Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 24 (17.6.1898)
- Date
- 1898-06-17
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 24 Seite 473 Dr. Bloch's Wochenschrift Nachruf und Obercantor Goldstein exccutirte mit dein Cbore die üblichen Trauergesänge. Als der Sarg am Grabe uiedergestellt wurde, ergriff der College, Amtsvorstand Wiener, das Wort, um in ergreifenden Worten dem Verewigten die letzten Abschiedsgrüße namens seiner Kollegen nachzurufen. Als der Redner geendet, wurde der Sarg ins Grab versenkt und damit schloß die Tranerfeier. Wien, 12. Juni 1898. D i e XIX. ordentliche Generalversammlung des hier wohlthätig wirkenden „V e reines zur U n t e r st ü b u u g a r m e r k r a u k e r Israeliten" hat verflossenen Mittwoch den 8. Juni im Turnsaale der Talmud-Thoraschule stattgefunden und wurde durch den Präsidenten Herrn Marcus B o n d i eröffnet, der ein anschauliches Bild von dem segensreichen Wirken dieses Vereines entwarf, welcher es sich zur Aufgabe gestellt, die im Allgemeinen Krankenhause befindlichen Glaubensgenossen mit ritueller Kost zu versehen, zu welchem Zwecke im verflossenen Vereinsjahre die respektable Summe von fl. 5321'57 verausgabt wurde. Indem der Präses die Nothwendigkeit dieses Vereines hervorhebt, da viele Kranke die Zeit ihres Lebens nie wissentlich ein Thoragebet verletzt und lieber Hunger leidem als sie die Trefakost im Spitale genießen würden, bedauert er, daß der Rechnungsabschluß des Vereines leider im heurigen Jahre wieder ein Deficit aufweist und erstattet sodann den Dank des Vereines den Vorstandsmitgliedern, insbesondere dem verdienstvollen Herrn Simon B u ch iv a l d. Er dankt ferner dem löblichen Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde, welcher die dem Vereine im vorigen Jahre gewährte Subvention in munificenter Weise von fl. 300 auf fl. 500 im heurigen Jahre erhöht hat. Hierauf erstattet das Vorstandsinitglied Herr Simon Buchwald seinen Dank dem Präsidenten für die Worte der Anerkennung, die er ihm gewidmet und bedauert es, daß er allein nicht so seine Pflicht erfüllen könne, wie es eigentlich sein sollte. Viele Mitglieder äußerten sich, .daß er Alles allein mache; es würde ihn sehr freuen, wenn sich diese ihm anschließen würden beim Besuche der Kranken im Spitale. Nachdem Redner noch die Verdienste des Herrn Präses Bondi, welcher stets größere Geldbeträge, manchesmal sogar bis zu fl. 2000 dem Vereine vorstrecke, hervorgehoben und ihm im Namen des Vereines dankt, ergriff Herr Professor S. Hoffman n in längerer Stebe das Wort, in welcher er die großen Verdienste des Herrn Präsidenten Bondi, wie die des Vorstandsmitgliedes Buchwald um deu Verein iu schwungvollen Worten schildert. — An einige Anträge kuiipfte sich eine längere Debatte, an der sich die Herren Präses Bondi, Moses Hirschler, Buchwald, Adolf Bernseld, Löwy betheiligten. Nachdem einige Anträge einstimmig angenommen wurden und Herr Präses Bondi noch die Verdienste des Vorstandsmitgliedes Herrn Aron W e i l um den Verein lobend erwähnte, beantragte noch Vorstandsmitglied Buchwald, daß ein Comite aus Vorstands- und gewöhnlichen Vereinsmitgliedern sich bilden möge, welche je nach der Reihenfolge die Kranken im Spitale zu besuchen haben. Auf dessen Frage, wer sich hiezu melden wolle, meldeten sich sogleich unter großem Beifall der Versammlung Herr Vereinsrabbiner Kramer und die Vorstandsmitglieder Professor Hoffmann und AronWeil und erklärten sich bereit, sich dem verdienstvollen Vorstandsmitgliede Herrn Simon Buchwald, der bis jetzt dieses humane Werk des Bikur-Cholim zumeist allein geübt, beizugesellen. Auf Antrag eines Mitgliedes wird dem Vorstande einstimmig das Absolutoriunl ertheilt und hierauf zur Wahl des Vorstandes geschritten und wird derselbe per Acclamation wiedergewählt. Nachdem noch Präses M. Bondi und Professor Hoffmann für das dem Vorstand entgegengebrachte Vertrauen durch Wiederwahl per Acclamation den Dank erstatteten, wurde die Versammlung geschlossen. H. L—r. Nikolsburg. (K a i s e r - I u b i l ä u m s f e st.) Das anläßlich des Kaiserjubiläums stattgehabte Fest des hiesigen israelitischen Frauen-Wohlthätigkeitsvereines kann als sehr gelungen betrachtet werden. In dem reich decorirten und mit Kaiserbüsten aus den Jahren 1848 und 1898 versehenen Garten des Holländer'schen Gasthauses fand sich ein ungewöhnlich zahlreiches Publicum, darunter Vertreter des Ortsschulrathes, der Christengemeinde, der Feuerwehr, die Directoren der hiesigen Bolks- und Bürgerschule und des Gymnasiums und der Lehrkörper der Jsraelitengemeinde, ein. Der von Frl. Frieda P i r a k zum Vortrage gebrachte Prolog, welcher mit eine»! dreifachen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser endete, fand reichen Beifall. An die Hofkanzlei Sr. Majestät wurde ein Huldigungs-Telegramm abgesendet. Die von Frl. Bertha Os er vorgetragenen Lieder und die von den Herren Julius und Gustav Teltscher gesungenen Duette erzielten den Beifall der Festtheilnehmer. Von den Mitgliedern des Wiener Hofburgtheaters Herrn und Frau Carl Schmitt wurden zwei Possen in gelungener Weise ausgeführt. Sehr ergötzend wirkten die heiteren Borträge der Herren Emil P i r a k aus Brünn, sowie Julius T e l t s ch e r. Die Musik besorgte die Treskowitzer Capelle, die Clavierbegleitung Frau Louise B r u n a. Um das Zustandekommen und Gelingen des Festes haben sich die Leitung des Frauen-Wohlthätigkeitsvereines mit ihrer Präsidentin Frau Johanna K o h n, sowie die übrigen Arrangeure verdient gemacht. Brünn. Dr. Oscar S t r a k o s ch, Advocaturs-Candidat, Sohn des Schafwollwaaren-Fabrikanten Bernhard S t r a k v s ch, ist hier einem längeren Leiden erlegen. Das frühzeitige Hinscheiden dieses hoffnungsreichen, durch hohe Intelligenz, vielseitige Bildung und edle Denkart ausgezeichneten jungen Mannes erweckt in weiten Kreisen der hauptstädtischen Gesellschaft theilnahmsvolles Bedauern. Dr. Oscar Strakosch war auch literarisch thätig und nahm am öffentlichen Leben Antheil. Das Leichenbegängniß fand unter zahlreicher Betheiligung der hiesigen Gesellschaftskreise statt. Im Sterbehause hielt Landes- Rabbiner Dr. P l a c z e k die Trauerrede, welche auf die Anwesenden einen tiefen Eindruck übte. Der Leichenfeier wohnten außer den Leidtragenden viele Trauergäste, unter ihnen Bice- Bürgermeister Roh rer, zahlreiche Advocaten, mehrere Notare, viele Fabrikanten :clt bei. Nach den rituellen Gebeten wurde die Leiche auf den Galawagen gehoben, worauf sich der Leichenzug in endlos scheinender Wagenreihe zum Friedhofe in Bewegung setzte. In der Halle des israelitischen Friedhofes widmete der Landes-Rabbiner Herr Dr. P laczek dem Dahingefchiedenen einen warmen Nachruf, worauf die Beisetzung der Leiche erfolgte. Prag. Dem im Verlage der Buchhandlung Jakob B. B r a n d e i s in Prag erscheinenden „V o l l st ä n d i g e s israelitisches Kochbuch" von Witwe Marie Kauders ist auf der Internationalen Ausstellung in Triest 1898 die höchste Auszeichnung. „Ehrendiplom nebst goldener Medaille", zuerkannt worden. Desgleichen wurde genanntes Kochbuch auf der internationalen Gewerbe- und Nahrungsmittel-Ausstellung in Prag 1898 mit der silbernen Medaille prännirt. Prag. Hier ist in der verflossenen Woche der Privatier Samuel Seliger, Kaufmann erster Gilde aus Odeffa, im Alter von -78 Jahren gestorben. Der Verblichene war früher Vorsteher der Handelskammer in Odessa, Präses der dortigen israelitischen Beerdigungsbrüderschaft ec. Er besaß deu Andreas- Orden, sowie den Stanislausorden. Vor einiger Zeit kam der nunmehr Dahingeschiedene, der als namhafter Talmudist galt, nach Prag. Unter überaus zahlreicher Theilnahme fand das Leichenbegängniß statt. Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld widmete dem Dahingeschiedenen einen ehrenden Nachruf. Unter den Trauergästen befanden sich einer der beiden Söhne des Verstorbenen, Sal. Seliger aus Paris, die Rabbiner Dr. N. G r ü n, Dr. Fischer, Dr. Kisch, Dr. Wohl (Humpoletz), Vertreter zahlreicher jüdischer Vereine und Körperschaften. Gr.-Tapolcsauy. Am 12. d. M. wurde hier unterallgemeiner Theilnahme die wackere und biedere Frau Refi Pollak, Witwe nach dem langjährigen Vorsteher Joachim Pollak, zu Grabe getragen. Kartftadt. Dem Präses der hierortigen israelitischen Cultusgemeinde Herrn königlichen Sanitätsrath Dr. Friedrich Stern, wurde von Sr. Majestät das Ritterkreuz des Franz- Josef-Ordens verliehen. Herr Dr. Stern, der Ehrenbürger von Karlstadt ist, blickt auf eine mehr als 40jährige außerordentlich erfolgreiche ärztliche Thätigkeit zurück. Er bekundete seine Aufopferungsfähigkeit, als er vor Jahren, zur Zeit als die Cholera in Croatien heftig wüthete, dort blieb und mit größter Bereitwilligkeit uneigennützig dem Dienste der Menschlichkeit seine Kräfte lieh. Nun ist ihm von allerhöchster Stelle der Lohn geworden. Wenn jemals eine solche Auszeichnung verdient war, so ist es gewiß diese. Der neue Oberamtmann. Erzählung aus dem dritten Mertel des XVIII. Jahrhunderts von S. Kohn» Verfasser von „Gabriel". (Fortsetzung.) Sech st es Capitel. Im Sommer wurde auf Schloß Brauschitz täglich der schwarze Kaffee nach Tisch im Schloßgarten unter einer hohen Linde eingenommen. Der Baron und seine Gemahlin saßen noch am Kaffeetische, jener Paffte eine Pfeife, die Baronin betrachtete still vergnügt ihre noch immer schönen Hände, Anna arbeitete schon an einer Stickerei, während Berthold am Teichrande stand, die Enten mit Steinen bewarf und andere ähnliche Unfuge verübte. Der Baron befand sich in höchst ungnädiger Laune. Heute war der 17. Juli, es war schon drei Uhr Nachmittags und