. Hohenlohe."