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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-07-22 · 29 (22.7.1898) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
29 (22.7.1898)
Date
1898-07-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. L9 Dr. Vloüi's Wockenschrifl Seite 551 so daß die Gesammtzahl der von der Stiftung im Laufe des Schuljahres 1896/97 subventionirten Handwerkslehrlinge 540 betrug. Die Erfahrungen, welche die Stiftung mit den Schülern der Gewerbe- und Fachschulen gemacht hat. waren nicht aufmunternd, um neue Stipendien für diese Zwecke zu gewähren. Es mußten beispielsweise Absolventen der Lemberger Staatsgewerbeschule behufs Erlangung des Freispruches erst auf eine mehrjährige Lehre bei Handwerkern untergebracht werden. Ausnahmsweise wurden 6 Frequentanten der Fachschule für Holzindustrie in Kimpolung Stipendien gewährt; ferner wurde für einige Schüler des t f. Technologischen Gewerbemuseums in Wien das Schulgeld bezahlt. Bon den 14 in der Gärtuerschule in Ahlem bei Hannover untergebrachten Stiftungszöglingen haben 6 mit Ende des Schuljahres den Lehrcurs absolvirt. Von diesen fanden als Gärtnergehilfen Unterkunft und zwar: zwei bei der Frau Baronin von Hirsch auf dem Gute Rossitz, einer bei der Frau Baronin von Rothschild in Frankfurt und zwei andere ebenfalls in Frankfurt. Der sechste ist zu seinen inzwischen nach Amerika ansgewanderten Eltern gereist. Die Unterbringung dieser Zöglinge stößt auf mannigfache Schwierigkeiten, so daß das Curatorium sich bestimmt sah, vorläufig die Aufnahme weiterer Zöglinge für Ahlem zu sistiren. Es wurde bereits im vorjährigen Jahresberichte hervorgehoben, daß es wünschenswerth wäre, ein eigenes Gut zu erwerben, um Stiftungszöglillge zu bäuerlichen Landwirthen heranzubilden, daß aber die Stiftung keine Mittel für solche Auslagen besitze. Das Curatorium hat sich nun. um der Lösung dieser so überaus wichtigen Aufgabe in irgend einer Form näher zu kommen, mit der Jewish Colvnisation Association in Verbindung gesetzt, und ist Hoffnung vorhanden, daß mit Hilfe dieser Gesellschaft diese lang gehegte Absicht verwirklicht werden dürfte. Im abgelaufenen Schuljahre hat das Curatorium durch den Austritt des Herrn Philipp T h o r s ch, der aus Gesundheitsrücksichten das Ehrenamt eines Curators niederlegte, ferner durch das Hinscheiden des Herrn Hofrathes Josef M. Ritter v. Pfeiffer zwei Mitglieder verloren, welche demselben seit dem Jnslebentreten der Stiftung angehört und mit regem Interesse und mit ihren reichen Erfahrungen die Sache der Stiftung förderten. An Stelle des Erstgenannten wurde Herr Theodor Cohn und an Stelle des Letzteren Herr Dr. Paul H a m m e rschlag ins Curatorium cooptirt. Salzburg. Unter dem Schlagwort „Ein Bubenst ü ck" schreibt das hier erscheinende, echt freisinnige „Salzburger Volksblatt" in seiner Nummer vom 19. Juli: Wie man uns berichtet, wurden in der letzten Nacht die sämmtlichen Fenster des Leichenhauses am israelitischen Friedhofe in Glasenbach von bübischen Händen eiugeschlagen, ebenso das schmiedeeiserne Gitterthor schwer beschädigt und überdies das Schloß desselben in nicht wiederzugebender Weise besudelt. Es wäre wirklich zu wünschen, daß man der Thäter habhaft würde, damit sie der ihnen gebührenden empfindlichen Strafe zugeführt werden könnten. Jedenfalls sind es rohe Patrone, welchen nicht einmal die Stätte der Todten heilig ist. Wie wir hören, ist man ihnen auch bereits auf der Spur. Der israelitische Kranken- und Beerdigungs-Verein „Chewra-Kadischa", welcher durch die Verwüstungen empfindlich geschädigt erscheint, sichert demjenigen, welcher zur Ergreifung der Friedhofschänder beiträgt, eine Belohnung von zehn Gulden zu. Brünn. Sanitätsinspector Dr. Salomon Spitzer beging jüngst das fünfundzwanzigste Dienstjubiläum, aus welchem Anlaß derselbe vielseitig beglückwünscht wurde. Brünn. Der Vorstand der Cultusgemeinde hat zur Unterstützung der nothleidendeu Glaubensgenossen in Galizien den Betrag von 500 fl. aus Gemeindemitteln votirt. Die Vorstandsmitglieder Herr Präses-Stellvertreter Jnspector Eppler und Herr Alois Witrofsky haben sich mit gewohnter Selbstverleugnung der Mühe unterzogen, zu demselben Zweck eine Sammlung einzuleiten, deren Ergebniß bis jetzt bereits über 12OO fl. beträgt. Lundenburg, 20. Juli. Seit etwa einem Jahre treibt in dem eine Stunde von hier entfernten Mährisch-Neudorf ein Caplan sein Unwesen als antisemitischer Wauderprediger. Derselbe hält unter der Patronanz eines hiesigen czechischen Advocaten auf den Dörfern des Bezirkes Versammlungen ab, in welchen weidlich auf die Juden geschimpft und zu deren Boycottirung unter dem Schlagworte »swui k’swemu« aufgefordert wird. Nachdem derartige Hetzreden den auf dem Lande vereinzelt lebenden Juden, die ohnehin schwer unter der Zeiten Ungunst zu leiden haben, leicht, wie in Galizien, gefährlich werden können, richtete unser verehrter Herr Rabbiner Dr. Groß an den famosen Priester das folgende Schreiben, um ihm die Consequenzen seiner Thätigkeit vor Augen zu führen und den Standpunkt klar zu machen: „Sr. Ehrwürden Herrn Pater C.in Mährisch. Neudorf. Sie haben, Herr Pater, gewiß von den bedauerlichen Excessen der bäuerlichen Bevölkerung in Galizien gelesen. Hunderte armer Menschen, urtheilstose Werkzeuge verhetzender Elemente werden nun ihre That schwer büßen müssen. Die Urheber ihres Unglückes jedoch, Weltbeglücker Stojalowski und Consorten, lachen sich ins Fäustchen und schroten die Früchte ihrer zielbewußten, schändlichen Saat für ihre politischen Zwecke aus. Sie, mein Herr, müssen das Schriftwort: „Wer Wind säet, wird Sturm ernten" (Hvs. 8, 7) als Theologe ja wohl kennen, scheinen aber trotzdem nach dem zweifelhaften Ruhme des ehrgeizigen, galizischen Priesters und Agitators zu geizen, denn Sie haranguiren gleichfalls die bäuerliche Bevölkerung und bemühen sich in gleichem Sinne wie er. Seit längerer Zeit schüren und Hetzen Sie nicht nur in Nendorf, sondern in der ganzen Gegend und streuen giftige Saat gegen die Juden aus. Es wird jedoch jeder einzelne Ihrer haßgeschwollenen Aussprüche zum Zwecke der Abwehr gesammelt und festgestellt. Jüngst waren Sie — durchaus nicht in christlich-seelsorgerischer Absicht — auch in Landshut, sprachen in einer behördlich nicht gemeldeten Versammlung und logen den Bauern von allerlei Missethaten der Juden, von ihrem Betrüge und ihren Schätzen, ganz ä la Stojalowski,vor. Welches sind eigentlich I h r e Z i e l e und Zwecke? Sie gedenken offenbar durch Ihr antisemitisches Treiben eine Rolle zu spielen, wollen, ein echter Streber, sich über ihre humanen Mitpriester erheben, herostratischen Ruhm erwerben und von sich reden machen. Ein Priester der Religion der Liebe, ein Priester der Kirche, welchen die Charitas erstes und heiligstes Gebot ist, reizen Sie in Ihrem wütheuden Jndenhasse die Bevölkerung zu gleichem Hasse, wühlen die niedrigen Jnstincte und Leidenschaften jener Armen im Geiste auf, die Ihre egoistischen Zwecke nicht durchschauen, werden sich aber wohlweislich zurückziehen und, nach bewährten Mustern, nichts wissen wollen, wenn ihre Hetzreden fruchtbaren Boden gefunden und in der Gegend Brand, Raub und Plünderung wüthen werden. Sie werden dann gewiß auch, wie der ehrenwerthe P. Stojalowski in salbungsvollen Reden sich ergießen. Sie vergessen ganz, daß diese armen Dorfjuden, die Sie so hassen, die Sie tödten, oder mindestens wirthscbaftlich vernichten und in Ihrer christlichen Liebe zu Bettlern machen möchten, die Verwandten Christi und die Nachkommen der Apostel, daß es, abgesehen davon, stille harmlose Menschen sind, die das Recht haben, linangefochten zu leben und ihrem Erwerbe nachzugehen und daß gegen deren etwaige wirthschaftliche oder andere Ausschreitungen die Staatsgewalt mächtig genug ist! Wie kommen Sie dazu, unberufenermaßen in deren Machtsphäre einzugreifen, haben Sie ja als Priester andere, edlere, wahrhaft christliche Aufgaben zu erfüllen? Unterrichten Sie die Jugend in den schönen Lehren Ihrer Religion, lehren Sie als Jünger und Diener Christi Sanftmuth, Milde und Liebe gegen die Nebenmenschen, streuen Sie Saaten des Guten aus und Sie werden als Priester zum Segen gereichen. Ich, der Gefertigte, bemühe mich in diesem Sinne, nach meinen schwachen Kräften, weit länger als ein Bierteljahrhundert und finde in solchem Streben vollauf Befriedigung des Herzens, »homo sum et nihil a me humani alienum puto«. Und doch ist Ihre Lage von der meittigen so grundverschieden, ja entgegengesetzt, denn »maledicimur et benedicimus. persecutionem patimur et sustinemus, blasphemamur et obsecramus*. (Epist. Pauli ad Corinthios IV, 14). »Non ut confundam vos, haec scribo, sed ut vos moneo (ibid). Lesen Sie, mein Herr, anstatt der antisemitischen Sudelzeitungen fleißig die Evangelien, die Apostelbriefe, die Kirchenväter und Sie werden dann anders denken lernen. Die Liebe, der Friede und die himmlische Wahrheit werden dann in Ihr Gemüth einziehen und der niedrige Haß daraus entweichen. Hoffentlich werden Sie das ungesetzliche, unchristliche, eines Priesters ganz und gar unwürdige Hetzen gegen die Juden aufgeben, man müßte Sie sonst zu den falschen Priestern zählen und damit nicht unsägliches Unheil wie in Galizien in dieser Gegend durch Sie entstehe, an Ihren humanen, hochwürdigen Bischof appelliren, der bekanntlich ganz anderen Sinnes ist, als Sie. »Ipse autem Deus et pater-

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