Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 25 (24.6.1898)
- Date
- 1898-06-24
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 490 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 25 8000 fl. zu spenden. Die neue zu erbauende Synagoge wird noch in diesem Jahre vor dem jüdischen Neujahrsfeste eröffnet. In den letzten Tagen ist im hiesigen Verein „Marbice Thora" ein derartiges Feuer ausgebrochen, daß deren Synagoge ein Raub der Flammen wurde und 3 kostbare „Sefer Thoras" verbrannt sind. Der Herr Oberrabbiner Schmelkes er« mahnte in einer begeisterten Rede die hiesigen Gemeindemitglieder am Ereov Rosch Chodisch Tamos, d. i. Montag den 20. d. M. einen halben Festtag zu veranstalten oder Lösegeld — 18 kr. per Familie, die eingesammelten Beträge der jüdischen rituellen Volksküche zuführend — zu veranstalten. Die noch theilweise zurückgebliebenen Blätter der Thorarollen, auch viele verbrannte Gebetriemen wurden am alten Friedhose in den Grabstätten der berühmten Geonim „Tura Sahew, und Boch", hinterlegt. * Floridsdorf. Aus Floridsdorf kommt uns die Trauerbotschaft von dem Heimgang des Vorstandsmitgliedes Herrn Eisinger zu. Der Verstorbene war ein frommer Mann von edler menschenfreundlicher Gesinnung, der sich allgemeiner Beliebtheit und Achtung erfreute. Das Leichenbegängniß fand Donnerstag um 3 Uhr Nachmittags unter allgemeiner Theilnahme der Bevölkerung statt. Friede seiner Asche! Zurawao. Wie dies in mehreren Städten Galiziens der Fall, konnte auch in unserer Gemeinde eine Talmud-Thoraschule in Ermanglung der nöthigen Mittel nicht erhalten werden. Man mußte sich begnügen, die Kinder unbemittelter Eltern nach Möglichkeit in Winkelschulen unterzubringen, wo sie nur in den Elementarkenntnissen unterrichtet werden konnten. Selbstverständlich ließ eine solche Verfassung des Unterrichtes viel zu wünschen übrig. Durchgreifende und radicale Reformen waren bei dem Mangel eines eigenen Talmud-Thora-Hauses undurchführbar. Da faßte Herr Simche M i l g r o m, Vicepräsident des hiesigen Cultusvorstandes, den hochherzigen Entschluß aus e i ge itert Mitteln ein geräumiges, entsprechendes Steinhaus zu bauen, und selbes für eine Talmud-Thora zu widmen und so konnten wir der Grundsteinlegung zu diesem Talmud-Thora-Hause am 15. Juni in Anwesenheit eines zahlreichen Publicums beiwohnen. Gleichzeitig möge erwähnt werden, daß am 25. v. M. hierorts eine neue Cultuswahl nach den Anforderungen der neuen Cultusstatuten stattgefunden hat. Am 10. d. M. wurde die erste constituirende Sitzung abgehalten, wobei Herr Herz Leib Lempert, der schon früher als Cultusvorsteher sich große Verdienste um unsere Gemeinde erworben hatte, zum Präsidenten gewählt wurde. In den Vorstand gelangten die Herren David Leib Rosenmann, Simche Milgrom, Adolf Schönbach und Simche. Geller. Kremsier. Sr. Ehrwürden der Herr Rabbiner Dr. Frankel - Grün wurde mit nachstehender Zuschrift ausgezeichnet : Seine k. u. k. Apostolische Majestät haben laut Zuschrift des Oberst-Kämmereramtes Seiner k. u. k. Apostolischen Majestät vom 7. Juni 1898, Zahl 657, Ihrer Bitte um Allergnädigste Annahme des von Ihnen aus Anlaß des Allerhöchsten 50jährigen Regierungs-Jubiläums verfaßten Werkes betitelt: „Geschichte der Juden in Kremsier", allergnädigst zu willfahren geruht. Auf Grund genereller Ermächtigung Seiner Majestät beehre ich mich, Euer Ehrwürden für die in dieser Publication zum Ausdrucke gebrachte loyale Gesinnung hiemit den Kaiserlichen Dank bekanntzugeben. K. k. Bezirkshauptmannschaft Kremsier, am 14. Juni 1898. Der k. k. Bezirkshauptmann. Nachod, 19. Juni. (Besetzung der Rabbinerstelle.) Die durch den Abgang unseres Rabbiners Dr. H. Goitein erledigte Stelle wurde dem Herrn Dr. Heinrich B r o d y aus Berlin verliehen. Der ernannte Rabbiner ist ein Schüler des Herrn Dr. Hildesheimer und hat trotz seines jugendlichen Alters sich in der wiffenschaftlichen Schriftstellerwelt bereits einen guten Namen erworben. Retz, 21. Juni. Die hiesigen Frauen und jene der Umgebung haben auf Anregen des Herrn Julius Pollak durch freiwillige Spenden, die schon einen ziemlich namhaften Betrag ausweisen, den löblichen Beschluß gefaßt, ein schönes „Jubjläums-Proches" dem hiesigen Tempel zu widmen. Der Zweck desselben soll zur bleibenden Erinnerung an das Regierungsjubiläum Seiner Majestät auf dem Proches zum Ausdrucke kommen. Hohenau. Das Bankhaus Baron S. M. von Rothschild hat zum Tempelbau in Hohenau die Spende von 200 fl. übermittelt, wofür das Tempelbau-Comits (Dr. Leindörfer, Vorsteher, K. Fürst, Adolf Sonnenmark) öffentlich den Dank ausdrücken. Breslau. Herr Albert Silberberg und Frau feiern am 29. d. M. ihre Silberhochzeit. Das in weiten Kreisen wegen seiner trefflichen Charaktereigenschaften geschätzte Ehepaar wird sicher an diesem Tage zahlreiche Beweise der Verehrung und Sympathie entgegennehmen. Bralystok, 14. Juni. Aus Bialystok kommt die schmerzliche Kunde, daß Herr Oberraböiner Samuel M o h i l e w e r im Alter von 74 Jahren einem längeren Leiden erlegen ist. In gerechter Trauer beklagt die russische Judenheit einen ihrer hervorragendsten rabbinischen Autoritäten, und die Kundgebungen dankbarer Verehrung werden überall da ein Echo finden, wo die über den Bereich seiner Berufswirksamkeit hinaus segenbringende Thätigkeit des Entschlafenen bekannt geworden ist. Unter seinen zahlreichen Verdiensten, welche in nächster Nummer von einem berufenen Beurtheiler gewürdigt werden sollen, steht in erster Reihe der hervorragende, in seinem ganzen Umfange nur wenigen Eingeweihten bekannte Antheil an der C o l o n i s a t i o n P a l ä st i n a's, der er bis in die letzten Tage seines arbeitsreichen Lebens mit jugendlicher Hingebung seine Thatkraft und seine Einsicht, vor Allem das Gewicht seines autoritativen Urtheils gewidmet hat. Der neue Oberamtmann. Erzählung, aus dem dritten Viertel des XVIII. Jahrhunderts von S. Kohrr, Verfasser von „Gabriel". (Fortsetzung.) Diese lehrreiche Bemerkung schien überhört worden zu sein und noch weniger die beabsichtigte Wirkung — in tiefste Ehrfurcht zu versenken — hervorgerufen zu haben; denn der junge unternehmende Mann griff nach einem Stuhle, warf sich noncholant auf denselben und sagte auch zu seinem Begleiter: „Aber, liebekxfltosenberg, Sie müssen ja von der langen Fußpartie ermüdet sein,, setzen Sie sich doch" und Rosenberg hatte sofort dieser Aufforderung Folge geleistet und sich auf einem Stuhle neben der Baronin niedergelassen. Wieder wurde der Baron suchsroth vor Zorn und Aufregung: „Teufel nocheinmal! Bei mir ist es nicht Sitte, daß sich einer meiner Untergebenen setzt, bevor ich es nicht ausdrücklich gestatte!" Die Baronin .fand an den beiden jungen, schmucken Männern, die durch eine ungezwungene Haltung vorteilhaft von ihren Vorgängern abstachen, Gefallen, und sie sagte daher höchst leutselig und herablassend: „Aber lieber Mann! Du hörst ja, daß die Beiden einen langen Weg zu Fuß zurückgelegt haben; — da muß man sie ja entschuldigen! Uebrigens," fügte sie mit fein sein sollender Ironie hinzu, „hätte -ich das auch ohne es zu hören erkannt — sie sind ja in Reisekleidnng und von Staub bedeckt! — wahrscheinlich fürchteten die jungen Leute Deinen Unwillen zu erregen, wenn sie sich noch später vorstellen würden, und haben es daher vermieden, sich, wie es sich eigentlich gepaßt hätte, in Gala zu werfen." Pellwald schien sich noch immer nicht über biefeit entsetzlichen Disrespect beruhigt zu haben; aber da seine Frau für die beiden Neuangekommenen Partei ergriff, wollte er seine „Moderation" beweisen und wandte sich nun gnädig an Rosenberg. „Also Er will meinen Jungen in die Geheimnisse der lateinischen Grammatik einweihen? . . . ." aber in diesem Momente erblickte er auch Leipuik, das war ihm doch etwas zu stark, ein-ihm unterthäniger Jude, ungerufen in seinem Schloßgarten! — das war eine vollkommen beispiellose Dreistigkeit! „Was will Er denn da!" brüllte er, „was hat Er unangemeldet da zu suchen?" Ehe noch der erschreckte Jude antworten konnte, ergriff sein Gönner das Wort und sprach: „Hochsreiherrliche Gnaden, ereifern Sie sich nicht, der Mann da ist vollkommen unschuldig an seinem Hiersein; ich habe rhm befohlen mitzukommen; denn ich beabsichtige sofort in seinen Angelegenheiten mit Ihnen zu sprechen. Un;er welchen