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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-06-24 · 25 (24.6.1898) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
25 (24.6.1898)
Date
1898-06-24
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 25 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 491 Bedingungen wären Sie geneigt, ihm die auf Ihrer Herrschaft erledigte Judenfamilie zu ertheilen" und da der Freiherr von der ihm fremdklingenden Redeweise seines neuen Oberamtmanns so überrascht war, daß er kein Wort der Ewiderung fand, fuhr der Fremde ruhig fort: „Wie Sie wissen, sind die bestehenden gesetzlichen Bestimmungen für die Juden hart, mehr als das, grausam, und bedürfen dringend einer Verbesserung, einer wesentlichen Reform; allein es fällt mir nicht im Entferntesten ein, in solange eine solche noch nicht eingeführt ist, gegen dieselben .zu handeln, aber ich fordere von Jedermann, der, sei es durch seine Stellung als Beamter oder durch seine Geburt als Grundherr mit der Ausführung derselben betraut ist, daß er die menschlichste, mildeste Form für diese finde, und ein strenges drakonisches Gesetz nicht noch durch übermäßige Härte zur vollen Unerträglichkeit gesteigert wird. Jakob Leipnik ist auf Ihrer Herrschaft geboren, ist ein unbemakelter, unbescholtener Mann, ist seit sechs Jahren verlobt — warum Herr Baron, wollen Sie ihm nicht die Nummer wenigstens zu einem civilen Preise verkaufen? Ich weiß es, die Judenfamilien auf Ihrer Herrschaft sind Ihr Eigenthum und Sie können dieselben beliebig taxiren; aber ich bitte Sie zu bedenken... „Herr und Gott! in welchem Tone untersteht Er sich denn mit mir zu sprechen?!'y fuhr der Baron kirschbraun vor Zorn polternd in die Höhe, „das will ich mir allen Ernstes verboten haben! — Seht mal her! Das hätt' ich hinter dem Malefizkerl, der einen so schönen, unterthänigen Brief schrieb, mein Lebtag nicht gesucht — und kurz und gut, ich mag Ihn nicht zu meinem Oberamtmanne und seinen Spießgesellen", er deutete auf Rosenberg, „nicht zum Erzieher meines Sohnes, verstanden?" — und Er kann sich jetzt gleich weiter trollen!" „Es ist mir bei Gott, nicht einen Augenblick eingefallen Ihr Oberamtmann zu werden, lieber Baron Pellwald," lautete die überraschende Antwort, „und Sie bester Rosenberg beabsichtigen wohl auch nicht, Ihr schönstes Mannesalter damit zu verbringen, mit dem jungen Baron mensa zu decliniren!" Die beiden jungen Männer erhoben sich nun, als jetzt wieder der Diener unter tiefen Verbeugungen -nahte und meldete: „Herr Franz Graf, hochdero unterthänigster neuer Herr Oberamtmann und Herr Erasmus Rosenberg, der unterthänige Erzieher des gnädigen jungen Herren sind soeben angelangt und bitten ehrfurchtsvoll sich ergebenst vorstellen zu dürfen." „Wa .... was faselt er da?" schrie der Baron, „wer ist da?" Der Bediente wiederholte seine Meldung, aber gleichzeitig kamen unter tiefen Bücklingen zwei Männer in höchster Galatracht jener Zeit, mit Puder und Haarbeutel, schwarz befrackt in kurzen seidenen Beinkleidern, seidenen Strümpfen, Schuhen mit silbernen Schnallen, den Lbapeau-bas unter dem Arm — langsam die Pappelallee herangestiegen. Der Eine näherte sich dem Baron, ergriff dessen Hand und drückte ehrfurchtsvoll einen Kuß auf dieselbe, während der zweite zur Baronin schritt und derselben mit einem tiefen Bückling die Hand küßte. „Ich segne den Augenblick," begann der Erstere, ein kleiner dicker Mann, „in dem es mir vergönnt ist, meinen hocherhabenen Patron und Gönner seine hochfreiherrlichen Gnaden den Herrn, Herrn Baron Pellwald, Erbherrn auf Brauschitz — rc. — den Gott noch lange erhalten möge, von Angesicht zu Angesicht zu sehen!" „Wer ist Er denn?" „Ich bin Euer hochfreiherrlichen Gnaden ganz ergebenster Knecht und Oberamtmann Franz Graf — und dieser da mein Freund und Studiengenosse und hochdero unterthänigster Knecht und'zukünftiger Erzieher der gnädigen jungen Herrschaft — Erasmus Rosenberg." Einen Augenblick herrschte das tiefste Schweigen staunender Ueberraschung in diesem Kreise, und selbst Bollwitz sah einen Moment mißtrauisch auf die beiden jungen Männer, die er unglücklicherweise bei. seinem Vetter eingeführt hatte, aber das Lächeln in ihren Zügen beruhigte ihn sofort. Der Baron war keinen Moment darüber im Zweifel, daß er erst jetzt die richtigen Exemplare, den echten Oberamtmann und den echten Erzieher vor sich habe, und der Gleichmuth der beiden entlarvten Betrüger erschien ihm geradezu als die höchstpotenzirte Unverschämtheit, er wandte sich an diese. „Also .... Ihr .... Ihr ...." dem Baron mangelte jeder Ausdruck, um den vollen Umfang seiner Verachtung zum Ausdruck zu bringen. „Menschen! wagt Euch als Oberamtmann und Erzieher bei mir einzuschleichen?! und . . . ." „Pardon, Herr Baron, daß ich Sie unterbreche," sprach jetzt der Pseudo-Amtmann; aber mit einer so imponirenden Klangfülle des Tones und entschiedener Handbewegung, daß Pellwald unwillkürlich verstummte. „Sie befinden sich in einem gewaltigen Jrrthum! Erinnern Sie sich freundlichst, weder ich noch mein Freund Rosenberg haben es mit einem Worte ausgesprochen, daß wir die Erwarteten wären — wir haben Ihre Vermuthung nicht durch ein positives Wort bestätigt!" Des Barons aufsteigende Wuth, verlieh ihm wieder den Muth, der ihn einen Moment treulos in Stich gelassen hatte und er schrie: „Ah! — ich hätte gleich an seinen hochverrätherischen Redensarten, an Seinem frechen Tadel der bestehenden Gesetze erkennen sollen, was für sauberer Vogel Er ist — mein lieber Oberamtmann Graf. Er ist ja der Polizeichef auf meinen Herrschaften, lass" Er sofort diesen hochverrätherischen Filou, der Ihm Seinen ehrlichen Namen stehlen wollte, verhaften!" Der überraschte Amtmann erkannte sogleich, um was es sich handelte; ein Anderer hatte sich hier unter seiner Maske eingeschlichen, er gerieth förmlich in Alteration und rief: „Er hat meinen Namen gestohlen! Ich bin ein ehrlicher Mann und habe meinem früheren Patron treu und redlich gedient, daß ich ohne Vermögen von ihm schied — ich kann sagen omnia mea mscum porto! ich habe nichts als mein Wissen und meinen ehrlichen Namen — wehe, wehe, dreifaches Wehe!" — dann wendete er sich an den Bedienten, der sich noch in der Nähe befand und sagte, „ich bin noch ganz fremd hier; aber ohne Zweifel gibt es hier einen handfesten Gerichtsdiemr, hole Er denselben und bringe Er auch gleich einen Haufen mit Heugabeln bewaffneter Bauern mit, solche hochverrätherische Namensdiebe pflegen mit Schieß- und Stichwaffen versehen zu sein und müssen durch Uebermacht erdrückt werden!" Diese Bemerkung hatte zur unmittelbarsten Folge, daß der Baron etwas zurücktrat; aber die Energie des Oberamtmanns, gepaart mit sichtlicher Unterwürfigkeit gegen seinen Patron, hatte ihm rasch sein Herz gewonnen, und er winkte dem Bedienten heftig mit dem Kopse zu, die Befehle des neuen Polizeichefs auszuführen und der Bediente stürzte ab, stieß aber mit einem hochgewachsenen Manne zusammen, der in dem tollen Trubel von Allen unbemerkt die Allee heraufgekommen war. „Wer find Sie, der Sie umangemeldet hier vorzudringen wagen?" knurrte ihn der Baron an. „Ich habe die Ehre, mich Ihnen als Graf Julius Coronini, Obristlieutenant bei Daun-Dragoner, ihrer apostolischen Majestät wirklichen Kämmerer vorzustellen!" „Die Identität des Herrn Grafen kann ich bestätigen," bemerkte Bollwitz schüchtern, „er war mein Rittmeister." „Ah! da bitt' ich tausendmal für meinen unfreundlichen Empfang um Entschuldigung, Herr Graf!" rief der Baron verlegen, ihm artig die Hand reichend; „aber Sie finden mich eben in einer fatalen Situation. Zwei Filous haben sich bei mir eingeschlichen, der Eine hat sich fälschlich Rosenberg, der Andere Graf ansprechen laffen." Da der Baron die Beiden mit der Hand bezeichnete, konnte kein Zweifel darüber obwalten, wem er diese freundschaftlichen Titel beizulegen beabsichtige. Graf Coronini erblaßte einen Moment heftig, er unterbrach den Baron. „Ich muß Sie dringend bitten, sich zu moderiren — der Herr ist vollständig in seinem Rechte, sich Rosenberg nennen zu lassen, ich beehre mich hiermit Ihnen meinen geehrten Freund, Herrn Graf Hugo Rosenberg, Obristwachtmeister beim ersten Chevauxleger-Regiment und wirklichen kaiserlichen Kämmerer vorzustellen — der. . . andere Herr, den Sie kurzweg als „Graf" bezeichnen — hat allerdings auch das Recht, sich nach einer seiner Besitzungen Graf Falkenstein zu nennen;. — aber das ist nur der Name, den er in seinem Jncognito trägt und in diesem so angesprochen wird — in der That aber ist der Herr . . . Seine Majestät der römische Kaiser Josef der Zweite, unser allergnädigster Herr — Mitregent in Oesterreich! — den ich seit vielen Stunden vergeblich auf dem Wege hieher suchte." Zuerst entstand eine Pause tiefsten Schweigens, der höchsten Ueberraschung, dann aber folgte eine Scene, die jeder Beschreibung spottet. Der Baron stürzte zerknirscht auf den Kaiser hin, und noch an das steife spanische Ceremoniell unter Carl den Vl. gewohnt, that er einen Fußsall und rief:

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