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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-07-01 · 26 (1.7.1898) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
26 (1.7.1898)
Date
1898-07-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 504 Dr. Bloch's Wochrnschrifl Nr. 26 Ritter der Ehrenlegion ernannt worden. In seiner Bestallung heißt es Freiwilliger von 1870/71, ferner 21 Jahr im Dienst. Das Centtal-Comite der Allianz Israelite Universelle hat sich in der letzten Zeit viel mit der unglücklichen Situation zu beschäftigen gehabt, welche durch die neue Einwanderung von Jemenitischen Juden in Alexandrien entstanden ist. Zunächst ist eine Summe bewilligt worden, um der momentanen Noth abzuhelfen. Die Hauptschwierigkeit aber liegt darin, daß durch die Einwanderung dieser armen Leute nach Jerusalem dort die Maste der Erwerbslosen noch vermehrt würde. Das Central-Comite glaubt, daß es möglich sein müßte, für die Jemeniten in Egypten Arbeit zu finden, und hat in diesem Sinne Instructionen an seine Vertreter nach Alexandria gegeben. Uebrigens verlautet aus Jemen durchaus nichts von neuen Unruhen gegen die Juden. Es scheint daher, als kämen die Flüchtlinge aus denjenigen Theilen des Landes, die neuerdings in die Hände der Araber gekommen sind, während, so weit der Machtbereich der türkischen Truppen reicht, die Juden mit ihreer Lage ganz zufrieden sind. Algier. Es scheint nicht, als wenn wir Juden Aussicht darauf haben, daß sich die Verhältnisse hier bessern. Zwar hat man uns mitgetheilt, daß das Ministerium eine Versöhnungsaction'eingeleitet habe, die in Algier wieder den allgemeinen Frieden Herstellen soll. Allein wir können bisher wenig davon merken. Die Antisemiten nehmen noch jede Gelegenheit wahr, um Exceste herbeizuführen, und scheuen dabei weder die Polizei noch sogar die bewaffnete Macht. Am 11. Juni schiffte sich Frau Lepine, die Frau unseres Generalgouvernenrs, mit ihren Kindern nach Frankreich ein, wobei der Pöbel die Gelegenheit benützte, ihr unter Pfeifen und Schimpfen das Geleite zu geben. Als die Polizei einschr eiten wollte, kam es zu Thätlichkeiteu. Bei dieser Gelegenheit intervenirte der Oberstlieutenant von Maffieuve, um einen Polizisten vor der Uebermacht des Pöbels in Schutz zu nehmen. Dieser aber hatte auch vor seiner Uniform keinen Respect und vergriff sich an ihm. Durch einen Steinwurf wurde der Oberstlieutenant an der Schulter erheblich verletzt und nur die rechtzeitige Ankunft einer frischen Polizeiabtheilung rettete ihn vor Schlimmerem. Einige Tage später wiederholte sich genau dasselbe gegen den Capitän Girier vonl ersten Zuavenregiment bei Gelegenheit der Entlassung von Max Regis aus dem Gefängniß. 10.000 Personen erwarteten den Messias der Antisemiten und machten aus seiner Entlassung ein großes Volksfest. Blumen, Palmen, Bouquets, Lorbeerkränze warf ihm das enthusiasmirte Volk zu, als er aus dem Gefängniß heraus trat. Junge Mädchen fielen ihm um den Hals und küßten ihn voll Begeisterung zur höchsten Freude ihrer Eltern, denen der Anblick solchen Glückes Thränen der Rührung entpreßte. Das Fest wäre natürlich nicht vollkommen gewesen, ohne eine regelrechte Judenhetze. Diesmal war es der arme Choukroun, den sein Unstern der tobenden Menge in die Hand führte. Trotz Soldaten und Gendarmen, die dem Zuge folgten, wurde er angegriffen und in wenigen Minuten halb todtgeschlagen, bevor ihn die bewaffnete Macht befreien konnte. Am Abend dieses Tages war große Galavorstellung im Circus, zu der nicht weniger als 6000 Personen versammelt waren, und die Eröffnung der Feier und die Ankunft von Max Regis wurden deni harrenden Publicum durch Pöllerschüsse angekündigt. Von Paris aus tröstet man uns mit allen möglichen Schritten, die die Regierung zur Herstellung des Friedens unternehmen will. Man hat auch 100.000 Francs gesammelt, aber diese Summe geht vollständig drauf für die Unterstützung in kleinen Raten, mit der mau die momentane Noth unserer Glaubensgenossen zu lindern bestrebt ist. An größere Unternehmungen, mit denen man den arbeitslosen Juden Verdienst schaffen könnte, ist bei diesen beschränkten Mitteln noch gar nicht zu denken. Viel Verstimmung erzeugt hier auch unter unseren Glaubensgenossen die Abberufung des Präfecten Granet und einiger richterlicher Beamten, die sich um ihr Eintreten für die gerechte Sache der Juden bei den Antisemiten-mißliebig gemacht haben. Seit Drumont's Einfluß bei dem Ministerium in Paris maßgebend geworden ist, werden leider nach und nach alle Beamten abberufen, welche gewagt haben, dem gesetzwidrigen Treiben der Antisemiten entgegenzutreten. Auch die Stellung des Generalgouverneurs Lepine gilt aus diesem Grunde für stark erschüttert. Larissa. Als die türkischen Truppen abzogen, bot ihr Führer Edhem Pascha der jüdischen Gemeinde an, ihr die Auswanderung nach der Türkei zu ermöglichen. Die Juden hier und in den anderen thessalischen Gemeinden weigerten sich indessen, aus ihrem Vaterlande fortzuziehen und blieben in ihrem Vertrauen ans ihre gerechte Sache. Leider haben die zurückkehrenden Griechen dies Vertrauen arg enttäuscht und kaum, daß sie wieder das Heft in Händen haben, belästigen sie die Juden, ja gehen sogar mit Mißhandlungen gegen sie vor. In allen Orten behaupten die zurückkehrenden griechischen Flüchtlinge, daß sich die Juden widerrechtlich in den Besitz der Besitzthümer der Flüchtlinge gesetzt haben und Hunderte von Klagen sind deshalb anhängig gemacht worden. Die niederen Beamten, ja auch die niederen gerichtlichen Instanzen nahmen Wider- Recht und Gerechtigkeit gegen die Juden Partei, während man den höheren Instanzen und besonders dem von General Vassos geleiteten Officierscorps der einrückenden griechischen Armee nachrühmen muß, daß sie wenigstens bis jetzt die Gerechtigkeit bewahren. Nachts sind die jüdischen Quartiere schon wiederholt überfallen worden und sind stündlich mit Plünderung bedroht. Ein Larissener Jude, Namens Matalon, der den Muth gehabt hat, seinen Droguenladen offen zu halten, wurde von einer Rotte von Griechen überfallen, geschlagen und sein Laden geplündert. Uebrigens leidet auch die mohammedanische Bevölkerung unter denselben Ausschreitungen des griechischen Pöbels, so daß schon die Athenische Presse die Regierung auffordert, durch ernstes Einschreiten diesem Zustande ein Ende zu machen. London. Im Oberhause fand die zweite Lesung der Fremdenbill statt und wurde dieselbe auch diesmal mit 79 gegen 32 Stimmen angenommen. Die Debatte drehte sich diesmal ganz ausschließlich um einen Paragraphen, der, wie folgt, lautet: „Jnspectoren und Aerzte, welche vom Handelsamt angestellt sind, sollen jedes Schiff, das Einwanderer nach irgend einem Hafen des vereinigten Königreiches bringt, bei seiner Ankunft besuchen und auch die Passagiere inspiciren. Ein jeder Jnspector ist berechtigt, die Landung jedes Fremden zu verbieten, der seiner Meinung nach Idiot, geisteskrank, arm ist oder nach seiner Auffassung der Allgemeinheit zur Last fallen könnte, oderendlich an einer gefährlichen, ansteckenden oder infectiösen Krankheit leidet." Dieser Paragraph ist so dehnbar, daß ein bösgesinnter Jnspector die ganze Einwanderung unterbinden kann, selbst wenn die Regierung gar nicht auf dies Ziel hinarbeitete. Der Regierung ist es vollends eine leichte Handhabe, alle Elemente fern zu halten, die nach irgend einer Richtung ihr unbequem erscheinen. Gerade deshalb aber befürwortet die Regierung das neue Gesetz, das einem Bruch mit der alten englischen Tradition bedeutet, und ihre gefügige Majorität hat denn trotz der liberalen Opposition die Vorlage angenommen. Der Board of Deputies hat sich in seiner letzten Sitzung auch mit dieser Gefahr beschäftigt und beschlossen, alles Material statistisch zusammenstellen zu lassen, um den Beweis zu führen, daß die jüdische Einwanderung weder eine Gefahr noch eine Last für England bedeutet. Dies neue Material soll für die Discussiou im Unterhause verwendet werden. London. Die diesmalige Monatsversammlung der Anglo Jewish Association fand am Sonntag den 12. Juni l. I. statt. Den wichtigsten Punkt der Tagesordnung bildete der vertrauliche Bericht des Herrn Israel Abrahams, der aus eigener Anschauung über die auf seiner Reise nach Palästina von ihm inspicirte Lady Evelina Rothschild-Schule, die jetzt unter der Leitung der Anglo Jewish Association steht, berichtete. DüNN kam die Verfolgung der Juden in Jemen zur Sprache und wurde mitgetheilt, daß seitens einflußreicher Glaubensgenossen in Constantinopel die Aufmerksamkeit des Sultans auf diese unglücklichen Juden geleitet worden ist. Zu Gunsten der Schule in Bombay hat der Präsident Claude Montefiore der Anglo Jewish Association ein Geschenk von 53 Pfund Sterling gemacht. Den Schulen in Smyrna werden 2800 Mark, der Schule in Bombay 2500 Mark und dem Lehrlingswerk in Bagdad werden 640 Mark bewilligt. Der Termin für die diesjährige Generalversammlung wird auf den 3. Juli festgesetzt. Jassy, 20. Juni. Heute versammelten sich hier in der großeu Synagoge mehr als 2000 Personen aus allen Classen der jüdischen Bevölkerung und lauschten in Andacht der tiefergreifenden und großangelegten Trauerrede unseres Rabbiners Dr. Niemirover auf den unvergeßlichen Rabbi Samuel Moliver. Mit Verehrung und Begeisterung schilderte Se. Ehrwürden die Allisrael umfassende Weltanschauung des Rabbi Moliver. Die Versammlung sandte ein Beileidstelegramm an die Familie des Gefeierten.

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