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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-07-15 · 28 (15.7.1898) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
28 (15.7.1898)
Date
1898-07-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 28 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 535 Wohlthätigkeits-Section und dem Armenamtsleiter Max Groß für dessen umfassende Wirksamkeit auf dem Gebiete des Armenwesens die Anerkennung und der Dank des Cultusvorstandes ausgesprochen. Herr Dr. Steiner referirt weiters über Verleihung von Stiftungen. Die im Sinne der stiftbrieflichen Bestimmungen an die competenten Stiftungsorgane zu erstattenden Vorschläge bezüglich der Rothschild'schen Waisenstiftung für 21 Plätze und der L. G. Goldstein'schen Heiratsausstattungs-Stiftung für einen Platz werden genehmigt. Die Zinsenerträgnisse der Albert Gansel'schen Widmung für israelitische Arme im Betrage von fl. 190 gelangen an 13 würdige Petenten zur Verkeilung. Die Eingabe des I. Brigittenauer israelitischen Frauen- Wohlthätigkeits-Bereines, betreffend die Errichtung einer Kaiser- Jubiläums-Stiftuug zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen, wird rücksichtlich der auf die eventuelle Jngerenz der Cultusgemeinde bezüglichen Bestimmung des Stistbriefentwnrfes zustimmend zur Kenntniß genommen. Ueber Referat und Antrag des Obmannes Herrn Baurath von Goldschmidt werden für das laufende Jahr weitere periodische Unterstützungen an 10 Personen im Gesammtbetraae von fl. 490 bewilligt. Herr Cultusvorsteher Oberingenieur Arthur Edler von Mises referirt über Vergebung baulicher Arbeiten auf dem Centralfriedhofe, Herr Cultusvorsteher Hoffmann über vorzunehmende Adaptirungtzn im Gemeindehause XVIII., Schopenhanerstraße 39. Die bezüglichen Kostenvoranschläge werden genehmigt. Nach Erledigung mehrerer Personal-Angelegenheiten wird die Sitzung um 8 Uhr Abends geschlossen. Wien. Eine Deputation des Ausschusses des Verbandes der israelitischen Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen, bestehend aus dem Obmanne Dr. Ad. W:iß, Prof. M. Kanitz und dem Schriftführer Dr. H. Pollak, wurde, nachdem bereits früher eine Petition dem Herrn Unterrichtsminister überreicht worden war, Montag den 4. Juli von dem Herrn Ministerpräsidenten Grafen Thun und dem Herrn Finanzininister Dr. Kaizl in Audienz empfangen, um ihre Bitten, betreffend die Rechtsstellung der an Mittelschulen wirkenden Religionslehrer, vorzutragen. Der Deputation wurde überall ein huldvoller Empfang zutheil und derselben eine wohlwollende Beurtheilung ihrer Angelegenheit zugesichert. Der Ausschuß hat sich mit diesem neuen Schritte ein großes Verdienst um die Interessen des Verbandes und seiner Mitglieder erworben. Saaz, 12. Juli. Das Kreisgericht in Brüx hat das vom hiesigen antisemitischen Schriftleiter Edmund P u m m e r, welcher anläßlich der Saazer Excesse vom Obersten Gerichtshöfe zu vier Monaten Kerkers rechtskräftig verurtheilt worden ist, unter Namhaftmachung zahlreicher Entlastungszeugen eingebrachte Gesuch um Wiederaufnahme des Strafverfahrens und Strafaufschub nach Einvernehmen dieser Zeugen abgewiesen und Pummer zum sofortigen Strafantritte aufgefordert. Die Staatsanwaltschaft hat überdies gegen die Entlastungszeugen wegen deren Aussagen die Untersuchung eingeleitet. Der antisemitische Stadtverordnete Hopfenhändler Anton Christ!, welcher in öffentlicher Sitzung den liberalen Stadtverordneten Dr. I a n k o beschimpft hat und hiefür vom Bezirksgerichte zu 20 fl. Geldstrafe verurtheilt worden ist, wurde auf Berufung des Dr. Janko vom Kreisgerichte Brüx zu zwei Tagen Arrests verurtheilt. Preßburg. Man spricht viel von der Volksküche des Büdapester israelitischen Frauenvereines, woselbst täglich 500 bis 600 Arme theils unentgeltlich, theils aber um sehr geringe Bezahlung gespeist werden. Es war mir bisher noch nicht gegönnt, diese Speiseanstalt näher kennen zu lernen, ich hatte jedoch Gelegenheit, die Volksküche der Preßburger israelitischen orthodoxen Gemeinde zu sehen, und was ich da gesehen, verdient wahrlich verzeichnet zu werden. In allen Räumen der Volksküche herrscht eine pedantische Reinlichkeit. In den drei geräumigen Speisezimmern speisen täglich circa 150 Personen, viele unentgeltlich, viele für halbe Taxe und nur sehr wenige für ganze Taxe. Ueberraschend ist, daß die Zahl der nichtjüdischen Kunden fast so groß ist, wie die der jüdischen, an Sonnabenden hingegen übersteigt die Zahl der ersteren die der letzteren, was dem Umstande beiznmessen ist, daß die Speisen trotz ihrer Billigkeit — man erhält vier Speisen sammt Brod für 16 kr. — äußerst schmackhaft zubereitet sind. Auch ist die Bedienung eine musterhafte. Junge Damen, Mitglieder des Ausschusses, bedienen abwechselnd ihre hungrigen Gäste, denen sie die Speisen in Begleitung einiger freundlicher Worte verabreichen. Auch die Herren stehen nicht zurück bei diesem Dienste. Die Erhaltung dieser Anstalt erheischt große Opfer seitens der Gemeinde und stünden nicht pflichteifrige Herren und Damen an der Spitze dieser Institution, so könnte sich diese Anstalt nicht erhalten. Möge auch fernerhin Gottes Segen auf ihrem Werke ruhen. Troppau. Sonntag den 26. Juni fand im hiesigen Tempel die erste feierliche Mädchenconfirmation statt. Nachstehende 10 Mädchen waren es, welche den Vorzug genoffen, als die Ersten durch diesen weihevollen Act den Austritt aus der Schule und den Eintritt in das Leben und die Gemeinschaft der Frommen zu feiern: Dorothea Donnath, Margarethe Eibuschitz, Helene Fries, Valerie Lindner, Martha Quittner, Elsa Steiner, Helene Storosum, Marie Wasserzug. Hermine Weiß und Paula Zwillinger. Die Mädchen hatten im Halbkreis vor der Lade der Gesctzesrollen Aufstellung genommen. Nach dem Bortrage eines weihevollen Psalmes durch unseren vorzüglich geschulten gemischten Chor unter Leitung des Obercantors Singermanu sprach Elsa Steiner ein Gebet, eine Bearbeitung des Psalmes 84. Der Religivnslehrer der genannten Schülerinnen, Oberlehrer Marcus Blatt, richtete hierauf an die Mädchen eine kurze, aber gehaltvolle Ansprache, nach welcher die Confirmandinnen eine Prüfung über die Hauptlehren der israelitischen Religion und das Glaubensbekenntniß ablegten. Rabbiner Dr. Blüh legte sodann in einer längeren Predigt die weihevolle Bedeutung des Tages dar und sprach über die Confirmandinnen den Segen. Mit den Dankesworten einer Schülerin an den verehrten Lehrer und Herrn Rabbiner endete die schöne Feier. I. Lemberg. Dr. Simon Schaff, Bicepräses unserer Gemeinde, erklärte dem Cultusvorstande seine Bereitwilligkeit, ein besonderes Mädchenwaisenhaus auf seine Kosten zu erbauen, wenn ihm der Vorstand den zum Waisenhaus gehörigen seitlich gelegenen Platz einräumen wird. Wie wir vernehmen, wurde der Kostenvoranschlag des Lazarusspitals vom Baumeister, nicht wie ursprünglich angenommen auf 100.000 bis 120.000 fl., sondern auf 165.000 fl. präliminirt. Bei der am 27. Juni stattgehabten Wahl ist eine fünfgliedrige Verwaltung der Syxtusken-Synagoge, bestehend aus den Herren Ad. Chajes, H. Gätz, M. Kohn, H. W. Mehrer und O. Zach mit Stimmenmehrheit aus der Wahlurne hervorgegangen. .Krakau. Wie der hiesige „Czas* berichtet, fand hier am 7. Juli l. I. eine Conferenz der Führer der galizischen Gemeinden statt, die von großer Tragweite für die weitere Entwicklung der Verhältnisse der Juden in Galizien werden kann. An der Conferenz nahmen folgende Herren theil: der Abgeordnete Dr. Arnold v. Rapoport, Dr. Heinrich Kolischer, Dr. Emil Byk, Ageordneter Piepes, der Präsident der Krakauer Cultusgemeinde Dr. Leon Horowitz, der Bicepräsident der Krakauer Cultusgemeinde Hirsch Landau, Dr. I. Dawid aus Neu-Sandec, Prediger Dr. Thon, der Präsident der hiesigen Handelskammer Albert Mendelsburg und die Advocaten Dr. Goldhammer aus Tarnow, Dr. Rosenblatt und Dr. Steinhaus. Die. Herren constituirten sich als Counts und beschlossen, die Hilfsaction aus Anlaß der galizischen Unruhen energisch zu betreiben und die nöthigen Mittel durch Sammlungen aufzubringen. Gleichzeitig wurde beschlossen, eine Action zur Hebung der ökonomischen Lage der Juden in Galizien, die so sehr unter der Pest des Antisemitismus leiden, zu unternehmen. An der Spitze des hiesigen Comites steht der Präsident der Cultusgemeinde Dr. Leon Horowitz, an der des Lemberger Comitss der Präsident der dortigen Cultusgemeinde Dr. Byk. Der Abgeordnete Dr. v. Rapoport hat 5000 fl. für die beraubten Juden in Galizien gespendet. Weitere Spenden sind an das Präsidium der Krakauer Cultusgemeinde, das jetzt in Abwesenheit des Präsidenten Dr. Leon Horowitz während des Sommers der Bicepräsident der Cultusgemeinde Hirsch Landau leitet, einzusenden. Saybusch. In zwei Stunden an einer gebirgig schönen Landschaft erreicht man von dem durch antisemitische Excesse berüchtigten Ort, Saybusch aus, ein Dörfchen, eines der schönst gelegensten Beskidendörfchen, „Raycza", am Fuße des gleichnamigen Berges. Eine kleine Schaar von Juden lebt dort, die von langer Zeit her, ein altes, schlecht gebautes Bethaus hatten. Nun wurde sogar ein Theil desselben verpachtet; Arbeiter erhielten vor dem Hause ihre Löhnung, Bretter der dortigen Säge umgaben es — und allerlei beschwerende Umstände traten

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