Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 25 (24.6.1898)
- Date
- 1898-06-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 25 Dr. Bloch's Wochenjchrifi Seite 483 diese Auslegung durch die Thatsache, daß „i n Brünn in e i u e m h e ft igeuWahlkampfedieselbenTeut o ma n e n s i ch mit C z e ch e n und Clericalen verbanden, um ihren deutschen Brüdern den Dolch i n d e n Rücken zu bohre n." Für seine V e r t h e i d i g u n g des Deutschthums gegen verrätherische und lächerliche Wotananbeter erfährt nun der Verfasser den sonderbaren Dank, als fanatischer Deutschenhasser hingestellt zu werden. Jene Satyre als Deutsche übelzunehmen, hieße einen Arzt, der einenl Krebsleiden mit den schärfsten Mitteln beizukommen sucht, als den Feind des Patienten behandeln. Die Deutschnationalen sinv ja die gefährlichsten Feinde des österreichischen Deutschthums, das sie gegenwärtig discreditiren, lächerlich und regierungsunfähig machen. Sie sind es, welche die deutsche Hegemonie auf eine unabsehbare Zeit hinausschieben und dieselbe ärger gefährden als der Ansturm aller Reactionären und slavischen Elemente. Sie sind es, die den Parlamentarismus in eine Carricatur umwandeln, dem Absolutismus die Wege ebnen und aus der österreichisch - ungarischen Monarchie ein Pandämonium der wüstesten Jnstincte und brutalen Leidenschaften machen wollen. Das berserkerhafte Treiben der Dentschnationalen wurde auch und wird noch von den vornehmsten reichsdeutschen Zeitungen in der schonungslosesten Weise verurtheilt. Dr. Eduard Reich über die Juden. Dr. Eduard Reich ist ein fruchtbarer und höchst bedeutungsvoller Schriftsteller auf medicinischeni, hygienischem, philosophischem, anthropologischem und socialpolitischem Gebiete, ein edler tiefsinniger Forscher von zumeist praktischen Gesichtspunkten, ein höchst aufgeklärter, freisinniger Geist, aber ein echt religiöses Gemüth. Seinen Artikel „Betrachtungen über die Juden" in Nummer 21 der „Deutschen Wochenzeitung in den Niederlanden" schließt er mit der Erklärung: „Mein Blut ist das der romanischen und slavischen Race. Seit dem vierten Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung datirt meine Familie; niemals kam das Blut der Israeliten in unsere Adern. Meine Vorfahren kämpsten--und opferten sich für die Reformation von Jan Huß und Martin Luther. Ich schreibe keinem Juden zu Liebe, sondern einzig und allein, weil meine Seele sich empört über die Gräuel, den Frevel, das Verbrechen der Verfolgung der Hetze der Juden, unserer Mitmenschen, und weil ich es für heilige Pflicht halte, meiner Ueberzeugung Ausdruck zu geben." DenArtikelhatermir selbst roth angestrichen ausScheveningen, seinem Wohnorte, zugesandt. Ich danke die Auszeichnung dieser Aufmerksamkeit eines solchen berühmten Gelehrten seiner Kenntnisnahme meiner philosophischen Schriften, namentlich meines „philosophischen und naturwissenschaftlichen Monismus" und meiner „Lösung der socialen Frage". Aus dem literarischen Kalender dürfte er ersehen haben, daß ich Rabbiner, demnach auch Jude bin. Was uns an dem Artikel besonders erfaßt, ist die Schlichtheit des geraden Sinnes und der ehrlichen Ueberzeugung, die richtige Erkenntniß des Antisemitismus, welchen Reich einzig und allein auf die verfehlte Erziehung zurückführt, die im Zeitalter der sogenannten Civilisation noch immer vorherrschend ist. Diese Civilisation und Erziehungsmethode, meint Dr. Reich, sei noch weit entfernt davon, von Religion, Philosophie und Hygiene durchdrungen zu sein. „Daß dem wirklich so sich verhält, beweist die Thatsache der gegenwärtig von angeblich höchstgesitteten Völkern ausgeübten Verfolgung der Juden. Kein Mensch von wirklicher religiöser, intellectueller, hygienischer und socialer Erziehung kann vermögend sein, Verfolgung auszuüben, zunächst gegen seinen Mitbruder." „Wer verfolgt, kann nicht naturgemäß entwickelt, sondern muß entartet sein; ein solches Individuum, eine solche Mehrheit, verdient als Abart des Verbrecherthums aufgefaßt zu werden." „Wer verfolgt, tritt alle Humanität, Philosophie und Religion mit Füßen, und wer ganz besonders geistig hoch entwickelte Racen mit ausgebildetem Gemüthsleben verfolgt, ist entweder ein dummer oder berechnender Teufel." „Es werden in unserer überaus erleuchteten Zeit vieler Orts die Juden gehetzt. Wer sind die Juden? Ein gebildetes, persönlich auskrystallisirtes Volk mit warmen Familienleben und einer Zahl sehr guter moralischer Eigenschaften, darunter Mäßigkeit, Vorsicht, wissenschaftliches Interesse und Sinn für Kunst. Verbrechen sind bei den Juden selten, und, bei allem Festhalten an den Ueberlieferungen ihrer Religion, sind sie doch sehr dem Fortschritt zugethan. Wie alle Völker haben auch die Juden ihre Schattenseiten und haben davon umsomehr, je mehr sie als Auswürflinge behandelt, gekränkt, beleidigt, gehetzt und geschädigt werden, tausend andere Völker hätten die Leiden, mit welchen das christliche Europa die Juden heimsuchte, nicht überdauert, wären entartet, zu Grunde gegangen. Daß die Juden widerstanden, siegreich sich behaupteten, zeugt für die Thatsache ihrer höheren Artung, ihrer vollkommeneren persönlichen Ausbildung, und sagt uns, daß Festhalten an der Religion, das große B e w a h r un g s m i t t el der Me lisch en, der Race, sei." „Der Niedertracht Spaniens verdankt die herrliche maurische Civilisation ihre Vernichtung, die Inquisition ihre Entstehung und die hebräische Race ihre grausamste Verfolgung." „Wären die Staaten Europas human und wahrhaft christlich gewesen, so hätten sie den Juden dieselben Freiheiten und Rechte gewährt, welche die Mauren ihnen gaben, und das hebräische Volk beschützt. Wären verschiedene Rationen Europas in Wahrheit gesittet, so sähen sie in den Juden kräftige Mitarbeiter am Werke der Civilisation und Humanität lind reichten ihnen die Bruderhand." „Aus der Existenz des Antisemitismus ergibt sich der logische Schluß auf die Existenz großartiger Barbarei und Bestialität innerhalb der heutigen Culturvölker; ans die Thatsache schlechter Erziehung, aus das Herrschen verworrener inhumaner Politik; auf Uebel einer elenden m a t e r i a l i st U schen Weltanschauung, welche allein die niederen Leidenschaften loskettet, endlich auf Mangel harmonischer Bildung, welche veredelt, und einer Religion, welche erhebt und vervollkommnet." „Es ist leicht zu sagen, weshalb unter solchen Umstanden die Juden gehetzt werden. I h r g e i st i g e r W a f f e r s p i e g e l steht über jenem ihrer Verfolger, und ihre Activität übertrifft diejenige ihrer Widersacher. Steigen die Letzteren zu höherer Erkenntniß wahrer Religion und wirklicher G e s u n dheit empor, so ist der Antisemitismus zu Ende." Diesen Worten noch etwas hinzuzufügen, wäre überflüssig. Sie sagen genug, sagen Alles; und dauernd werden sie auch nicht von dem Gekläffe der Lueger, Schneider, Scheicher, Gregorig und Drumont übertönt werden. Dr. M. L. Stern, Triesch. Fräulein ordentlicher Professor. Dr. Max Nassauer schreibt der „Frankfurter Zeitung" „Tiefschwarze Augen, in einem reizend lieben Gesicht sahen mich an. Ein Paar Augen, wie sie mir immer vorschwebten, wenn wir von den „schwarzäugigen" Personen Homer's lasen, dem schönsten Epitheton, das der griechische Sänger seinen weiblichen Gestalten geben konnte. Diese Augen saßen in einem runden Gesichtchen; der schwarzhaarige Kops aber saß auf einem harmonischen, nicht allzugroßen Körper mit den weichsten Formen. Ein schwarzes, äußerst kleidsames Hütchen, eine ebensolche sehr feine Toilette — so saß sie neben mir. Es war in Moskau im vorigen Jahre bei der Eröffnung des medicinischen Congresies in dem prächtigen Opernhaus. Ich hatte mir meinen Bleistift gespitzt, um die Begrüßungsreden ans aller Herren Länder für die „Frankfurter Zeitung" aufzunehmen. Aber als ich das reizende Weib neben mir sah, lächelte ich: Ein mir bekannter College saß an ihrer anderen Seite und er stellte mir die Dame vor. Sie trug einen russischen Namen, auf den ich nicht sonderlich achtete. Auf den Namen. Aber ich lächelte über den klugen Collegen, der die wundersame Fahrt nach Moskau unternommen und sich solche Begleitung ausgesucht hatte. Ja, ich beneidete ihn sogar ein wenig in meiner Einsamkeit. Wie gesagt, spitzte ich meinen Bleistift. Dann begannen die vielen, vielen Reden in den verschiedensten Idiomen, sehr oft mit russischem Beiklang. So die lateinische Rede des russischen Cultusministers, die französischen Worte von Herren aus allen möglichen fremden nicht französchen Ländern, ja russische Reden selbst — und es wurde mir bisweilen schwer, Flamen und Worte deutlich zu verstehen, mich stets zurechtzufinden. Vielleicht auch, daß mein selten schönes Nebenall ein klein wenig mit Schuld daran war. Sie schien das gemerkt zu haben. Denn