Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 29 (22.7.1898)
- Date
- 1898-07-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 550 Dr. Bloch's Wochenschrift Sir. 29 wesenden Obmann-Stellvertreter des Bau-Comitäs Herrn Ober- Ingenieur von Mises, seine unausgesetzte Aufmerksamkeit der 'Beschleunigung und rechtzeitigen Vollendung der Renovirungsarbeiten im Leopo^dstädter Tempel zuzuwenden. Herr Dr. Maximilian Steiner referirt über Verleihung von Stiftungen: Aus der Anselm Freiherr von Rothschild'schen Stiftung für Waisen werden conform den Präsentationsvorschlägen des Herrn Baron Albert Rothschild 21 Plätze per je 100 Gulden verliehen. Ms der Benedikt Karplus Gewerbeschüler-Stiftung gelangen 2 Plätze per je fl. 25 zur Verleihung. Herr Obmann-Stellvertreter Dr. Maximilian Steiner referirt namens der ll. Section über Vorschläge, betreffend die Berfaffung eines Lehrbuches für den Unterricht in der jüdischen Geschichte an Mittelschulen. Nach längerer Debatte wird, angesichts der auseinandergeherrden Meinungen, unter Hinweis auf die besondere Wichtigkeit dieses Gegenstandes die Beschlußfassung über denselben bis zu einer im Monate September stattfindenden Plenarversammlung vertagt. Ueber Referat und Antrag des Herrn Dr. Spitzer wird die Annahme des Bernhard Pechkranz'schen Legates behufs Errichtung einer Kaddischgebet-Widmung beschloffen. Weiters referirt Herr Dr. Spitzer über ein von Frau Jda von Gutmann und Herrn Max Ritter von Gutmann aus Anlaß des 50jährigen Regierungs-Jubiläums Sr. Majestät des Kaisers zu errichtende Wilhelm Ritter von Gutmann'sche Kaiser-Jubiläums-Stiftung mit einem Stiftungscapitale von fl. 20.000 zum Zwecke der unentgeltlichen Aufnahme von hilfsbedürftigen Knaben in den Verein zur Förderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten, welchem die Verwaltung dieser Stiftung laut Stiftbrief zustehen soll. Ueber Antrag des Referenten wird der im Stiftbriefentwurf enthaltenen Bestimmung der eventuellen Uebernahme dieser Stiftung in die Verwaltung der Cultusgemeinde die Zustimmung des Vorstandes ertheilt. Nach Erledigung der Tagesordnung macht der Präsident die Mittheilung, daß er sich aus Gesundheitsrücksichten bemüssigt finde, demnächst einen mehrwöchentlichen Urlaub anzutreten, und daß für die Zeit seiner Abwesenheit Herr Vice-Präsident Dr. Gustav Kohn die Leitung der Präsidialgeschäfte übernehmen werde. Schluß der Sitzung 8 Uhr Abends. Baron Hirsch - Stiftung. Vom Curatorium der Baron Hirsch - Stiftung zur Beförderung des Volksschulunterrichtes in Galizien und in der Bukowina erhalten wir den Bericht für die Zeit vom 1. September 1896 bis 31. August 1897. Am 1 September 1896 wurden 5 neue Stiftungsschulen eröffnet, und zwar in Jalstonow, Jezierna, Skole, Tysmienica und Bojan (Bukowina), so daß im Schuljahre 1896 97 die Zahl der Stistungsvolksschulen von 35 auf 40 stieg. Bei der Mswahl dieser Ortschaften ivar, wie in früheren Fällen, die äußerst schwache Schulfrequenz und das große Bedürfniß nach Errichtung von Stiftungsschulen maßgebend. Die Einschreibungen in diese neu eröffneten Schulen ergaben 465 Schüler. Die Frequenz in diesen neuen Schulen war durch das ganze Schuljahr eine vorzügliche. Die Jnspectionsberichte lauteten sehr befriedigend. In den Ortschaften Jabtonow, Jezierna, Bojan wurden die für Schulzwecke bereits adaptirten Realitäten, nachdem sie sich seinerzeit als sehr geeignet und preiswürdig erwiesen, die Miethe aber eine verhältnißmäßig sehr hohe war. von der Stiftung angekaust. Die übrigen Stistungsvolksschulen haben durch Zuwachs der Frequenz zum großen Theile Erweiterungen durch Eröffnung von Parallelclaffen sowie höheren Jahrgängen erfahren. Parallelclaffen mußten eröffnet werden in Stanislau, Kolomea, Buczaz und Horodenka. Durch die Eröffnung höherer Claffen wurden folgende Stiftungsschulen erweitert: Neu-Sandec, Gwo-dziec, Delatyn, äniatyn, Koztow, Gliniany, Gotogöry, Ottynia, Obertyn, Pomorzany, Dukta, Dqbrowa, Zaleszczyki, Sadagüra, Chrzanow, Rozwadow, Zatos'ce, Zborow. Was die älteren 35 Sttstungsschulen anbelangt, so wurden in dieselben mit Beginn des Schuljahres 1896/97 6200 Kinder eingetragen. Die Schulen werden nicht blos von Kindern ihres eigenen Ortes besucht, und kommt es nicht selten vor, daß Kinder täglich aus einer Entfernung von 5—7 Kilometer die Stiftungsschule besuchen. Die Stiftungsschulen haben selbst jene Kreise gewonnen, welche schon wegen ihres Berufes von Anfang an zu den erbittertsten Gegnern zählten, nämlich die Cheder-Jnhaber und deren Gehilfen. Die ersteren schicken ihre Kinder zahlreich in die Stiftungsschulen und die letzteren, bereits im reiferen Jünglingsalter, bilden ein nicht geringes Contingent der Schüler der Abendcurse für Analphabeten. Bezüglich der Leistungen der Stiftungsschulen sind die periodisch einlaufenden Berichte, sowohl der behördlichen als auch der Stiftungs-Jnspectoren, darüber einig, daß sie im Allgemeinen vollkommen befriedigende, in einzelnen Schulen geradezu musterhafte seien. Neben dem Volksschulunterricht und der sittlichen Erziehung wird in den Stiftungsschulen mit allem Nachdrucke die Erziehung zur körperlichen Arbeit als Vorbereitung für das Handwerk angestrebt und dieses wird durch den Handfertigkeits- Unterricht (Slöjd), welcher fast an allen mehrclaffigen Stiftungsschulen von eigens hiezu ansgebildeten Stiftungslehrern ertheilt wird, erzielt. Dieser Handfertigkeitsunterricht umfaßt Tischler-, Drechsler- und Cartonnage-Arbeiten. Mit der Vermehrung und Erweiterung der Schüler wuchs die Zahl der Lehrer, so daß der Status im Schuljahre 1896 97 gegen den vom Vorjahre um 21 gewachsen ist, und sind fast sämmtliche Nenangestellten aus den galizischen Lehrerbildungsanstalten, welche sie mit Hilfe von Stiftungsstipendien absolvirt haben, hervorgegangen. Die Stiftungsschulen, welche, wie selbstverständlich fast durchwegs in schulfeindlichen Orten gegründet wurden, haben in den wenigen Jahren ihres Bestandes die ebenso überraschende, wie erfreuliche Wirkung hervorgebracht, daß sie selbst in den entlegensten Kreisen, welche sich aus hergebrachtem Vorurtheile von den Schulen feindselig abgeschlossen, die Schulfreundlichkeit in solchem Maße geweckt haben, daß Gemeinden, welche noch vor wenigen Jahren der Gründung einer Schule den hartnäckigsten Widerstand entgegengesetzt hatten und jeden Versuch zur Einführung einer solchen im erbittertsten Kampfe vereitelten, nunmehr das Curatorium mit Petitionen und Deputationen bestürmen, ihnen wie vielen anderen eine Stiftungsschule zu gewähren, ^'m abgelaufenen Schuljahre wurde das Oeffentlichkeitsrecht den beiden Stiftungsschulen von Tarnow und Monasterzyska, im Laufe des Schuljahres 1897,98 den beiden Stiftungsschulen Boryslaw und Rawa ruska zuerkannt. Da die Gewährung dieser Vergünstigungen nicht blos von den guten Leistungen, sondern zum großen Theile von der Beschaffung eigener, vollkommen geeigneter Schullocalitäten abhängig gemacht wird, so dürften in der Folge, da das Curatorium in jüngster Zeit eine beträchtliche Anzahl eigener Schulhäuser theils erbaut, theils angekauft und adaptirt hat und unausgesetzt in diesem Bestreben fortfährt, allmälig sämmtliche Stiftungsschulen in den Besitz dieses für sie so wichtigen Rechtes gelangen. Der Pensionsfond, welcher bei der großen angewachsenen Anzahl von Stiftungslehrern selbst nach den früheren Bestimmungen einer bedeutenden Verstärkung bedurfte, hat Dank der unerschöpflichen Munificenz der Frau Baronin von Hirsch eine sichere Basis bekommen. Sie hat nämlich am 9. Mai 1897, dem Jahrestag des Todes des Stifters, zur Erinnerung an denselben für Zwecke des Pensionsfondes den Betrag von fl. 321.000 gewidmet und an diese Widmung die humane Bedingung geknüpft, daß nach 30 Dienstjahren ohne Rücksicht auf die Arbeitsfähigkeit den Pensionsberechtigten die Pension in der Höhe des vollen Gehaltes festgesetzt werde. Im Schuljahre 1896/97 wurden wie im vergangenen Schuljahre an den Stiftungsschulen d i e armen Kinder bekleidet und beköstigt. Es wurden außer den für Bekleidung beit Gemeinden gewährten Barbeträgen für die Schulen neuangeschafft und vertheilt: 1404 Wintermäntel, 1487 Sommeranzüge und Mützen, 1678 Paar Stiefel, 2926 Hemden und 4350 Sacktücher. Neben den Stiftungsschulen wurden, wie im abgelaufenen Schuljahre, für eine Reihe anderer bedürftiger Schulanstalten Subventionen für Bekleidung und Beköstigung gewährt. Die Mittel für Bekleidung und Beköstigung wurden, wie im Vorjahre, in hochherziger Weise von Frau Baronin von Hirsch beigestellt. In dem Verhältnisse der sich von Jahr zu Jahr steigenden Frequenz der Stiftungsschulen steigert sich auch von Jahr zu Jahr die Anzahl der nach Absolvirung der Schule beim Handwerk untergebrachten Lehrlinge. Der Stand der Lehrlinge betrug mit Ende des Schuljahres 1896/97 329. Ferner wurden an 20 Zöglinge des Brodyer Waisenhauses behufs Zuführung derselben zum Handwerke, an 10 Lehrlinge einer Fabrik für Porcellanmalerei in Krakau und an 93 Handwerkslehrlinge in der Bukowina Stipendien gewährt. Endlich wurden in der Schlosserwerkstätte in Rzeszow, deren Zöglinge nach jahrelangem Widerstreben seitens der Genossenschaft in dieselbe ausgenommen, 14 Zöglinge untergebracht,