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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-07-08 · 27 (8.7.1898) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
27 (8.7.1898)
Date
1898-07-08
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 27 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 526 einen tapferen Officier, der für sein Vaterland gekämpft und geblutet hat, weder darben, noch von fremder Unterstützung leben lassen darf; der Staat und ich als dessen Vertreter uud erster Diener haben die Verpflichtung, Sie dadurch zu versorgen, daß wir Ihnen eine entsprechende. Ihren Fähigkeiten angemessene Beschäftigung anweisen. Was haben Sie gelernt? „Bevor ich in die Armee eintrat, habe ich das Gymnasium absolvirt." „Gut! — Sprechen Sie fremde Sprachen? „Ich spreche und schreibe französisch und italienisch wie meine Muttersprache und kann mich zur Noth auch in den slavischen Idiomen ausdrücken . . . Meine Conduitliste" fügte er unaufgefordert hinzu, „ist eine vorzügliche." „Das kann ich bestätigen, Majestät!" mischte sich Corvnini bescheiden in die Verhandlung. „Herr von Bollwitz war Fähnrich in der Escadron, deren Premierrittmeister ich war — den Arm, der ihm fehlt, hat er auf dem Schlachtfeld von Kolin gelassen und die Regimentsfahne gerettet." „Das weiß ich, das weiß ich", entgegnete der Kaiser lebhaft und fügte dann etwas leiser hinzu: „Wissen Sie, Corvnini, was mir an dem Mann besonders gefiel? — er hat von unserem ehemaligen, ruhmreichen Feinde, vom Heldenkönig Friedrich dem Großen, dessen Genie ich selbst verehre, mit Hochachtung gesprochen." Der Kaiser dachte einen Augenblick nach. „Herr von Bollwitz", sprach er endlich, „Sie sind seit elf Jahren ans dem Heeresdienste entlassen; es war dies ein großer Fehler Ihrer Vorgesetzten; es ist eine falsche Anschauung, daß ein intelligenter Officier, der das Unglück hatte, einen Arni zu verlieren, sich nicht auch in der Armee nützlich machen kann. Ich biete Ihnen eine von zwei Stellen an und überlasse Ihnen hiebei die Wahl; — entweder ernenne ich Sie zum Hauptmann und weise Sie einer Rechnungskanzlei oder einer Monturscommission zu — oder ich mache Sie zu meinem Privatsecretär; doch bitte ich Sie, zu bedenken, daß Sie im ersten Falle, bei Fleiß und gutem Willen avauciren, es zu einer glänzenden Stellung bringen können, während Sie als mein Privatsecretär Ihre Carritzre abgeschlossen haben." Der Kaiser blickte scharf prüfend in Bollwitz aufgeregtes Antlitz, das sich vor Freude und Ueberraschung purpurn färbte. „Euer kaiserliche Majestät! ich werde in jeder Stellung, die allerhöchstdero Gnade mir anzuweisen geruht, mit dem Aufgebote aller meiner Kräfte bestrebt sein, mich der hohen Huld würdig zu beweisen; aber ich würde es für das höchste Glück meines Lebens erachten, wenn meine Pflicht mich unmittelbar an die geheiligte Person meines gnädigen Monarchen knüpfte, ich wage daher allerunterthänigst um die Stelle allerhöchstdero Privatsecretärs zu bitten!" Kaiser Josefs Augen leuchteten vor innerem Vergnügen auf, er war ein großer Menschenkenner und sein geistiges Auge blickte tief in die Menschenbrust; diese Huldigung, die ihm Bollwitz brachte, war eine ungeheuchelte, wahre, und obwohl gewohnt daran, seine Gefühle meisterhaft zu beherrschen, entschlüpfte ihm doch unwillkürlich: „Brav! Das freut mich! — allein", fügte er hinzu: „Wir können ja das Schöne mit dem Nützlichen verbinden; ich ernenne Sie zu meinem Secretär und verleihe Ihnen Hauptmannsrang; ich werde Ihnen auch den Weg zum weiteren Avancement in der Armee offen halten; ich bin nicht so egoistisch, mir zu Liebe einen fähigen Mann zu dessen Schaden in einer untergeordneten Stellung festzuhalten." „Majestät, welche Huld, welche Gnade!" rief Bollwitz in überströmendem Gefühle, und zur allgemeinen Verwunderung trat jetzt auch Anna Pellwald einen Schritt näher an den Kaiser und sprach: „Meinen Dank, allergnädigster angebeteter Monarch!" aber schon in dem nächsten Momente überlohte eine brennende Feuergluth ihre Wangen, sie mußte den Blick zu Boden senken, ihr Busen wogte stürmisch und eine Thräne floß langsam über ihre Wange, ein Zittern durchflog die liebliche Gestalt; — sie hatte das bisher vor Fremden wohlverwahrte Geheimniß preisgegeben; sie hätte vor Scham in die Erde sinken, sie hätte am liebsten sterben mögen. Der Baron war im höchsten Grade überrascht, er erkannte, daß seine Tochter Bollwitz liebe, aber in dem Momente, indem so Vieles unerwartet über ihn gekommen, konnte v sich nicht rasch genug ein Urtheil bilden, wie er die Verhältnisse aufnehmen sollte. Bollwitz hatte des Kaisers Wohlgefallen erregt, würde möglicherweise bald sein Günstling werden; aber Pellwald konnte ja nicht wissen, ob der Monarch nicht von seinem Secretär, der doch fortwährend in seiner Nähe weilen, dem er seine tiefsten Geheimnisse anvertrauen wollte, nicht Ehelosigkeit forderte, er konnte vorläufig in seinem wirbelnden Gedankenchaos zu keinem Resultate gelangen. Die Baronin wäre sehr erfreut gewesen, ihre Stieftochter, deren aufblühende Schönheit sie selbst verdunkeln konnte, aus denr Hause, aus ihrer Nähe entfernt zu sehen, allein sie mißgönnte Anna und Bollwitz das Glück — und sie erwog eben, ob der Vortheil, der ihr aus dieser Verbindung ihrer Stieftochter entstehen konnte, sie veranlassen sollte, ihre niedrigen, kleinlichen Rachepläne aufzugeben. Bollwitz schien es, als wäre er in dem Momente für alles durch Jahre entbehrte Lebensglück, für seine bisherige Freudlosigkeit reich entschädigt worden; seinen Fähigkeiten bot sich ein neues, schönes Feld ersprießlicher Thätigkeit, er war urplötzlich seiner drückenden Lage, seiner beschämenden Abhängigkeit entrissen; und nun hatte auch das Mädchen, das er liebte, es offen und in zweifelloser Weise dargelegt, daß sie sich ihrer Neigung zu dem Krüppel nicht schäme, sie hatte sie offen vor ihren Eltern, vor dem höchsten Herrn hier auf dieser irdischen Welt, vor dem römischen Kaiser, vor dessen Begleitern, allgemein bekannten, hochgestellten Cavalieren ausgesprochen, ein freudiges Entzücken durchbebte ihn und unwillkürlich entschlüpfte es seinen Lippen: „O, Anna, Du herrliche!" Auch wer kein so scharfblickender Geist und echter Menschenkenner, wie Kaiser Josef war, mußte sofort den Sachverhalt erfassen, und mit einem liebenswürdigen Lächeln sprach er: „Es freut mich liebes Kind, daß meine Maßnahme auch Ihren Beifall findet. Ich will mir den neuen Hauptmann ein Jahr lang etwas näher anscheu, gefällt er mir, wie ich hoffe, und kann ich ihn zum Major avanciren lassen, so ist mir's ganz recht, daß er sich eine hübsche brave Majorin sucht, und wenn die junge Baronesse Pellwald — ich glaube eben jetzt gehört zu haben, daß sie Anna heißt — über den Umstand wegsehen will, daß Herr von Bollwitz feinen linken Arm im ehrenvollen Kampfe für sein Vaterland verloren, — dann wird vielleicht Kaiser Josef auch dem Baron Pellwald und dessen Gemalin, als Brautwerber seines Secretärs nicht unwillkommen sein." „Euer Majestät!" „gnädigster Herr und Fürst!" „angebeteter Monarch!" „welche Huld, welche Gnade!" riefen Bollwitz, Anna, der Baron und deffen Gemahlin bunt durcheinander. Plötzlich wurde diese Scene, überdies in sonderbarster Weise, unterbrochen. Der Bediente war im Aufträge des Barons und des Oberamtmannes fortgestürzt, um den Amtsdiener Klaus zu requiriren und ihm den Befehl zu ertheilen, auch die Ortsbauern mit Heugabeln und Sensen wohlbewehrt aufzubieten, um die zwei hochverrätherischen Banditen, die sich am Hellen lichten Tage in den Schloßgarten, in der unmittelbarsten Nähe der gnädigen Herrschaft befanden, zu verhaften. Klaus, der des Sonntags wegen, müssig herumlungerte, hatte zwei Fremde, von dem Juden Leipnik geführt, in den Schloßgarten ein treten sehen, und war nicht wenig erstaunt, daß gerade diese so anständig aussehenden Männer, sich urplötzlich als höchst gefährliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft entpuppten. Nun war Klaus ein höchst beherzter tapferer Mann - wenn es sich um die Verhaftung eines halbverhungerten Bettlers, eines furchtsamen Bauern, der eine Stunde zu spät zur Arbeit anlangte, oder eines armen wandernden Hausirjuden handelte, der das entsetzliche Verbrechen begangen, etwa durch Unwohlsein veranlaßt oder von einem heimtückischen boshaften Spaßmacher absichtlich verleitet, noch bei Anbruch der Nacht in einem jener Städtchen betroffen zu werden, in denen den Bekennern des einig-einzigen Gottes der Aufenthalt nur bis Sonnenuntergang gestattet war. Solchen Individuen gegenüber entwickelte Klaus einen an die homerischen Helden gemahnenden Muth; — aber die seltene Species der Hochverräther war ihm in seiner vieljährigen Praxis noch nicht vorgekommen, und da diese nach den deutlich ausgesprochenen und von dem Bedienten Lukas vollinhaltlich mitgethelten Anschauungen des neuen Oberamimannes ohne Zweifel mit Schieß- und Stichwaffen versehen sein mochten und nur durch Uebermacht erdrückt werden konnten, so war seine Kampfesgluth bis weit unter den künstlichen Gefrierpunkt herabgesunken, und er hatte zuerst ein stattliches Corps von Bauern aufgeboten, welche er durch seine feurige Ansprache und mehr noch durch einen deutlichen, nicht mißzuverstehenden Fingerwink auf zu erwartende Naturalgratification an Bier, Schinken, Braten und sonstigen höchst genießenswerthen Speiseresten der „gnädigen hochfreiherrlichen Herrschaftsküche und Tafel" zum höchsten Hel-

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