Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 29 (22.7.1898)
- Date
- 1898-07-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 29 Vr. Bloch's Wochenschrift Seite 549 dasselbe so gründlich, daß sie die Fensterrahmen aus der Mauer rissen. Gendarmen thaten dem Tumulte Einhalt. Die hiesige Bezirkshauptmannschaft entsandte sofort einen Concipisten an Ort und Stelle. Man befürchtet ein Uebergreifen der Bewegung auf die hiesigen Vororte Zamarslynow, Kleparow und Holosko, und auf Bitten der dortigen jüdischen Einwohner wurden heute die Gendarmerieposten daselbst verstärkt. Lemberg, 17. Juli. Heute ist bei dem Statthalter Grafen Pininski eine Deputation, bestehend aus den Herren r Dr.Fechtdegen, Gemeinde - Cultuspräsident kaiserlicher Rath Dr. I. Holzer, Gemeinderath Advocat Dr. Wilhelm Hochfeld, Culülsrath S. Fett aus Rzeszow erschienen, um Beschwerde zu führen wegen der im Rzeszower Bezirke auferlegten sogenannten „Judensteuer", die so drückend ist, daß man solche Gemeindemitglieder, die Pfründen und Unterstützungen von der Gemeinde genießen, enorm besteuert hat. Der Statthalter sowohl, als auch der Bice- Pcäsident der hiesigen Finanz-Landes-Direction Herr Ritter von Krotowski — bei dem auch die Rzeszower Deputation vorgesprochen hat — gaben die Zusage, diesen Jrrthum abzustellen. Gleichzeitig stellte die Deputation die Bitte, hohen Ortes zu befürworten, der Rzeszower israelitischen Cultusgemeinde, die aus Anlaß des 50jährigen Jubiläums unseres allergnädigsten Kaisers ein neues Spital mit einem Kostenaufwande von circa 30.000 fl. errichten will, die Bewilligung zu geben, daß die Stiftung den Namen „Franz Josefs-Spital" führen darf, ebenso die Bewilligung seitens der Statthalterei der Rzeszower Cultusgemeinde zu ertheilen, ein altes Haus, das in Rzeszow als Legat für ein Spital bestimmt wurde, veräußern zu dürfen, um mit dem Erlöse das neu zu errichtende Spital aufbauen zu können. Der Herr Statthalter versprach auch diese Bitte — nach eingeholter Berichterstattung seitens der Rzeszower Bezirkshauptmannschaft — in Erfüllung zu bringen. — Die Spenden für die galizischen geplünderten Juden laufen spärlich ein und hat hauptsächlich der letzte Aufruf des Comitss, worin der Passus, daß von den eingesammelten Geldern „die unschuldigen Fam ilieu der irregeleiteten E x c e d e n t e n" vorkam, viel geschadet. Immerhin sind bis heute circa 4500 fl. eingelaufen. - - j y Lemberg, 18. Juli. Reichsraths-Abgeordneter P. S t oj a l o w s k i beruft für den 14. und 15. August einen christlichsocialen Parteitag nach Schlesien zur Besprechung der Ausnahmsverfiigungen in Galizien ein. Zugleich kündigt das Stojalowsft'sche Organ „Wieniec" an, die Stojalowski-Gruppe werde im Reichsrathe bei der Behandlung der Standrechtsvorlage rücksichtslos und mit aller Kraft gegen die frühere und die gegenwärtige Schlachzizenwirthschaft in Galizien auftreten. Krakau, 18. Juli. Der Präsident des Oberlandesgerichtes betraute Rath Pogerzelski mit der Aufgabe, alle in Westgalizien aus Anlaß der letzten Unruhen schwebenden Untersuchungen zu überwachen und zu sorgen, daß dieselben möglichst rasch und aus einem einheitlichen Gesichtspunkt durchgeführt werden. Correspondenzen. Sitzung des Cultusvorstandes vom 18. Juli 1898. (Vorsitzender Präsident Herr k. Rath Kling er. Beginn 5 Uhr Nachmittags.) Im Einlaufe befinden sich: Ein Dankschreiben der Israelitischen Allianz zu Wien sür den vom Cultusvorstande zu Gunsten der bei den letzten Excessen geplünderten galizischen Juden votirten Betrag von fl. 2000. Beitrittserklärungen zum „Allgemeinen österreichischen Bunde" sind in der letzten Woche eingelangt seitens der Cultusgemeinden Amstetten, Freiwaldau, Mährisch-Ostrau und Wiener- Neustadt. An Spenden werden bekanntgegeben die seit der Plenarsitzung vom 5. Juni d. I. zu Gunsten des Siechenhauses gewidmeten Beträge, bezüglich welcher der Präsident auf die regelmäßig in den Blättern publicirten Verzeichnisse verweist. An anderen Spenden sind eingelaufen: Bon Herrn Baurath Ritter, von Goldschmidt als Gratiale sür zwei Bewerber um die Ettel Goldschmidt'sche Stiftung für Mittelschüler 30 fl. von Herrn S. Brod für das Jaiteles'sche Pfründnerhaus fl. 3.50 von Herrn N. Weld für Arme fl. 1. Den Spendern wird der Dank votirt. Bor Uebergang zur Tagesordnung und nachdem der Vorsitzende die Beschlußfähigkeit der Plenarversammlung constatirt hat. hält der Präsident dem verstorbnen Hofrath Dr. Angela Ritter von Kuh einen warm gehaltenen Nachruf, wobei er in längerer Ausführung die großen Verdienste hervorhebt, welche sich der Verewigte während seiner 13jährigen Wirksamkeit als Vorstandsmitglied der Wiener Cultusgemeinde und insbesondere während seiner vierjährigen Thätigkeit als Obmann der Wohlthätigkeitssection erworben hat. Der Dahingeschiedene sei es gewesen, der die erste Anregung zur Errichtung des Altersversorgungshauses gegeben hat. Mit Angelo von Kuh sei ein wahrer Menschenfreund, ausgezeichnet mit edlen Eigenschaften des Herzens und Geistes, heimgegangen. Der Präsident berichtet, daß an die Familie des Verstorbenen namens des Vorstandes ein Condolenzschreiben gerichtet wurde, sowie über eine auf Anregung des Collegen Dr. Steiner getroffene Verfügung bezüglich eines Seelenlichtes im Stadttempel während der dreißigtägigen Trauerzeit. Der Vorstand werde dem Verblichenen als Mensch und Collegen das ehrendste Andenken bewahren. AMDie Trauerkundgebung wird von der Versammlung stehend angehört und die vollinhaltliche Aufnahme in das Protokoll beschlossen. '7 , -MÜeber den im Sinre des Beschlussts des Vertreter-Collegiums vom Präsidenten gestellten Antrag beschließt der Vorstand, aus Anlaß des bevorstehenden 80. Geburtstages Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiner Jacob Fleissig, welcher dem Rabbinats-Collegium der Wiener Cultusgemeinde durch mehr als ein Bierteljahrhundert als anerkannte Autorität auf talmudisch-rabbinischem Gebiete angehört, demselben durch eine Glückwunschadreffe, sowie durch eine Ehrengabe die Sympathien und die Hochachtung zum Ausdrucke zu bringen, deren sich Rabbiner Fleissig in der Cultusgemeinde mit Recht allgemein erfreut. Der Präsident theilt sohin in Angelegenheit des „Allgemeinen österreichisch-israelitischen Bundes" mit, daß bisher wohl seitens zahlreicher Gemeinden Anmeldungen vorliegen, daß es sich aber, einer gegebenen Anregung des derzeit zum Curgebranche von Wien abwesenden I. Vice-Präsidenten Dr. Alfred Stern entsprechend, insbesonders im Hinblicke auf die betrübenden Ereignisse der jüngsten Zeit sehr empfehlen würde, einen neuerlichen Aufruf an alle jene Gemeinden ergehen zu lassen, die sich bisher, wohl in Unkenntniß der großen, dem Bunde in Zukunft zukommenden Aufgaben, demselben noch nicht angeschlofsen haben. Die Versammlung stimmt diesen Ausführungen einmüthig zu. Der diesbezüglich vorgelegte Entwurf wird genehmigt. Ueber Antrag des Herrn kais. Rath Moriz Hirsch wird nach längerer Debatte beschlossen, von der dem Simmeringer Tempelverein gegen Erfüllung gewifier Bedingungen zugesicherten Subvention per 15.000 fl. einen Theilbetrag bereits in nächster Zeit unter zur Sicherung des Ausbaues des Tempels bestimmten Modalitäten zur Auszahlung zu bringen. Herr Cultusvorsteher Dr. Adolf Stein referirt über das der Cultusgemeinde zukommende Legat aus der Victor Goldschmidt'schen Verlassenschaft, welches nunmehr nach Finalisirung dieser Angelegenheit im Betrage von fl. 2005*78 an die Cultusgemeinde für Spitalszwecke gelangt sei. Der Präsident stellt unter Hinweis auf den Umstand, daß am nächsten Samstag die letzte Probepredigt in Angelegenheit der Besetzung des Ottakringer Rabbinates stattfindet, die Frage zur Debatte, ob sofort nach dieser Probepredigt die Vertrauensmänner zur Abgabe ihrer Aeußerung einzuladen seien. Hierüber sprechen sich mehrere Vorstandsmitglieder für die Vertagung bis zum Herbste aus, unter Betonung des Umstandes, daß eine große Anzahl von Vertrauensmännern von Wien abwesend sei und daß es auch bei sofortiger Einberufung der Vertrauensmänner höchst zweifelhaft sei, ob der neuanzustellende Rabbiner bereits zu den hohen Feiertagen seine Functionen übernehmen könnte. In diesem Sinne erfolgt auch der Borstandsbeschluß, wonach die nächste Vertrauensmänner - Versammlung im September einberufen werden soll. Der Präsident lenkt die Aufmerksamkeit des Vorstandes auf die Dringlichkeit der Ausführung der vom magistratischen Bezirksamte für den Stadttempel angeordneten baulichen Herstellungen und werden sohin von der Versammlung behufs Inangriffnahme der Arbeiten entsprechende Beschlüsse gefaßt. Unter Einem richtet der Präsident neuerdings einen Appell an den an-