Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 27 (8.7.1898)
- Date
- 1898-07-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 518 Dr. Vloch's Wochenschrift Nr. 37 Correspondenzen. Wie«. Der Vorstand der Wiener israelitischen Cultusgemeinde hat in seiner vom Präsidenten Herrn kaiserl. Rath Klinger ad hoc einberufenen Plenarsitzung vom 5. Juli 1898 beschlossen, zur Linderung der durch die beklagenswerthen Ausschreitungen in Galizien herbeigeführten außerordentlich erschreckenden Noth der dortigen Glaubensgenossen den Betrag von Zweitausend Gulden (ö. W. fl. 20001 dem für diesen Zweck zu bildenden Unterstützungsfonde der Wiener israelitischen Allianz znzuführen. Bei diesem Beschlüsse ging der Vorstand von der sicheren Annahme aus, daß die Mitglieder der Wiener CuUusgemeinde in gewohnter Opferwilligkeit sich an der eingeleiteten Hilfsaction für die bedrängten, ihrer Habe beraubten Glaubensgenossen in ausgiebigster Weise betheiligen werden. Wien. (Verzeichniß der in der Zeit vom 20. Juni bis 5. Juli 1898 ein gelaufenen Spenden zudem aus Anlaß des fünfzigjährigen Regierungsjubiläunis Sr. Majestät des Kaisers von der Wiener israelitischen Cultusgemeinde herzu st eilenden Ausbau des israelitischen Altersversorgungshauses durch ein Versorgungshaus in Verbindung mit einer K r a n k e n a b t h e i l u n g) : 1000 fl.: Anonymus durch Herrn Dr. Wilhelm Pappenheim; 50 fl. : die Herren C. H. Hirsch und Co., und 3 Parteien in Beträgen von 10 fl. und darunter, zusammen 50 fl.; 22 fl., und zwar die Herren: k. k. Börserath Mor. Reif, Philipp Popper und Adam Rosenthal. Wien, 30. Juni. Unter dem Vorsitze des hochgeehrten Präsidenten der türkischen Gemeinde, Herrn Marcus Russo, und im Beisein sehr verehrter, zahlreicher Gäste fand gestern in der hiesigen türkisch-israelitischen Volks- und Religionsschule die Jahresprüfung und Schlußseier statt. Herr Director Emanuel Groag bekundete diesmal auf's Neue, mit welch gewandter, liebenswürdiger, allseitig anerkannter Meisterschaft er es versteht, den Kleinen seiner ihm anvertrauten Schule die mannigfachsten Lehrgegenstände beizubringen. Es war geradezu epochemachend, was die Kleinen Alles zuwege brachten und es ist besonders staunenerregend, wcs die Kleinen aus der Religionslehre, der deutschen Sprache und den Realien leisteten. Mit bewunderungswerthem Verständniß und herrlicher Ausdrucksweise beantworteten sie alle an sie gestellten Fragen heiter und lustig, so daß sie die Zuhörer ganz entzückten. Der hebräische Lehrer, Herr David Moscona, ließ die Kinder hebräisch lesen und prüfte nachher die Größeren in hebräischer Sprache, indem er sie verschiedene hebräische Sätze bilden ließ, Alles geschah mit rühmenswerther Geläufigkeit und Exaktheit. Auch allerliebste Schullieder wurden von den Kindern mit Harmoniumbegleitung unter der bewährten Leitung ihres tüchtigen Chormeisters Herrn Isidor Löwit munter und hübsch vorgetragen. Zum Schlüsse hielt Herr Director Groag eine tiefempfundene geistvolle Ansprache an die nunmehr austretenden Zöglinge der Anstalt und betete schließlich für den Kaiser und seine erlauchte Familie, für das Präsidium, für die Gemeinde, für die Anstalt, ihre Lehrer und Zöglinge und für alle Anwesenden, worauf die Volks Hymne gesungen wurde. Herr Director Groag empfing allseits warmen, wohlverdienten Dank für seine unermüdliche Sorgfalt, die er seit Jahren diesem achtunggebietenden Institute so hingebungsvoll und so selbstlos widmet. Wie», 2. Juli. (Eine st r e i t i g e Rabbinerw a h l.) Am 10. Juli 1895 fand in der galizischen Stadt Chrzanow die Wahl eines Rabbiners nach dem alten Judenpatent vom Jahre 1787 statt. Die Mehrheit der Stimmen fiel auf den Candidaten Nastali H a l b e r st a m m, der auch vom Cultusvorsteher als der gewählte Rabbiner der Bezirkshauptmannschaft angezeigt wurde. In Folge Protestes mehrerer Wähler erkannte die Bezirkshauptmannschaft, daß nicht Nastali Halberstamm, dem die nöthige Vorbildung mangelte, als gewählt zu betrachten sei, sondern dessen Gegencandidat Josef Meilech H a l b e r st a m m. Gegen diese Entscheidung protestirte wieder Nastali Halberstamm, worauf das Cultusministerium erkannte, daß zwar der Wahl des zuerst gewählten Candidaten ein gesetzliches Hinderniß im Wege stehe, aber über die Wahl des Gegencandidaten, der von dem Cultusvorsteher nicht als gewählt der Bezirkshauptmannschaft angezeigt wurde, keine Entscheidung getroffen werden könne. Nun erhob Josef Meilech Halberstamm gegen die Entscheidung des Ministeriums die Beschwerde an den Verwaltungsgerichtshof, der heute unter dem Vorsitze des Präsidenten Grafen Schönborn die angefochtene Entscheidung als ungesetzlich a u f h o b mit der Begründung, daß das Ministerium in eine Prüfung der Wahl selbst hätte eiugehen sollen. Jungbunzlau. (Ein v e r u r t h e i l t e r A n t is e m i t.) Der berüchtigte Antisemitenführer S e z e m s k y, welcher zu den fanatischesten Hetzern gegen die Juden gehört, obwohl er die Erzeugnisse seiner Kerzen- und Parfümeriefabrik fast nur an jüdische Kundschaften in Ungarn und Galizien absetzt, hat bekanntlich am 10. März d. I. gegen den hiesigen Kaufniann Herrn B. F e d e r n auf offener Straße ein Attentat verübt. Er wurde in erster Instanz freigesprochen, wogegen der Staatsanwalt Berufung einlegte. Der Appellsenat hat nunmehr Sezemsky zwar nicht wegen § 411, wohl aber wegen Vergehens nach § 496 zu einer Geldstrafe von 25 fl. und Ersatz der Kosten verurtheilt. Die Strafe ist wohl im Hinblick auf die That eine äußerst milde, aber sie gewährt immerhin die Beruhigung, daß antisemitische Brutalitäten auch bei uns nicht straffrei ausgehen und daß unsere Gerichte nicht nach Ansehen und Parteistellung, sondern nach Recht und Gerechtigkeit urtheilen. Bielitz, 9. Juni. lLehrervers a m m l u n g.) Am 9. Juni d. I. versammelten sich die israelitischen Lehrer Oesterreichisch-Schlesiens und der angrenzenden Orte Saybusch in Galizien und Mähr.-Ostrau in Mähren in Bielitz. um sowohl über Schulangelegenheiten, als auch über ihre Verhältnisse zu berathen; im Ganzen waren 24 Lehrpersonen erschienen. Die zu besprechenden Thesen waren: 1. Was wir wollen — was wir sollen, Referent B. Krau s-Friedek; 2. Ueber Jugendschriften, Referent H. B l ü h-Bielitz; 3. Frauengestalten der Bibel, Referentin Frl. Alexandrowits ch-M.-Ostrau; 4. Ueber die beabsichtigte Gründung eines Jubiläumsfondes der schlesischen Cultusgemeinden. Ref. Jacob P o l l a k-Mistek, und 5. Das Gebetbuch auf der Unterstufe, Referent H. B l a t t-TropPau. Die Versammlung wählte Herrn Oberlehrer Blatt zum Vorsitzenden. Derselbe eröffnet die Versammlung und begrüßt die erschienenen Mitglieder der Cultusgemeinde. Der Cultusvorsteher Herr Pollak begrüßt die Lehrer, gibt seiner Freude über deren Erscheinen in beredten Worten Ausdruck und wünscht den Berathungen den vollsten Erfolg. Nach Verlesung des vorjährigen Protokolls referirt Herr B. Kraus über sein Thema. In großen Zügen entwirft er ein Gesammtbild über die israelitische Volksschule, wobei er Besserungsfähigkeit des Unterrichtes im Hebräischen, eine einheitliche Methode und einheitliche Lehrtexte für denselben zu seinen Gesichtspunkten macht und empfiehlt nebst diesem einheitlichen Lehrplan die Schaffung eines hebräischen Lehrbuches, das Lust und Liebe zum Lernen dieses Gegenstandes in der Jugend wecke und belebe. Er tadelt den Mangel eines jeden Hausfleißes und den Jndifferentismus gegen das Hebräische in der jüdischen Familie und beantragt, eine Commission zu wählen, die über ein Lehrbuch und die Lehrmethode Vorschläge zu machen hätte. Der Redner bespricht dann die Nothwendigkeit eines harmonischen Zusammenwirkens zwischen Schule und Elternhaus und begrüßt die Anregung der Schaffung der „Elternabende" mit Vergnügen, übergeht zu der großen erziehlichen Bedeutung einer der Kindesseele entsprechenden Lectüre, regt die Herausgabe einer diesbezüglichen Jugendzeitschrift an und empfiehlt eine Organisation der Cultusbeamten. Ueber dieses Referat entspinnt sich eine lebhafte Debatte, an welche der Vertiefung wegen die Verhandlungspunkte 2 und 5 sofort angeknüpft werden. Die nun eingeleitete Besprechung gibt einen Ueberblick über die israelitischen Jugendzeitschriften, verwirft aber jede Aenderung des Gebetbuches. (Jrrthümlicher Weise wurde seitens eines in die Debatte eingreifenden Herrn Gebetbuch und Lehrtext auf Grundlage des Gebetbuches für identisch gehalten.) Ueber Antrag wird ein Comits zur Begutachtung der Jugendschriften gewählt, das, aus den Frls. Alexandrowitsch und Roger und den Herren Blüh, Ford. Kraus und Kellner besteht. In poesievoller, fließender, die Zuhörer hinreißenden Rede spricht nun Frl. Alexandrowitsch über die erziehliche Bedeutung der biblischen Frauengestalten und das ihr ungetheilt gespendete Lob war das beste Zeugniß dafür, daß sie Allen aus der Seele