Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-07-01 · 26 (1.7.1898) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
26 (1.7.1898)
Date
1898-07-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021223-3021250--07970-3032324
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 26 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 505 Vermischtes. Wien. (T r a u u n g.) Sonntag den 3. Jnli l. I. um ’/43 Uhr Nach mitttags, findet im israelitischen Tempel, Wien, I., Seitenstettengasse 4, die Trauung von Fräulein Jda Berger, Tochter des Herrn Bernhard Berger, mit Herrn Julius Spitzer statt. Wien. (Promotion.) Der hebräische Schriftsteller I. L. Landau wird Samstag am 2. Juli an der hiesigen Universität zum Doctor der Philosophie promovirt; Herr Landau hat seine Rigorosen mit Auszeichnung abgelegt Wien. Der.Secretär der Cultusgemeinde Dr. Theodor Lieben begibt sich nach glücklich überstandener Krankheit demnächst zu seiner völligen Wiederherstellung in die Schweiz. Wien. Unser Mitarbeiter Herr Schriftsteller Hermann L ö w i n g e r hat sich vergangene Woche mit Frau Johanna Berg in Frankfurt a. M. verlobt. Wien. In Simmering hat der Architekt Gärtner die ' Leitung des Tempelbaues übernommen. ' irrten. Der 30. Jahrescurs der mit der israelitischen Kinderbewahranstalt verbundenen und mit dem Oeffentlichkeitsrechte versehenen Ersten Privat-Bildnugsanstalt für Kindergärtnerinnen in Wien,!!., Schiffamtsgasse 15, wurde durch die am 22. d. M. unter dem Vorsitze des Herrn k. k. Landesschulinspectors Dr. Karl R i e g e r abgehaltene Befähigungsprüfung abgeschlossen, bei welcher sämmtliche Candidatinnen approbirt wurden. Anmeldungen zur Aufnahme in den am 15. September beginnenden 31. Jahrescurs der Anstalt, aus welcher bis nun 755 Kindergärtnerinnen hervorgingen, werden jederzeit bei der Direction entgegengenommen, welche auch über Wunsch Prospecte versendet. Berichtigung. An die löbliche Redaction der „Oesterreichischen Wochenschrift!" Auf Grund des § 19 P.-G. ersuche ich um Aufnahme folgender Berichtigung: Es ist unwahr, daß ich praktischen Antisemitismus betrieben habe oder betreibe; wahr ist vielmehr, daß ich jüdische Stenographen und Kanzlisten in meiner Kanzlei jederzeit beschäftigt habe und auch in Zukunft nicht auszuschließen gedenke. Die von Ihnen erwähnte Affiche ist mir erst durch die Mittheilung Ihres Journals bekannt geworden und erkläre ich, Niemandem, sei es direct oder indirect, den Auftrag ertheilt zu haben, bei Bekanntgabe der in meiner Kanzlei eingetretenen Bacanz eine bestimmte Confeffion als Bedingung der Aufnahme zu neunen. Höflichst Dr. A. Freund. Olmütz. ^Ordensverleihung.) Dem Großindustriellen Herrn Ignaz B r i e ß, Gesellschafter der Malzfabriksfirma Ignaz und Wilhelm Brieß in Olmütz, wurde vom König der Belgier das Officierskreuz des Leopold-Ordens verliehen. Krakau. Herr Rabbiner Dr. T h o n lvurde zum k. k. Feldrabbiner ernannt. Lemberg. Soeben erlegte Herr Samuel Ehler von H o r o w i tz in der Gemeindekanzlei die Summe von 100.000 Kronen zu einer Stiftung gelegentlich des Regierungsjubilüums Sr. Majestät des Kaisers. Die Stiftung, über die wir Ihnen Näheres mittheilen werden, ist zur Hebung der Erwerbsfähigkeit der Israeliten bestimmt. Dank und Ruhm dem edlen Geber. Lemberg. Die amtliche „Wiener-Zeitung" vom 20. d. bringt unter zahlreichen Ernennungen galizischer Richter auch die Beförderung des Stanislauer Gerichtssecretärs Josef Sokal zum Landesgerichtsrathe. Diese Beförderung zu beleuchten, sei der Zweck dieser Zeilen. — Gelegentlich der Erweiterung der Gerichtsbezirke mangelte es hierzulande empfindlich an geeigneten Petenten für höhere Gerichtsstellen — die jüngsten Adjuncten wurden Gerichtssecretäre, Secretäre mit kürzester Dienstzeit wurden Räthe — nur Secretär Sokal, der damals noch „Jonas Sokal" hieß, blieb, ungeachtet bester Qualification, Secretär. Im Februar d. I. entschloß sich Sokal, etwas Weihwasser zu nehmen — der Jonas verwandelte sich in einen Josef und in d.r Folge der Secretär in einen Landesgerichtsrath. — Bedarf diese wahre Geschichte noch eines Commentars? Trenesin. Dr. David Schlesinger ist zum Gerichtsrathe beim Gerichtshöfe ernannt worden. Zakliczyn, 26. Juni 1898. Die wilden Keime des Antisemitismus haben auch hier wie fast in allen Städten Galiziens böse Saaten aufgehen lassen. Seit Freitag ist unser Städtchen in Schrecken. Eine ungeheure Anzahl Excedenten rottete sich zusammen zu Plünderung und Raub und richtete ihren Marsch gegen unsere Stadt. Nur durch das energische Einschreiten des Herrn Gendarmerie-Wachtmeisters, der sich in eigener Person zu den Excedenten begab, gelang es, das Gesindel aus der Stadt zu vertreiben. Die R"tte aber zerstreute sich in den Dörfern, plünderte die Wirthshäuser, ruinirte die sämmtlichen Häuser jüdischer Dorfbewohner, um schließlich im Dorfe Palesnica, wo mehrere jüdische Familien wohnen, ihr Lager aufzuschlagen. Sämmtliche Gendarmerie wurde von benachbarten Bezirken auf telegraphischen Befehl dorthin abgesandt. Seit Freitag bis heute wollte die wilde Menge nicht abtreten, sondern wartete auf Zuzug, um in unsere Stadt einzudringen. Auch das benachbarte Städtchen Czechow blieb von den Excessen nicht verschont. Auf telegraphische Bitte des hierortigen Bürgermeisters an die Bezirkshauptmannschaft Brzesko, um militärische Assistenz sind gestern 50 Mann Jäger hier angelangt. Doch die Ruhe ist noch nicht hergestellt worden. Die jüdische Bevölkerung hier, sowie in der ganzen Umgebung ist stark bedroht. I. Hudes, Zakliczyn, a. Dunajez. Beraun. Herr Lehrer S. M a u t n e r, der seit 21 Jahren daselbst verdienstlich wirkt, wurde in Folge seiner Erkrankung und weil ihm der Arzt jedwede unterrichtliche Thätigkeit untersagte, bis Ende des heurigen Schuljahres beurlaubt und statt seiner ein Substitut bestellt. Obgleich der Zustand des wackeren Lehrers sich etwas gebessert hatte, beschloß der Cultusvorstand in seiner am 13. Juni abgehaltenen Sitzung spontan den Urlaub des Herrn Mautner noch um ein weiteres halbes Jahr, ohne Schmälerung seines Gehaltes, auszndehnen, und falls derselbe nach beendigtem halbjährigen Urlaube den Dienst aufnehmen wolle, so bleibt der Substitut nichtsdestoweniger im Amte. Dieser edelsinnige, wahrhaft menschenfreundliche Act des Berauner Cultusvorstandes verdient in heutiger Zeit ganz besonders rühmend hervorgehvben zu werden; denn er zeigt nicht nur seltenen Seeleuadel und wohlwollende Gesinnung gegen seine Beamten, sondern bekundet auch wahre Hochachtung und Anerkennung der Wirksamkeit seiner Lehrer. Nngvar. Am 21. d. verheiratete der Vorstand der orthodoxen jüdischen Gemeinde Advocat R e i z m a n n seine Tochter mit Herrn K a h a n, Advocat aus Marmaros-Sziget. Der hiesige griechisch-katholische Bischof Julius Firczak stellte seinen vierspännigen Wagen dem Brautpaare zur Verfügung, der es zum Standesamte sowie auch in den Tempel zur Trauung führte. Herr Popovits, königlicher Tafelrichter, und Dr. Jvantey, Advocat, fungirten als Zeugen. Der neue Oberamtmann. Erzählung ans dem dritten Viertel des XVIII. Jahrhunderts von S. Kohn, Verfasser von „G a b r i e l". (Fortsetzung.) Bollwitz rief: „Unser angebeteter Herr und Fürst!" und Leipnik glaubte zu träumen; doch erinnerte er sich als religiöser, pflichttreuer Jude, daß er gehalten sei, bei dem Anblicke eines gekrönten Hauptes die vorgeschriebene Benediction anszusprechen und er lispelte leise: „Gelobt sei Gott unser Herr, der von seiner Herrlichkeit auch irdischen Wesen gegeben!" Der Kaiser hatte in seiner Milde und Liebenswürdigkeit für Jeden ein beruhigendes Wort. „Stehen Sie auf, Herr Baron! Sie haben keinen Grund sich zu demüthigen; Sie kamen lange nicht an unseren Hof, der Kniefall ist abgeschafft, Sie haben nicht nöthig, sich zu entschuldigen, Sie glaubten eben einen Vagabunden vor sich zu haben, der sich einen fremden Namen angeeignet; — aber Sie thateu mir unrecht, ich habe nie behauptet, daß _ ich Ihr neuer Oberamtmann sei; — aber ich will es anderseits allerdings nicht in Abrede stellen, daß mein Schweigen eine theilweise Bestätigung Ihrer Präsumption war. Ich versichere Sie mit meinem Worte, daß ich Ihnen Ihr heftiges Benehmen, durchaus nicht übel nehme. Sie waren in einem leicht begreiflichen Jrrthum befangen, errars humanum est*)! Und Sie, Oberamt- *) Irren ist menschlich.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.