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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-07-22 · 29 (22.7.1898) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
29 (22.7.1898)
Date
1898-07-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 29 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 545 ist, wenn eilt Priester (Stürmische Pfuirufe bei den Deutschnationalen und Hochrufe auf Seite der Christlich-Socialen) . . . ein Pfarrer, der an der Spitze der Kirchengemeinde steht . . . (Neue Demonstrationsrufe, große Unruhe. Pfarrer Sedlacek, der in dem Trubel steht, nimmt stets den Hut ab, wenn sich die Hoch- oder Pfuirufe wiederholen.) Herzog: Wenn Sie die Ruhe wahren, so wird Ihnen volle Redefreiheit gewährt werden. Sie müssen aber auch mich aussprechen lassen. — Ich wiederhole es noch einmal, daß es traurig ist, wenn sich ein Geistlicher und noch dazu ein Pfarrer einer Gemeinde so weit versteigt, daß er Gesinnungsgenossen einladet, 'in eine Versammlung zu kommen. (Stürmische Unterbrechung von Seite der Christlich-Socialen. Rufe: Infamie! Das ist eine Verleumdung! Gegenrufe: Die Christlich-Socialen haben gar nicht das Recht, hier zu sein! Protestrufe.) Vorsitzender: Die Versammlung ist eine Vereins- Versammlung und daher nicht frei zugänglich. Ich will und muß sprechen! Entweder geben Sie Ruhe oder Sie haben sich die Folgen selbst zuzuschreiben! Großer Sturm und Entrüstung. Rufe: Wir nehmen den Kampf auf. Gegenrufe: Pfaffenknechte, ruhig! Herr Herzog: Es heißt, wir sollen keinen deutschen Priester angreifen . . . (Rufe: Der da ist ja gar kein Deutscher, der ist ein Czeche! Ein junger Besucher ruft: Ein czechischer Hetzpfaff!) Pfarrer Sedlacek (dem Rufer eine „lange Nase" zeigend): Der Bub steht ja noch unter diesem Freimaurerzeichen. (Heiterkeit und lebhafter Protest. Rufe: Strizzipartei!) Es entsteht ein gewaltiger Lärm, der minutenlang anhält, so daß an die Fortführung der Versammlung nicht mehr gedacht werden kann. Es bilden sich einzelne streitende Gruppen und es droht zu Thätlichkeiten zu kommen. Endlich erklärt der Regierungsvertreter die Versammlung für aufgelöst. Die Deutschnationalen begannen die „Wacht am Rhein", die Christlich- Socialen das Lueger-Lied, die Socialdemokraten das „Lied der Arbeit" zu singen. Man hörte Rufe: Strizzipartei, Mittermayer-Partei, Taschelzieher, P u r s ch t-K e r l e! :c. Der gewesene Gemeinderath Schwalbel will Herrn Herzog eine Ohrfeige versetzen, was ein Gendarm verhindert. Die Christlich-Socialen verlassen schließlich den Garten und begaben sich in das Gasthaus Bruckberger, wo Pfarrer Sedlacek eine Rede hielt. Die Schönerianer railliirten sich schließlich im Garten und zogen corporativ in geschlossenen Reihen vor das an die Kirche anstoßende Pfarramt, woselbst sie ein nationales Lied vortrugen und dann in stürmische Pfuirufe ausbrachen. Doch schritten Gendarmen ein, worauf die Deutschnationalen unter Gesang nach Baden zogen. Edward Antonio Newmann. Aus London wird der „Extrapost" gemeldet, daß dort am 15. d. M. Edw. A. Newmann einem Herzleiden erlegen ist. Der Name dieses Mannes wurde in Wien von Dr. Lueger populär gemacht. Newmann war derselbe Mann, welcher als Vertreter großer englischer Syndicate bei der Stadt Wien das Gasanlehen unter sehr günstigen Bedingungen vermitteln wollte und dessen Beziehungen zu den Finanzgenies im Wiener Rathhause ein interessantes und pikantes Capitel bilden. Der Bürgermeister verleugnete seine Intimität mit dem amerikanisirten Judäomagyaren, aber da wurde Newmann böse und lüstete einen Zipfel seines Gasa.ilehensdossiers, in welchem sich mehrere Originalbriefe Lu ege r's, H r a b a's und Anderer befinden. Die Unterhandlungen waren bekanntlich so weit gediehen, die Zusagen und Versprechungen Lueger's so deutlich gewesen, daß Newmann auf eine bedeutende Provision und Spesenvergütung berechtigten Anspruch zu haben glaubte und einen Pcoceß gegen die Commune begann. Derselbe wird nun von den Erben zweifellos weitergeführt und dürfte sich umso interessanter gestalten, als für die Rechtsnachfolger mancherlei persönliche Rücksichten und Discretionen wegfallen. Dr. Lueger hat in der berühmten Gasvertragssitzung bekanntlich eine Riesengeschichte erzählt, wie er Newmann entlarvt hat und diesem körperlich schlecht wurde, daß er hinauslaufen mußte. Nun ist Newman seinem Herzleiden, durch welches ihm damals angesichts des zermalmenden Anblickes Dr. Lueger's körperlich schlecht geworden ist, erlegen; Dr. Lueger wird wohl nicht behaupten wollen, daß er ihn zu Tode entlarvt habe. Newman war eine in den großen Londoner Finanzkreisen sehr bekannte, unbedingtes Vertrauen genießende Persönlichkeit. Er hielt sich lange Jahre in Südamerika auf, wo er große Fabriksunternehmungen hatte. Newman hinterläßt eine Gattin, zwei Söhne unv eine verheiratete Tochter. Eine Episode vom Schützenfestzng. Ein jüdischer Photograph hatte während des großen Huldigungsfestzuges der Schützen die Erlaubniß bekommen. Ausnahmen von den einzelnen Gruppen zu machen. Als er sich an dem ihm zugewiesenen Platz pvftirt hatte, kam ein Mitglied des Comites — er behauptet, es sei dies Herr Krebs gewesen — auf ihn zu und forderte ihn auf, seine Thätigkeit einzustellen. „Aber entschuldigen Sie, ich habe ja die Erlaubniß hiezu bekommen," sagte der Erschrockene. — „Man sollte Ihnen Ihre jüdischen Füße zerbrechen." war die Antwort. Dabei warf das Mitglied des Comites den Apparat um, so daß der Photograph einen bedeutenden Schaden erlitt. Flucht eines antisemitischen Parteigängers. Aus Reichenberg wird gemeldet: „Bor einigen Tagen hat sich der hiesige Fabrikant Karl B i e g e l nach Contrahirung von Darlehen von über 70.000 fl. nach New-Aork geflüchtet. Es stellt sich nun heraus, daß Biegel, der weit und breit als solider und wohlsituirter Kaufmann galt, auch in W i en sehr viele Geschäftsleute in Mitleidenschaft gezogen hat. Biege l war anfangs Finanzwach-Aufseher, heiratete aber die Tochter eines reichen Fabrikanten und übernahm dessen Fabrik. Bor einigen Tagen entfernte sich B i e g e l aus Reichenberg mit der Angabe, er mache eine kurze Geschäftsreise nach Prag. Er ließ aber nichts mehr von sich hören und die Gläubiger bestürmten seine Frau mit ihren Forderungen. Dieselbe fand aber, daß Biegel alles Baargeld und alles Werthvolle mitgenommen hatte. Die unglückliche Frau wurde in dem Badezimmer ihrer Wohnung als Leiche aufgesunden. Aus einem znrückgelassenen Schreiben geht hervor, daß sie sich aus Verzweiflung über den geschäftlichen Ruin und die Flucht ihres Mannes das Leben genommen habe. Die Fabrik ist vollständig belastet. Die Wiener, Prager und Reichenberger Gläubiger werden die Verhängung des Cvncurses über das „Nachlaßvermögen" ansuchen, doch bestehen die Activen blos aus der überdies psandrechtlich belasteten Fabrikseinrichtung." Wie wir erfahren, hat Biegel. welcher in Böhm.-Kamnitz ansässig war, viele kleine Leute um ihr Vermögen gebracht, darunter eine Wäscherin um 2800 fl., ihr ganzes Hab und Gut. Biegel war ein Wortführer der Antisemiten. Obgleich Czeche von Geburt und der Erziehung nach, wurde er von den Radicalnationalen als Parteigenoffe anerkannt, weil er wacker auf die Juden schimpfte. Die „deutschvolklichen" Turner. Das „Berliner Tageblatt" wird anläßlich des bevorstehenden neunten allgemeinen deutschen Turnfestes von einem Turngenossen aus Deutschösterreich um die Veröffentlichung folgender Zuschrift ersucht: „Am 22. und 23. d. M. werden aus allen Gauen deutscher Zunge Tausende festfteudiger Turnfahrer, welche sich zum Turnfeste nach Hamburg begeben, die Reichshauptstadt Berlin passiven. Unter Anderem wird am Freitag, den 22. Juli ein Sonderzug gegen Mittag österreichische Turner, hauptsächlich aus Wien, den Alpenländern und Nordböhmen kommend, nach Berlin bringen. Dieser, der sogenannte „O stmarkturngauzug" oder auch der ,,deuts chv o lklich e" genannt, vereinigt in sich so ziemlich die Gesammtheit der Abordnungen aller jener Turnvereine des fünfzehnten Kreises, welche auf dem streng arischen, das heißt antisemitischen Standpunkte stehen, jenem Principe, welches zur Spaltung der deutsch-österreichischen Turn fache geführt hat und nunmehr an dem Bestände eines einheitlichen XV. Turnkreises Deutsch-Oesterreich rüttelt. Aus Oesterreich, speciell jenen Gebietsteilen der Monarchie, die gewiffermaßen die Hochburg und den Stammsitz des Antisemitismus bilden, kommend, beanspruchen diese eigentümlichen Gäste nicht allein den rauschenden, begeisterten Empfang in Berlin, der ihnen schließlich von den Berliner Turnern, die bereits lange vorher in Kenntniß gesetzt sind, auch werden dürste, sondern Zweck und Ziel der „Deutschvolklichen" ist es

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