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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-07-08 · 27 (8.7.1898) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
27 (8.7.1898)
Date
1898-07-08
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 524 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 27 denenthusiasmus entbrannt, und führte nun wieder kampfeslustig und siegesbewußt feine wackere Schaar, seine,!', wie er glaubte, hart bedrängten Herrn und Patron zu Hilfe. Es mochten etwa fünfzehn Mann verschiedenen Alters sein, die in geflügelter Eile verschiedenartig bewaffnet, nach dem Schloßgarteu trabten. Der eine führte eine Heugabel, der zweite eine scharfgefchliffene Sense, der dritte einen Knüttel, der vierte eine Holzaxt, der fünfte einen Schürhaken, der sechste ein massives Tischbein, das ursprünglich den integrirenden Theil eines Mrthshäustisches gebildet hatte, der bei der letzten Keilerei zertrümmert worden war und das — wir meinen das Tischbein — sich schon in eben demselben Wirthshausgefechte als eine gar nicht zu verachtende, wuchtige Waffe herausgestellt hatte — und so fort. — Solange der Hause rüstiger Männer durch das Dorf marschirte, war Klaus, seinen Dreimaster unternehmend schief aufs Ohr gerückt, mit einem tüchtigen Bambus bewehrt an der Spitze des Zuges voran gegangen, aber als der Haufe den Garten betrat, ordnete er die vorgeblich etwas regellos gewordene Masse — und zog es vor, die Arriöregarde zu bilden, von der' gewiß nur zu billigenden Ansicht ausgehend, daß die Person des Feldherrn sich zum Wohle des Ganzen erhalten, und von jeder Gefahr fern halten müffe, während er den Bauern gegenüber, denen er feines Verständniß in Dingen der Tactik und der Strategik nicht zumuthen mochte, behauptete, von diesem Standpunkte aus die.ganze Geschichte besser übersehen und leiten zu können. Die Bauern, die aus dem Wirthshaus geholt worden waren, waren, als sie sich dem Aufgebote anschlossen, theils aus angeborner Rauflust, mehr noch aber durch das in Aussicht gestellte Siegesmahl, muthvoll vorgegangen; aber als sie in der Nähe des vermeintlichen Schlachtfeldes anlangten, begannen sie doch über die Gefährlichkeit des Gegners, dem sie entgegengingen, zu reflectiren, und diese Gedankenarbeit vor dem Gefechte soll — wie von den ersten Fachautoritäten behauptet wird, höchst lähmend auf die Kampflust einwirken; — und so kam es, daß die wackeren Freischärler, im Schloßgarten angelangt, ihren Laufschritt trotz aller ermunternden Zurufe des hinter ihnen schreitenden Klaus verlangsamten, sich nur schwerfällig vorwärts bewegten, und jeder Einzelne, wenn er nicht den Hohn der Andern, namentlich der im Wirthshause Zurückgebliebenen zu befürchten gehabt hätte, am liebsten in wilder Flucht so weit gelaufen wäre, als ihn seine Füße zu tragen vermochten. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Mitwirkung der Juden an der freiwilligen Krankenpflege in den Befreiungskriegen. Von Theodor Zlocisti. (Berlin, Verlag von Max Hoffschläger.) Dieser Sonderabdruck aus den Mittheilungen des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus ist überaus interessant, instructiv und dankenswerth als Anregung zu ernsten und systematischen Quellenforschungen. Briefkasten. W. David» Rozniatow. Zur Aufnahme in die Export-Akademie werden Sie sich einer Aufnahmsprüfung unterziehen müssen. Um jedoch solchen Gymnasial- oder Realschülern, welche bereits während ihrer Studienzeit den Entschluß fassen, sich speciell für den Export- und Colonialdienst auszubilden, den Abschluß ihrer Berufsbildung vor Eintritt der Militärdienstpflicht zu ermöglichen, soll ein einjähriger Borbereitungscurs mit der Akademie verbunden werden, in welchem Mittelschüler zur Aufnahmsprüfung vorbereitet werden. Die Studienzeit umfaßt zwei Jahre. Wien, XII.» K. & Co. Israelitische Knabenconvicte für Unter-Gymnasiasten bestehen in Oesterreich keine, wohl aber in Deutschland. A. B, Holleschau. Wie kann man einen harmlosen Scherz so fürchterlich ernst nehmen?! Der „neugierige Scribler" hat die „grenzenlose Anmaßung", Ihnen Ihr Donnergepolter über Manier, Tuet und. Anstand nicht im Mindesten übel zu nehmen. Eisenbahn und Telegraph hat er allerdings nicht erfunden, wäre auch überflüssige Mühe gewesen. M. Lemuui in Sz. Ihre „Trauerode" ist den erschütterndsten Folgen der trostlosen galizischen Ereignisse beizurechnen, die ja so viel des Entsetzlichen verschuldet haben. Auf das „Gemüse des Ruhmes" werden Sie wohl definitiv verzichten müssen. „Lorbeer ist ein bitt'res Blatt, Dem der 's sucht und dem der 's hat". — Sie verfügen über eine poetische Krampfader, welche blos von derjenigen des Grasen Enzenberg übertrumpft wird. Vergleichen Sie „Reichspost" vom 29. Juni: „Roch sprach sein Blick: „O Sie, Consti Thun, Warum brachten Sie mich denn so meuchlings um? Ihr Menschen alle seid neidische Kampl, Zerschießt mir den Grind um ein lumpiges Lampl." Der alte Schäfer in grimmigem Zorn, Schüttelt den Todten noch bei den Ohr'n, Und And're, die früher sich nicht getraut Haben jetzt ihn mit Stöcken durchgehaut." Otto Kl—ng, Marienbad. Ja wohl, es soll ein antisemiüsches Ehrengericht ins Leben gerufen werden zur wechselseitigen Reparatur flickbedürftiger christlich-socialer Ehre. Die famose Idee wird von Pnrscht im Vergani-Blatte ernstlich lancirt. Vergani erklärt Purscht für einen Ehrenmann und umgekehrt. — Es gibt bekanntlich verschiedene Schattirungen von Ehrenmännern, auch dunkle! London. „Eifriger Correspondent". Die Thatsache, daß der Erzbischof von Eanterbury und Primas von England gestattet, daß den sogenannten Total-Abstinenzlern, welche alkoholische Getränke in keiner Form zu sich nehmen, beim Abendmahle eine Mischung von Wasser und Citronensaft anstatt des Weines gereicht werde, ist für unsere Leser kaum besonders wichtig. . Othmar N-y,.Pl—d. Daß es beim Ausflug des christlichsocralen Arbeiter-Reformvereins auf die Hochramalpe am letzten Sonntag zu pöbelhaft rohen Excessen gegen harmlose Leute kam, die vielleicht gar keine Juden gewesen sind, stand bei dem bekannten Bildungs-und Erziehungsgrade der Arrangeure wohl zu erwarten. Ein kleines Extravergnügen muß den activcn Theilnehmern an derartigen Hinausflüaen immer gestattet sein. „Ein Ausgeplünderter". Das „Deutsche Volksblatt" weiß das besser als Sie und meldet: „Die Juden strengen sich förmlich an, die Aufregung im Lande zu erhalten und militärische Maßnahmen in noch größerem Style herbeizuführen. Bis nun haben sie den militärischen Schutz in unverschämtester Weise zu Beleidigungen und Provocationen des christlichen Volkes mißbraucht, und es gefällt ihnen so sehr, unter dem Schutze der Bajonette die Christen mit Füßen treten zu können, daß sie Gewalt anwenden, um die weitere Belassung des Militärs in jenen Dörfern zu erzwingen, von welchen dasselbe zurückgezogen werden soll." Wieder einmal haben die boshaften Karnickel angefangen, und diesmal wollen sie gar nicht aufhören, die heimtückischen Thiere! „Ernster Schachfreund in Berlin, W.« (ad. 1.) Lesen Sie den Aufsatz über die Juden von M. Steinschneider in Linde's Ge- Ichichte und Literatur des Schachspiels", lieber das Schach bei den Juden haben Sam. Js. Reggio und Delitzsch geschrieben. Letzterer präsupponirt die Erwähnung des Schachspieles im Talmud. Nur hüte man sich vor der Verwechslung mit dem Nerdspiele.. Nathan ben Jechiel, Rom (1103) erklärt im Wörterbuch Nerdspiel mit Al-Nerd, arabisch, und meint — Würfel! Raschi hat schon Schach. Vergl. Sie hierüber, was Zunz in seiner Zeitung 1823 sagt. — Die Glosse zu Ketubot 61 b spricht von hundsgestaltigen Spielsteinen. Dukes zieht Talmud Baba Batra Fol. 4 heran, Alexandre erkennt das Schach Samuel 2, 4. — Das älteste, poetische Denkmal der hebräischen Schachliteratur, zugleich die älteste Schachregel in Europa wird Abraham Jbn Esra zugeschrieben, der um 1167 starb. Auch Bonsenior Jbn Ja hja bietet eine Darstellung des Spieles in decenter hebräischer Reimprosa, die in Mantua 1557/8 erschien, (ad. 2) Steinitz, Dr. Tarrasch und Janowski sind Juden. Die Weine und Cognac aus den jüdischen Colonien in Palästina, welche die Commandit-Gesellschast „Karmel", Wien, I., Börseplatz 6, seit etwa drei Monaten zum Verschleiß bringt, haben sich bereits auf's Glänzendste eingeführt und zwar wegen ihrer vorzüglichen Qualität und unverfälschten Echtheit, und können daher diese palästinensischen Producte anf's Beste empfohlen werden. Suche für meinen Sohn 17 Jahre alt, welcher 3 Jahre das Ledergeschäft erlernt hat, einen Posten. Hauptbedingnng Samstag und jüdische Feiertage frei, Ansprüche massig. Znscbrilten an L. Glückselig, Antiquar, IV. Bezirk, Margarethenstrasse 45. Für die hohen Feiertage wird ein Balschachres und Balmussef gesucht. Auskunft beim Obmanne Herrn Hermann Eltbogen, II. Bezirk, Rafaelgasse 12. Herausgeber tu veravtw. Redaeteurr »r. Josef S. Bloch. — Druck v. L. Beck & Sohn, Me», VIII., Lercheufelderstr. 40.

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