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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-06-24 · 25 (24.6.1898) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
25 (24.6.1898)
Date
1898-06-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 482 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 26 Der Bund der deutschen Landwirthe Böhmens. Prag, 20. Juni. Zwei Wochen sind seit der in Prag erfolgten Gründung des Bundes der deutschen Landwirthe Böhmens verstrichen und jetzt erst wird cs klar, das; die neue Organisation in Böhmen, die von der deutschliberalen Partei und ihrer Presse mit so viel Verve poussirt wurde, eine christlich-germanische Gründung sei. Die liberalen Blätter haben es weise verschwiegen, daß ihre Abgeordneten (Stefan Richter und Dr. Emamiel Milner) im Vorstande eines Vereines Sitz und Stimme haben, dessen § 5 der Satzungen betreffend die Mitgliederaufnahme festsetzt, daß Juden nicht dem Vereine angehören dürfen. Die „Reichenberger Volkszeitung" verkündet es nun triumphirend, daß die Liberalen vor dem Schönerer-Wolf'schen Heerbanne capitulirten und daß „somit allen Sondergelüsten gewisser Herren das Handwerk gelegt wird". Die gewissen Herren, „die im neuen Bunde befindlichen Politiker, die lange Jahre Mitglieder der durchaus bauernfeindlichen' liberalen Partei Ware n", sind natürlich wieder niemand anderer, als eben die Herren Richter und Milner, denen gegenüber, wie das genannte Blatt schreibt, immerhin „vorsichtiges Vertrauen" am Platze ist, und derselbe Herr Stefan Richter ist der — Geschäftsleitcr des Bundes. Eines muß man den deutsch-liberalen Kämpen zugestehen, das sie besitzen: Evangelisches Vergessen. Beiden hatten im heurigen Frühjahre tu ihrem Wahlbezirke die Schönerianer arg genug zugcsetzt, man hatte sie mit Mißtrauensvoten und Beschimpfungen rcgalirt und nun guittiren sic dies dankend mit ihrer Zugehörigkeit zur Schönercr'schen Cohorte. Aber sie stehen nicht allein, hat sich doch bereits ihnen der deutsch-fortschrittliche Abgeordn te Herr P e s ch k a zugesellt, der in der ersten am 26. d. M. stattfindendcn Wanderversammlung des Bundes über den ungarischen Ausgleich sprechen wird. . Es ist zweifellos, die Herren verfolgen mit dieser ihrer Taktik nur Eines, ihre Mandate zu erhalten, was immer auch kommen mag. Freilich viel nützen wird ihnen auch dies nicht, dem: die diversen germanischen Schriftleiter warten nur auf die erste sich ergebende Gelegenheit, sie zu ergattern; selbstverständlich ivird dies Alles im Namen der deutschen Gemeinbürgschaft geschehen! . Dieser eine Vorgang zeigt so drastisch die Verhältnisse der deutsch-liberalen Partei in Böhmen. Durch solche Mittel wird sie sich gewiß kaum das Vertrauen der wahrhaft Freisinnigen erwerben; und daß die Juden in Böhmen mit Recht ihre Sache von der liberalen Partei trennen, ist nur natürlich. Empfangen sie jedoch bei jeder Gelegenheit für ihre Beweise deutscher Gemcinbürgschaft nur neue — Fußtritte. Im deutschen Easino sieht man die Dinge und läßt ihnen freien Lauf! Aber man verhüllt sie geflissentlich und würde nicht die deutschnationalc Presse in ihrer überströmendcn Freude ans der Schule schwatzen, man möchte glauben, es sei alles eitel Einigkeit. Alle Gegensätze werden von hier aus zu überkleistern versucht, die deutschliberalen Blätter schweigen verständnißvoll um des „Friedens" willen, um eines Friedens, der schimpflicher ist, als jede Niederlage! Die jüdische Bevölkerung Prags und Böhmens, die weder-bei Deutschen noch bei Czechen Aufnahme findet, ist immer noch thöricht genug, sich nationalen Duseleien hinzugeben, anstatt daß sie den Muth findet, dem nationalen Kampfe sich völlig ferne zu halten. Sie sollte es gerade längst schon wissen, daß sie von den Dentschnationalen, dasselbe zu erwarten habe, wie von dem süßen Prager Pöbel. In ihrem Interesse läge es, daß im Lande endlich Frieden werde, und daß sie cinnial davon ablaffcn würde, die Stütze des Deutschthums zu bleiben. Wer kann es dem im December des Vorjahres ausgeplünderten jüdischen Geiverbsmann verargen, daß er jetzt anläßlich des Palackyfestes seinen Laden decorirte, um nicht wieder geplündert und ausgeraubt zu werden? Haben diese Aermsten irgendwo Hilfe gefunden? Also Abstinenz vom Kampffelde, das man den Herren Schönerer und Wolf getrost überlassen möge? —g — Znr Jndenhehe in Westgalizien. Gleich zu Beginn der von gewisser Seite inscenirteu Judenhetzen haben wir auf die Folgen hingewiesen, die nun eingetreten sind. Bekanntlich wird das Geschäft in Galizien ausschließlich durch jüdische Krämer iu den kleinen Landstädten und Hausirer auf dem flachen Lande vermittelt, diese beziehen ihren Waareribedarf wieder von den Zwischenhändlern in den galizischen Geschäftscentren. Diese Beziehungen müssen festgehalten werden, lvill man ein klares und richtiges Urtheil von der Sachlage gewinnen. In ganz Westgalizien herrschte aber gegenwärtig eine regelrechte Rebellion, die sich vorläufig direct gegen die jüdischen Krämer und Hausirer richtet, deren Hab und Gut geplündert, geraubt und gebrandtschatzt wird. Alle behördlichen Anordnungen gegen diese kaum faßbaren Revolten haben sich bisher erfolglos erwiesen. Tausende geschäftliche Existenzen sind bereits ruinirt und können ihren Zahlungs- Verpflichtungen nicht Nachkommen. Der Handel und Verkehr stehen in dem von: Aufruhr heimgesuchten Landestheile still. Die galizischen Zwischenhändler erleiden enorme Verluste, da ihre Kunden Bettler geworden sind. Sie machen keine Einkäufe und außer Stande, ihre Zahlungen zu leisten. — Für den heimischen Handel, namentlich aber für den ohnehin schwer heimgesuchten Wiener Platz, gestaltet sich die Situation in Galizien zu einer wahren Calamität. Die galizischen Kaufleute werden einer auf deu andern die durch eine force majeur erlittenen Verluste abwälzen. Die Firmen des Wiener Platzes können dies aber nicht thun und zu dem ungünstigen Geschäftsergebnisse der Saison werden sich noch außerordentliche Verluste gesellen lassen müssen. Es ist höchste Zeit, daß die zur Wahrung der Interessen von Handel und Industrie berufenen Factoren sich aufraffen und mit allem zu Gebote stehenden Nachdruck auf eine ebenso rasche als gründliche Abhilfe ihren ganzen vollwichtigen Einfluß geltend machen. Die Wiener Kaufmannschaft beabsichtigt, bei der Regierung im Deputationswege eine Nemedur zu erbitten. „Wiener Handelsblatt". Ein Erlaß gegen den Antisemitismus in der Schule. Prag, 20. Juni. Der Bezirksschulrath von K l a t t a u hat unter dem 13. d. M. an alle Schulleitungen des Bezirkes ein Rundschreiben gerichtet, in welchem es heißt: „Die j u d e n f e i n d l i ch e n Ausschreitungen, welche sich in letzter Zeit an einigen Orten ereigneten und die zum großen Theile nicht nur zur Beschädigung des Eigenthums dem jüdischen Bekenntnisse ungehöriger Personen gediehen sind, machen es nothwendig, daß der antisemitischen Bewegung eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet werde. In dieser Hinsicht soll die Schule dahin wirken, daß die Heranwachsende Jugend von Allem abgewendet werde, was sich, nicht mit der H u m a n r t ci t verträgt, welche die Schule zu pflegen hat. Indem ich auf den Erlaß des Landesschulrathes vom 8. März 1895, der zur Ermunterung, zur Verträglichkeit in n a t i o n a l e r r e l i g i ö s e r H i n s ich t an den Schulen appellirt, verweise, trage ich den Leitungen der öffentlichen und privaten Volks- und Bürgerschulen auf, den ihnen unterstehenden Lehrkräften diesen Erlaß in Erinnerung zu bringen und sie nachdrücklich a u f m e r k s a m z u m a ch e n, d a ß es ihre E r z i e h e r p f l i ch t i st, die Schüler zur Verträglichkeit auch gegen die Angehörigen des israelitischen Glaubensbekenntnisses anzuleiten und daß jede einzelne Lehrkraft in dieser Beziehung der Schuljugend nicht nur selbst mit gutem Beispiele vorangehen, sondern auch über das Verhalten der Schüler in- und außerhalb der Schule auf das Eifrigste zu wachen haben soll. Den Bezirksschulinspectoren wird aufgetragen, dieser Angelegenheit volle Aufmerksamkeit zu widmen und insbesondere bei den Schnlinspectionen in dieser Richtung st r e n g st e Aufsicht zu üben. Sollten sich bei den Schülern Erscheinungen von Haß gegenüber Israeliten zeigen, oder sollte irgend eine Lehrperson den oberwähnten Pflichten nicht völlig Nachkommen, oder vielleicht gar die Schule zur Förderung von gegen die Bekenner des jüdischen Glaubens feindseligen Anschauungen mißbrauchen, so ist sofort mit aller Strenge nach den Disciplinarvorschriften einzuschreiten." Zur Asenlehre. In Nummer 5 vom 4. Februar 1898 erschien in unserem Blatte ein Artikel „Die Wotanisten", welcher in kräftiger, abwehrender Weise, drastisch nach Form und Inhalt, Stellung nahm gegen die absonderlichen, die Satyre herausfordernde Deutschthümelei der Schönerianer. Aus diesem Aufsatze wurde nun in perfider Absicht ein einzelner Satz herausgerissen und zusammenhanglos ohne Vorhergehendes, ohne Nachfolgendes reproducirt. Dazu wurde dem Verfasser noch die Meinung unterschoben, er hätte seinen Angriff gegen das Deutschthum und nicht gegen seine Verzerrung gerichtet und nunmehr wandert die Notiz — immer wieder ausgeschnitten und aufgeklebt und abgedruckt — fast durch die gesammte, nunmehr auch durch den verhältnißmäßig anständigeren Theil der deutschen Presse. Das Wortspiel von „der Asenlehre und dem Aas" wird bis zum Ueberdruß wiedergekaut und daraus auf den Haß der „frechen Juden" gegen das gesammte Deutschthum zurückgeschlossen. Der Anfang des in Rede stehenden Artikels lautet aber in gar nicht mißzuverstehender Weise, daß „die D e u t s ch n a t i o n a l e n sich zu d e m e ch t e n, r e ch t e n D e u t s ch t h u m s o v e r h a lt e n, w i e e i u bösartiges Geschwür zu dem L e i b e, d e r damit behaftet i st." Motivirt wurde

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