Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 25 (24.6.1898)
- Date
- 1898-06-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 478 Dr. Bloch's soll aber eine engere Verbindung mit dem k. k. österreichischen Haudclsmuseum bestehen bleiben, indem das Letztere Vorsorgen wird, daß die Absolventen zunächst in einem inländischen Handelsunternehmen Unterkunft finden, um sich für einen bestimmten Zwerg des österreichischen Außenhandels auszubilden und dann — unter weiterer Unterstützung des k. k. österreichischen Handelsmuseums — sich im Aus lande, beziehungsweise auf einem für den österreichischen Export wichtigen überseeischen Platze in die Dienste des ersteren zu sMen". Es ist klar, daß ein braver und tüchtiger Schüler der Export-Akademie unter solchen Umständen ein versorgter Mensch i st. Der ganze Lehrplan macht den Eindruck besonderer Solidität. Er ist offenbar auf Erziehung zum Fleiß und zu tüchtigem Können gerichtet. Wir empfehlen denselben denjenigen unserer Leser, welche Ursache haben, sich dafür zu interessiren, zu sorgfältigem Studium; es sind dies vornehmlich die Eltern absolvirter Mittelschüler und Handelsakademiker; die Letzteren-werden eine im Programm genau angegebene Ausnahmspcüfung abzulegen haben. Wie wir dem Aufrufe entnehmen, ist das Programm m den Bureaux des k. k. Handelsmuseums, IX., Berggasse Nr. 16, unentgeltlich zu haben. Es wird namentlich Sache des gewissenhaften Vaters sein, zu erwägen, ob die Erziehung seines Sohnes zum Exporteur oder zum Angestellten eines Exporteurs mehr durch das Studium an der Anstalt oder durch Aufenthalt im Lande selbst während der 2—3 Jahre, welche das Studium in Airspruch nehmen soll, gefördert wird. Es ist immerhin eine ernste Frage, welche nur die Erfahrung und im einzelnen Falle vielleicht der Rath eines hervorragenden Exporteurs entscheiden. kann, ob es wohlgethan ist, den Zögling, der die Handels-Akademie oder eine Mittelschule bereits absolvirt hat, dann erst noch 2—3 Jahre an die Schulbank zu fesseln. Wo der Betreffende seinem Alter und seinem Temperamente nach bereits ins Ausland geschickt und im Comptoir eines Verwandten oder Freundes untergebracht werden kann, wird oft der Aufenthalt im Lande selbst den Vorzug Verdiener:. Wo dies nicht möglich ist, namentlich auch, wo durch das Einjährig-Freiwilligenjahr eine Abberufung aus der kaum begonnenen Thätigkeit im Auslande erzwungen würde, wird wohl der hiesige Lehrgang vorzuziehen sein. Dem Bedürfnisse solcher Studirenden, welche wohl nicht selten sein dürften, entspricht die neue Akademie in ganz vorzüglicher Weise. Bei den tristen Aussichten, welchen gegenwärtig auch der fertige Doctor entgegengeht, bietet sich hier dem besorgten Vater Gelegenheit zu einem praktischen und doch auf hochschulmäßigem Niveau stehenden Studium, zu einem Studium, welches eine wesentliche Erhöhung des Blldungsniveaus anstrebt und dabei doch durch Frequenz- und Prüfungszwaug an Solidität mit einer guten Mittelschule wetteifern kann. Wir wünschen dem neuen Unternehmen unsererseits den besten Fortgang und find überzeugt, unseren Lesen: durch diesen kurzen Hinweis auf einen Weg zur gesicherten Existenz für ihre Kinder keinen geringen Dienst erwiesen zu habem Eine Hilfsaktion für Galizien. Der officielle Telegraph verkündet, daß in Galizien wieder volle Muhe herrscht. Wenn diese Nachricht nicht durch die Ereignisse ein schmerzliches Dementi erfährt, wäre also die Judenhetze im Jasloer Wahlkreise ebenso rasch beendet worden, als sie dem äußeren Anscheine nach gekommen ist. Dieser phänomenale Charakter der Bewegung gibt immerhin zu denken, denn die plötzliche Wiederkehr der Ruhe ist angesichts des geringen Aufgebotes an bewaffneter Macht Wochenschrift Nr. 25 keineswegs mit der etwaigen Einschüchterung durch diese zu erklären. Eine Revolte, die ans allgemeinen socialen Ursachen allein entspringt, kann nicht durch eine bloße „Belehrung" an die Ortsvorsteher und durch ein paar Compagnien zu Patrouillezwecken verwendete Militärs beschworen werden. Das rasche Aufflammen und Erlöschen der Unruhen bekräftigt vielmehr erst recht die Annahme, daß hier eine planmäßige Organisation im Werke war und daß die plündernden und sengenden Banden sowohl beim Beginne als bei der Einstellung ihrer Raubzüge einem einheitlichen Commando folgten. Alle unbefangenen Berichte stimmen darin überein, daß dieses Commando vom Pater Stojalowski, dem reuig zurückgekehrten „verlorenen Sohne" ausgeht, dem die Kirche wie die Schlachta volle Absolution für alle vergangenen Sünden gewährt hat und dem das polnische Centralwahlcomits anläßlich der am 23. d. M. stattgefundenen Reichsrathswahl der V. Curie des Jasloer Wahlkreises das Feld vollständig, freigegeben hat. Dieser sonderbare Pact bildet eine höchst lehrreiche Illustration zu der bekannten Resolution des Polenclubs, in welcher die jüngsten Judenkrawalle als „umstürzlerisch" und „gefährlich" verdammt wurden. Der Krakauer „Czas" — bekanntlich das officielle Organ der Stanczyken-Partei — hat zu dieser Resolution einen nachträglichen Commentar geliefert, welcher die ursprüngliche Wirkung derselben fast zur Gänze aufhebt. Nach der Interpretation des „Czas" richtet sich die Resolution des Polenclubs weniger gegen die antisemitische als vielmehr gegen die socialistische Propaganda, und das Krakauer Blatt versichert den Abgeordneten Stojalowski, daß es dem Polenclub gar nicht einfalle, sich in einen Kampf mit ihm einzulassen. Man führt also daheim eine ganz andere Sprache als in Wien, und wir haben allen Grun.d . anzunehmen, daß das Communiqus des „Czas" den Gesinnungen der polnischen Führer viel mehr entspricht als die Resolution des reichsräthlichen Polenclubs, welche einigermaßen an die berühmt gewordene Phrase „Usque ad finem!“ erinnert. Der Zusammenhang der letzten Judenkrawalle mit der Wahl im Jasloer Kreise ist nicht von der Hand zu weisen und bildet einen interessanten Beitrag zu der politischen Erziehungskuust der polnischen Machthaber. Es gibt in der Geschichte des österreichischen Constitutionalismus eine Analogie zu den jüngsten Ereignissen. In der verfassungstreuen Aera hat man das ruthenische Element gegenüber dem Polenclub stark begünstigt und die Regierung hat an vielen Orten die ruthenischen Candidaten gegen die polnischen unterstützt. Tatsächlich gelang es damals, dem Polenclub 18 Mandate abzuringen und in zahlreichen Wahlbezirken gaben dabei die jüdischen Stimmen den Ausschlag. Das hatten die Juden schwer zu büßen, denn es begann nun seitens der polnischen Machthaber eine furchtbare Persecution gegen sie. in Gestalt von Steuererhöhungen, Executionen, Pachtkündigungen rc. Die gedrückten Juden wendeten sich an die Centralregierung, die aber machtlos war, da die Verfassungspartei im Parlamente auf die Bundesgenossenschaft der Polen nicht verzichten konnte. So hat man damals den jüdischen Wählern ttt Galizien den oppositionellen Geist mit dem blassen Schrecken ausgetrieben und die Juden haben sich jene Zeit der Drangsale wohlgemerkt. Sie haben seither treu und gehorsam für die Schlachta gestimmt und sind dabei allerdings von der Scylla in die Charibdis gerathen, denn nachdem sie die Rache der Schlachzizen beschworen hatten, luden sie den Haß von diesen ausgebeuteten polnischen und ruthenischen Bauern auf sich. Mit der Wahlresorm ist nun eine neue Wählerschichte in das öffentliche Leben eingetreten, eine Schichte proletarischer jüdischer Wähler, die mit voller Naivetät an das Recht der freien Wahl glaubte und mit ihren proletarischen