Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 27 (8.7.1898)
- Date
- 1898-07-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 516 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 37 m i i wichtiger wäre es daher, vorerst eine Exportindustrie zu schaffeir. Die Ursachen, weshalb es uns in Oesterreich mit seiner nicht unbedeutenden Binnenindustrie an Exporteuren mangelt, sind nicht so sehr individueller Natur, sie liegen vielmehr im Wesen des derzeit befolgten Regierungssystems. In Rußland ließen sich sehr leicht Exportverbindungen anknüpfen, jüdischen Reisenden ist aber das Betreten russischen Gebietes entweder ganz und gar verwehrt, oder es ist mit solchen Beschwernissen verbunden, daß mau auf die Reise dahin lieber verzichtet. Aehrrliches gilt von Rum ä n i e n, vor noch nicht langer Zeit eine angestammte Domäne unseres Außenhandels. Und welche Hindernisse findet die Exportindustrie erst im Jnlande? Kleider- und Schuhwaaren-Exporteuren wird die Confectionirung ihrer Artikel verboten, wenn sie nicht den Befähigungsnachweis besitzen, wenn auch die confectionirten Maaren für den Export bestimmt sind. Eine gleiche Behandlung erfahren Schirm-, Handschuhexporteure rc. Als man vor nahezu 30 Jahren an die Creirung einer Handelsakademie schritt, prognosticirte man den absolvirten Haudelsakademikern ebenfalls eine glänzende Zukunft. Zu allen Zeiten war. die Bewerbung jüdischer Zöglinge in die Handels - Hochschule eine namhafte und überwiegende. Die Ueberproduction ist aber eine solche, daß Absolventen dieser Hochschule ftoh sind, wenn sie nach dem Verlassen derselben einen Posten ohne Gehalt finden, und Diejenigen von chnen köirnen schon von Glück sagen, die mau mit einem monatlichen Taschengeld von fünf, und wenn es gut geht, zehn Gulden abfiudet. Denjenigen Handelsakademikern, die sich einer gewichtigen Protection erfreuen, gelingt es fteilich, mit einem geringen Gehalt in einem Bankinstitute unterzukommen. Nach alldem ist unserer Jugend kein besonderer Dienst erwiesen, wenn sie zur Frequenz en masse in die Export- Akademie quasi aufgestachelt wird. Denn die Ernüchterung wird nicht ausbleiben. Christliche Exporteure dürsten unter der Herrschaft der derzeitigen Strömung gewiß nicht geneigt sein, jüdische Export-Akademiker zu acquiriren und jüdische Exporteure — schon gar nicht, wie dies die Erfahrung so beschämend lchrt. Die Wahrheit in der Frage des Besuches seitens Juden der neuen Hochschule liegt nicht einmal in der Mitte, sondern weit abseits von derselben. Es wird wahrlich Niemandem einfallen, von dem Besuche derselben abzurarhen, allein allzugroße Begeisterung wird man dafür nicht empfinden können. Bis zu dem Zeitpunkte, zu welchem unser Exporthandel eine solche Ausdehnung gewonnen haben wird, daß sür einen größeren Kreis von Bewerbern Nachfrage vorhanden sein dürfte, werden die Anforderungen in Bezug auf die Capacität der Export-Akademiker sehr penibel sein, und wer diese Capacität besitzt, wird auch daheim einen Posten finden, der nicht mit so viel Gefahren und Risiko verbunden ist. Mit Sprachenkeuntnissen allein ist man noch immer kein Pionnier für den Exporthandel, und wäre man ailch ein Mezzofauti, hiezu gehört eine eigene Begabung und eine eiserne Constitution, die Entbehrungen, klimatischen Einflüssen und Widerwärtigkeiten zu widerstehen vermag. Drum prüfe reiflich, wer sich ewig bindet, damit ihm Enttäuschungen erspart bleiben. Eduard Beer. Me Unterrichksresultaie der Israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien. Das Organ des Lehrerverbandes der Baron Hirsch- Stiftungsschule „Swiatlo" bringt in seiner letzten Nummer über das Rabbiner-Seminar in Wien einen ersten Artikel, welchen wir in wörtlicher Uebersetzung hier folgen laffen: „Die seiner-zeitige Errichtung des Rabbiner-Seminars in Wien hat hierzulande ein lebhaftes Echo gesunden und in vielen Kreisen große Hoffnungen und Erwartungen geweckt. Namentlich war es die Creirung der Religionslehrer-Abtheikung, welche überall in Oesterreich und namentlich hierzulande seit Langem als ein ganz außerordentliches Bedürfniß empfunden und mit größter Genugthuung begrüßt wurde. Der Mangel an geschulten jüdischen Religionslehrern in den Etatschulen und noch mehr der große Bedarf an geeigneten Hebräischlehrern in den Schulen der Baron Hirsch-Stiftung, die sich mit ungeschulten und oft schwer disciplinirten Melamdim behelfen mußten, war es, der das Augenmerk aller interessirten Kreise auf diese neue Schöpfung lenkte, von welcher eine Regenerinmg des Religions¬ und Hebräischunterrichtes mit Recht erwartet wurde. Wir hofften, daß diese in modernem Geiste erzogenen Lehrkräfte nebst einem gediegenen hebräischen Wissen auch die nöthige pädagogische Schulung und wenigstens ein elementares, für einen Lehrer unerläßliches profanes Wissen mitbringen werden, um auch dieses Gebiet unseres Schulwesens zu befruchten und die Jugend in gesundem, frisch pulsirendem Geiste zu erziehen. Mit wahrem Jubel hat die Lehrerschaft der Baron Hirsch- Stiftung im Vorjahre den Beschluß des Curatoriums, die Absolventen der Religionslehrer-Abtheilung, die es von Anfang an opfervoll subventionirt hat, anzustellen, begrüßt. — Nun ist ein Jahr ins Land gegangen und ach, welch' ungeahnte Enttäuschung hat es uns gebracht! — Diese jungen Leute, aus die wir so viele Hoffnungen gesetzt, haben sich, man sollte es kaum glauben, als ganz unbrauchbar erwiesen. Das bischen hebräische Wissen, das sie nach Wien mitgebracht haben wollen, scheinen sie in den vier Jahren ihres Wiener Aufenthaltes ganz ausgeschwitzt, ohne dabei ihr profanes Wissen irgendwie erweitert zu haben. Von pädagogischer Schulung keine Spur. — Nicht einmal gute Handlanger sind sie. Wenn die Anstalt in Wien ihnen vielleicht aus formellen Gründen das gesetzlich vorgeschriebene Reifezeugniß nicht ertheilen konnte, so hätte sie ihnen doch wenigstens eine solche Vorbildung geben sollen, daß sie diese Prüfung mit Leichtigkeit an einer Staatsanstalt nachzutragen in der Lage wären. Aber davon keine Rede. Selbst nach einjähriger Vorbereitung seit Verlassen des Seminars hat Keiner diese Prüfung, an welche das Curatorium bei ihrer probeweisen Anstellung ihr Verbleiben bei der Stiftung knüpfte, abgelegt; keiner ist genügend der Unterrichtssprache mächtig, um auch nur den Profanunterricht ertheilen zu können. Sie sind also weder geeignet, ihren Beruf als Religionslehrer zu erfüllen, noch auch als Profanlehrer zu wirken. Ja, was aber das Traurigste ist, nicht einmal ihr ethisches Niveau wurde durch die Wiener Schule gehoben, und die Erwartung, die wir in dieser ethischen Richtung hegten, indem wir von diesem Einschlag auch eine sittliche Hebung erhofften, hat sich als trügerisch erwiesen. Man sollte doch fragen, was hat der Lehrkörper des Wiener Seminars mit diesen jungen Leuten durch vier Jahre gemacht, warum hat er sie für einen Beruf, zu dem er sie erziehen sollte, gründlich verdorben? Wir möchten den Lehrkörper fragen, ob er denn keine Empfindung dafür habe, was für einen Jüngling oder jungen Mann vier nutzlos verbrachte Jahre bedeuten? Ob er denn nicht bedachte, was es heißt, mit Existenzen spielen? Wenn aber der Lehrkörper in der Hitze des so erfolgreichen Unterrichtens an die Existenzfrage seiner Jünger gar nicht dachte, so möchten wir an den Vorstand des Rabbiner-Seminars, welcher doch aus gewiegten Kaufleuten besteht, die wissen, daß Zeit Geld ist; aus Rabbinern, welche doch, den hohen, sittlichen und humanen Standpunkt vertretend, nicht dulden dürfen, daß junge Leute um ihre ganze Zukunft gebracht werden; aus einem hervorragenden Professor, welcher zu beurtheilen versteht, was auch nur der Verlust eines Jahres bei einem Studenten - zu bedeuten habe, an diese Herren möchten wir die Frage richten, wie sie sich mit solch' ziellosem Zeitvergeuden abzufinden vermochten und wie sie es vertreten können, daß junge Leute in dem von ihnen administrirten Seminar, um zu einem Beruf zu gelangen, durch vier Jahre gehalten werden, nach Absolvirung desselben weiter denn je von ihrem Berufe entfernt sind. Wie deni aber auch sei, mag man hier aus Leichtfertigkeit oder Gedankenlosigkeit, aus Unerfahrenheit oder aus anderen uns unbekannten Gründen gesündigt haben, wir, die wir dabei interessirt sind und wie es scheint — mehr als die maßgebenden Factoren des Seminars — halten es als unsere heilige Pflicht, um wenigstens für die Zukunst schwere Schäden zu verhüten, unsere Connationalen, die etwa,. durch den Schein tsrnmemmm