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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-07-15 · 28 (15.7.1898) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
28 (15.7.1898)
Date
1898-07-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 536 Dr. Vloch's Wochenfchrifi Nr. 28 namentlich jetzt in Galizien, gegen die Heilighaltung des Gottesdienstes hinzu. Da fand sich ein Mann, der noch kein Jahrzehnt unter den Inden dort gelebt, der noch nicht Millionen erworben, und der ein für die dortigen Verhältnisse bedeutendes Opfer bringt, um einen neuen Tempel bauen zu können. Er kaufte einen Bauplatz zur Vervollständigung eines Platzes, den die Judengemeinde bereits besitzt, und erlegte ein Capital, das fast ein Biertheil der Kosten des kleinen Tempels ausmacht und sammelt die noch erforderlichen Gelder. Dieser opferwillige Mann ist Herr Hermann Bloch in Raycza. Mielee, 10. Juli 1898. Mit dem herrlichsten Beispiele der Toleranz und der Aufklärung geht der hiesigen christlichen Intelligenz unser hochverehrter k. k. Bezirkshauptmann, Herr Severin Chrzaszczewski voran, ein Mann, der die Obliegenheiten seines Amtes im edelsten Sinne auffaßt. Seine Milde und Leutseligkeit erstreckt sich nicht nur auf die christliche Bevölkerung, sondern auch in gleichem Maße auf die bisher von keinem seiner Vorgänger ebenso gewürdigten, in der Cultur weit zurückgebliebenen, hiesigen Israeliten. Das Hauptaugenmerk richtet unser Herr Bezirkshauptmann auf das Gedeihen der Volksschulen seines Bezirkes im Allgemeinen und daher erfreut sich auch die hiesige Volksschule der Baron Hirsch-Stiftung und die hier wirkenden Lehrer seiner besonderen Sympathie, und moralischen Unterstützung. Wie im Vorjahre erschien auch heuer Herr Bezirkshauptmann Chrzaszczewski mit seiner Frau Gemalin in der hiesigen Barou Hirsch-Stiftungsschule anläßlich der am 5. d. M. stattgefundenen Jahresprüfnng. In Abwesenheit des Vorsitzenden übernahm der Herr Bezirkshauptmann selbst den Vorsitz, überzeugte sich während der circa 4stündigen Prüfungszeit persönlich von dem Fortschritte fast jedes einzelnen Schülers und hielt zum Schlüsse der Prüfung eine Ansprache an die Schuljugend, in welcher dieselbe zur unauslöschlichen Dankbarkeit für den hochherzigen, gottseligen Stifter Baron Hirsch, zur Beharrlichkeit im Lernen, zur Vaterlandsliebe und zum friedlichen Zusammenleben mit der christlichen Bevölkerung angeleitet wurde. Die dankbare Schuljugend erwiderte diese Ansprache mit einem dreimaligen „Hoch" auf den Herrn Bezirkshauptmann und seine Frau Gemalin. Hborow, 10. Juli. Am 8. d. M. fand in der hiesigen vierclassigen Baron Hirsch-Stiftungsschule unter zahlreicher Betheiligung der jüdischen sowohl als der nichtjüdischen Bevölkerung die Schlußfeier statt. In dem prächtig und aufs Geschmackvollste decorirten Prüsungssaale waren unter den nichtjüdischen Gästen der Bürgermeister Herr Raciborski, der vom Hezirksschulrathe zum Vorsitzenden delegirt wurde, der k. k. Steuereinnehmer Herr Rojecki, der Director der Volksschule Herr Jankowski und viele andere Honoratioren und Würdenträger der Stadt und unter den jüdischen auch Se. Ehrwürden Herr Rabbiner S. Cohn aus Halberstadt (Preußen), der hier gegenwärtig zum Besuche seiner Kinder weilt, zu bemerken. Um halb 9 Uhr Früh eröffnete der Vorsitzende die Prüfung, welche über alle Erwartung gut ausfiel. Die Kinder antworteten auf die an sie gestellten Fragen correct und verständnißvoll, und zeigten sich in allen Lehrgegenständen zu Hause. Besonders waren die polnischen, deutschen und hebräischen Declamationen gewählt. Die Exposition von Arbeiten aus der Werkstätte des in der Schule eingeführten und vom Schulleiter geleiteten Handfertigkeits-Unterrichtes rief allgemeine Bewunderung des Publicums hervor und manche der erschienenen nichtjüdischen Gäste kauften von den ausgestellten Gegenständen und der Erlös wurde unter die Schulkinder vertheilt. Nach Prämiirung der Borzngsschüler und Verlesung der Classification sprach der Vorsitzende in beredten Worten dem Schulleiter Herrn Isidor Gezelt für seine musterhafte und vorzügliche Leitung der Schule und dem gesammten Lehrkörper für seine rastlose und ersprießliche Arbeit auf dem Gebiete der Jugendbildung im Namen des Bezirksschulrathes seinen Dank aus und versprach, das schöne Resultat der Prüfung höheren Orts zur Kenntniß zu bringen. ' Liegnitz, 22. Juni. (Trauri g, a b e r w a h r.) Ein j ü d i s ch k l i n g e n d e r Name hat hier arge Ausschreitungen zuwege gebracht. Ein Bildhauer Josef Löwe hatte am Sonnabend sein Dienstmädchen nach Bier geschickt. Das Mädchen war etwas zu lange fortgeblieben, und in Folge dessen ließ ihm sein Herr eine wohl ungebührlich starke körperliche Züchtigung zu Theil werden. Auf das Geschrei des Mädchens entstand alsbald ein Auflauf vor dem Hause Löwe's und die Tumulte nahmen ihren Anfang, so daß die Polizei mit der Waffe einschritt und die Ruhe wiederherstellte. Man glaubte nun, daß die Sache beendet sei und war sehr überrascht, als am Sonntag neue Zusammenrottungen und Ausschreitungen der schlimmsten Art stattfanden. Das Haus des Bildhauers wurde mit Steinen förmlich bombardirt, die große Scheibe des Ladens, in welchem fertige Grabdenkmäler in großer Zahl aufgestellt waren, wurde ganz zertrümmert, die Denkmäler wurden zum Theil zerschlagen. Am Montag wiederholten sich die Aufläufe, der Oberbürgermeister konnte die Ruhe nicht Herstellen, es wurde Militär requirirt, das mit blanker Waffe Vorgehen mußte. EinDrechslergeselle ist getödtet und eine Anzahl Personen verletzt. Diese Ausschreitungen fanden statt, weil die Urheber der Meinung waren, der Bildhauer Josef Löwe sei ein Jude — er ist aber katholisch e r C h r i st. Berlin. Die Tageszeitungen bringen schon sehr viele Einzelheiten über die Kaiserreise nach Palästina. Sicher ist, daß die Kaiserin mitgehen wird und daß deshalb die Landung in Haifa erfolgen soll. Dort baut der türkische Mutessarif schon eine große Landungsbrücke; vom Lande aus ruht sie auf Mauerwerk, weiterhin in größter Tiefe werden eiserne Stützen angebracht, auf denen eine hölzerne Brücke ruht. Die Majestäten werden bei ihrem Einzuge in Haifa durch die deutsche Colonie den Berg Karmel hinanfziehen, von wo man eine überaus herrliche Aussicht über Land und Meer hat. Die Einweihung der Kirche wird am 18. October erfolgen und zu diesem Feste werden Tausende von Gästen aus Europa anwesend sein. Berlin. Durch die Zeitungen macht die Notiz die Runde, daß nach der Zusammenstellung des nationalliberalen Statistikers Professor Hickmann bei den Wahlen die Antisemiten keinen Verlust, sondern einen Gewinn zu verzeichnen hätten. Sie seien auf 310.000 Stimmen gekommen statt den 262.000 der Wahl von 1893. Hier liegt ein doppelter Jrrthum vor. Noch kurz vor Schluß der Reichstagssession hat Liebermann L'.'.i Sonnenberg die Stimmen der antisemitischen Parteien auf 300.000 angegeben, indem er die Nachwahlergebnisse zu den Hauptwahlen hinzurechnete. Anderntheils hat die „Staatsbürgerzeitung" selbst nur eine Summe von 236.000 Stimmen bei den. diesmaligen Wahlen für die Antisemiten heraus gerechnet und sie hat für ihre Partei gewiß nicht schlecht gerechnet. Es bleibt also die Thatsache bestehen, trotz Professor Hickmann, daß die Antisemiten keinen Gewinn zu verzeichnen haben trotz oder, wie sie jetzt selbst behaupten, wegen der Hilfe, die ihnen der Bund der Landwirthe hat angedeihen lassen. Jnowrazlaw. Vor Kurzem fand hier im Jünglingsverein — eigentlich antisemitischer Verein — eine Versammlung behufs Gründung eines Vereines „zum blauen Kreuz" statt. Schreiber dieses war auch dort. Zuerst hielt der Superintendent Hildt ein Gebet und eine Betrachtung über die Trunksucht. Dann hielt der vereidete Dolmetsch Streich aus Thorn einen Vortrag, dem er den 100. Psalm zu Grunde legte. Nachdem er die Schrecknisse der Trunksucht, das zerrüttete Familienleben, welches durch den Alkohol entstehe, in beredten Worten geschildert und nachdem er durch eine eigens zusammengestellte Statistik nachgewiesen, wie viel Opfer der Alkohol jährlich fordere, rief er begeistert aus: „Wir müssen uns vor den Juden schämen, denn diese leben nüchtern, sittlich und moralisch; bei uns Christen aber wird ohne Maß und ohne Ziel getrunken! Wenn wir am Samstag Abends und Sonntags einen Rundgang durch die Stadt machen, finden wir die Kneipen und die Gasthäuser gefüllt von johlenden Trinkern. Dort finden wir aber keinen einzigen Juden, nur Christen, die ihren Wochenverdienst dort vergeuden und ihre Familie zu Hause darben lassen!" Dann kam er auf die Verhältnisse in Deutschland zu sprechen und meinte, daß sie in Rußland besser liegen als bei uns. „Dort darf bei hoher Strafe nur ein gewisses kleines Maß Spiritus verabfolgt werden, hier aber bleibt die Trunksucht ohne Schranken. Dorr in Rußland regiert nur einer, hier aber sitzen im Reichstage die meisten Landwirthe, die, anstatt dem Uebel der Trunksucht zu steuern, diese noch fördern, damit ihre Landproducte in Spiritus und Bier verwandelt werden und sie reichen Profit haben!" Brüssel. Der Antisemitismus, bis vor Kurzem eine ganz seltene Erscheinung, fängt an, auch bei uns seine Blüthen zu treiben. In dem socialistischen Organ »Le Peuple« schreibt der bekannte radicale Senator Edmond Picard eine Serie von Artikeln über den wissenschaftlichen und Humanitären Antisemitismus. Der bekannte Vertreter von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit macht also nur in Bezug aus die Juden eine Ausnahme von seiner Freiheitsliebe. Leider bleibt dieser Fall von Antise-

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