Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 29 (22.7.1898)
- Date
- 1898-07-22
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 552 Dr. Bloch's Wochenschrifi Nr. 39 n oster, <zui dilexit nos et dedit coasolationein aetsrnam et spem dooam in graüa. exkortstnr corda vsstra et eonkrmet in omni opere et ssimone bono«. (Lpist. Pauli ad Thessalon. II, 6). Dr. S. Groß, Rabbiner". Auf dieses Schreiben langte eine ebenso lächerliche als insolente Antwort in czechischer Sprache ein, in welcher Herr Pater C. seine Verwunderung darüber ausspricht, daß man es „wage", an ihn ein Schreiben zu richten, er habe nichts Unrechtes gethan und man möge sich in solchem Falle an die Behörde wenden. Herr Dr. Groß hat daraufhin auch beim Herrn Bezirkshauptmann Baron von Fries vorgesprochen und auf die möglichen Folgen des hetzerischen Treibens des Pater C. in Mährisch-Mudorf hingewiesen. Der Herr Bezirkshauptmann, der sich bei dieser Gelegenheit über den Antisemüismus ganz unverblümt aussprach, faßte auch, Herrn Dr. Groß bestens für die Mittheilung dankend, die Sache durchaus nicht en bagatelle auf und versprach, der Angelegenheit sein Augenmerk zuzuwenden. Mährisch-Oirau. Das Ergebniß der in der Cultusgemeinde vorgenommeneu Wahl ist folgendes: II. Wahlkörper: Cultus-Ausschüsie: Franz Groß, Moriz K r a s n y, Adolf I m m e r g l ü ck, Jakob Berger, Benjamin Glücklich, Adolf Mannaberg, Dr. Alois Hilf, Moriz Fischer, Josef W e i ß l i tz, Josef Zänker. Ersatzmänner: Eduard Zweige nthal, Bernhard Krieger, Moriz Wechsler, Jul. Berger, Max Groß. Die Wahl des I. Wahlkörpers ergab als Cultus-Ausschüsie: Nath. L i ch t e n st e r n, Hermann Friedländer, Josef Spitzer, Dr. Leopold K a tz e r, Dr. Max Böhm, Dr. Emil Reick, Ignaz Reiß, Ignaz L i w e r, Prof. Alois Schwarz, Sigmund C z u e z k a. Zu Ersatzmännern wurden gewählt: Dr. Hermann Fuchs, Ingenieur Josef Popper, Josef Fuchs, Adolf Mannaberg, Emanuel Mandl. III. Wahlkörper: In den Cultus- Ausschuß wurden gewählt: Markus Straßmann, I. Wulkan, Jg. Wurzel, Dr. Josef Wechsberg, Philipp Förster, Jacob Lauser, Moriz H e i l l i u g e r, David K a ß l e r, Leopold Racher, Berthold Schwarz. Lverschetz. Im nächsten Jahre werden es 25 Jahre sein, daß Rabbiner Dr. Adolf S i d o n sein hiesiges Amt angetreten hat. Die Cultusgemeinde beabsichtigt, ihrem verehrten Seelsorger aus diesem Anlasse mehrfache Ovationen darzubringen. Herr Dr. S i d o n hat es verstanden, durch sein stilles, nur dem Wohle seiner Gemeinde gewidmetes Wirken die Sympathien aller seiner Gläubigen, sowie derjenigen, die mit ihm in nähere Berührung kamen, zu erwerben. Neutra. Im Schoße der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde herrschte bekanntlich wegen der Renitenz des hier bestehenden Vereines »Machazike-Thora« seit längerer Zeit eine arge Dissonanz, welche trotz der Nachgiebigkeit und Friedensliebe des Oberrabbiners und des Gemeindepräsidiums nicht beigelegt werden konnte, so daß sich die Gemeinde zur Retorsion entschloß und hierin von der Behörde unterstützt wurde. Nachdem jedoch Retorsion am allerwenigsten geeignet ist, um Beruhigung und Frieden herzustellen, langte Sonntag Herr Rabbiner Leopold Lipschitz, Präsident der orthodoxen Durchführungscommission hier an, dem es endlich gelang sämmtliche Gegensätze zu ebnen und den Frieden herzustellen. Der Verein wird nun in seiner Wirksamkeit nicht mehr beschränkt sein und wird von Seite der Glaubensgenossen gewiß wieder jene Unterstützung finden, die er kraft der propagirten Tendenz, die Verbreitung jüdischer Wissenschaft und die Abhaltung von religionswissenschastlichen Vorträgen, mit Recht, verdient. Berlin. Das Bureau des „Deutsch -Israelitische« Gemeindebundes" veröffentlicht nachstehende Mittheilung : „Je mehr sich erfreulicher Weise die Einrichtung jüdischen Religionsunterrichtes an den städtischen und königlichen höheren Schulen Preußens ausdehnt, desto stärker macht sich das Bedürfnis nach solchen jüdischen Religionslehrern geltend, die eine akademische Bildung empfangen haben und damit sowohl den Anforderungen der Schüler, als dem Bildungsstande der andersgläubigen Lehrer an jenen Anstalten entsprechen. Auf Veranlassung und mit Unterstützung des Deutsch-Israelitischen Gemeindwundes haben deshalb die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums, Lindenstraße 48—50, sowie das R a b b i n e r - S e m i n a r in Berlin, Gypsstraße 12a, unentgeltliche Vorlesungen für akademisch gebildete zukünftige Lehrer der jüdischen Religion eingerichtet, die mit dem Anfänge des nächsten Wintersemesters, also am 25. October, beginnen sollen. An der Lehranstalt werden lesen: 1. Herr Dr. B a n e t h: Pentateuch und hebräische Grammatik (2 Stunden wöchentlich), 2. Herr Dr. Maybaum: Bibelkunde (2 Stunden wöchentlich), 3. Herr Dr. Schreiner: Geschichte der Juden (2 Stunden wöchentlich). Persönliche Meldungen bei Herrn Rabbiner Dr. May bäum, W., Hinter der katholischen Kirche 1. (Sprechstunde 11—12.) Am Rabbiner-Seminar werden lesen: 1. Herr Dr. Wohlgemuth: Lectüre leichter historischer Stücke aus der Bibel, verbunden mit grammatischen Uebungen nach T. L,-Methode (3 Stunden wöchentlich), 2. Herr Prof. Dr. Barth (für Vorgeschrittene): Wissenschaftliche Grammatik, verbunden mit der Lectüre von Stücken aus den Propheten- und Hagiographen-Büchern (3 Stunden wöchentlich), 3. Herr Dr. Wohlgemuth: Uebersichtliche Darstellung aller noch heute geltenden Gesetze und Zurückführung derselben auf ihre Quellen (1 Stunde wöchentlich), 4. Herr Dr. H o f f m a n n: Geschichte des Zeitraumes von den Makkabäern bis zum Abschluß des Talmuds, verbunden mit Lectüre von Proben aus Mischna und Talmud (2 Stunden wöchentlich). Persönliche Anmeldungen bei dem derzeitigen Secretär des Seminars, Herrn Dr. I. Wohlgemuth, C., Rosenthalerstraße 40,111.'' Berlin, 19. Juli. Ein Berliner Hilfscomits für die Opfer der Judenunruhen in Westgalizien ist in der Bildung begriffen. Es soll gleichzeitig eine Centralstelle für die aus ganz Deutschland zu dem obgenanuten Zwecke einlaufenden Spenden sein und die gesummte Hilfsaction organisiren. — Eine der bekanntesten Persönlichkeiten Berlins, der königliche Commissionsrath Josef Lehmann, ist vorgestern auf dem israelitischen Friedhofe begraben worden. Fast sämmtliche Ministerien waren bei der Leichenfeier durch Beamte vertreten. Lehmann hatte im Kriege gegen Frankreich für die Verwundetenpstege so hervorragend und uneigennützig gewirkt, daß ihm Kaiser Wilhelm I. den Kronenorden III. Classe mit dem Johanniterkreuz und der Großherzog von Mecklenburg das goldene Verdienstkreuz verlieh. Paris, 20. Juli. Die „Aurore" veröffentlicht einen Artikel Zola's, worin dieser sagt, er habe über den im Proceß Dreyfus unterlaufenen Justizirrthnm keine großen Debatten Hervorrufen wollen. Die Regierung wolle verhindern, daß Licht in die Sache komme. „Ich will", sagt Zola, „daß der Cassationshof sich über mein Recht ausspreche, Beweise b e i z n b r i n g e n. Im nächsten October werde ich wieder vor meinen Richtern erscheinen und jenen Beweis erbringen, den man in den früheren Verhandlungen nicht zuließ". Paris. Die antisemitische „Libre Parole" gesteht zu, daß der berühmte Kanzelredner Pater H h a c i n t h e im April 1898 an E st e r h a z y folgenden Brief gerichtet hat: „Es ist kein Feind, der Ihnen schreibt. Sie tragen das Gewicht einer fürchterlichen Verantwortlichkeit. Eines Tages werden Sie vielleicht versucht sein, ihr durch Selbstmord zu entrinnen. Thun Sie es nicht! Selbstmord ist ein schlechter Ausweg. Das Geständniß, das er in sich schließt, wäre ohne Ehre für Sie, ohne Wirkung für Ihr Opfer. Gestehen Sie bei Lebenszeit, nicht im Tode! Gestehen Sie loyal und muthig, bekennen Sie laut vor Gott und vor der Welt die entsetzliche Verirrung, die Sie verleitete. Vor der Welt werden Sie ein Held, vor Gott ein Heiliger sein. Die Gutmachung wird größer sein als das Verbrechen; sie wird groß sein in der Geschichte, und, was noch mehr gilt, groß in der Ewigkeit. Ein treuer Freund Ihrer Seele, Hyacinthe Loyson." Petersburg. Aus Buenos-Ayres schreibt man dem „Woschod", daß an der dortigen Universität 7 russische Juden studieren, und zwar 6 Medicin (darunter ein Mädchen) und einer Jurisprudenz. Auch in den Gymnasien in Buenos-Ayres, Uruguay, Parana und Santa-Fe seien russische Juden in größerer Anzahl vertreten. — Bei den diesjährigen Maturitätsprüfungen im Gymnasium zu Shitomir entfielen von den 8 zur Bertheilung gelangten goldenen Medaillen 5 auf jüdische Schüler. Dabei bilden die letzteren, wie an allen russischen Gymnasien, bekanntlich nur 10 Percent der Gesammtzahl. — Der „Gesellschaft zur Verbreitung von Bildung