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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-07-08 · 27 (8.7.1898) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
27 (8.7.1898)
Date
1898-07-08
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 27 Vr. Bloch's Wochenschrift Seite 521 Rechtsnachfolger in jener Commission verblieben nnd hatte das Recht behalten, Uniform und Degen zu tragen, auch Verhaftungen vorzunehmen. Bei größeren Ansammlungen vor der Synagoge, bei Beerdigungen u. s. w. war er bis in die letzte Zeit noch activ. St. Petersburg. Unter den neuerdings aus Odessa nach China gesandten Soldaten befanden sich mehr als 100 Juden. Der Odessaer Rabbiner Pomeranz erwirkte ihnen die Erlanbniß, eine Sefer-Thora mitzunehmen und in Port Arthur wird demnach in einigen Wochen jüdischer Gottesdienst abgehalten werden. Bekanntlich stehen auch bei dem russischen Militär in Ostsibirien und auf der Insel Sachalin viele Juden. — Die antisemitische Zeitung „Barschafsky Dneonik" beklagt sich, daß die Juden in Polen zu viel Land an sich rissen. So gehöre ihnen im Gouvernement Kjeletz ein Terrain von 34.032 Desjätineu, gleich 44 Perzent des gesammten Landbesitzes, der in diesem Gouvernement in Privatbesitz ist. Wcnn's nur wahr wäre! — Die Gesellschaft für-Verbreitung von Bildung unter den russischen Juden verbrauchte nach ihrem Jahresbericht 1897 die Summe von 49.000 Rubel; davon erhielten Studenten 22.549 Rubel in Form von Stipendien, 15.000 Rubel Subvention die jüdischen Schulen in Petersburg, den Rest die jüdischen Schulen in der Provinz. — In wenigen Tagen wird eine neue Ausgabe sämmtlicher Werke des berühmten hebräischen Dichters Gordon erscheinen. Saloniki. Hier sind 22 Familien aus Larissa angekommen, die sich hier niederlassen wollen, um den Verfolgungen der griechischen Bevölkerung zu entgehen. Es sind tüchtige Arbeiter, die schon ihr Brod finden werden; einstweilen erhielten sie von der jüdischen Gemeinde eine kleine Geldunterstützung und von dem reichen Muhammedaner Mustapha Arif Effendi freie Wohnungen in seinen Häusern. Die Flüchtlinge erzählten, daß in Larissa kürzlich wieder durch eine Bande von Bauern die jüdischen Läden geplündert wurden und die Polizei erst einschrttt, als schon großer Schaden angerichtet war. Die jüdischen Kaufleute halten daher ihre Läden geschlossen und die Stadt ist viel lebloser, als zur Zeit, als Edhem Pascha dieselbe besetzt hatte. Die griechischen Behörden nehmen vielfach Partei gegen die Juden, die man beschuldigt, während der Occupation sich griechisches Eigenthum angeeignet zu fjabeir. Dagegen schreitet die Militärbehörde, insbesondere General Bassos, in jedem Falle energisch ein und ihm gelang es auch, bei den Bauern und selbst den Priestern der Umgegend viel von den gestohlenen Sachen zu finden, deren Diebstahl man den Juden Schuld gibt. Jerusalem. Die hiesigen Franziskaner veröffentlichten in der französischen Zeitung „La Croix" eine Schauergeschichte, nach der sie mit Mühe einen Ritualmord verhindert hätten, den ein österreichischer Jude an einem italienischen Kinde verüben wollte. Jetzt stellt ein Bericht des österreichischen Consuls gemeinsam mit dem italienischen fest, daß die ganze Sache auf folgende Thatsachen zurückzuführen ist. Ein Jude fand ein verirrtes Kind, das italienisch sprach, und ging mit demselben auf das österreichische und das italienische Consulat, um den Vater des Kindes ausfindig zu machen. Das war Alles! — Die hiesigen amerikanischen Juden haben, als die Nachricht von dem officiellen Kriegsansange zwischen Spanien und Nordamerika kam, einen feierlichen Gottesdienst an der Tempelmauer veranstaltet, um für den Sieg der amerikanischen Waffen zu beten. Auch in der großen Synagoge der Aschkenasim fand am 17. Juni ein besonderer Gottesdienst statt, an dem auch der amerikanische Consul mit seiner Frau, sowie die Frau des englischen Consul theilnahmen. Oberrabbiner Samuel Salant, der eben erst eine erfolgreiche Augenoperation überstanden hat, predigte über die Psalmen 18 und 20 und drückt die Sympathie aus, die alle Juden für das freie Amerika emfinden. — Am 11. und 12. Juni waren Heuschreckenschwärme hier und in Jericho, doch haben sie wenig Schaden angerichtet, da die Ernte schon vorüber ist. In den jüdischen Colonien sind sie gar nicht gesehen worden. Vermischtes. Wien. Ueber Beschluß des Vorstandes der Wiener israelitischen Cultusgemeinde wird Herr Rabbinats-Candidat Dr. Lazarus, welcher wegen Krankheit seinerzeit zur Abhaltung von Probepredigten verhindert war, Freitag den 22. Juli, Abends im Gelneindetempel in Ottakring und Samstag den 23. Juli, Vormittags, im Stadttempel je eine Probepredigl abhalten. Wrcn. (Aus der Wiener Jubiläum s-A u sst e l l u n g.) Es dürfte interessiren, daß die Dampfbrodfabriks- Firma Brüder Sg. E. W e ch s b e r g in F r i e d l a n d bei der Jubilaums-Ausstellung (Brodconcurrenz) auf das von ihr eingesandte Schwarz- und Weißbrod die höchste Auszeichnung, das Ehrendiplom, zuerkannt erhielt. Ein verunglückter Rabbiner. Aus Preß bürg berichtet man: Der Rabbiner Dr. Julius David, der vor einigen Tagen ans dem Fenster seiner Wohnung stürzte, ist seinen Verletzungen erlegen. Rabbiner Dr. David war ein Mann von großer theologischer Gelehrsamkeit, wissenschaftlich durchgebildet und verfügte über ein hohes rhetorisches Talent. Die Preßburger Judenschaft erleidet mit seinem Tode einen schweren Verlust. Wien. (Todesfall.) Herr Tobias Spiegel, eine der bekanntesten Gestalten des orthodoxen Judenthums in Wien, ist nach längerem Leiden verschieden. Der Heimgegangene war ein Mann von großer talmudischer Gelehrsamkeit und ungeheuchelter Frömmigkeit und genoß wegen seines biederen Charakters und humanen Wirkens allgemeine Verehrung. Berisch Goldenberg. In Tarnopol starb am letzten Sonntag im Alter von nahezu 80 Jahren der berühmte Talmudist Berisch G o l d e n b e r g, der Vater des Wiener Architekten Herrn Adolf Golde nberg, ein Gelehrter von hohem Ansehen, seiner Herzensgüte und seines Wohlthätigkeitssinnes wegen von Christen und Juden gleich geehrt. An seinem Leichenbegängniß nahm die ganze Bevölkerung von Tarnopol theil. Zahlreiche Grabreden wurden gehalten, unter Allderem vom Rabbiner Herrn T a u b e l e s und Director Dr. D a n k ov i c s. Zahlreiche hervorragende Werke sichern dem Dahingeschiedenen eine bleibende Stellung in der Literatur. An deutschen Werken sind zu erwähnen': „Die religiösen Ideen der Alten und ihr Einfluß auf die Sprache." Tarnopol 1880, Selbstverlag des Verfassers. 1883: „Die Assimilation der Juden". 1885: „Die Sitten und Gebräuche der alten Hebräer". 1880: Eine Rede airläßlich des 50. Geburtstages Sr. Majestät, gehalten in Tarnopol. Viele Fabeln, Sprüche und Gelegenheitsgedichte (1880—80). Die hebräischen Werke dürften vielen unserer Leser geläufig sein, „»Nogah Hajareiiach« von Berisch Goldenberg. Viele Hefte Or Lboäaseb (Commentare zu Psalmen Koheleth rc.) Ohel Josef zum Jubiläum der Tarnopoler deutsch-israelitiscken Hauptschule. Er stand im Briefwechsel mit Cremieux, Sir Moses Montefiore, Professor Wünsche, Ewald und anderen bedeutenden Männern. Bis unmittelbar vor seinem Tode arbeitete der greise Gelehrte noch an einem Wörterbuche. Sein Sohn, Architekt Goldenberg in Wien, erhielt den letzten an ihn gerichteten Brief seines geliebten Vaters nach Eintreffen der Depesche, die den eingetretenen Tod meldete. Im Nachlasse befinden sich zahlreiche werthvolle Manuscripte, welche der Sohn demnächst zu veröffentlichen beabsichtigt. Die Witwe des Gelehrten ist eine Verwandte von Karl Emil Franzos. Wien. (H u m a n i t ä r e r G e s e l l i g k e i t s v e r e i n „V o r w ä r t s".) Samstag den 9. Juli, 8 Uhr Abends, findet im 2. Kaffeehaus im k. k. Prater ein Sommerfest, verbunden mit Theater-Aufführung, Vorträgen und Tanzkränzchen, statt. Tanzmusik besorgt die Capelle des l. k. Infanterieregimentes Nr. 71, Freiherr von Galgoczy. Der Reingewinn fließt dem Vereinsfonde zur Bekleidung armer Schulkinder zu. Karten sind zu haben bei: Leopold Berger, II., Lilienbrunngasse 9, B eer's R e st a u r a t i o n, I., Herrengasse 6, und Ludwig Fleißig, II., Stefaniestraße 16. Floridsdorf. (Religionslehrer-Conferenz.) Am 3. d. M. fand die Bezirkslehrer-Conferenz der Religionslehrer der Cultusgemeinde Floridsdorf unter dem Vorsitze Sr. Ehrwürden des Herrn Dr. M. Rosenmaun statt. Bor Besprechung der Tagesordnung ergriff Se. Ehrwürden das Wort, um dem scheibenden Obmanne der Schulsection Herrn Dr. M. Löwy, der sich um das Schulwesen außerordentliche Verdienste erworben, in herzlichen Worten für seine Thätigkeit im Jntereffe des Religionsunterrichtes den vollsten Dank auszusprechen. Sodann erstattete der städtische Lehrer Herr Carl Ehrenfest sein Referat. Der Referent zeigte durch gründliches Studium der in Oesterreich und Deutschland eingeführten Gebetbücher die Vorzüge und Nachtheile derselben, gab sodann die Gesichtspunkte bekannt, nach welchen ein Muster-Gebetbuch beschaffen sein sollte und empfahl, vorläufig das Gebetbuch von

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