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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-07-15 · 28 (15.7.1898) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
28 (15.7.1898)
Date
1898-07-15
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 28 j&t. Bloch's Wochenschrift Seite 537 mitismus nicht vereinzelt, wie eine Verhandlung des Oberrathes für Handel und Industrie beweist. Es handelt sich um eine Enquete über den Hausirhandel und es fiel auf, daß von 27 Fragebogen, deren Antworten verlesen wurden, viele erklärten, die Hausirer seien im Allgemeinen Juden. Leo Hirsch, Ritter des Leopoldordens, ein Glaubensgenosse, der zu den Mitgliedern des Oberrathes gehört, nahm Gelegenheit, die Irrigkeit dieser Behauptungen nachzuweisen. Er constatirte, daß es in Belgien 17.000 Hausirer nach amtlicher Feststellung gibt, während nur 9000 jüdische Seelen im Lande leben. Da unter diesen Frauen, Kinder und Greise, sowie Angehörige anderer Berufe sind, so muß die Zahl der jüdischen Hausirer natürlich verschwindend klein sein. Der Vorfall ist aber bezeichnend für die echt antisemitische Furcht vor den Juden, die sich jetzt auch in Belgien zu verbreiten anfangt. Vermischtes. Wien. Am 10. Juli verlobte der Obmann des israelitischen Tempelvereins im zehnten Bezirk Herr Karl Seligmann seine Tochter Fräulein Sophie Seligmann m''t Herrn Heinrich Weiß aus Mährisch-Kcomau, Chef der hiesigen Firma Marienberger und Weiß. Wien. (Verzeichniß der in der Zeit vom 2. bis 12. Juli 1898 eingelaufenen Spenden zudem aus Anlaß des fünfzigjährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers von der Wiener israelitischenCultusgemeinde herzu stellenden Ausbau des israelitischen Altersversorgungshauses durch ein Versorgungshaus in Verbindung mit einer Krankenabtyeilung): 500 fl.: Frau Regine Hirsch; je 100 fl.: die Herren Heinrich Berger und Gottlieb Bettelheim; 30 fl.; Herr Fischl Landau, endlich 5 Parteien in Beträgen von 10 fl. und darunter, zusammen 18 fl., und zwar die Herren: Ignatz Singer, Michael Stieber, S. Steiner, Jacob Schwarz und Frau Emilie Cronbach. Wien. (Von der Ausstellung.) Bei einem Besuche der Jubiläums-Ausstellung besichtigte der Kaiser unter Anderem das effectvoll arrangirte Object des Zuckerwaaren- und Sämereienhändlers Herrn Max H offmann, sprach den Firma-Ches an und erkundigte sich, ob derselbe seine Waare ausschließlich für Bäcker liefere. Herr Hoffmann antwortete, daß er die Ingredienzen für Bäcker und Zuckerbäcker führe und auch für Zuckerbäcker Waaren liefere. Mit den Worten: „Ihr Object ist schön, es zeigt die Vielfältigkeit Ihres Geschäftes" verabschiedete sich der Monarch. Wien. (Ferienheim.) Donnerstag den 7. Juli ist aus der Feriencolonie in Rossitz bei Brünn, einer Besitzung der Frau Baronin Hirsch, die erste Serie von 65 Mädchen per Staatsbahn nach Wien zurückgekommen. Das blühende Aussehen der Kinder, die günstigen Gewichtsresultate riefen die Befriedigung aller Betheiligten, und zwar des Vereinsvorstandes, sowie der Eltern hervor. Die Colonie in Rossitz wurde Sonntag den 3. Juli von der Präsidentin des Vereins, Frau Sofie Grünfeld, und Herrn Docenten Dr. Josef Grünfeld inspicirt. Mittwoch den 13. Juli ging die zweite Serie, und zwar 70 Knaben mit Präfecten, Exerciermeister und einem Lehrer dahin ab. Am selben Tage kam aus der Feriencolonie in Petrau, Mähren, die erste Serie, 55 Mädchen, per Nordbahn retonr und ging Donnerstag den 14. Juli die zweite Serie von 55 Mädchen dahin ab. Die Colonie in Petrau wurde am 3. Juli und die in Bad Hall (Oberösterreich) am 29. Juni von der Schriftführerin, Frau Antonie Graf, inspicirt, und wurden von derselben einerseits schöne Heilerfolge, andererseits das allgemeine Wohlbefinden der Kinder constatirt. Wien. (Ehrung.) Der wegen seiner philanthropischen Bestrebungen in den weitesten Kreisen bekannte und hochgeachtete Wiener Arzt Dr. Adolf Hoffmann feierte am 4. Juli l. I. das seltene Fest seines 50jährigen Doctor-Jubiläums. Die großen und unvergänglichen Verdienste, die dieser ausgezeichnete Arzt sich um viele segensreiche humanitäre Institutionen erworben hat, in denen er, stets in hervorragender Stellung, sich Zeit seines Lebens mit der ganzen Hingebung und Opferfreudigkeit seines edlen Empfindens bethätigte und von denen er manche begründen und befestigen hals, manche selbst ins Leben rief und zu lebensvollem Gedeihen brachte, die Erinnerung an diese seine Geschlechter überdauernden Schöpfungen war es, welche einigen ihm nahestehenden Freunden erfreulichen Anlaß gaben, ihm, der bescheiden und zurückgezogen jede geräuschvolle Ovation vermeidet, in intimster Weise stille und freudige Ehrungen als verdienten Zoll der Dankbarkeit zu bringen. So erschienen am genannten Tage bei dem gefeierten Jubilar die von ihren Präsidenten geführten Deputationen des Docloren-Collegiums, der Aerztekammer, des Krankenvereines der Aerzte, der Witwen- und Waisen- Societät, des Pensionsfondes des Doctoren-Collegiums, des „Seehospiz", des Franz Joses-Kinder-Asyls, des Wölflerheims u. s. w. in herzerfreueuder Aufeinanderfolge mit Adressen und Diplomen. Und — Isst not least — die Universität selbst hat, nachdem ihr verspätet erst die Kunde von diesem Jubeltage einer ihrer Zierden bekannt ward, im Gremium des Prosessoren- Collegiums ihrer medicinischen Facultät einstimmig beschlossen, dem so hochverdienten Mitgliede derselben das Doctordiplom zu erneuern und dasselbe durch eine Abordnung des Decanates in den nächsten Tagen feierlich überreichen zu lassen. Auch wir können nicht umhin, Herrn Dr. Adolf Hoffmann, dessen anonymen Aufrufen zu Sammlungen für wohlthätige Zwecke wir in unserem Blatte oft und gerne Raum gegeben, zu allen diesen ihm jetzt gewordenen hohen Ehrungen und Auszeichnungen auf das Herzlichste zu beglückwünschen: Vivat, üoreat) erescat ad multos annos! Wien. (Tobias Spiegel.) Am 5. d. M. wurde in Wien der im In- und Auslande bekannte ehrwürdige Gelehrte Herr Tobias Spiegel im Alter von 68 Jahren unter großer Theilnahme beerdigt. Mit dem Dahingeschiedenen ist einer der bedeutendsten Talmud- und Literaturkenner, wie sie nur noch vereinzelt Vorkommen, dahingeschieden. Obwohl der' alten Schule angehörend, verstand er es vortrefflich, den Sinn unserer Weisen, der sonst als veraltet angesehen zu werden pflegt, dem moderneren Geiste anzupassen und waren daher seine populärwissenschaftlichen, in uneigennütziger Weise gehaltenen Borträge von großer Zugkraft. Nachdem er in Preßburg und Surany jene Studien gemacht hatte, die ihn zum Rabbiner qualificirten. wandte er sich der geschäftlichen Thätigkeit zu, stand aber trotzdem mit der großen Gelehrtenwelt im steten Verkehr und unterhielt seinerzeit mit Sir Moses Montefiore eine rege Correspondenz. Die Briefe des Letzteren befinden sich noch im Nachlasse des Verblichenen. An dem Leichenbegängnisse betheiligten sich, die Vertretungen der Chewra-Kadischa. der israelitischen Cultusgemeinde Wien, der Vorstand der Schiff-Synagoge, der Vorstand des Beth-Hamidrasch. sowie eine Delegation des Vereines Jesode-Hatorah in Preßburg, dessen Mitbegründer der Dahingegangene war. In Abwesenheit des Herrn Rabbiners Fürst hielt Herr Rabbiner Kramer einen ergreifenden Nachruf, in welchem er darauf hinwies, daß mit dem Verschiedenen ein Stück Alt-Wien der Wiener Judenschaft von uns für immer und ohne einen Ersatz zu lassen schwindet. Einer der Söhne des Verblichenen nahm nachher am Grabe das Wort, um dem Schmerze über den Verlust der Eltern, die Mutter war erst vor wenigen Monaten in die Erde gebettet worden, auszudrücken. Er verglich den Verlust der beiden Eltern mit der Zerstörung der beiden Tempel, welche für Israel das feste Familienband löste. Wien. (Todesfall.) Am letzten Sonntag verschied in Aussee Herr Leopold T e d e s k o im hohen Alter von 80 Jahren nach einer an Thateu und Erfolgen reichen Wirksamkeit. Einer sehr geachteten, von Glücksgütern aber nicht gesegneten Preßburger Familie entstammend, etablirte sich der Dahingeschiedene vor 50 Jahren als Kleiderconfectionär in seiner Vaterstadt und übersiedelte sodann nach Wien. Mit sehr bescheidenen Mitteln ausgestattet, brachte es Herr Tedesko durch rastlose Thätigkeit, unermüdlichen Fleiß, namentlich aber durch Rechtlichkeit und Solidität zu einer angesehenen Stellung in der Geschäftswelt. Infolge hohen Alters zog er sich vor Jahren schon von seiner ihm liebgewordenen commerciellen Thätigkeit znrück und fand fortan nur Befriedigung in Bethätigung wahrer Menschenliebe und edlen Wohlthuns. An seiner Bahre trauern zwei Töchter und drei Söhne, die gleich dem Verstorbenen in Bethätigung dessen Grundsätze Befriedigung suchen. Wien — Margarethen. Vergangenen Samstag fand der Schluß-Jngendgottesdienst in unserem Tempel statt. Die Schüler und Schülerinnen einige Hundert stark, füllten das Gotteshaus und waren auch Herr Obmann Ostersetzer und zahlreiche Gäste — auch Nichtjuden — bei der schönen Feier anwesend. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Reich hielt die Schlußexhorte und sichtlich ergriffen.

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