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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-06-24 · 25 (24.6.1898) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
25 (24.6.1898)
Date
1898-06-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 480 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr.' 25 Die Qualität des Fabrikates hat sich von Jahr zu Jahr gebessert, die Mäntel und Jaquets, die wir in unseren Fabriken Herstellen, sind bester als die, die wir früher importirten. Andere englische Firmen folgen unserem Beispiele, und heutzutage gesteht die deutsche Fachpresse zu, daß der Handel in diesen Artikeln mit England für Deutschland verloren ist. Unsere Erfahrung zeigt, daß diese fremden jüdischen Schneider eine Arbeit leisten, welche unsere Arbeiter nie mit Erfolg unternehmen konnten, und daher einen hohen Lohnsatz erzielen können. Hitschcock, Williams & Co. Dieser Brief beweist, daß ohne die jüdischen Arbeiter sicher die englische Mäntelindnstrie sich nicht hätte entwickeln können. Diese Industrie weist aber noch eine Eigenthümlichkeit auf, sie zeigt die seltsame Erscheinung, daß ihre Ausdehnung im Wesentlichen der consequenten Thätigkeit der Arbeitervereinigungen selbst zu danken ist. Im Jahre 1893 erließ die „United Ladies Tailors and Mantle Makers Association" einen Aufruf an alle Kaufleute, die sich mit dem Vertriebe von Mänteln beschäftigen. In diesem Aufruf wurde auseinandergesetzt, daß durch die neuen, von den eingewanderten Juden mitgebrachten Arbeitsmethoden es möglich sei, die Mäntel und Jaquets erheblich billiger als bisher herzustellen, und es wurden alle Kanfleute gebeten, ihre Ordres durch Vermittlung der Gesellschaft Arbeitern in England zuzuweisen, anstatt die Maaren fertig aus dem Auslande zu beziehen. Der Aufruf hatte bedeutenden Erfolg. Der Secretär der genannten Gesellschaft Finn wurde von vielen Firmen in London und in der Provinz um seine Vermittlung angegangen, und die Fabrikation von Mänteln und Jaquets in England selbst machte dadurch erheblich schnellere Fortschritte, während der Import zurückgedrängt wurde. Uebrigens ist diese Industrie nicht der einzige, wohl aber der in die Augen fallendste Beweis dafür, daß durch die Einwanderung der russischen Inden gewisse Industrien in London theils geschaffen, theils erheblich verbessert wurden, die ohne diese neuen Arbeitskräfte nicht den hohen Stand hätten erreichen können, den sie jetzt einnehmen. Wir sind deshalb überzeugt, daß, selbst wenn auch das englische Unterhaus die neue Einwanderungsbill annehnicn sollte und damit der Regierung die Handhabe gegen unerwünschte Einwanderungen gegeben wäre, doch der gesunde Sinn des englischen Volkes die Haltung derselben gegen so nützliche' Elemente, als welche sich die russischen Juden erwiesen haben, mißbilligen würde. 8. Vom Jahrmarkt des Lebens. Glossen zur Tagesgeschichte. Die christlich-socialen Geschäftsantisemiten handeln bekanntlich jetzt auch mit Deutschthum und bedienen sich der schwarzroth-goldeneu Firmatafel, insoweit es sich darum handelt, Parteikundschaften anzulocken. Dem Wirthshans „zum kleinen Mann" gaben sie ein neues Schild: „zum echten Deutschen". Sie sind nämlich darauf gekommen, daß es bei der derzeitigen Stimmung des Volkes sich gut ausnimmt, wenn man auch national ist, und da das Publicum an die Leistungen des parlamentarischen B r o d-Schani und an die Aeußerungen verschiedener christlichsocialer Parteiführer, daß die Obstruction nur ein jüdischer Schwindel sei, vielleicht schon vergesten haben kamt, hat das christlich-sociale Consortium innerhalb der deutschen Gemeinbürgschaft eine Expositur errichtet, in der geschäftlichen Centrale aber werden sie an die deutsche Gemeinbürgschaft nicht gerne erinnert, und darum hat der Antrag,- dem Grazer Gemeinderathe die Sympathien der Stadt Wien auszusprechen, im Rathhause geradezu Bestürzung hervorgerufen. In der Verwirrung nun begeht man leicht einen faux pas. Daß aber der allergescheidteste aller Europäer, nämlich Herr Dr. Lueger, zu dem lächerlichen Auswege greifen werde, den M ag i st r a t um ein Gutachten darüber anzugehen, ob der Wiener Gemeinderath für den Grazer Sympathien hegt und ob er dieselben aussprechen dürfte, hat auch Diejenigen überrascht, die den Dr. Lueger nicht für den allergescheidtesten Europäer halten. Der Beschluß, den der Gemeinderath schließlich in dieser Frage faßte, durch welche die Christlich-Socialen in die Lage kommen, ihr Deutschthum nicht blos vor den Wählern sondern auch nach oben hin zu bekennen, hat diese Nothwendigkeit sehr geschickt vermieden. Die Herren beschlossen eine Petition, die derzeit unbestellbar ist, denn der Adressat, der Reichsrath, ist bekanntlich unbekannt wohin und auf wie lange abgereist. Dem Meritum des Antrages sind die „Wahrer des deutschen Charakters der Stadt Wien" ausgewichen und die ganze Debatte hatte kein anderes praktisches Resultat, als daß die Zahl der von Dr. Lueger producirten geflügelten Worte wieder uni eines vermehrt wurde. Einst sagte er bekanntlich: „Antisemit kann nur ein Trottel oder ein Schuft sein". Diesmal sagte er: „Ich will lieber feig sein als dumm". Wir reihen an diese Citate, weil es ausgezeichnet mit denselben harmonirt und sie bestätigt, ein drittes geflügeltes Wort des großen Mannes an, das er beim Probeschießen des Schützenvereines. zum Besten gab. „Ich bin kein Schütze, aber ich treffe immer ins Schwarze", sagte er bescheiden. ' * * * Die falsche Marke des Deutschthnms wird auch vom katholischen Schulverein zur Täuschung des Publicums benützt, indem er die Placate, die seinen Aufruf um Beiträge enthalten, mit den Farben Schwarz-roth-gold ausstattet, um glauben zu machen, daß es sich um den Deutschen Schulverein handelt, und die Agentinnen des Dr. Caspar Schwarz sammeln ebenfalls für den „Schnlverein", wobei mehrere Fälle bereits constatirt wurden, daß der Jrrthum der Spendenden, welche ebenfalls wähnten, daß ihr Beitrag dem Deutschen Schulvercine zukomme, znm Vortheile des Katholischen Schulvereines wissentlich benützt wurde. Die Bezeichnung für einen derartigen Vorgang ist im Strafgesetze enthalten, und es ist interessant, daß eine vom Deutschen Schulverein erlassene Warnung nicht placatirt werden durfte. Die vom katholischen Schulverein geübten Praktiken sind ein würdiges Seiteustück zu der Haupttreffervilla des Pfarrers Deckert, die bekanntlich aus einer Anzahl nmuerirter Bretter bestand. Die zerlegbare Villa ist ein Wahrzeichen der christlichsocialen Partei, die sich für ihre Zwecke auch eine zerlegbare Moral geschaffen hat. * * * Unter den vielen zerlegbaren Ehrenmännern, über welche der Antisemitismus in Wien verfügt, ist unstreitig das prachtvollste Exemplar, in welchem die „platonische" Idee des echten Antisemiten am vollkommensten zum Ausdruck kommt, Herr Alexander P u r s ch t. Vom Biirgerclnb vor die Wahl gestellt, zu gehen oder zu klagen, erklärt er zuerst, daß er klagen werde. Dann überlegt er sich's wieder und gibt bekannt, daß er nach gepflogener Berathung mit rechtskundigen Freunden den unwiderruflichen Beschluß gefaßt habe, sich nur vor dem Gemeinderathe, nicht aber vor einem verschiedenen Wechselfällen unterworfenen Forum zu verantworten. Der Herrn Alexander Purscht congeniale V e r g a n i bemerkt dazu: „Mit Rücksicht auf die notorische Verlogenheit und geradezu fanatische Gehässigkeit des Szeps'schen Tagblattes gegen die antisemitische Partei finden wir diesen Stand zum T h e i l e auch begreiflich, umsomehr als tbatsächlich die gegen Purscht erhobenen Anschuldigungen noch nicht bewiesen sin d." Sehr richtig, die Anschuldigungen sind noch n i ch t bewiesen. Sie können aber doch nicht anders bewiesen werden, als durch ein gerichtliches Verfahren und wenn sie uicht bewiesen werden sollten, dann wäre ja der „Ehrenschild" des Alexander Purscht ebenso blank wie der bekannte, allerdings nur außergerichtlich geputzte Ehreuschild Vergani's. In dem Processe dieses Repräsentanten einer Presse, welche die Antisemiten sich nicht schämen, die „christliche" zu benennen, hat es sich ja wirklich gezeigt, daß das schwurgerichtliche Verfahren „verschiedenen Wechselsällen" unterworfen ist. Gerade deshalb begreifen wir aber die Haltung der Christlich-Socialen gegenüber Herrn Purscht nicht. Mit welchem Rechte ertheilen sie diesem ihrem Parteigänger den Auftrag, zu klagen, nachdem sie ja, und zwar corporativ und als Partei über das Berdict, durch welches die dem Vergani zur Last gelegten Deftaudationen als bewiesen erklärt wurden, sich mit dem so einfachen Tröste hinwegzuhelfen wußten, daß dieser Wahrsprnch nur von zwölf Männern gefällt wurde, die zufälliger Weise Geschworne geworden sind? Entweder anerkennen die Antisemiten das Schwurgericht als competent, dann war es

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