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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-06-24 · 25 (24.6.1898) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
25 (24.6.1898)
Date
1898-06-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 25 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 497 vertretendes Matt, welches noch dazu in der Metropole Galiziens, dem Sitze des Statthalters, erscheint, nichts Wichtigeres adzudrncken, als eine, wenn auch noch so schöne Gelegenheitsrede? Gibt es keine die Juden berührenden, tieftraurigen Ereignisse, die die polnische und deutsche Tagespresse von allen Lagern in Athem hält? Ja, aber das liegt ja weit ab in ... . Westgalizien. Nichtsdestoweniger wird selbstverständlich erst nach der langen Jnstallationsrede, eingebettet zwischen einer Notiz über ein schlechtes Orgelspiel und einem Gartenfeste, mit dürren sieben Zeilen die Nachricht gebracht, daß ferne im Westgalizien — die Juden massacrirt werden und last not least . . . die Gelegenheit wahrgenommen, den politischen Behörden ein Compliment zu machen. Vielleicht der einzige Grund, daß man sich überhaupt damit beschäftigt. Dieses Curiosum einer Berichterstattung über diese das gesammte Jndenthum in seinen Tiefen erschütternden Revolten lautet: „Lemberg. Die Signatur der letzten zwei Wochen sind leider die sich fortwährend wiederholenden von antisemitischer Seite geführten Excesse gegen die jüdische Bevölkerung in W e stg al i z ien. Man muß den politischen Behörden die Anerkennung zollen, daß sie nach Kräften rasch und energisch einschreiten." Was kümmert es den großen Juden Herrn Dr. B y k, daß eine Gührung das Land aufwühlt, daß seine armen Stammes- und Glaubensgenossen an Leib und Gut bedroht werden, wozu nach Mitteln sinnen, um dem Nebel zu steuern! Wir sind ja Abgeordnete von Ostgalizien und haben ein Blatt, um die ostgalizische Bewegung verschweigen und nur nebenbei andeuten zu können —. dort hinten' in Westgalizien werden armen Juden die Schädel eingeschlagen, welche Gelegenheit seitens der Behörde wahrgenommen wird, um ihre Judenliebe zu bekunden. Wäre Herr Dr. Byk Abgeordneter von Weftgalizien, dann hätte sein Blatt vielleicht erfahren, daß es in Ostgalizien eine kleine Judenhetze gibt, daß in Tluste Schreckenstage herrschten und daß die Behörden „rasch und energisch" einschreiteu. So ein jüdischer Abgeordneter hat doch ein herrliches Leben, die fürsorgliche Behörde tritt ja „energisch" für das Wohl seiner Wähler ein, und statt im Parlamente zu reden, darf er . es sich gönnen, sein hiesiges Blatt mit schönen Phrasen über die Pflichten eines Seelsorgers auszufüllen und so kleinen Raum für die niederschmetternden Judenverfolgungen in Galizien zu finden. Welch' eine Lust jüdischer Abgeordneter zu sein!! Dukla, 13. Juni. Die Hetzereien des Pater Stojalowski bei uns in Galizien haben blutige Früchte für unsere Glaubensgenossen getragen. Dieser systematische Prediger des Hasses beglückte auch das Städtchen Kolaczyce bei Jaslo mit seinem Besuche und reizte das unwissende Volk ganz ungescheut zu Raub und Plünderung an den jüdischen Mitbewohnern. Die Folgen blieben auch nicht aus. Am Donnerstag den 9. d. rottete sich der christliche Mob des Städtchens zusammen und begann wie üblich mit Steinen nach den jüdischen Häusern zu werfen und jeden jüdischen Passanten zu attaquiren. Die jüdische Bevölkerung, ohnehin durch die Predigten des Stojalowski in Schrecken versetzt. entsendete sofort Freitag den 10. d. eine Deputation an den Bezirkshauptniann nach Jaslo, um militärischen Schutz zu verlangen. Der Bezirkshauptmann aber vertröstete die Leute, daß bald wieder Ruhe eintreten werde und gab natürlich keinen Schutz. Die im christlichen Pöbel erwachte Raubgierde, die unbestraft blieb, wollte aber nicht zur Ruhe kommen und brach am Sonntag den 12. d. zu Hellen Flammen aus. Die städtische Bevölkerung verstärkt durch den Bauernzuzug aus der Umgegeud begann eine förmliche Plünderung bei den Juden, die, ihres Lebens nicht sicher, sich schleunigst flüchten mußten, ihr Hab und Gut dem christlichen Pöbel als Beute zurücklassend. Die Kolaczycer Helden durch diesen Erfolg ermuthigt, organisirten auch einen Beutezug nach Jaslo, wo sie aber von der Gendarmerie und der intelligenten Bevölkerung vom Einzug in die Stadt zurückgehalten wurden. Aus Rache verbrannten sie dann die nächst Jaslo gelegene jüdische Spiritusbrennerei der Herren Wallach u. Cie. Wir in Dukla beherbergen heute die Flüchtlinge aus Kolaczyce und zittern bange, daß das gleiche Schicksal einst auch uns treffe. Prag. In Ihrem geschätzten Blatte brachten Sie die Nachricht, daß der jüdische Reform-Verein in Berlin sich mit dem Gedanken befaßt, die samstägigen Gebete derart zu ändern, daß diese entweder an einen Freitag Abend, oder überhaupt an einen Sonntag abgehalten werden, die Mehrzahl aber für den Freitag Abend sich entschied. Es wäre höchst an der Zeit, daß man auch hier an diese Reform schreiten möchte, denn wenn man die Tempel in Prag und Vororten am Samstag besucht, erschreckt man förmlich, wie leer diese sind. Der geschäftliche Trubel, die Lernzeit der Jugend an diesem Tage erlaubt es nicht den Juden, an diesem Gottesdienste theilzunehmen, daher jene Gebete, die es möglich ist am Feiertag zu vollführen, möge man an einen Freitag Abend mit einer entsprechenden Predigt einführen, daß dann wirklich keine Ausrede in der jüdischen Welt im Allgemeinen platzgreife, daß man die Tempel nicht besucht, weil es die Zeit nicht erlaubt. Bei dieser Gelegenheit will ich auch auf einen Uebelstand Hinweisen. Seit langen Jahren besteht hier in Böhmen und insbesondere in Prag die Unsitte, daß die meisten jüdischen Trauungen in Hotels, Gast- und Kosthäusern abgehalten werden, welche zumeist für solche Trauungen nnd Hochzeiten eingerichtet sind. Diese Unsitte gereicht wirklich nicht unserer Religion zur Ehre und Ansehen und überhaupt heute nicht, wo wir mit aller Strenge darauf achten müssen, unsere religiösen Gebräuche zu wahren. Sehen wir uns einmal eine solche Trauung und Hochzeit in einem solchen Locale an. Die meisten dieser Ceremanien werden zwischen 1—3 Uhr abgehalten, damit die Stammgäste solcher Gasthäuser in ihren Mittagmählern nicht gestört werden; die angesagte Stunde naht, die Tische werden abgeräumt, es erscheint der Tempeldiener und auf demselben Platz, an dem kurz zuvor die lustigsten Reden geführt wurden, wird die Chupe aufgestellt, ein Tisch darunter, 2 Kerzen angezündet und die religiösen Handlungen könneir vor sich gehen. Es kommt auch vor, daß an einen Nachmittag 2 bis 3 Trauungen stattfinden, ja auch daß blos Trauungen ohne Hochzeitmahl sich vollziehen und das Brautpaar auf Reisen geht. Nun, so frägt man sich, wo bleibt hier das religiöse Gefühl? Es fragt sich nun, wo der Grund zu suchen, daß die Juden bei solchen Anlässen mit Vorliebe Gasthäuser und Hotels aufsuchen. Es liegt diese nur in Ersparungsrücksichten sagen viele, weil die Abhaltung einer Trauung in einem Tempel mit Viel mehr Kosten verbunden ist, daher auch hier eine gründliche Reform aber recht bald platzgreifen möge, damit unsere religiösen Handlungen nicht dort abgehalten werden sollen, wohin sie absolut nicht gehören. Nehnkeu wir uns ein Beispiel von Andersgläubigen, ob ein Katholik, Protestant, oder andere Gläubige seine religiösen Handlungen anderswo abhalten möchte, als in der Kirche und wenn er auch der Aermste wäre. Möchte auch aber, ein Geistlicher anderswo seine Ceremonien abhalten, als in der Kirche?! Nur bei uns Juden nehmen die Herren Rabbiner keinen Anstand, ihre religiösen Handlungen bei solch feierlichen Anlässen auch in Gasthäusern abzuhalten, was hier nicht genug gerügt werden kann. Es wäre also für alle Berufenen eine sehr dankbare Sache, wenn sie auch hier eine gründliche Reforni einführen möchten und streng darauf achten würden, daß der Jude seine streng religiösen Handlungen einzig und allein in seinem Gotteshaus und nicht in Hotels und Gasthäusern abhalten möge. L. Prag, den 20. Juni 1898. Sie werden gewiß in Ihrem geschätzten Blatte einem Bericht Raum geben, der Ehrung zu erwähnen, welche unserem Landsmanne dem Herrn Dr. Gabriel P e r l i tz d. z. Rabbiner in Rakel, zu seinem silbernen Hochzeitsfeste allseits zutheil wurde. Es wird dies namentlich unsere Prager interessiren, da Herr Dr. Gabriel Perlitz in S m i ch o w geboren, am k. k. Gymnasium der Kleinseite studierte und mit Auszeichnung als Primas der Classe sein Maturitätsexamen abgelegt und am Breslauer Seminar seine Rabbinatsbefähigung erhielt, einige Jahre in Klattau nnd dann ununterbrochen 18 Jahre in Rakel wirkt. Die „Nachoder-Zeitung" berichtet: Der Jubilar, seit 17 Jahren Rabbiner der hiesigen jüdischen Gemeinde, hat sich im Vereine mit seiner Gemalin durch Pflichtreue und Freundlichkeit, durch Opferwilligkeit und hingebende Fürsorge für Arme und Kranke die Sympathien nicht nnr seiner Gemeinde, sondern aller Kreise, mit denen er in Berührung kam, im hohem Grade zu erwerben gewußt. Darum benutzten nun die Gemeinde, deren verschiedene Wohlthätigkeitsvereine und die vielen Freunde dieses Familienfest, um ihren freundschaftlichen Gefühlen für das Jubelpaar geeigneten Ausdruck zu geben. Schon am ftühen Morgen überraschte ein aus Schülern und Schülerinnen der jüdischen Boksschule, des Gymnasiums und der höheren Mädchenschule gebildeter Sängerchor unter Führung des Lehrers Peczkowski das Silberpaar durch den Vortrag einiger Lieder. Aeußerst

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