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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-06-17 · 24 (17.6.1898) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
24 (17.6.1898)
Date
1898-06-17
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 24 Dr. Bloch's Wochen fchrifi Seite 475 in meiner Gegenwart Sie um eine Nuance weniger heftig empfangen." Leipnik machte wieder den Versuch, sich zu verabschieden; aber diesmal zeigte sein neu gewonnener Gönner schon einen Anflug von Unwillen, denn er sprach etwas erregt: „So kommen Sie doch mit, wenn ich es Ihnen sage, ich will ja über Ihre Angelegenheit sprechen, und ich verbürge Ihnen mit meinem Worte, daß Ihnen hieraus keine Unannehmlichkeit erwachsen soll — der Baron ist ja kein Menschenfresser — also — gehen wir!" Die kleine Gruppe setzte sich in Bewegung, die beiden Fremden und Bollwitz voran, in kurzer Distanz hinter ihnen Leipnik. Sie schritten durch eine lange Pappelallee und gelangten nun zu der Linde, unter welcher der Baron mit seiner Gemalin und Tochter saß. „Ich bringe die erwarteten Herren Graf und Rosenberg" sprach Bollwitz, die Genannten mit einer Handbewegung bezeichnend. „Na, das muß ich Ihm nur geradezu sagen, Graf", schrie der Baron, „diese Unpünktlichkeit bei Seinem Erscheinen gefällt mir gar nicht! Was soll denn das in Teufelsnamen vorstellen? Was glaubt er vielleicht, man soll Ihn feierlich mit Glockengelänte und Blumenstreuen empfangen, als wenn Er — die Herrschaft selbst war!?" „Nein, eine feierliche Aufwartung hätte ich mir allen Ernstes verbeten", lautete die Entgegnung, ich wünsche solchen llnsinn nicht, lieber Herr Baron!" Pellwald nahm die Pfeife aus dem Munde und starrte den Sprecher einen Augenblick an, als würde dieser patagonisch reden. „Ist er wahnsinnig geworden, ist Er dem Irrenhaus entsprungen?" schrie er endlich. „Wie redet Er denn mit mir!? Er hat ja ein Benehmen, als wenn Er sein Lebtag unter wilden Negerstännnen gelebt hätte; — was sind das für verfluchte Manieren mich: lieber Herr Baron anzusprechen? ein Teufel, bin ich sein lieber Herr Baron!" „Also habe ich nicht die richtige Titulatur angewendet? Wie wünschen Sie denn angesprochen zu werden?" „Sie — Sie — Sie!" krähte der Baron in höchster Wuth und im höchsten Discant; es dauerte einige Minuten, bis er vor Erregung zitternd, seine Stimme in die gewohnte Baßlage brachte. „Ich bin für Ihn „Hochderselbe" und Er hat mich stets „hochfreiherrliche Gnaden" zu nennen! . . Nnn, jetzt Hab' ich Ihm meine Meinung rund herausgesagt, und jetzt bin ich wieder gut mit Ihm — ich bin nur ein bisl hitzig und kann die Menschen nicht leiden, die solche Aufklärler und Spektakelsleute sind und alle vom lieben Gott eingesetzten Standesunterschiede über den Haufen werfen wollen; — so ..." der Baron reichte dem jungen Manne gnädig die Hand. Dieser sah zuerst etwas befremdet und überrascht auf, dann legte er leicht zwei Finger einer feinen langen aristokratischen Hand in des Barons Rechte. Wieder fuhr dieser zornig auf; aber in dem Momente richtete sich der junge Mann empor und warf dem alten Aristokraten einen so hoheitsvollen Blick zu, daß diesem das Wort auf den Lippen erstarb, und erst nach einer kurzen Panse der Sammlung halblaut nur lallte. „Sein Vorgänger hat immer mir und meiner Gemalin die Hand geküßt." (Fortsetzung folgt.) Literatur. Jllnstrirter israelitischer Dolkskalender für das Jahr der Welt, 5659 (1898—99.) Herausgegeben von Samuel W. Pascheles, Prag, Zeltnergasse. Der heurige Kalender steht seinen Vorgängern durchaus nicht nach, zeichnet sich vielmehr durch eine Fülle interessanter statistischer Rubriken und literarischer Beigaben aus. Neben dem eigentlichen Kalendarium finden wir da ein von M. Redisch ins Deutsche übertragenes Ritual-Verzeichniß, ein Verzeichniß der Tage, nach welchen sich die Jahrmärkte richten, eine Zusammenstellung der besten Messen und Märkte und sämmtlicher Märkte der bedeutenderen Orte in Böhmen, Mähren und Schlesien, eine chronologische Zeittafel der jüdischen Geschichte, einen Verlosungskalender, ein Gedicht an Emile Zola von A. F - nn, eine Erzählung aus dem Prager Ghetto von dem jüngst verstorbenen Bernhard Auerbach u. v. m. Den Kalender zieren die Bildnisse Emile Zola's und des unglücklichen Capitäns Dreyfus. Briefkasten. »»Rechtsschutz." Machen Sie es nur so wie Herr Commercialrath F. und lassen Sie sich keinerlei antisemitische Anrempelungen und Flegelhaftigkeiten von Ihrer Kundschaft gefallen. Diese Leute kaufen Ihnen ohnehin nicht Ihre Fabrikate Ihrer schönen Augen wegen ab. sondern blos, weil sie die Waaren brauchen können oder auf Puff anderswo nicht so leicht bekommen. Das geht nur zum Juden, wenn es muß. Dann sollen sie sich aber auch anständig benehmen! Alter Leser in Kol—a. Ihr poinjenreiches Gedicht ist zum Abdruck schon deshalb ungeeignet, weil der Wackere sein Gemeinderathsmandat eben noch nicht niedergelegt hat und sich ber „öffentliche it" Wirksamkeit auch auf politischem Gebiete noch weiter zu erhalten gedenkt. — Bielohlawek haßt alle Bücher, sein Freund nimmt eine Sorte aus! Albert Krs. in T—w. Die sonderbare Methode des Vergant, die Judcnexeffe in Galizien umzudeuteln, verdient schon wegen ihrer — Kühnheit bekannt zu werden. Tie Juden haben eben die Zerstörungen alle selb st besorgt, um ordentlich Schadenersatzansprüche stellen zu können. Man höre nurder Jude aber hat h i e r a u f s e l b st alle F e n st e r s ch e i b e n eingeschlagen und alle Möbelstücke zerbrochen, um auf diese Weise den Schein zu erwecken, daß er wir klich überfallen word e n sei. („D. V." 14. Juni 1898.) H. Hr. Hier. Tie „Ostdeutsche Rundschau" vom 14. d. M. macht sich über die ungarischen Vornamen und Familiennamen einer — Parte lustig: „Was das für Prachtmadjaren sein müssen!" und erzählt ein heiteres antisemitisches Anekdötchen daran ankniipfend. Vor der Majestät des Todes haben die Herren nicht den geringsten Respect! Vergl. Sie S. 463. Herrn Herrn Carl Beer in Holleschau. Sie wünschen richtig zu stellen, daß Sie nicht durch Intervention des ehrwürdige» Herrn Rabbiners Dr. I. Freimann, dort, in den Ortsschulrath gewählt und zum Obmann dieser Körperschaft wieder designirt worden sind, sondern daß vielmehr der erste Gemeinderath Herr Ignatz Baumgarten einige Stunden vor der Wahl in Ihrer Wohnung erschien, um Sie sowohl in seinem eigenen als auch im Namen des Bürgermeisters Herrn Salomon Zwillingcr zur Annahme einer Wiederwahl zu bestimmen. Schließlich erwähnen Sie noch, daß Sie schon längere Zeit vor dem Amtsantritt des Herrn Rabbiners Obmann des Ortsschulrathes waren. Herrn Dr. B. in F. „A l u m i m", 50 patriotische Festreden von Schwarz, K l a d n o, sollen nicht nur gelesen, sondern auch gekauft werden, um den Verfasser zur Herausgabe der angekündigten Fortsetzung zu veranlassen. Wien, „Radler". Tie Nachricht von dem jüdischen Radfahrer, der angeblich böswillig in eine Wallfahrerproceffion hineingefahren ist, wird mit entsprechend r Vorsicht aufznnehmen sein, nachdem sie dem „Verganiblatt" entnommen ist. Es wird vermuthlich kein jüdischer Radfahrer, sondern ein christlicher Schubkarrenschieber sein und die Procession wird sich vielleicht gar als Milchwagen Herausstellen bei dir Art und Gewissenhaftigkeit der Berichterstattung des genannten Journals. Frau I. R. in H. Wir bedauern ungemein, Ihrem Wunsche nicht entsprechen zu können. Es wäre auch voraussichtlich ganz zwecklos. Abonnent Franz Josefs-Quai. Die Armenlose der Stadt Wien werden durch die antisemitische Wechselstube Schelhammer und Schattera Vertrieben, die der Rettungsgesellschaft unseres Wissens jedoch nicht. Wir haben auch vorläufig gar keinen Grund zu dieser Annahme. Die „Freiwillige" wird keinesfalls so — unklug sein, ein derartiges Harikiri an sich zu vollziehen. S. 1K. Dr. B. Pl. in Br. Herzlichen Dank für die freundlichen Worte der Anerkennung in Bezug auf unsere Haltung. Wir wollen auch ferner uns allen Phantastereien und Neberschwänglichkriten gegenüber kühl zuwartend Verhalten, bis der Rummel sich verlaufen haben wird. — Unser Blatt erfreut sich ansehnlicher Verbreitung im Czarenreiche. Andreas Feigl’sche Witwenstiftung. Am 21. Elnl, das ist am 8. September 1898, werden aas obiger Stiftung acht arme israelitische Witwen jede mit dem Betrage von ö. W. fl. '52 betheilt. Die Bewerberinnen haben ihre mit dem Nachweise ihrer Armuth und des Witwenstandes versehenen Gesuche bis 30. Juni 1898 im Einreichnngsprotokolle der israelitischen Cnltnsgemeirde I, Seitenstettengasse 4, 1. Stock, während der Amtsstanden von 9—12 Uhr Vormittags zu überreichen. Gesnchsblanqnette sind im Einreichnngsprotokolle unentgeltlich zn beheben. Anszüge ans den Gebnrts-, Tramtngs- und Todtunratriken der Wiener israelitischen Cnltnsgemeinde sind als Gesncbsbelege nicht erforderlich und genügt die genaue Angabe der betreffenden Daten.

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