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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-06-24 · 25 (24.6.1898) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
25 (24.6.1898)
Date
1898-06-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 26 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 485 daß David mit großen Schätzen begraben worden ist, mib daß später Hyrkan I. 3000 Talente aus der Gruft entnommen hat. Auch Herodes hat Schätze entwendet, Geld aber nicht gefunden. Beide, Hyrkan und Herodes, sind zu den eigentlichen Särgen der ersten Könige nicht gedrungen. Herodes hat die Gruft mit wenigen Vertrauten bei Nacht geöffnet, damit die Stadt von seinem Vorhaben nicht erfahren solle. Wie er immer weiter vorzudringen trachtete, sind plötzlich zwei seiner Leute durch hervorleckende Flammen verzehrt worden. Erschrocken und die Sündhaftigkeit seines frevlen Thuns einsehend, hat er nachher am Eingang eine Art Sühnemonument in kostbaren weißen Steinen errichten lassen; auch von Nicolino, einem anderen Biographen des Herodes, wird dieses Denkmal erwähnt. Dio Caffius berichtet, daß zur Zeit Hadrians das Grab Salomos als böses Vorzeichen eingestürzt sei. Im Jahre 1116 erzählt ein jüdischer Palästinareisender, Benjamin von Tudela: Vor 15 Jahren stürzte eine Mauer der „Zionskirche" (ffehe nachher) ein. Der Patriarch befahl, einem Priester, die Mauer wieder zu repariren und hiezu Steine von dem Fundament der alten Zionsstadtmauer zu nehmen. Als die Arbeiter ^die Steine hervorgruben und herauszogen, bot sich ihnen plötzlich durch Wegräumung eines solchen die Oeffnnng einer Höhle dar. Es gingen zwei hinein und erblickten ein mit Gold verziertes Gewölbe; in demselben war ein Tisch, eine goldene Krone nebst Scepter und verschloffene Kästen (Sarkophage): Dies war das Grab Davids und seiner Nachfolger. Auf einmal blies sie ein Sturmwind an, der sie niederwarf; am Abend hörten sie die Stimme: Stehet auf und gehet von hinnen. Solches erzählten sie dem Patriarchen, der alsbald die Oeffnung wieder zumachen ließ. Das Gebäude des Coenaculum hat sein jetziges Aussehen von den Franziskanern, die sich 1333 hier ansiedelten und eine „Zions- oder Marienkirche" mit zwei Geschossen vorfanden, welche aus dem vierten Jahrhundert stammte und ursprünglich „Apostelkirche" genannt wurde. Aber schon 1547 wurden die Franziskaner durch die Mohammedaner, welche, von den Inden - aufgestachelt, nicht dulden mochten, daß die Christen in so unmittelbarer Nähe des Davidsgrabes sitzen, verdrängt. Seitdem ist dieser Platz in den Händen der Türken, und es läßt sich begreifen, daß die Katholiken hinsichtlich dieser für sie so wichtigen Oertlichkeit — ihre Tradition legt außer Fußwaschung, Abendmahl, Ausgießung des heiligen Geistes, auch hohepriesterliches Gebet, Wahl des Mathias, Tod der Maria, erstes Apostelconcil hierher — gern den Wunsch hegen, durch die Fürsprache Kaiser Wilhelms gelegentlich seines Besuches wieder in den verloren gegangenen Besitz zu gelangen. Doch dürfte die Erfüllung mehr als fraglich sein, da unseres Wissens der Sultan über heilige Stätten nicht verfügen kann, jedenfalls aber sich hüten wird, durch eine derartige Schenkung den Fanatismus des Moslems zu entflammen. Immerhin können auch wir wünschen, daß im Interesse der Wissenschaft hinsichtlich dessen, was die angebliche Grabstätte des Königs David bergen mag, die Zeit bald herannahen möchte, wo der Schleier gelüftet tverden darf. Eine jüdische Aekerbauschule. Der »Depeche Tunisienne« entnehmen wir nachstehende interessante Schilderung eines Besuches, den ein christlicher Leser dieser Zeitung der A ck e r b a u s ch u l e der »Alliance israelite universelle« in Djedeida bei Tunis abgestattet hat: „Kürzlich hatte ich geschäftlich in Djedeida zu thun und benutzte einige Stunden Muße, um mir die Ackerbauschule näher anzusehen, welche die »Alliance israelite universelle« vor etwa drei Jahren dort eingerichtet hat. Ich ging nicht ohne Vorurtheile hin, denn ich kenne wohl die vorzüglichen Fähigkeiten, welche die jüdische Race für alle Fragen des finanziellen, wie auch des geistigen Lebens besitzt, und weiß, daß gerade dieser bevorzugten Anlagen halber sich jetzt diö heftigen Kämpfe in der Oeffentlichkeit entsponnen haben. Aber ich hörte auch immer, daß man die Juden beschuldigte, sich nur mit Geldsachen abzugeben und nur mit Dingen, die auf den Gelderwerb hinauslaufen, während sie unfähig seien, mit eigener Hände Arbeit selbstthätig etwas zu schaffen. Da ich immer hörte, sie lebten von Anderer Arbeit, so zweifelte ich, ob sie für die schwierigen Aufgaben der Landwirthschast Geschicklichkeit genug besitzen, die sich so wenig bezahlt machen im Verhältnis zu der Mühe und Geduld, die sie erfordern. Ich erwartete daher, bei meinem Besuche nur sehr mäßige Dinge zu sehen, denn ich konnte mir Juden, die den Boden bebauen, kaum vorstellen. Aber gerade solche Juden habe ich gesehen, und Jedermann kann sie ebenfalls kennen lernen, denn die Ackerbauschule ist den Besuchern gern geöffnet, und Leitung wie Personal sind den Gästen gegenüber von der größten Höflichkeit. Die Domäne Djedeida liegt außergewöhnlich gut: ein Damm, der die Wasser der Medjerda aufhält, gestattet den Betrieb einer Turbine, die eine mächtige Centrifugalpumpe in Bewegung setzt und mit dieser 800 Liter Wasser irr der Minute hebt. In der Regentschaft Tunis ist dies meines Wissens der einzige Platz, wo zur Zeit wirklich die Berieselung der Felder durchgeführt wird, daher sieht ttum hier Felder von Klee, Mais, Soghum, Runkelrüben :c., deren frischer Anblick das Auge entzückt. Alle diese Culturen werden eifriqst gepflegt. Die Schule ist so organisirt, daß die Zöglinge alle Zweige des Ackerbaues lernen; sie umfaßt Viehzucht, Getreidebau, Futterpflanzen, Gemüse, Baumcultur rc. Zur Zeit sind 30 Schüler im Alter von 10—14 Jahren dort, aber diese Zahl soll bald bis auf 150 vermehrt werden. Morgens und Abends arbeiten die Kinder auf den Feldern und in den Gärten; in den heißen Mittagstunden nehmen sie an dem Classemuiterricht Theil. Die »Alliance israelite universelle« zieht diese Kinder sehr jung heran, und sie thut recht daran. Nur in so jugendlichem Alter können sie fiir einen Beruf vorgebildet werden, den sie und ihre Eltern seit Jahrhunderten nicht mehr kennen. Die jüdische Race gibt einen neuen Beweis für ihre Intelligenz und ihr Verständniß für den Zeitgeist, indenl sie möglichst überall Ackerbauschulen schafft. Sie hat begriffen, daß es heutzutage nicht mehr genügt, von dem Verkehr mit den Prodncteu Anderer Nutzen, eventuell großen Nutzen zu ziehen, sondern daß jedes Volk theilnehmen muß an der Productionsbewegung unserer Zeit. Ein ausgezeichnetes Personal leitet die Ackerbauschule. Der Direktor, Herr A v i g d o r, ist ein in allen landwirthschaftlichen Fächern sehr bewanderter Mann. Er war abwesend» aber der Ehef der Ackerbauanlagen, Herr Haim Bouskela, der mich herumführte, ist nicht nur von größter Liebenswürdigkeit, sondern auch und vor Allem ein vollendeter Landwirth, mit dem über diese Dinge zu plaudern Vergnügen bereitet. Er ist in allen Fragen der Landwirthschast sehr versirt und kennt auch die Handhabung aller landwirthschaftlichen Maschinen von Grund aus. Er ist ein ehemaliger Schüler der berühmten Schule von Jaffa und ebenso Theoretiker wie Praktiker. Es ist eine Freude, zuzusehen, wie geduldig und doch eifrig er die Unterweisung der Schüler übt. Aber er wird auch durch die guten Erfolge belohnt, die er erzielt: alle Schüler arbeiten mit Fleiß und Verständniß, und die ganze Domäne ist in geradezu mustergiltigeUk Zustande. Die Leiter der Ackerbauschule streben nicht nach Reclame; was sie thun, suchen sie gut zu thun, und darin liegt der Grund ihrer Erfolge. Sie haben die besten Ernten der ganzen Gegend erzielt; z. B. in diesem Jahre, das gewiß kein besonders gutes genannt werden kann, auf den Hektar Hafer 2» Eentner, Weizen 15 Centner, Gerste 14 Centner; im Ganzen sind 70 Hektar mit diesen Früchten bestellt. Diese Ziffern sind dem Drescherbuch entnommen, denn gerade, als ich dort war, wurde das Dreschen beendigt. Die Futterfrage spielt in Djedeida, wie in ganz Tunis, eine große Rolle. Hierfür ist aber der Wasserreichthum sehr nützlich, und die Schule hat mit großem Geschick ein System der Berieselung für die Futterpflanzen, sowie für Mais^ und Rüben durchgeführt. Damit wird wahrscheinlich die schwerste Frage der Viehzucht gelöst sein und die Schule iu den Stand gesetzt werden, ihr Vieh während des Sommers und Herbstes gut zu halten. Der Weinberg ist gegenwärtig noch in recht schlechter Verfassung, er stammt aber auch noch aus der Zeit des früheren Besitzers und ist so mit Unkraut durchsetzt, daß man darauf verzichten mußte, dasselbe auszurotteu» und vorgezogen hat, neue Rebenpflanzen anzulegen. Ich habe constatiren können, daß die Kinder, die man in Djedeida unterrichtet, gern die Arbeit der Landwirthschast verrichten, Verständniß haben für ihr Werk, Erklärungen verlangen und mit einem Worte stete Beweise ihres Fleißes und Eifers geben. Ich habe auch den guten Einfluß der geregelten Erziehung und des Landlebens constatiren können. Me Kinder sind höflich, gefällig und arbeitsam. So wird hier eine Menge von neuen Ideen einer Race eingeflößt, die gegenwärtig fast nur in Städten lebt. Es ist sehr interessant, diese Bewegung zu verfolgen, und wir werden bald beobachten können, daß die Juden an der Eolonisation dieses Landes theilnehmen und an dem einfachen, gesunden Leben in der frischen Luft Geschmack gewinnen. Wohl verstanden, diese Ackerbauschule ist bei allen ihren Nachbarn, auch den französischen Colonisten, sehr beliebt. Sie erweist ihnen häufig nachbarliche Dienste, und unsere Colonisten, die sich so oft unter einander zanken und chicauiren, könnten sich an dem Berhältniß in dieser Schule ein Muster nehmen. Die Gründung dieser Ackerbauschule ist ein Zeichen der Entwicklung und besonders unter diesem Gesichtspunkte wichtig. Neben unleugbaren Vorzügen und außergewöhnlicher Intelligenz hat sich die jüdische Race besonders in Algier viele Antipathien zugezogen, weil man sie, mit Recht oder Unrecht, des Egoismus und häßlichen Benehmens beschuldigt. In Djedeida sah ich im Gegentheil nur Juden, welche mir durch Wohlerzogenheit, Liebenswürdigkeit und herzliche Güte imponirten. Das Landleben wird auch bei den Juden eine Race schaffen, von der man sagen kann: »mens sana in corpore sano«. Wenn die jüdische Bevölkerung an der Entwicklung der Bodenreichthümer theilnimmt, wird sie moralisch und Physisch gewinnen. Mit Hilfe dieser Ackerbauschule wird die »Alliance israelite universelle« den zahlreichen armen Juden aus dem Duartier la Hara in Tunis die Möglichkeit geben, ehrlich ihr Brot zu verdienen. Sie wird damit ein Werk verrichten, welches gleichmäßig der Civilisation, dem Lande und ihren armen Glaubensgenossen zugute kommt."

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