Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 28 (15.7.1898)
- Date
- 1898-07-15
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 538 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 28 lauschten die Zuhörer deu Ausführungen desselben. Erfordere die Schüler auf, immer in Dankbarkeit ihrer Lehrer zu gedenken und für das Wohl des höchsten Schutzherrn der Erziehung, für den geliebten Landesvater, sowie für das des keine Opfer scheuenden Cultusvorstandes zum Allvater zu beten. Mit Absingung der Volkshymne schloß die erhebende Feier. H. Teschen. (Vierzigjähriges Doctor- Jubiläum.) Am 9. l. M. waren es 40 Jahre her, daß der in unserer Stadt bestbekannte praktische Arzt Dr. Alois Kohn an der Wiener Universität zum Doctor Medicinae promovirt worden war. Einer alten Teschner Familie entstammend, absolvirte er hier das Staatsgymnasium, bezog hierauf die Wiener Universität zur Zeit ihrer Glanzperiode unter den berühmten Lehrern Hyrtl, Rokitansky, Schuh, Skoda und war nach Vollendung seiner Studien 1858 als Secuudar-Arzt im Allgemeinen Krankenhause in Wien thätig. Im Jahre 1861 zum Gerichts- und Gefangenhaus-Arzte in Teschen ernannt, kehrte Dr. Kohn in seine Heimat zurück. Im Jahre 1868 wurde er „erzherzoglicher Bezirksarzt" und 1872 Stadtarzt in Teschen. In seinem Berufe stets unermüdlich thätig, erwarb sich der Jubilar die Sympathien aller Kreise und erfreut sich der größten Werthschätzung seitens der Berufscollegen von Ost-Schlesien, die ihren Nestor am besten dadurch ehrten, daß sie ihn wiederholt an die Spitze ihres ärztlichen Vereines stellten. Dr. Kohn wurde in der ad hoc anberaumt gewesenen Plenarsitzung des genannten Vereines durch die Ernennung zum Ehrenmitg l i e d e, unter gleichzeitiger Ueberreichung eines prachtvollen Diplomes, besonders ausgezeichnet. Boskowitz. Sonntag den 3. d. M. wurde hier in den Häuslerischen Gartenlocalitäten eine Wohlthätigkeits-Akademie zum Besten der geplünderten galizischen Juden abgehälten. Den eifrigen Bemühungen der Comitömitglieder, der Herren Richard und Oskar Basch, M., Josef und Max Ticho und des Lehrkörpers, gelang es durch Heranziehung von hervorragenden Kräften fast die gesammte Gemeinde zu vereinigen. Der Erfolg übertraf alle Erwartungen. Sowohl die Claviervorträge der Fräulein M. und S. Eisler, B. und E. Friedmann und der Frau Stern, wie auch die theils ernsten, theils humoristischen Borträge der Herren Häusler, Mayer, Spielmann, Ticho und Weiß wurden von dem zahlreichen Auditorium äußerst beifällig ausgenommen. Besonders stürmisch wurde der hier zum Sommeraufenchalt weilende Opernsänger Herr B.' Klement (Klein), der seine Kunst bereitwillig in den Dienst der Humanität gestellt, acclamirt. Herr Klement fungirte eine Zeit lang als Obercantor in Waizen und Floridsdorf, machte sich dann nach absolvirten Studien am Wiener Conservatorium durch sein Gastspiel an der Budapester Hofoper und im Orient bekannt und ist gegenwärtig Mitglied der großherzoglich badischen Hrfbühne. Mit dem künstlerischen Erfolg vereinte sich auch ein recht bedeutender materieller Erfolg, zu welchem auch die Fräulein H. Weiß und G. Schmidt durch Verkauf von Rosen beitrugen. '? Preßburg. Unter ungemein großer Betheiligung wurde hier am 6. l. M., 7*5 Uhr Nachmittags, die irdische Hülle des verunglückten Rabbiners der hiesigen israelitischen Religionsgemeinde Dr. Julius David zu Grabe getragen. Vom Trauerhause (Michaelergasse 18) bis zur Neuthorgasse an beiden Seiten, dann wieder vor dem Tempel und auf dem Fischplatz stand auf dem Trottoir ein nach Tausenden zählendes Publicum, den Conduct erwartend. Nachdem Obercantor Hoffmann unter Assistenz des Tempelchores eine Trauerhymne abgesungen hatte, wurde die Leiche in einen vierspännigen Leichenwagen gehoben und der schier endlose Zug setzte sich in Bewegung. Neben dem Leichenwagen schritten die Diener der Ehewra-Kadischa in GalalivrLen, hinter denselben der Obercantor mit dem Tempelchor. Am Friedhofe sprach, nach der üblichen Waschungsceremonie, an welcher sich wetteifernd die hervorragendsten Mitglieder der Ehewra-Kadischa betheiligten, und nach Absingung eines Trauerchorals Obercantor Hoffmann ein deutsches Gebet für das Seelenheil des Dahmgeschiedenen und recüirte das Hazur tomim-Gebet mit ergreifendem Vortrage, worauf, da kein Rabbiner gekommen war, Vorstandsmitglied Advocat Barach dem Verblichenen einen warmen Nachruf widmete, in welchem er dessen Verdienste während seiner 23jährigen Amtsthätigkeit hervorhob und von ihm im Namen der Gemeinde Abschied nahm. Es haben sich an dem Leichenbegängnisse betheiligt: der Vorstand und die Repräsentanz der israelischen Religionsgemeinde mit dem verdienstvollen Gemeindepräses Herrn Josef Fischer an der Spitze, der Schulstuhl und die Ehewra-Kadischa, sowie der Frauenverein dieser Gemeinde, dessen Ehrenmitglied der Dahingeschiedene gewesen, ferner der Vorstand der benachbarten Stampfener Jsraelitengemeinde in corpore und zahlreiche hervorragende Mitglieder der hiesigen orthodoxen israelischen Cultusgemeinde. Beim Trauerhause sind erschienen: königlicher Rath Bürgermeister-Stellvertteter Paul Taller, Obernotär Brolly und Magistratsrach Kumlik, die Herren Direktoren Polikeit, Jonas, Zookoczy, Antolik, die Professoren Dr. Wagner, Theiß, Pfarrer Ebner und viele Andere. Zahlreiche Condolenzen sind eingelangt, sowohl an die Gemeinde als auch an die trauernde Witwe unter Anderen von den Gemeinden Pest, Wien, Raab, Steinamanger, Komorn, Waizen, Vagujbely, Lipto-St. Miklos, Malaczka, von der Wiener Allianz, vom Oberrabbiner Dr. Julius Fischer-Prag, von Moriz Spitzer, Szeleskut rc. PrzemySl, 6. Juli 1898. (Promotion.) Herr Moses Scharr, Hörer der Israelitischen theologischen Lehranstalt in Wien, wurde am 6. d. M. an der Lemberger Universität zum Doctor der Philosophie promovirt. Die Dissertationsarbeit des Herrn Dr. Scharr: „Die Geschichte der Juden in Polen", wird demnächst im Druck erscheinen. Paris. Es ist interessant, ja gegenüber der antisemitischen Strömung in Paris vielleicht von principieller Bedeutung, daß sowohl Minister Delcasse, der Minister des Aeußern, sowie der Marineministec Lockroy Juden zu Cabinetssecretären, bekanntlich ein sehr wichtiger Posten, berufen haben. Ins Ministerium des Aeußern ist H. Neton, ins Marineministerium Edouard Jgnace berufen worden. Paris. Zum Andenken an die voriges Jahr verunglückte Baronin Leonino hat der Baron Rothschild eine Stiftung ins Leben gerufen, aus der 20 alte Leute jährliche Pensionen von 600 Francs erhalten sollen. Dieselben müssen israelitisch, Männer über 65, Frauen über 60 Jahre alt sein. New Jork. In den Vereinigten Staaten sind zwei jüdische Damen als Advocaten thätig. Die eine, Miß Rosalie Loew, die ihr Examen in New-Iork gemacht, wurde 1895 zur Ausübung der Praxis zugelassen. Sie liest auch als Docentin über geschichtliche Medicin am New-Iorker College und dem Frauenspital. Die andere Dame, Miß Diana Hirschler aus Philadelphia, übt ihre Praxis in Massasuchetts aus. Feuilleton. Der neue Oberamtmann. Erzählung aus dem dritten Viertel des XVlll. Jahrhunderts von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel". (Fottsetzung.) Als nun der Haufe bedächtig die Pappelallee zu der Linde hinschritt, bei welcher sich die vor Kurzem geschilderte Scene abgespielt hatte, waren die Ankömmlinge auf wüstes Geheul und Spektakel gefaßt gewesen und wurden angenehm durch die herrschende Ruhe überrascht, und ihre Ansicht über die Gefährlichkeit der Anzugreifenden wurde in wohlthuendster Weise modificirt, — ja als Klaus, in der Nähe anlangend, die ganze Menschengruppe recht ftiedlich und harmlos ruhig stehen sah, da erwachte sein etwas eingeschläferter Löwenmuth zur Hellen Flamme, mit kriegerischer Dienstbeflissenheit drängte er die Bauern zur Seite, trat wieder an die Spitze, schnitt als hervorragende Kundgebung seiner Kampfeslust mörderische Grimassen und schwang — wie ein Indianerhäuptling seinen Tomohawk — seinen Bambus in großen Kreisen um sein erglühendes Haupt, stürzte in wilder Berserkerwuth — aber doch mit einem tiefen unterthänigen Bückling vor seinem Patrone — auf die beiden Fremden hin und schrie: „Sind das die beiden Coujons, die Mörder und Banditen, die elenden Hochverräther, die in Ketten und Banden geschlagen werden sollen?" — aber plötzlich blieb er wie erstarrt stehen, der scheinbare Hauptfilou nämlich, war der Einzige, der seine leichte Reisekappe wieder aufgesetzt hatte, die andern Herren standen entblößten Hauptes, — alle, die Damen nicht ausgenommen in ehrfurchtsvoller Haltung vor ihm. Der Baron, ein Mann von geringen Geistesgaben, namentlich ganz ohne Geistesgegenwart — er hatte im Strudel der Ereignisse schon ganz an die befohlene Verhaftung vergessen — erschrack nun so, daß er ganz fassungslos wurde und völlig sprachlos dastand. Der Amtmann aber glaubte, daß jetzt der Moment gekommen sei, wo er handelnd eingreifen und seine Loyalität und Unterthanentreue in passender Weise zum Ausdruck bringen könne, und alle seine Energie machtvoll concentrirend, war es seine erste Amtsthätigkeit, dem verblüfften Klaus sammt seinem Heerbanne zuzurufen: