Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-07-15 · 28 (15.7.1898) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
28 (15.7.1898)
Date
1898-07-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021223-3021252--08001-3032357
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 534 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 2Ü ihr Leben aufzuopfern bereit sei. Ich hoffe, daß wir durch Euch, die Ihr Euch, wie es jedem Unterthan geziemt, pflichtgetreu aufführt, auch noch jener Fesseln entledigt werden, die uns zum Theil noch drücken. Rabbi Ezechiel hatte drei gelehrte Söhne, Jekewke, der in Jampel geboren wurde und als reichbegüterter Mann in Brody lebte, Samuel, der als Rausch Betdin, Vorsitzender iin Prager Rabbinate, nach seines Vaters Tode fnngirte und in der Gemeinde eine hervorragende Rolle spielte in Israel, dessen Sohn M. I. Landau, als Schriftsteller und Gemeindevorsteher in Prag Berühmtheit erlangte. Am 22. April 1793 wurde Ezechiel vom Schauplatze seiner langjährigen, überaus segensreichen Thätigkeit abberufen. Rabbi Eliasar Flekeles, ein scharfsinniger Talmudist und vorzüglicher Redner, widmete ihm auf dem Wolschauer Friedhofe einen tief ergreifenden Nachruf. Um jene Zeit bestand das Prager Rabbinats- Collegium aus folgenden Männern: Rabbi Solman Emerich, Rabbi Michael Bachrach, Rabbi Jakob Günzburg und Rabbi Eliasar Flekeles. Nach dem Tode Emerichs wurde Samuel Landau in das Rabbinats-Collegium gewählt. Als Vorsitzender jedoch wurde er erst nach dem Hinscheiden Rabbi Eliasar Flekeles, ernannt. Nachdem er am 30. October 1834 das Zeitliche gesegnet, wurde Rabbi Samuel Löw Kauder, Kreisrabbiner in Kalladai, zum Vorsitzenden Rausch Betdin des Prager Rabbinats- Collegiums ernannt. Diesem gelehrten Rabbi war es aber nicht lange gegönnt, dieses hochwichtige Amt zu bekleiden, denn nach dritthalb Jahren ging er den Weg alles Fleisches. Nun richtete jetzt die Prager Gemeinde ihr Augenmerk auf einen Mann, der sich durch seine literarischen Arbeiten einen Weltruf erworben, auf R a p o p o r t. Salomon Löw Rapoport, der 1790 in Lemberg geboren wurde, entstammte einer sehr achtbaren altjüdischen Familie. Seine Eltern ließen ihm, der mit ungewöhnlichen Geistesgaben von der Vorsehung beglückt wurde, frühzeitig im Talnmd Unterricht ertheilen, auf welchem Gebiete er bald solch' staunenswerthe Fortschritte gemacht, daß ihn die erste rabbinische Autorität Polens der damaligen Zeit, Rabbiner Arje Leb Kohen, Verfasser der Werke: „Kezot Hachoschen", „Abne Mulnim", „Schew Schematese", zu seinem Schwiegersöhne erkoren hatte. Rapoport, der ein helldenkender Geist war, konnte sich jedoch mit dem Studium des Talmud allein nicht begnügen, er war vielmehr frühzeitig schon unausgesetzl bestrebt und bemüht, sich auch gründliche Kenntnisse der profanen Wissenschaften anzueignen. Durch Fleiß, Mühe und Ausdauer ist es ihm in der That gelungen, ein Heros der wiffenschaftlichen Kritik in Israel zu werden. Seine biographischen Arbeiten in dm Jahrbüchern „Bikure haitim“ haben in der jüdischen Gelehrtenwelt ungewöhnliche Sensation erregt. „Welch ein Geist ist der Rapoport's, ruft Szanto aus, der zuerst in den Wiener Jahrbüchern, Bikure haitim genannt, auftrat und in seinen kritisch-philologischen Abhandlungen, das ganze Gebiet der jüdischen Literatur durcheinander rüttelte und mit Bergen von Wissensschätzen wie mit Spielballen warf. Da riß er weite Schachte auf, die unter dem Schutte Jahrhunderte lang gelegen, und sprach: Steiget hinab, Bergmänner, hier liegt gediegenes Erz, da leuchtete er mit seiner Fackel in ein wild verworrenes Gestrüppe hinein oder brach die Bahn durch ein unwegsames Geklüfte. Nicht was er gefunden, ist sein größtes Verdienst, sondern baß er finden lehrte, das ist sein Ruhm für alle Zeiten. Seine Arbeiten unter dem bescheidenem Titel von Biographien eines Kaüir, Rabbenu Nathan, Rabbenu Chananel oder als Recensionen größerer Handbücher, als Vorreden zu neu edirten Büchern erschienen, regten die Geister mächtig an und brachten die neue Aera in der Entwicklung der Geschichtskritik und Alterthumskunde hervor." (Nzt. VII. Jahrgang, Seite 496.) Im Jahre 1837 wurde Rapoport als Oberrabbiner nach Tarnopol berufen, wo er neben Joseph Perl, dem Begründer der dortigen Volksschule und Bekämpfer des Chassidismus in Polen, eine segensreiche Thätigkeit entfaltete. Allein chassidäische Fanatiker haben ihn seiner hohen Gelehrsamkeit halber verketzert und sich bemüht, ihm in jeder Weise das Leben zu verbittern und zu vergällen. Ja, es kam soweit, daß am Wvchenfeste des Jahres 1840 Militär und Polizei in der Tarnopoler Synagoge erscheinen mußten, um den frommen, gelehrten Rabbi vor Mißhandlungen zu schützen. Noch in demselben Jahre wurde Rapoport von der Prager Cultusgemeinde zu ihrem religiösen Oberhaupte ernannt. Hier, wo man seine hohen unverwelklichen Verdienste um die jüdische Literatur zu würdigen verstand, erfreute er sich der Liebe und Hochachtung der ganzen Gemeinde, die ihm das Glück des religiösen Friedens zumeist zu verdanken hatte. Am 17. Tischri des Jahres 1867 hatte dieser edle fromme Seelenhirte nach einem langen, thatenreichen mit der Krone des Priesterthums, der Wissenschaft und des Märtyrerthums geschmückten Lebens seine irdische Laufbahn vollendet. Außer seinen bereits erwähnten höchst gediegenen Arbeiten verdient auch seine talmudifche Real-Encyklopädie „Erich Millin“, von der blos der Buchstabe Aleph erschienen ist, besonders gewürdigt zu werden. Correspondenzen. Sitzung des Cultusvorstandes vom 5. Juli 1898. (Vorsitzender Präsident kais. Rath Kling er. Beginn 5 Uhr Nachmittags.) Unter den Einläufen gelangen zur Verlesung ein Dankschreiben des Herrn Hofrath Samuel Ritter von Hahn für die Beileidskundgebung anläßlich des. Ablebens seines Sohnes, des verewigten Herrn Dr. Carl Ritter von Hahn, ferner eine Einladung des Curatoriums der israelitisch-theologischen Lehranstalt zur Delegirung eines Vorstandsmitgliedes zu den in nächster Zeit stattfindenden Prüfungen von Candidaten für das Religionslehramt. Ueber Ersuchen des Präsidenten übernimmt Herr Cultusvorsteher Dr. Maximilian Steiner die Vertretung des Vorstandes. Die seit der vorhergegangenen Plenarsitzung eingelaufenen Spenden für den Bau des Siecheuhauses werden zur Kenntniß gebracht. Hiebei verweist der Präsident auf die regelmäßig veröffentlichten Spendenverzeichnisse und hebt hervor, daß Hof- und Gerichtsadvocat Herr Dr. Wilhelm Pappenheim namens einer ungenannt sein wollenden Persönlichkeit für das Siechenhaus den Betrag von fl. 1000 übermittelte. Den Spendern wird der Dank votirt. Beitrittserklärungen zum „Allgemeinen österreichisch-israelitischen Bunde" sind in der letzten Woche eingelangt von den Cultnsgemeinden: Bielitz, Kojetein, Jaroslau, Baden. Im Präsidialberichte bringt der Präsident unter Anderem zur Kenntniß, daß er die Vertretung des Synagogenbauvereines für die Bezirke Wieden und Margarethen rücksichtlich der von diesem Vereine an den Cultusvorstand gerichteten Eingabe betreffs Gewährung eines Darlehens zum Baue eines Tempels für die genannten Bezirke zu einer Besprechung eingeladen und bei derselben den Standpunkt des Vorstandes klargelegt und begründet habe. Ein Ansuchen des Synagogenbauvereines Wieden—Margarethen um Gewährung einer Subvention werde gleich den Eingaben anderer Bethausvereine in meritorische Behandlung gezogen werden und gewiß eine wohlwollende Erledigung finden. Der Präsident theilt ferner mit, daß er die heutige Plenarsitzung hauptsächlich zu dem Behufe einberufen habe, damit der Vorstand in Angelegenheit der Hilfsaction für Galizien einen Beschluß fasse. Nachdem mehrere Vorstandsmitglieder, und zwar die Herren: Oberingenieur v. Mises, Baurath v. Goldschmidt, Architekt Fleischer und kaiserlicher Rath Hirsch zu diesem Gegenstände das Wort ergriffen hatten, um auseinanderzusetzen, daß die tief beklagenswerthen, wahrhaft erschütternden Ausschreitungen in Galizien als eine Folge jahrelanger Verhetzungen sich darstellen, beschließt der Vorstand, zu Gunsten der armen, so schwer betroffenen Glaubensgenossen in Galizien den Betrag von 2000 fl. zu widmen und denselben dem von der „Israelitischen Allianz zu Wien" aus diesem Anlasse geschaffenen Unterstützungsfoude zuzuführen. Dabei wird der Erwartung Ausdruck gegeben, daß opferwillige Glaubenbgenossen zur Linderung des schrecklichen Elends nach Maßgabe ihrer eigenen Mittel beitragen werden. Herr Cultusvorsteher Dr. Maximilian Steiner referirt über den Thätigkeitsbericht des Armenamtes der Cultusgemeinde für das Jahr 1897. Derselbe liegt gedruckt vor, enthält interessante statistische Daten und ist das Ergebniß der mühevoflen gemeinsamen Arbeit des Obmannes der Wohlthätigkeits-Section, Herrn Baurath Theodor Ritter von Goldfchmidt und des Armenamtsleiters Max Groß. Dieser Thätigkeitsbericht wird zur Kenntniß genommen und wird die Versendung desselben an Wohlthätigkeits - Institute ' und Philanthropen zur Kenntnißnahme beschlossen. Herrn Baurath von Goldschmidt wird für seine hervorragende Thätigkeit als Obmann und Führer der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.