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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-07-01 · 26 (1.7.1898) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
26 (1.7.1898)
Date
1898-07-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 502 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 26 Weiters referirt Herr Dr. Steiner namens der Unterrichtssection über das Ansuchen zweier Religionslehrer um definitive Bestellung im Dienste der Cultusgemeinde und beantragt die Stattgebung des Ansuchens; der Antrag wird angenommen. Zur Verleihung gelangen, in Uebereinstimmung mit dem Anträge der Schulsection, folgende Stiftungen; die M. L. Biedermann'sche Religionsschülerstistung (Referent Herr Dr. Marcus Spitzer) an 4 Petenten im Betrage von je fl. 63.—. Die Ettel Goldschmidt'sche Stiftung für Mittelschüler (Referent Herr Dr. Max Steiner) an 3 Petenten im Betrage von je fl. 50.— Die Dr. Adolf und Emanuel Stern'sche Stiftung für Rigorosanten der Medicin und Chirurgie (Referent Herr Docent Dr. Josef Grünfeld) an 6 Petenten im Betrage von je 109 fl. Die Wolf Jsak Nassau'sche Stiftung für Mediciner (Referent Herr Dr. Josef Grünfeld) an einen Petenten im Betrage von 42 fl. Cultusvorsteher Herr Dr. M. Spitzer referirt namens der I. Section über das Ansuchen des Vereines „Thora Ez Chaim" um Genehmigung der neuen Statuten und beantragt, dem Ansuchen stattzugeben. Der Antrag wird angenommen. Herr Cultusvorsteher Dr. A. Berger referirt über das Ansuchen des Vereines „Der Wiener Dienstmann" um Bewilligung zur Errichtung eines Bethauses und beantragt die Bewilligung zu ertheilen. Der Antrag wird angenommen. Dagegen mußte das Ansuchen eines Privatbethausvereines in der Brigtttenau um Genehmigung eines Betlocales in Ermanglung der im Statut der Cultusgemeinde geforderten Voraussetzungen abgewiesen worden. Der Obmann der Finanzsection, Herr k Rath Moriz Hirsch erstattet ein ausführliches Referat über die bisherigen Gebahrungsergebnisse im laufenden Jahre auf den verschiedenen Gebieten der Gemeindeverwaltung, aus welchem sich ergibt, daß für das laufende Jahr noch namhafte Cultussteuerbeiträge aushaften und daß auch nach Eingang derselben nur bei Anwendung der größten Sparsamkeit eine passive Bilanz wird vermieden werden können. Nach Erledigung von Stenerangelegenheiten und anderen Geschäftsstückeu wird die Sitzung um 9 Uhr Abends geschlossen. Lvien. (Verzeichn iß der in der Zeit vom 20. bis 28. I u n i 1898 ein gelaufenen Spenden zu de ui aus Anlaß des fünfzigjährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers von der Wiener israelitischen Cultusgeineinde herzu st eilenden Ausbau des israelitischen Altersversorgungshauses durch ein Versorgungshaus in Verbindung mit einer K r a n k e n a b t y e i l u n g): 1000 fl. Herr Moriz Edler v. Kuffner. 500 fl. Herr Wilhelm Kuffner. 100 fl. Anonymus durch Herrn Adjunct Freistadt, die Herren A. Herm. Frankl's Söhne, Philipp Frankl, Moriz Schur, Max Jellinek. 50 fl. Herr Ignatz Fröhlich. 30 fl. Herr Max Schlesinger. 25 fl. Herr Dr. Max Bardach, endlich in Beträgen von 10 fl. und darunter, zusammen 18 fl. die Herren Dr. Leopold Libitzky, Dr. Wettendorfer und Herr B. Bettelheim. Wie«, 27. Juni. Hochgeehrter Herr Redactenr! Eine in Ihrem geschätzten Blatte vom 24. d. M. auf Seite 489 aus Lemberg gebrachte Mittheilung betteffend die Grundsteinlegung der von der Familie Gall gegründeten Synagoge, erfordert eine Berichtigung, um deren gefälligen Aufnahme ich Sie bitte. Unsere gottseligen Eltern Samuel und Rachel Gall haben im Jahre 1871 in ihrem in der Grodiker Vorstadt in Lemberg gelegenen großen Realität C.-Nr. 273%, genannt gallische Kaserne, aus eigenen Mitteln eine vollständige und complet eingerichtete Synagoge errichtet, die den israelitischen Bewohnern dieses Stadttheiles sehr erwünscht war, da in dieser Vorstadt kein israelitisches Bethaus vorhanden war und noch bis heute kein Anderes besteht. Das Bethaus wurde zu der Zeit vom sel. Rabbiner Orenstein mit der Bezeichnung „Gall-Eid" eingeweiht. Unsere Eltern sind, die Mutter 1872 und der Vater 1881, gestorben, und dieses Haus ist an uns Kinder als Erbtheil übergegaugen, welches bis zum Jahre 1895 in unserem Besitze geblieben ist. In diesem Jahre verkauften wir dieses Haus mit der ausdrücklichen Bestimmung, daß von diesem Hause, welches demolirt werden sollte, 150 Quadratklafter auf eine von uns zu bestimmende Stelle des Grundes, zum Zwecke der Erbauung einer neuen Synagoge, ausgeschieden werde, ferner muß die alte Synagoge in ihrem Bestände so lange erhalten bleiben, bis die neue Synagoge dem Gebrauche übergeben. wird; und schließlich haben wir von dem Erlöse des Hauses 10.000 fl. ö. W., in Worten Zehntausend Gulden, zur Bauausführung dieser Synagoge hinterlegt. Nun hat mein gottseliger Bruder Jacob Gall sich bereit erklärt, die noch fehlenden Beträge zur Herstellung eines würdigen Gotteshauses aus Eigenem zu ersetzen, welches eben sein Sohn in Erfüllung der von seinem verstorbenen Vater eingegangenen Verpflichtung gewissenhaft erfüllt. Ich war, heimkehrend von dem Leichenbegängnisse meines seligen Bruders Jacob Gall, schwer erkrankt und konnte daher bei der Einweihung des Bethauses nicht zugegen sein. Mich zum Danke verpflichtend zeichnet hochachtend Josef Gall, Stadtbaumeister in Wien. Lemberg. In Ergänzung des Berichtes über die Feier der Grundsteinlegung zu der von dem verstorbenen Herrn Jacob Gall gestifteten Synagoge erlauben Sie noch einige berichtigende Bemerkungen. Das Programm der Feier entwarf natürlich Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Caro, der auch die in classischem Hebräisch gehaltene Stiftsurkunde, die in deu Grundstein versenkt wurde, verfaßt hat. Da die Synagoge für einen Verein mit conservativer Richtung' bestimmt ist, bestand Herr Rabbiner Dr. Caro auf der Einladung des conservativen Collegen, der zu Beginn der Feier eine geziemende Ansprache in der hier üblichen Mundart hielt. Den musikalischen Theil executirte der Obercantor und der Chor des Tempels. Den Gipfelpunkt der Feier bildete eine schwungvolle, von allen Hörern geradezu mit Enthusiasmus aufgenommene Rede des Herrn Rabbiners Dr. Caro. Derselbe verglich den seligen Gall mit David, der den Bau des Heiligthums seinem Sohn hinterließ. Der Redner wies ferner darauf hin, daß ein Mann, der mit seiner Ueberzeugung im Lager des Fortschrittes stand, die Mittel zum Bau einer conservativen Synagoge gegeben hat. „Ed hagal hase", schloß der Redner, daß in Sachen der Gottesverehrung alle Richtungen in Israel eins sein mögen. Ebenso angemessen und tief durchdacht war die Rede des Cultuspräsidenten, Herrn Dr. Byk, bei Gelegenheit der drei Hammerschläge. Nachdem Herr Rabbiner Dr. Caro die hebräische Urkunde verlesen hatte und nachdem dieselbe in den Grundstein versenkt war, sprach Herr Rabbiner Dr. Caro das Kaisergebet und der Chor intonirte die Kaiserhymne. Außer den Honoratioren befand sich auch der ehemalige Schriftführer des Comites zur Umstürzung der jetzt giltigen Statuten auf dem Festplatze. Da mag er sich denn überzeugt haben, welch' ein schiefer Gedanke das war, den conservativen Rabbiner zum Oberrabbiner machen und ausschlaggebende Bedeutung des Fortschrittes in unserer Gemeinde herabdrücken zu wollen. L. Skole. Am 19. d. M. feierten wir das hundertjährige Jubiläumsfest des Polnischen Dichterfürsten Adam Mickiewicz. Bor einem zahlreichen distinguirten christlichen und jüdischen Publicum hielten in der mit Blumen geschmückten Synagoge schwungvolle Gedenkreden der Arzt Dr. Emil Friedländer in polnischer, Herr Hersch August in deutscher und Phöbus Ratz, Lehrer der hebräischen Sprache in der Hirsch-Schule, in hebräischdeutscher Sprache. Dr. Friedländer warf die Frage auf, ob und inwiefern Mickiewicz einen Anspruch auf die Dankbarkeit der Juden habe und löste diese zur größten Zufriedenheit der Zuhörer. Welchen Gegensatz bildet Mickiewicz zu zwei anderen großen Dichtern, Krasinstt und Niemcewicz, die in ihren Werken, der „un göttlichen Comödie" und in „Lejba und S u r a" häßliche, zwerghafte Judentypen zeichneten?! Im Jankiel sieht der Dichter das gesammte Judenthum. Möge ein neuer Seher uud Dichter aus der Mitte des polnischen Volkes ehestens hervorgehen, schloß Dr. Friedländer in hübscher, polnischer Sprache seine Ausführungen, der wieder Liebe, Brüderlichkeit und Einigkeit Aller predigen möchte und nicht wie in diesem fin de sifecle Haß und Neid. Bei offener Bundeslade verrichtete er dann das Seelengebet und schloß mit einem Hoch auf unfern geliebten Kaiser, in das das Publicum begeistert einstimmte. Die Schüler der Baron Hirsch-Sckule machten auf das gesammte Publicum einen tiefen Eindruck durch ihre polnischen, patriotischen Lieder. Ratz, Lehrer.

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