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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-06-17 · 24 (17.6.1898) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
24 (17.6.1898)
Date
1898-06-17
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 472 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 24 werden, weil bei den bestehenden Verhältnissen die Ausbildung in dieser Disciplin kaum zu ermöglichen ist. Die Schochtim sollen angewiesen werden, das Koscherzeichen erst anzulegen, nachdem der Thierarzt oder Schlachthausbeamte das Fleisch bezw. das Eingeweide für gesund erklärt hat. Nach Schluß der Tagesordnung wird ein Antrag von ca. 40 Rabbinern eingebracht, der den deutschen Juden die Förderung der Cvlonisation Palästinas durch Unterstützung des Vereines Esra auf das Wärmste empfiehlt. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Dr. May bäum schließt die Generalversammlung mit dem Rückblick auf die erledigten Geschäfte und feiert in begeisterten Worten die Bedeutung des Rabbinerverbandes für den Rabbinerstand wie für die allgemeinen Interessen der Judeuheit überhaupt. Die Versammlung war bis Zum Schluß sehr stark besucht und bildete eine würdige Repräsentation des deutschen Rabbinerstandes. Basel, 2. Juni. Am letzten Sonntag fand hier eine stürmische und der Tagesordnung, sowie ihres Ausgangs wegen wichtige Gemeinde-Versammlung statt. Es handelte sich um eine Revision der Statuten, die von einer Commission ausgearbeitet waren und vom Vorstande, der sie angenommen hatte, der Gemeinde-Versammlung vorgelegt wurden. In den neuen Statuten waren einige nicht unwesentliche Aenderungen enthalten, das besondere Interesse aber concentrirte sich vornehmlich auf einen Paragraphen, der, wie man behauptete, die Rechte der Gemeindemitglieder beschneiden ^sollte. Es handelt sich um Folgendes: In der hiesigen Gemeinde besteht die Bestimmung, daß der Rabbiner und der O b e r c a n t o r nach Ablauf ihrer Amtsperiode, also nach 3 resp. nach 6 Jahren, sich einer g eh ei men Wiederwahl durch die ganze Gemeinde unterziehen müffen. Daß dieser Zustand auf die Dauer nicht haltbar ist, leuchtet jedem Verständigen ein. Wie kann der Rabbiner irgend welche Autorität ausüben, wenn über sein Wohl und Wehe alle drei Jahre jedes Gemeindemitglied sein Urtheil abgibt. Ist eine derartige Statutenbestimmung nicht geeignet, den Rabbiner zum Heuchler und zum Schmeichler zu machen oder ihn dahin zu bringen, daß er um seine Würde und Selbstachtung willen auf seine Stellung verzichtet? Aus diesen Erwägungen hatte der Vorstand in die neuen Statuten die Bestimmung ausgenommen, daß der Rabbiner und Obercantor sich nur dann einer Wiederwahl unterziehen müßten, wenn '/« der Gemeindemitglieder vor Ablauf der Kündigungsfrist ein diesbezügliches Begehren stelle. Die Generalversammlung, die über den Statuten-Entwurf zu beschließen hatte, war trotz der Wichtigkeit der Tagesordnung kaum von der Hälfte der Mitglieder besucht. Rach mehrstündiger Discussion wurden die neuen Statuten en bloc mit 85 gegen 39 Stimmen verworfen. Der Gesammt-Borstand hat nunmehr seine D emiffion gegeben! - Brüssel. Unser König Leopold, dessen Gerechtigkeitssinn weithin bekannt ist, war gerade zur Zeitals die Wahlen zur Deputirtenkammer stattfanden, in Algier. Er hatte Gelegenheit, die antisemitischen Demonstrationen zu sehen und hat sich sehr abfällig über dieselben ausgesprochen mit der ironischen Frage, ob denn Algier noch französischer Besitz fei. Auf seine directe Beranlastung ist denn auch in Tanger ein Jude zum belgischen Generalconsul ernannt worden. Die Wahlen zum Senat haben die Wiederwahl des einzigen jüdischen Senators Montefiore Levi ergeben, der in Lüttich mit großer Majorität ohne Stichwahl als liberaler Candidat gewählt wurde. Athen. Die Gemeinde in Corfu hat von der Baronin Hirsch eine Subvention von 4006 Gulden für zwei Jahre erhalten. außer dem Betrage von 1000 Gulden, den die Baronin jetzt schon für die Mädchenschule jährlich leistet. New Aork. Eine für die Juden wichtige Entscheidung ist in dem Abgeordnetenhause getroffen worden, während man in dem Kriegslärm die Sache gar nicht beachtete. Die Einwanderungsbill von Senator Lodge, die im Senat schon angenommen war und die im vorigen Jahre nur an dem Veto des Präsidenten Cleveland scheiterte, ist diesmal im Repräsentantenhaus durchgefallen, obwohl der Präsident Mac Kinley sie kräftig unterstützte. Vermischtes. Wien. (T r a u u n g.) Am 19. d. M. findet im Seitenstettentempel die Trauung des Herrn Adolf K l i m o n t, in Firma S. Klimont und Sohn, mit Fräulein Rosa F i g d o r statt. Wien. (Mittheilung des B eth aus v o rst a Ildes der Cultusgemeinde für den XVI. und XVII. Bezirk.) Mit Rücksicht auf die im Gemeindetempel Ottakring stattfindenden Probepredigten beginnt der Freitag-Abendgottesdienst in der Zeit vom 17. Juni bis 15. Juli d. I. bereits um 7 Uhr Abends. Wien. Anläßlich des Regierungsjubiläums Seiner Majestät erbaut der Brigittenauer israelitische Bethausverein in der Kluckygasse einen Tempel und wurden die vom Architekten Gärtner ausgeführten Pläne bereits dem Stadtbauamte überreicht und um Baubewilligung angesucht. Wien. Von einem schweren Schicksalsschlage wurde die Familie des Directors der Depositenbank, Herrn Eduard Groag, heimgesucht. Im jugendlichen Alter von 27 Jahren verschied dessen Tochter Frau Sophie Schück nach kurzem schweren Leiden in Mauer bei Wien am 6. d. M. Um die Verblichene trauern der Gatte und die beiden unmündigen Kinder, sowie die Eltern, Geschwister und Verwandte. Mittwoch den 8. d. M. fand das Leichenbegängniß unter großer Betheiligung auf dem Centralfriedhofe statt. Wien — Mariahilf. Donnerstag den 9. d. M. um 10 Uhr Vormittags fand in der Synagoge des „Tempel- und Schul-Bereins", Wien, VI., Stumpergasse 42, die öffentliche Prüfung der Schüler der vom Vereine erhaltenen Talmud-ThoraSchule statt. Alle Anwesenden, unter denen unter Anderen Se. Ehrw. Cultusgemeinde-Rabbiner Sor, Schulinspector Dr. Langfelder, Abgeordnete der Temvelvereine verschiedener Bezirke, wie Herr Straßberg, Herr Fränkel und die Herren Lehrer Stößel und Zeckendorf u. A. m. sich befanden, zollten uneingeschränktes Lob den die größten Anforderungen befriedigenden Leistungen der Schüler. Nachdem Se. Ehrwürden der Vereinsprediger Dr. Julius Bach in kurzer, aber eindrucksvoller und öfters vom Beifalle der sehr zahlreich Erschienenen unterbrochener Rede die Nothwendigkeit der Gründung und Erhaltung solcher Schulen zur Hebung des religiösen Sinnes der Jugend in Wien betont hatte, ergriff Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Sor das Wort, um daranknüpfend, Prediger, Vorstand und den Lehrer Teltsch zu den erzielten Erfolgen herzlichst zu beglückwünschen. Mit der Absingung der Volkshymne schloß die schöne Feier. Wien. (S p e n d e n - A u s w e i s f ü r d e n B r i g i t t e nauer Tempel bau.) Otte Grose 50 fl., Heinrich Weiner 5 fl., Isidor Polizer 2 fl., August Schlessak 10 fl., Heinrich Weiner 15 fl.. Michael Reuter 6 fl., Hermann Eltbogen 5 fl., Samuel Weiß 20 fl., Dr. H. Blumenseld 100 fl., Carl Krall 15 fl., bereits ausgewiesene 16.199 fl. Summe 16.437 fl. Wie». (Eine Biographie Mannheimers.) Herr Dr. David Simonsen, Prediger in Kopenhagen, arbeitet, wie wir erfahren, an einer ausführlichen Biographie des unvergeßlichen I. N. Mannheimer. Eine Enkelin Mannheimer's wird das Werk ins Deutsche übertragen. Wien. Sarnstag den 4. d. M. verschied im 72. Lebensjahre in Baden der langjährige Oberbuchhalter und Controlor i. P. der Wiener israelitischen Cultusgemeinde, .Herr Josef Schiff nach langem schweren Leiden. Der Verblichene, der durch fast vier Decennien als pflichteifriger Oberbeamter der-Wiener Cultusgemeinde diente, hat sich den Dank und die besondere Anerkennung des Vorstandes für seine pflichteifrige Thätigkeit, die er in den Dienst der Cultusgemeinde stellte, erworben. Seit einigen Jahren schon war er durch ein schweres Leiden gehindert, in den Bureaus der Cultusgemeinde zu erscheinen, mußte daher auf ärztlichen Rath sich Schonung auferlegen. Schon im verflossenen Winter verschlimmerte sich der Zustand Schlff's, bis er durch den Tod von seinem schweren Leiden erlöst wurde. Montag den 6. d. M. fand das Leichenbegängniß auf dem Centralfriedhofe statt. In Vertretung des Cultusvorstandes hatten sich in der Ceremonienhalle eingefunden die Herren Bauräthe Theodor Ritter von Goldschmidt und Wilhelm Stiaßny. Viele Kollegen des Verblichenen waren erschienen, um dem Todten die letzte Ehre zu erweisen; so sah man die Herren: Secretär Dr. Adler, Amtsvorstand.Gustav Wiener, Friedhofinspector Bäcker, Buchhaltungs-Adjunct Ruff, Liquidatur- Adjunct Katz, Verwalter des Versorgungshauses Kodischek, Herr Jonas Abeles und viele Freunde und Bekannte des Verblichenen. Rabbiner Dr. Schmied! hielt dem Verewigten einen .tiefergreifenden

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