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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-06-24 · 25 (24.6.1898) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
25 (24.6.1898)
Date
1898-06-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 484 Nr. 25 uun lächelte sie. Und ganz unbefangen sagte sie mir: der russische Minister, das der Fürst Galitzin und sprach Jemand russisch,, so setzte sie mir ganz von selbst kurz den Inhalt der Worte auseinander; sie zeigte mir die Damen in den Logen, wußte Bescheid, was das merkwürdige französische Wort eines Engländers bedeutete, was ein Italiener wollte ... und meine Bewunderung für die kleine junge schöne Person neben mir machte allmählich einem immer größer werdenden Staunen Platz, einer immer größer werdenden Bewunderung des Menschen in ihr, ja fast einem unendlichen Respect. Nun war es an ihr, zu lächeln. Während einer Pause aber, als ich mich mit der jungen Dame und ihrem Nachbar unterhielt und nochmals nach ihrem Namen fragte, da sagte mir College Kempner: „Fräulein Dr. Lydia Rabinowitsch." Nun erinnerte ich mich ihres Namens aus der medicinischen Literatur, ihrer Arbeiten aus dem Koch'schen Institut. Und nun begriff ich . . . An einem der nächsten Tage, es war im Adelsclub, glaube ich, bei rauschendem Balle im Wogen der Fluth der großen stolzen, auffallenden russischen Damen, da fand ich sie in einem Saale, in einfachem weißem Kleide, wie ein kleines, hübsches, schüchternes Mädchen. Ich sprach eine kleine Welle mit ihr und sah sie auch ein wenig tanzen. Sie war sicherlich die bescheidenste unter all' den prächtigen Damen dort, sicherlich eine der einfachsten, aber sicherlich auch eine der hübschesten und jüngsten mit ihren großen schwarzen Augen und den glatten weißen Kleidchen. „Ich dachte öfter an das hübsche Fräulein und in der Heimat nach ewigen Monaten las ich von ihrer schönen Entdeckung. Sie wies nach, daß die neuerdings so häufig in der Milch und Butter aufgefundenen Tuberkelbacillen keine echten Tuberkelbacillen seien. Sie gab auch die Methode au, wie man beide Bacillen unterscheiden könne. Sie hat dadurch eine große Beunruhigung des Publicums behoben, eine ganze Industrie lvesentlich geschützt." Nun steht in der „Frankfurter Zeitung": Fräulein Dr. Lydia Rabinowitsch hat sich in Madrid mit Herrn Dr. Kempner verlobt. Sie wurde zum Professor an der Universität in Philadelphia ernannt. Die „Frau Professor" weckte in mir die Erinnerung an die großen schwarzen Augen des bescheidenen Mädchens in Moskau. Oscar S. Straus. Präsident Mac Kinley hat gestern dem Bundessenat die Ernennung von Oscar S. Straus von New - Hork als Gesandter bei der hohen Pforte übersandt. Oscar Straus, der heute Mitglied eines der bedeutendsten New-Aorker Importgeschäfte ist, wurde als der jüngste der drei Söhne des vor Kurzem verstorbenen Lazarus Straus im Jahre 1851 in Georgia geboren und kam als Knabe mit seinen . Eltern nach New-Dork. Er besuchte zwei Jahre lang die Colombia Grammar School, studirte von 1867 bis 1871 an dem damaligen Columbia-College, heute Columbia-Universität, und graduirte in dem letztgenannten Jahre summa cum laude. Unter seinen Studiengenossen befanden sich Brander Matthews, Stuyvrsant Fish und George Parson Lathrop. Während Herr Straus das College besuchte, schrieb er schon Artikel für verschiedene Zeitungen. Bon 1871 bis 1873 studirte er an der Columbia Law School Jurisprudenz. Er begann dann in der Firma Hudson und Straus als Anwalt zu prakticiren, die Firma wurde später in Sterne, Straus und Thompson umgeändert; sie bestand außer ihm aus dem bekannten Juristen Simon Sterne und Daniel G. Thompson, der sich als Schriftsteller einen Nanien gemacht hat. Im Jahre 1881 gab er, da durch die unemuüdliche Arbeit als Anwalt sein Gesundheitszustand gelitten hatte, die Rechtspraxis auf und trat in das damals schon bedeutende Porzellan-Importgeschäft seines Vaters Lazarus Straus ein, wo ihm ein genauer Einblick in alle Geschäftsdetails zu Gute kam. Nebenbei war er nun noch literarisch thätig und veröffentlichte nicht nur in der in England erscheinenden „Westminster Review" eine Reihe von Artikeln, sondern schrieb auch im Jahre 1885 ein Werk „Ueber den Ursprung der republikanischen Regierungsform in den vereinigten Staaten." Juden in Abessynien. Bei meiner vorjährigen Reise in den mordafrikanischen Provinzen lernte ich einen Herrn Luigi Capocci, Ingenieur aus Rom kennen, der eine Reise nach Abessynien unternahm. Derselbe theilte mir kürzlich Einiges über dort ansässige Hebräer mit, das ich in Kürze, übersetzt ans dem Italienischen, hier wiedergeben will. Abeffynien, so sagt die Chronik, war größtentheils von Hebräern bevölkert und die hebräischen Namen der Orte, welche man heute noch zahlreich findet, bestätigen uns dies. So ist in Saiva eine Provinz mit Namen Antochia und in derselben die Dörfer Calila, Efesou, Jerico, Debra, Zeit rc. Bor einem Jahrhundert und länger her waren die Hebräer zahlreicher als jetzt und bildeten eine Handwerkerclasse von Schlossern, Tischlern, Maurern, Sattlern und Webern; diese sämmtlichen oder zum größten Theile.waren Hebräer. Wenn sie auch jetzt Christen geworden sind, so werden sie doch vom abessynischen Volke mit dem Namen Falascia (Falaschas) genannt, desgleichen im Mittelpunkte von Abessynien und Taib al Sud. Mau behauptet, sie hätten die Kraft, mit ihrem Blick zu verzaubern und das Volk schließt, um dies zu verhindern, Freundschaft mit ihnen. Außer diesen sind noch zwei Classen Menschen, welche sich für Hebräer - halten, die C o n c i a p e l l i und Stofs- Fabrikanten. Diese Leute leben geheimnißvoll zu 10 und 20 Individuen gemeinschaftlich, geben Niemand das Geheimniß ihrer Kunst preis und sind in Folge beffeu von den Einwohnern gehaßt. Diese sollen der letzte Rest der abessynischen Juden sein. Diese Leute sind sehr stark und gut gebaut, von einer mittleren Hautfarbe, etwas heller als die der Bevölkerung der Umgebung. Sie sollen nichts anderes können, als den ältesten Theil der hebräischen Gesetze. Auf mich, so schreibt Herr Capocci, machen sie den Eindruck unwissender Menschen, die von Recht und Gesetz keine Ahnung haben; sie sind aber gutmüthiger und arbeitsamer als die anderen Racen. Bei Nacht pollsühren sie in geheimuißvoller Weise abergläubische Thaten. Die Abessynier behaupten, daß sie gemeinschaftlich mit Frauen leben sollen. Ich konnte feststellen, daß sie keine Ehegattinnen bei sich haben. Sie kleiden sich wie die abessynischen Mönche, tragen eine Mütze, Kappe oder Barett und hängen sich statt eines Mantels ein Fell um. Ihr Name ist immer zur Unterscheidung der Vorgänger als abba (padre)?? angegeben wie bei' den -Mönchen. Sie leben von ihrem" Gewerbe und bebauen auch Felder gemeinschaftlich und unterstehen dem Gemeindeältesten. Von dem Ertrag der Gründe müssen sie einen sogenannten Arbeitszoll (Tributo di Lavore) dem Negus oder Ortsvorsteher abführen. Die Anzahl dieser Hebräer insgesammt mit Sciva kann ungefähr 1500 fein. Wie man sieht, so schließt derselbe, sind die Hebräer von Sciva im Einzelnen und von Abessynien im Allgemeinen sehr unglücklich, doch von edlem Geschlecht. Julius Kohner. Das Grab Davids. Die bevorstehende Reise des deutschen Kaisers nach Jerusalem gibt Veranlassung zu allerhand Combinationen über Besitzwechsel der heiligen Stätten in der für so viele Religionen heiligen Stadt. Man erinnert sich, daß der Streit um die heiligen Stätten den Vortvand für die Complicationeu gab, die zum Krimkrieg führten. Man sieht also, daß es ein heißer Boden ist, auf dem man sich bewegt. Bor Allem erhält sich das Gerücht, daß gelegentlich des kaiserlichen Aufenthaltes in Jerusalem das sogenannte Coenaculum den Katholiken übergeben werden soll. Im Anschluß hieran schreibt der „Aegyptische Curier": Das wichtigste Gebäude des Häusercomplexes von „Nebi Daud" vor dem Zionsthor ist das Gebäude mit dem Coenaeulum oder Abendmahlsaall Dieses Gebäude enthält zwei Stockwerke oder „Räume"; in dem unteren soll die Fußwaschung, in dem oberen soll die Einsetzung des heiligen Abendmahls und die Ausgießung des heiligen Geistes stattgefunden haben. Zn dem oberen dieser beiden Räume gelangt man von einer hohen steinernen Treppe und einer Dachterrasse aus, während man das untere Geschoß (des nahen Davidsgrabes wegen) nicht betreten darf. Es ist nämlich unter diesen Räumen noch ein weiterer kellerartiger, eine Gruft, in welcher nach Meinung der Moslems und hiesigen Juden das echte Grab Davids sich befindet. Sein Zugang ist jedem Christen und Juden verboten, ja, auch die Moslems betreten, wie mir bei meinem heutigen Besuch versichert wurde, den Raum nie, sie scheinen ein geheimes Grauen davor zu haben und vor den Geschichten, die einestheils über dieselben in Büchern berichtet werden, anderentheils heute noch sowohl unter dem jüdischen wie mohammedanischen Volk von Mund zu Mund gehen. Josephus in Antiq. VII. 15, berichtet, Dr. Bloch's Wochenschrift Das ist

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