Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 25 (24.6.1898)
- Date
- 1898-06-24
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 25 Seite 489 Dr. Bloch's Wochenschrift Juden, die seinen Uebertritt verursacht, so gehaßt haben, daß wie er sagte, er sich im Zorne leicht Hinreißen lassen konnte, einen von ihnen zu tödten. Er erlebte nach die Priesterweihe, seines am 22. März 1845 zu Breznie geborenen Enkels, dessen Vater Josef im Alter von 3 Jahren getauft toorben war. Kitzbühel. Von einer Freundin unseres Blattes erhalten wir folgende Zuschrift vom 13. d. M.: Sehr geehrter Herr Redacteur! Sie, würden gewiß jetzt, in der Zeit der Suche nach Landwohnungen, Vielen einen Dienst erweisen, wenn Sie diese Zeilen in ihrem Blatte veröffentlichen. Der Arzt verordnete mir, wie so vielen anderen nervösen oder blutarmen Städtern, einen Sommeraufenthalt in Tirol. Jch.schrieb nach Kitzbühel und bat um gefällige Auskunft. Heute erhielt ich einen Prospect mit Ankündigung von freien Wohnungen und der Mittheilung, die Section Kitzbühel des Vereines zur Hebung des Fremdenverkehres ertheile nähere Auskünfte. Gleichzeitig war hinzngedruckt: „Beschluß der Generalversammlung 1897. Anfragen von Juden haben unberücksichtigt zu bleiben." Ich glaube, diese Bemerkung spricht eine beredte Sprache. Klingt es nicht geradezu komisch, von der „Hebung des Fremdenverkehres" zu sprechen, wenn erst eine förmliche Legitimation nöthig ist, um überhaupt Antwort zu erhalten? Mit der Bitte, diese Zeilen zu veröffentlichen, zeichnet hochachtungsvoll E. H., eine alte Abonnentin. Jerusalem. (Der Handel mit P a l ä st i n a.) Der britische Consul zu Jerusalem theilt mit, daß im vorletzten Jahre der Handel mit Palästina gegen das Vorjahr einen erheblichen Zuwachs aufwies. Die Einfuhr und Ausfuhr zusammen stieg 1896 ans 629.537 Lstrl., und betrug um 70.000 Lstrl. mehr als im Jahre 1895. Den dritten Theil der gesammten Ausfuhr bildet Seife, nächstdem kommen der Wichtigkeit nach Orangen, <Hesam, Bohnen, Haute und Mais. Unter den Importen stehen obenan Baumwollwaaren, die ungefähr ein Viertel derselben betragen, dann Zucker, Petroleum, Holz, Mehl, Kaffee, feine Tuche und Reis. Nach Großbritannien gingen Exporte für 55.000 Lstrl., und wurden von dort für 27.000 Lstrl. Maaren eingeführt. Die britische Einfuhr neigt der Abnahme zu, doch sind die Zahlen nicht zuverlässig, da sich nicht genau feststellen läßt, in welchem Umfange die Einfuhr ans Egypten und anderen türkischen Häfen wirklich britischen Ursprungs ist. Die Einfuhr ans Frankreich nimmt ebenfalls ab, während die deutsche zunimmt. Unser Gewährsmann sagt, daß letztere Erscheinung namentlich dem deutschen Gebrauche, Geschäftsreisende anszufenden und Maaren auszustellen, zu verdanken ist. Letztes Jahr wurde Palästina bereits von 29 deutschen, 18 österreichischen, 13 französischen und 4 englischen Geschäftsreisenden besucht. Die in Palästina gesuchtesten Maaren sind dieselben, wie in den wichtigeren Seehäfen und Städten der Türkei, nämlich Baumwollwaaren, Reis, Kohle, Eisen, Conserven, Kurz- und Galanteriewaaren. Der Weinbau in den deutschen und israelitischen Colonien Palästinas nimmt au Quantität und Qualität der Production zu. Die Bahnzüge zwischen Jaffa und Jerusalem laufen regelmäßig und pünktlich. Vernn>chtes. Wien. Die für den 24. und 25. Juni d. I. in Aussicht genommenen Probepredigten im Tenkpel 3lV]., Hubergasse 8 und im Stadttempel unterbleiben wegen Erkrankung des betreffenden Candidaten. Wien. (T r a u u n g.) Mittwoch den 29. Juni um 2 Uhr Nachmittags findet im israelitischen Tempel, Wien, IX., Müllnergasse, die Trauung von Fräulein Katharina Feiertag, Tochter des Herrn Ignaz Feiertag, mit Herrn Moriz Berger, Sohn des Herrn Bernhard Berger, statt. Wien. In Simmering hat Herr Architekt Gastner die Leitung des Tempelbaues übernommen. Dr. Daniel Schlesinger aus Trencziu ist zum Gerichtsrathe am Grinzinger Gericht ernannt worden. Wien. (Ferienheim.) Mit der wärmeren Saison ist für den Verein „Ferienheim" auch die Zeit seiner vollsten Thätigkeit angebrochen. Drei Gruppen zarter, leidender Schulkinder sind in jüngster Zeit schulfrei gemacht und auch bereits aufs Land entsendet worden und zwar gingen Mittwoch, den 8. Juni 7 Kinder in Begleitung von zwei Aufsichtspersonen zum Cnrgebrauch nach Bad Hall in Oberösterreich, Montag, den 13. Juni 64 Mädchen und zwei Aufsichtsdamen nach der Cvlvuie Rossitz bei Brünn und Dienstag, den 14. Juni 54 Mädchen mit zwei Aufsichtspersonen nach der Colonie Petra» bei Straßnitz in Mähren ab. Wien. Bei der mit 15. Juni l. I. stattgehabten Ausschuß- Sitzung des humanitären Vereines „Mechisch-Joschuah", II., Josefinenqasse 10, wurde der einstimmige Beschluß gefaßt, anläßlich des Regierungsjubilänms Sr. Majestät einen Witwen- und Waisenfond zn gründen, sowie zum ewigen Angedenken an die glorreiche Negierungszeit unseres erhabenen Monarchen im Vereinsbethause eine Votivtasel aufzustellen. Ans diesem Anlasse spendete der Vereinsarzt Herr Doetor Isidor Braun dein Witwen- und Waisenfonde einen jährlichen Beitrag von 25 fl. Wien. (U n t e r st ü tz u n g arme r j ü d i s ch e r K i nd e r.) Die gegenwärtige antisemitische Strömung hat leider im Gefolge, daß unsere armen Glaubensgenossen sowohl bei öffentlichen als privaten Betheilungen vollständig untgangen werden. Umso lobenswerther müssen wir es anerkennen, daß sich Männer finden, die in der schweren Zeit die Bürde auf sich laden, diesen Entgang an Betheilnngen nach Kräften wettzmnachen. Der Vorstand des bekannten unter dem Protcctorate Sr. Ehrwiirden des Herrn Oberrabbiners Dr. Moriz Gndemailn stehenden humanitären Vereines „Treubund" hat Dank seiner regen Thätigkeit im vergangenen Winter über 200. arme jüdische Kinde r vollständig mit Winterkleidern versehen, war aber leider bemüßigt, weitere 400 Gesuche aus Mangel an Mitteln unberücksichtigt lassen zu müssen. Es wäre deshalb sehr zu empfehlen, diesen humanen Verein nach Kräften zu unterstützen. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 50 Kreuzer per Monat und bitten wir Mitgliedsanmeldnugen an den Obmann des humanitären Vereines, Herrn Dr. A. Brünauer, Wien, II., Rembrandtstraße 32, zu richten. Wien. (Todesfall.) Vorigen Mittwoch wurde hier Herr Samuel Modlinger, einer der hervorragendsten Kenner des Talmud und sonstiger jüdischer Schriften zn Grabe geleitet. Modlinger hat verschiedene Werke, welche viel gelesen wurden, insbesonders eine Studie, „Lessing und die Inden", veröffentlicht. S. E. Rabbiner W. S o r, Lector Friedman n. Lector Schwarz, sprachen an der Bahre ehrende Worte des Nachrufes. Modlinger starb in bitterster Noth und Armuth. Seit Jahren nagte der Verfasser einer ausgezeichneten Biographie des Aristoteles am Hungertuche. Auch auf dem Felde der Bibelkritik hat er ganz Bedeutendes geleistet. Er hinterläßt unversorgt eine Tochter, die bekannte Concertsängerin Frl. Grethe Modlinger. Auf Modlinger passen die Worte vollkommen, welche Kästner dem Johannes Kogler widmete: „Er wußte nur die G ei ster zu vergnügen, Drum ließen ihn die Körper ohne Brod!" Austerlitz. Sonntag den 12. Juni vollzog hier Herr Rabbiner Dr. Weiß unter Assistenz des Cantors Schön die Trauung des Herrn . Med. Dr. Julius Königsfcld, k. k. Polizeiarzt in Wien, mit Fräulein Hermine Strnch. Tochter des hier hochgeschätzten Cultusvorstehers Herrn Josef Strach. Die Hochzeitsfeier gab Anlaß zu einer großartigen Sympathiekundgebung, ein Beweis der Werthschätzung, der sich die Familie Strach unter allen Schichten der Bevölkerung erfreut. Bei der Hochzeitstafel vereinigte sich Alles, was auf Geist und Achtung Anspruch hat, sehr viele wohlklingende Namen von Brünn und Wien über 170 Personen. In sehr schwungvollen Worten wurden die Verdienste des Festgebers gefeiert, die Glückwünsche dem Brautpaare dargebracht. Hervorgehoben zu werden verdienen die Spechs der Herren Oberlehrer Schönbrunn, Jul. Kollek, insbesondere des Herrn Jgn. Kampflitschek, der die ganze Gesellschaft enthusiasmirte. S. Lemberg. Der jüngsthin verstorbene Industrielle kaiserl. Rath Jacob Gal hat testamentarisch einen geräumigen Platz wie auch 30.000 fl. zur Erbauung einer Synagoge hinterlaffeu. In einem von einem 19 Meter breiten umzänmten Garten wurde heute die Grundsteinlegung der unter Leitung des jüdischen Architekten und Baumeister Heinrich Salver zu erbauenden Synagoge in Gegenwart der Honoratioren, Cultusrepräsentanz und des einzigen gutherzigen Sohnes Herrn Rudolf Gal, Geschwister und Neffen Moritz Gal, Rabbiner Herrn Isaak Schmelkes, Dr. Caro und Präsidenten des Vereines Gall-Eid vollzogen. Auf der Tribüne, die mit Palmen und Flaggen bekränzt war, hielt Herr Oberrabbiner Schmelkes einen zündenden Nachruf für den verstorbenen Jacob Gal. Die Schlußrede hielt der Cultuspräsident Herr Dr. Emil Byk. Die Grundsteinlegung sammt Stiftungspergamentrolle in jüdisch-hebräischen Lettern und Hammerschlägen wurden von den Cultusräthen und den Rabbinatscollegium, sowie von dem Cantor Herrn Halpern unter Absingung von Psalmen und der Hymne für Se. Majestät feierlich vollzogen. Der Sohn Herr Rudolf Gall dankte den Repräsentanten der Stadt für die Mithilfe dieser schönen Feier, versprach, um die Synagoge zu verschönern, zu den vom Gottseligen hinterlassenen Fonds per 30.000 fl. noch