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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-07-15 · 28 (15.7.1898) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
28 (15.7.1898)
Date
1898-07-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 28 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 833 war ein Ereigniß, daß ein Mann in so jungen Jahren auf einen so großen Posten berufen wurde, denn damals nahm man bei der. Wahl eines religiösen Oberhauptes nicht auf die Jugend, sondern auf das Alter besondere Rücksicht. Hier wurde jedoch von der Regel eine Ausnahme gemacht und Landau wurde 1754 zum Oberrabbiner der Prager Cultusgemeinde ernannt, welches hochwichtige und heilige Amt er vierzig Jahre lang äußerst tact- und würdevoll bekleidet hat. In der ersten Zeit hatte Landau in Prag viele Gegner. Es waren dies zumeist die eifrigsten Verehrer des R. Jonathan Eibenschitz, die diesen äußerst scharfsinnigen Talmudisten so gern au der Spitze des Prager Rabbinats gesehen hätten. Nach und nach ist es jedoch Landau in Folge seiner immensen Gelehrsamkeit, seines Scharfsinnes und edlen Charakters gelungen, all die Schwierigkeiten, die ihm Anfangs in den Weg gelegt wurden, zu überwinden und selbst die größten Gegner sich zu Freunden und Verehrern zu machen. Er erfreute sich bald eines Weltrufes Von allen Seiten strömten wißbegierige Jünger herbei, um mit gespanntester Aufmerksamkeit seinen Vorträgen zu lauschen. Besonders wurde er in seiner Gemeinde allgemein geliebt, geachtet, gefeiert und wie ein Heiliger verehrt. Einen jedoch gab es in dieser großen Gemeinde, der sich in abfälliger Weise über ihn, den Rabbi Landau, geäußert. Es war dies ein wenig bemittelter Mann, ein Kleidermacher von Profession. Man nannte ihn in der „Gasse" Jochanan Schneider. Dieser Mensch ging zwar täglich ins Gotteshaus, leierte sämmtliche Gebete nebst den üblichen Psalmen herunter, beobachtete alle Ceremonien mit minutiöser Pünktlichkeit; allein er war ungemein ehrgeizig und herrschsüchtig, wollte überall das große Wort führen und in allen Angelegenheiten zu Rathe gezogen werden. Da man aber in maßgebenden Kreisen seinen diesbezüglichen Wünschen zu entsprechen nicht geneigt war, so wurde er ein Krakehler, ein wahrer Korachide, dem nichts recht und nichts heilig gewesen, der Alles bekritelte, tadelte, verdächtigte und verleumdete. Und dieser Mensch war es, der den Muth hatte, sich gegen Rabbi L. in abfälliger Weise in öffentlichen Localen zu äußern. Als der Rabbi dies erfuhr, trug er seinen Hausleuten auf, dem Schneider Jochanan Beschäftigung zu geben. Vielleicht ist es Noth, so dachte der kluge Rabbi, die aus ihm herausschreit. Man ließ also von Jochanan nicht nur defecte Kleider repariren, sondern auch neue anfertigen, obgleich er kein Meister auf diesem Gebiete war. Aber Alles war vergeblich, Jochanan rumorte und schimpfte nach wie vor. Eines Tages jedoch erschien der Rabbinatsactuar (Schare es) bei Jochanan und theilte ihm mit, daß er eingeladen sei, ani nächsten Morgen nach dem Frühgebete vor dem Rabbi 51t erscheinen. Jochanan fand sich zur bestimmten Zeit beim Rabbi ein, der ihn sehr freundlich empfing. „Ich höre", rief der Rabbi ihm zu, „daß Sie mit meiner Ernennung zum Prager Rav nicht zufrieden seien. N>rn darüber läßt sich wohl nicht streiten, denn aller Welt kann man es nicht recht thun. Aber sagen Sie mir, was Sie eigentlich an mir auszusetzen gefunden; bin ich Ihnen zu wenig fromm, habe ich vielleicht gefehlt, geirrt — denn es gibt ja keinen unfehlbaren Menschen auf Erden — so bitte ich, mich nur auf meinen Jrrthum aufmerksam zu machen und ich werde Ihnen dafür dankbar sein. Bin ich Ihnen zu wenig gelehrt, habe ich mich vielleicht in meinen Entscheidungen geirrt, so bitte ich mich zu belehren, denn unsere Weisen sagen, daß nur Derjenige ein Weiser genannt zu werden verdient, der von jedem Menschen lernt. Wenn Sie auch nur ein Schneider sind, so könnte ich vielleicht doch noch von Ihnen was lernen, denn die hervorragendsten Lehrer in der talmudischen Zeit waren auch Handwerker und Arbeiter. Nur bitte ich Sie, nicht hinterrücks zu rumoren und zu schimpfen". „Großer, edler Rabbi," entgegnete Jochanan, „ich begreife nicht, wie der Rabbi solche Worte sprechen kann? Der Rabbi ist gewiß einer der größten Gelehrten in Israel, sonst würde man ja Sie nicht nach Prag berufen haben. Alle Welt spricht mit der größten Hochachtung vom Rabbi Jecheskel Landau und bewundert dessen hohe Gelehrsamkeit und segensreiche Thätigkeit, und da sollte ich es wagen, einen solchen Mann belehren und zurechtweisen zu wollen? Kann ein Amhorez einen Talmud-Chacham belehren? Aber," rief Jochanan pathetisch aus, „ich bin ein Ehrenmann, ein Mann von Charakter, der Ehrgefühl im Leibe hat, daher kränkt es mich, wenn ich überall zurückgesetzt werde und überhaupt unbeachtet bleibe. Als der Rabbi seinerzeit nach Prag kam", bemerkte Jochanan weiter, „da wetteiferte Alles, um die Aufmerksamkeit desselben auf sich zu lenken; den Gelehrten (Lamdanim) gelang dies durch die wissenschaftlichen Disputationen, Pilpulim, die sie in Gegenwart des Rabbi hielten, den reich begüterten Bale Batim durch große Geschenke, die sie dem Rabbi überreichen ließen; ich aber konnte weder durch Gelehrsamkeit noch durch Geschenke dieses Ziel erreichen, daher lärmte und polterte ich, bis der Rabbi auf mich aufmerksam gemacht wurde. Sonst würde ja der Rabbi gar nichts von der Existenz eines Jochanan Schneider erfahren haben. Und warum sollte gerade ich unbeachtet bleiben, bin ich etwas weniger als jene Glücksbegünstigten? Vor ungefähr zwei Decennien waren hier Manche von Jenen, die heute eine solch hervorragende Rolle spielen, dasselbe, was ich heute bin, ja noch weniger, denn sie waren Packträger, während ich ein Handwerker bin; weil also das Glück mir nicht so günstig war, soll ich in den Hintergrund gedrängt werden?" „Hören Sie einmal," entgegnete der Rabbi, „was ich Ihnen sagen werde: Es ist allerdings wahr, daß ich jeden wissenschaftlich gebildeten Mann, jeden Talmd-Chacham achte und schätze; aber ich achte nicht blos die Gelehrten, sondern überhaupt jeden würdigen Menschen, der schöne Tugenden besitzt, gleichviel ob er gebildet oder nicht gebildet, ob er ein Krösus oder ein unbemittelter Mensch ist. Wenn Sie aber glauben, daß ich die Reichen nur deshalb schätze, weil sie reich find, so irren Sie gewaltig. Derjenige, der weiter nichts als den Geldsack besitzt, der imponirt mir nicht, und wäre er auch der Allgewaltigste in der Gemeinde. Fürchtet keinen Menschen, heißt es in der Thora. Sie wollten, mein lieber R. Jochanan, meine Aufmerksamkeit auf sich lenken; nun, da hätten Sie sich ganz einfach mir vorstellen sollen, und ich hätte Sie gewiß, wie es meine Gewohnheit ist, sehr freundlich empfangen. Aber die Art und Weise, wie Sie vorgegangen, verdient entschieden verurtheilt zu werden, denn es gibt keine größere Sünde als Chiliul hoschem, die Entweihung des göttlichen Namens, und es gibt keine größere Entweihung des göttlichen Namens, als wenn man da draußen in öffentlichen Kreisen die Thora und die Träger derselben in unqualificirbarer Weise herabwürdigt." Gedemüthigt und zerknirscht verließ dieser Streber Jochanan den frommen Rabbi, dessen Namen in öffentlichen Localen herabzuwürdigen er nie und nimmermehr wagte. Trotz seiner strengen asketischen Lebensweise war Rabbi Ezechiel ein Feind der fanatischen Chassidäer. Ebenso ingrimmig wie die Sabbathäer wurden auch die Chassidäer oder „Beschter" von ihm gehaßt. „O wie glücklich", ruft er aus, „waren die früheren Geschlechter, welchen ihren Fleiß der Thora und den religiösen Hebungen widmeten, den Gesctzeslehren folgend, deren Worte aus der Quelle des lebendigen Wassers, dem Talmud fließen! Wie tief sind dagegen die Kinder unserer Zeit gesunken! Die göttliche Lehre, Thora und den Lebensquell, die beiden Talmude verlassen sie, um sich löcherige Zisternen zu graben! Hochmüthig spricht Jeder: Ich bin der Seher * Mir allein stehen die Pforten des Himmels offen, um meinetwillen besteht die Welt! lieber solch' ein verwaistes Geschlecht rufe ich aus: Gerade sind die Wege Gottes, die Frommen wandeln darauf, die Chassidäer straucheln darauf. (N. Bijehuda I. 2. 93) Landau sah sich zuweilen, trotz seiner rigorosen Frömmigkeit ge nöthigt, Concessionen zu ertheilen. Löb Hönigsberg frug an, ob er. seinen begonnenen Bau an den Halbfeiertagen fortsetzen dürfe. Landau antwortet vorerst mit einem Nein! Hönigsberg ließ dann über die Dringlichkeit des Baues neue Vorstellungen machen und Rabbi Ezechiel gab nach. (N. B. II. 12.) Ja noch mehr, er gestattete sogar den Brüdern Israel und Moses Hönigsberg, ihre Wechselstube in Wien auch am Sabbathe zu öffnen, vorausgesetzt, daß sie einen christlichen Werkführer anstellen, demselben einen Antheil am Gewinn gewähren und ihm das Geschäftslocal vermiethen. (N. B. ibid 29). Auch als begeisterter Patriot zeichnete sich Rabbi Ezechiel vorteilhaft aus. Als im Jahre 1781 zum erstenmale jüdische Jünglinge affentirt wurden, — im Jahre 1788 erging nämlich in allen österreichischen Ländern der strenge Befehl des Kaisers: Die Juden dürfen nicht mehr von der Militärpflicht verschont bleiben — hielt Landau an die Affentirten, ehe sie die Heimat verließen, eine Ansprache, in der es unter Anderm heißt: „Im Uebrigen seid Gott treu im Herzen. Weichet in keinem Falle vom Glauben Euerer Väter und dienet unserem allergnädigsten Landesfürsten mit gutem Willen und rastloser Thätigkeit. Erwerbet Euch und unserer ganzen Nation Dank und Ehre, damit man sehe, daß auch unsere bisher unterdrückte Nation ihrem Landesfürsten und ihre Obrigkeitenliebe und im Falle der Noth

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