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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-07-22 · 29 (22.7.1898) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
29 (22.7.1898)
Date
1898-07-22
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 654 Dr. Vloch's Wochenschrift Nr. 29 interessanten Erinnerungen an die erste parlamentarische Versammlung in Oesterreich auch folgende Episode: Zum zweiten Bicepräsidenten des österreichischen Parlamentes, deffen 50. Gedenktag sich am 10. d. M. jährte, wurde der durch seine Rede am Grabe der Märzgefallenen populär gewordene Prediger- Isaak No6 Mannheimer durch Zuruf der Versammlung trotz seiner Weigerung gewählt. Der Professor der katholischen Religionslehre Abgeordneter Füster ries dem Gewählten zu: „Herr College, man wünscht, man will es!" welche Bemerkung von der Versammlung mit lebhaftem Beifalle ausgenommen wurde. Wien. (Todesfall.) Herr Moritz Schwarzmann hat einen empfindlichen Verlust zu beklagen. Am 12. d. M. entriß ihm der Tod ein hoffnungsvolles Söhnchen im achten ^bensjahre. Hiedurch sind die beiden hochangesehenen Familien Schwarzmann und Heit in tiefe Trauer versetzt worden. Die Zeichen der Theilnahme und des Beileids, welche aus den weitesten Gesellschaftskreisen zahlreich zum Ausdrucke kamen, mögen den schwerbetrübten Eltern und Großeltern ein lindernder Balsam sein. Wien. (Probepredigt.) Herr Rabbiner Dr. Max Schornstein aus Wagstadt hielt am Freitag Abends, den 15. Juli, im Ottakringer Tempel und Samstag Vormittags im Tempel in der Seitenstettengasse je einen Vortrag und erreichte mit denselben sympathische Wirkung und allgemeinen Beifall. Wien. Profesior Max Adler hat-seinen Landaufenthalt in Baden genommen und wird dortselbst während der Sommermonate seine Lehrthä'.igkeit mit Unterbrechung fortsetzen. Wien. (Spende für die Geplünderten in N e u - S a n d e c.) Von der renommirten Firma E. S. R o s e nt h a l's Erben in Wien-Fünfhaus haben wir den Betrag' von 20 fl. für die geplünderten Juden in N?u-Sandec erhalten, welchen wir seiner Bestimmung zuführten und für welchen wir dem edlen Spender im Napren der Unglücklichen danken. Wien. (Krankirungsmarken für ermäßigte Eilgutsendungen.) In dem amtlichen Verzeichnisse der Eilgüter, welche zu ermäßigtem Porto durch Frankirungsmarken befördert werden, befindet sich auch „Mazoth" (Osterbrode). Brürin. 18. Juli. (Todesfall.) Gestern ist der bekannte Inhaber der Holzhandlung in der Antonsgasse und Schöpfer der großen Dampfsägewerke und Holzwaarenfabriken in Raitz und Butschowitz, Herr David D r u ck e r, im 59. Lebensjahre nach langem Leiden gestorben. David Drucker blieb bis an sein Lebensende der schlichte und einfache Mann, der er im Anfang seiner Laufbahn gewesen. Er war in jungen Jahren aus seinem Geburtsorte Koritschan nach Brünn gekommen, wo er sich aus unscheinbaren Anfängen, durch unermüdlichen Fleiß, seltenen geschäftlichen Scharfblick, durch Rechtschaffenheit und Ehrenhaftigkeit zu einer Ehrenstellung aus dem Gebiete der Holzindustrie emporgearbeitet. Sein Verhältniß zu den Arbeitern war ein wahrhaft patriarchalisches und sein Streben war darauf gerichtet, daß auch seine Beamten diesen Geist nicht verleugneten. Die Leitung der Unternehmungen ist bereits seit Monaten auf die Söhne des Verstorbenen übergegangen. Olm»tz. In Markt Neugasse verstarb der Fabrikant und Hausbesitzer Heinrich Steiner nach kurzem Leiden im 77. Lebensjahre. Der Verblichene wirkte durch lange Jahre als Gemeinderath in der Gemeindevertretung von Markt Neugasse und wurde für seine dem Wohle und dem Aufschwünge der Gemeinde gewidmete rastlose Thätigkeit zum Ehrenbürger derselben ernannt. In kräftigster und anerkeunenswerthester Weise unterstützte Herr Steiner die freiwillige Feuerwehr in der Neugaffe, welche deffen viele Verdienste um das Blühen und Gedeihen des Instituts durch die Ernennung zum Ehrenmitgliede ehrte. Der Verblichene erfreute sich allgemeiner Achtung und Werthschätzung. Tobitschau. Durch das Hinscheiden der Frau Marie Steinschneider, Gattin unseres Cultusvorstandes Herrn Salomon Steinschneider, erlitt unsere Gemeinde einen herben Verlust. Der hiesige Frauen-Wohlthätigkeitsverein betrauert in der Dahingeschiedenen seine langjährige Präsidentin, welche mit seltener Opferfreudigkeit und Hingebung Zeit und Mühe diesem Ehrenamte widmete. Das Leichenbegängniß, an dem sich die gesammte jüdische und hervorragende Personen der christlichen Bevölkerung betheiligten, gestaltete sich zu einer impoianten Trauerkundgebung. Die von Herrn Cantor Weiß trefflich vorgetragenen Gesänge und der beredte Nachruf, welchen Herr Rabbiner Dr. Steinhardt aus Kojetein am Grabe sprach, wirkten wahrhaft ergreifend. Den trostlosen Hinterbliebenen, welche eine liebevolle Gattin und eine zärtliche Mutter verloren, wird allseitig wärmste Theilnahme entgegengebracht. Klattau. Am 31. d. M. werden Fräulein Elvira Wolf, Tochter Sr. Ehrwürden des Herrn Dr. M. L. Wolf. Rabbiner in Klattau, und Herr W. A. Stadler in Drosau im hiesigen Tempel ihre Vermählung feiern. Birovitica (Slavonien). Im Hause eines der geachtetsten jüdischen Bürger, der sich bei Juden wie bei Christen großer Beliebtheit erfreut, fand vergangenen Samstag eine schöne religiöse Feier statt. Der Sohn des Herrn Salomon Wohl, David Wohl, feierte nämlich sein Barmizwah-Fest, an dem sich mit Rücksicht darauf, daß der Barmizwah ein ausgezeichneter Schüler der hiesigen zweiclassigen Realschule ist und überdies mit einer außerordentlichen Begeisterung dem Studium unserer Religion obliegt, zahlreiche Kreise betheiligten. Große Begeisterung rief es unter den Theilnehmern an der Seudathmizwah hervor, als der Schüler der vierten Gymnasialclasse Hermann Weismann dem Barmizwah gratulirte und dabei in schwungvoller Sprache auf das Wohl der „geistigen Väter" der Schuljugend, der Lehrer nämlich, toastirte. Hierauf sprach sich der Director der hiesigen Schule, Herr Profeffor Grgoric"sehr anerkennend über die segensreiche Wirksamkeit unseres Rabbiners aus und rühmte dessen Thätigkeit, die dahin gerichtet ist, rn die Herzen unserer Schuljugend den Sinn für Ideales zu verpflanzen. London. Herr Julius Lunzer, 4. Wallace Road Canonbury, beging Samstag den 16. Juli die Confirmationsfeier seines Mohnes Hugo, aus welchem Anlaß der Familie aus zahlreichen Kreisen Zeichen der Sympathien zugekommen sind. Feuilleton. Der neue Oberamtmann. Erzählung aus dem dritten Viertel des XVIII. Jahrhunderts von S. Kohn, Verfasser von „G a b r i e l". Schluß. Der weise Kaiser Josef, damals in Oesterreich, nur Mitregent seiner Mutter Maria Theresia, hatte recht gehabt, die österreichischen Amtskanzleien arbeiteten etwas schneckenhaft. Der Kaiser hatte dem zweitgebornen Sohn des Brauschitzer Familianten Koppel Sohn des Chasim, zubenannt Leipnik, eine neugeschaffene jüdische Familie verliehen und die größte Beschleunigung empfohlen, aber es hatte doch nicht weniger als voller sieben Monate bedurft, bis Jakob das betreffende Decret erhielt. Die hohe Hofkanzlei hatte dies dem mährisch-schlesischen Landesgubernium notificirt; dieses hatte es dem Kreisamte intimirt, und dieses hatte dem Oberamte decretirt, den Erlaß dem Ueberglücklichen zuzustellen. Die Hochzeit wurde mit großem Jubel und unter warmer Theilnahme der gesammten mährischen Judenschaft in Nikolsburg, wo sich Leipnik niederließ, abgehalten, und der Landrabbiner Rabbi Gerson Pullitz selbst nahm die Trauung vor. Jakob Leipnik fand nun von allen Seiten Freunde und Gönner, die' ihn in seinem Geschäfte mit Rath und That unterstützten, und schon als ihm ein Jahr nach seiner Hochzeit ein Sohn geboren wurde, den er in dankbarer Erinnerung an den Kaiser Josef nannte, war er ein wohlhabender Mann und gelangte nach und nach durch Gottes Hilfe zu großem Reichthum. Veit Weritsch erlebte noch hohe Freuden; nicht nur, daß er sich durch das Glück seiner Tochter verjüngte, wurde ihm noch eine vollkommen unerwartete Freude. Leipnik hatte bei einer Geschäftsreise in Wien einen berühmten Augenarzt nennen hören, der in verschiedenen Fällen, bei veralteten Uebeln durch eine neuartige Operation völlige Heilung der Blindheit erzielt hatte. Er fuhr mit seinem Schwager Mosche nach Wien und

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