Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 29 (22.7.1898)
- Date
- 1898-07-22
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. L9 Dr. BloÄ's Wochenschrift Seite 553 unter denIuden i n R u ß l a n d" wurde „in Anerkennung ihrer Verdienste um die Hebung des Elementarunterrichtes bei den Juden" vom Ausschuß der Nischni-Nowgoroder Ausstellung die silberne Medaille zuerkannt. — In Kiew, wo vor einigen Jahren zwecks besserer Ueberwachung der dortselbst nicht wohnberechtigten Juden auf Rechnung der „Koscher-Fleisch- Steuer" eine Vermehrung der unteren Polizei-Organe erfolgt war, reicht die letztere für den obgenannten Zweck nicht mehr aus. Der neue Polizei-Präsident hat daher nach einer Mittheilung der „Kiewljanin" ein Project zur abermaligen Vermehrung der Polizei eingereicht, welche vermuthlich wiederum aus den Mitteln der „Koscher-Fleisch-Steuer" erfolgen wird, da ja diese Steuer für speciell jüdische Bedürfnisse bestimmt ist. Galatz, 11. Juli. Daß es in Rumänien trotz Allem um die Judenschaft noch immer besser bestellt ist, als in vielen Theilen Oesterreichs, die vom Antisemitismus geradezu verseucht sind, dürfte folgendes Vorkommniß beweisen: Anläßlich der heute stattgefundenen, hier üblichen alljährlichen Preisvertheilung au fleißige Schüler, wurde sämmtlichen vier Söhnen, im Alter von 8—14 Jahren, Schüler der II. Volksschulclasse, beziehungsweise der I., II. und IV. Gymnasialclasse, des in unserer Stadt hochgeachteten Mitgliedes der jüdischen Gemeinde Dr. L. Goldberger, der e r st e Preis zuerkannt. Der orthodoxe Bischof Parthenie beschied Herrn Dr. L. Goldberger zu sich und beglückwünschte den glücklichen Vater. London. Am Sonntag den 3. Juli fand in den Räumen des Board of Guardian die diesjährige Generalversammlung der Anglo Jewish Association statt. Der Vorsitzende Claude G. Montefiore verlas den bereits bekannten Bericht der Gesellschaft und zeichnete dann in längerer Rede ein Bild von den gegenwärtigen Zuständen der Judenheit. Obwohl Montefiore ein großer Optimist ist, so fiel doch seine Schilderung der Verhältnisse trübe genug aus. Unter den Ländern, deren Bedeutungen gegen die Juden aufgezählt wurden, nimmt sich England aus, wie eine Oase der Toleranz in der Wüste der Barbarei. Montefiore kam dann auf die verschiedenen Hilfsmittel zn sprechen, die man gegen die Judennoth vorschlage. Er erwähnte den Zionismus, um seine Gegnerschaft gegen diese Bewegung noch einmal zu betonen, besprach dann die Colonisationsversuche in den verschiedenen Ländern und schilderte die Thätigkeit der .Jewish Colonisation Association. Montefiore ist nicht für eine Colonisation in Palästina, sondern nur für eine solche im Westen der Welt, wenn die russische Judenfrage in Rußland selbst nicht gelöst werden kann. Bedauerlich bleibe nur, daß die geringe Unterstützung seitens der Allgemeinheit der englischen Juden die Wirksamkeit der Gesellschaft so beschränke. Nach einigen kurzen Worten T. D. Mocattas wurden dann die ausscheidenden Vorstandsmitglieder wiedergewählt. Der Oberrabbiner Adler nahm die Gelegenheit wahr, um sich ebenfalls gegen den Zionismus von H e r z l und N o r d a u, gegen den politischen überhaupt, zu richten und seine eigene glühende Liebe zu Zion auszudrücken/ In der ferneren Debatte theilte dann Hermann Landau mit, daß in Rußland insoferne eine Wandlung eingetreten sei, als man die Auswanderung der Juden nicht wie früher begünstige, sondern vielmehr erschwere. Er empfehle die Ansiedlung derselben in den britischen Colonien, besonders in Canada. Aus dem Baufonde wurden dann noch 30.000 M. zur Erwerbung eines eigenen Gebäudes der Schule in Bombay bewilligt. London. Mit gebührender Feierlichkeit wurde der neue „Rothschild-Flügel" der großen jüdischen Freischule, der größten der Welt, eingeweiht. Dieser Flügel ist, wie bekannt, von den Geldern erbaut, welche innerhalb der Londoner Gemeinde gesammelt worden sind, um Lord Rothschild ein Zeichen der allgemeinen Dankbarkeit zu geben, die er sich durch seine aufopfernde Thätigkeit im Interesse der jüdischen Angelegenheiten erworben hat. Das neue Gebäude hat beinahe eine halbe Million gekostet, wovon 380.000 Mark die Sammlungen ergaben, während die Frau Baronin Hirsch ein Geschenk von 100.000 Mark machte. Caleutta. Miso Mathilda Cohen ist die erste jüdische Dame in Indien, die sich die ersten akademischen Auszeichnungen erworben hat. Sie wandte sich an das indische Gouvernement um Zulassung als Advocatin. Nachdem dieses Gesuch von der Regierung abgelehnt wurde, hat sie jetzt in Rangoun eine Schule mit Unterstützung der Behörden eröffnet. die erste höhere Schule in der großen Hauptstadt der Provinz Birma. Algier, 1. Juli. Ein entsetzliches Vorkommniß offenbart in trauriger Weise, in welcher seelischen Verfassung sich die niederen Schichten der hiesigen jüdischen Bevölkerung infolge der fortgesetzten Judenhetze befinden. Ein gewisser Aaron Aboudemil, der durch die letzten antisemitischen Gewallthaten brotlos geworden ist, hatte vom jüdischen Consistorium Unterstützung verlangt, und, da die Mittel knapp sind, nur eine Kleinigkeit empfangen. Die Erledigung dieses Gesuches empfand er als Ungerechtigkeit und überfiel gestern Herrn Oberrabbiner Bloch in einem Pferdebahnwagen mit Messerstichen. Ein Consilium mehrerer Aerzte constatirte, daß der Dolch, der 12 Centimeter tief in den Rücken eingedrungen ist, glücklicherweise kein edles Organ verletzt hat, so daß eine baldige Genesung des Herrn Oberrabbiuers zu erwarten steht. Aboudemil gestand, sein Verbrechen im Zorn darüber begangen zu haben, weil das Consistorium ihm statt der verlangten 100 nur 10 Francs gegeben hatte. Er wollte mit den 100 Francs einen kleinen Hausirhandel anfangen, um seine fünf unmündigen Kinder ernähren zu können. Da er nur 10 Francs erhielt, so rächte er sich an dem Oberrabbiner. Oran. Hier hat sich ein seltener Zwischenfall abgespielt» Es existirt in Oran eine Krippe, ein sehr nützliches Institut, an dessen Verwaltung auch der hiesige Oberrabbiner theilnimmt, dessen Leiter jedoch ein enragirter Antisemit, Mr. Giraud, ist. Juden beanspruchen die Wohlthaten dieser Anstalten erfreulicher Weise gar nicht. Die Anstalt ist jetzt in Geldnöthen und Mr. Giraud beruft eine Borstandssitzung ein, um zu erwäge», wie man aus diesen Verlegenheiten kommt. In der Sitzung nun erhebt sich Oberrabbiner Netter und erklärt, er habe durch Vermittlung des Oberrabbiuers von Frankreich ZadokKahn 1200 Francs für die Krippe beschafft. Während die Vorstandsdamen applandiren. erhebt sich Giraud, um zu erklären, man dürfe die Spende von Juden nur annehmen, wenn die Geber ungenannt bleiben. Da aber bei der darausfolgenden Debatte Giraud in der Minorität blieb, verließ er den Saal mit der Erklärung, er werde seine Demission und eine Spende von 500 Francs einsenden. Die Demission kam, die Spende aber nicht, was Niemanden von einem Antisemiten überraschen wird. Vermischtes. Wien. (Verzeichniß der in der Zeit vom 12. bis 19. Juli 1898 eingelaufenen Spenden zudem aus Anlaß des fünfzigjährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers von der Wiener israelitischenCultusgemeinde herzu st eilenden Ausbau des israelitischen Altersversorgungshauses durch ein Versorgungshaus in Verbindung mit einer Krankenabtheilung): Je 50 fl. die Herren: Friedrich Pollak, Arthur Edler von Mises, k. k. Börsesensal Ignatz Gewitsch und k. k. Börsesensal Adolf Pichler. Ferner 10 fl. und darunter, zusammen 13 fl. 40 kr. die Herren Josef Eisenstädter, „Anonymus" und Dr. Jacob Löwinger. Wien. (Mitglieder des Jndustrierathes.) Der Handelsminister hat die Fabriksbesitzer kais. Rath Heinrich Klinger, Salomon Kohnberger, Julius Reich, Hermann Robitschek, N. Scheftel. Ignaz Zucker, Josef Dich und Sigmund Mandl zu Mitgliedern des Jndustrierathes ernannt. Wien. Aus Anlaß des 80jährigen Geburtsfestes des Rabbinats-Assessors Herrn Jakob Fleissig begab sich der Präsident der Wiener Cultusgemeinde, Herr kais. Rath Heinrich Kliuger, in Begleitung des Amtsvorstandes Wiener in die Wohnung des Jubilars, Baden, Helenenstraße 82, um denselben namens des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeiude zu beglückwünschen und ihm das Ehrengeschenk der Gemeinde, sowie eine Glückwunschadresse des Vorstandes zu überreichen. Präsident Herr kais. Rath Heinrich Klinger brachte dem Jubilar die Glückwünsche des Vorstandes in äußerst herzlicher Wärme und Innigkeit zum Ausdruck, worauf der Jubilar in bewegten Worten erwiderte. Wien. (Eine Erinnerung an Mannheimer.) Die „Neue Freie Presse" veröffentlicht unter anderen hoch-