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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-06-17 · 24 (17.6.1898) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
24 (17.6.1898)
Date
1898-06-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 24 Dr. Vloch's Wochenschrift Seite 467 Flos fueram, factum ftorem Fortuna fe fellit: Florem florentem florida Flora fleat! Die Aufgabe war glücklich gelöst, das Leben gerettet. Blume zeichnete sich noch in mancher siegreichen Schlacht ehrenvoll aas. Aus Dankbarkeit aber für die rettenden Buchstaben L und F ließ er seinen Namen in den gleichbedeutenden La Fleur umändern und zog sich nach Paris zurück, wo seine Nachkommen heute noch in der Rue Cherche Midi wahnen sollen. In Kleitersweiler ist hingegen die Familie schon längst ausgestorben. Wien. (Ein jüdischer Erfinder.) Das hiesige „Extrablatt" brachte in Nummer 317 vom 18. November 1897 einen Artikel, betitelt: G r u p P e 50, R e i h e 5, G r a b 3, mit Abbildung der Ruhestätte des österreichischen Erfinders des lenkbaren Aluminium-Luftschiffe?, Ingenieurs David Schwarz, worin darauf hingewiesen ist, daß aus dem Centralsriedhofe, israelitische Abtheilung, ein vaterländischer Erfinder der Verlassenheit und Vergessenheit anheimfalle und dessen Grab ganz ohne Denkstein sei. Einige patriotisch fühlende Männer, hiedurch aufmerksam gemacht, wollten eine Pflicht der Humanität erfüllen und veranstalteten eine kleine Collecte in einer Stammgesellschaft im „Hotel Hungäria" und eine in der Sofienbad-Restauration, welche die Kosten deckte für den Transport eines Grabsteines, dessen Aufstellung, das Fundamentmauerwerk und die Inschrift. Den Grabstein unentgeltlich beizustellen, erbot sich die Gruft- und Grab- Mo numenten-Firma : I. K e r nr e n t e r, X., Vordere Südbahnstraße 3. Herr Ferd. P i ck. Spenglermeister, II., Schiffamtsgasse 5, spendete eine Metall-Cassette zur Aufnahme der auf David Schwarz und seine Erfindung Bezug habenden Dokumente, und zwar des „Extrablatt" vom 18. November 1897 und 25. Jänner 1898, von „Ueber Land und Meer" 1898 mit Abbildung von David Schwarz und seines Luftschiffes, sowie der Subscriptionsliste mit den Namen der Spender. Diese Caffette wurde in dem Stein eingelassen, welcher bereits auf der israelitischen Abtheilung des Centralfriedhofes, Gruppe 50, Reihe 5, Grab 3, aufgestellt ist. Es sollte sich nun ein Verein oder sonst Jemand finden, der dieses schlichte Denkmal eines vaterländischen Erfinders in seine Obhut und fernere Erhaltung übernimmt. Der Wiener fingtechnische Verein, der dieserwegen gebeten wurde, macht nicht viel Hoffnung auf Zusage. Zur Affaire Esterhazy. Clemeuceau theilt in der „Aurore" mit, daß E st e rh a z y einer neuen Fälschung überwiesen sei. Als er im Jahre 1881 in Tunis als Hauptmaun diente, wurden drei Qfficiere seines Regiments im Armeebefehl lobend erwähnt. Esterhazy befand sich nachweislich nicht unter ihnen, aber nachdem er das Regiment verlassen, schrieb er selbst in sein Dienstbuch eine lobende Erwähnung ein, die nie stattgefunden hatte. Mehrere Jahre vergingen, ehe der Betrug entdeckt wurde. Erst General Guerrier, unter dem Esterhazy in Rouen diente, durchschaute den Sachverhalt und auf seinen Antrag strich der Kriegsminister jene als Fälschung erkannte Erwähnung. Im Proceß Zola hatte zwar der Staatsanwalt die Sache so zu erklären versucht, daß im Dienstbuche Esterhazy's aus einem Regimentsbefehl aus Versehen ein Armeebefehl gemacht worden sei. Aber diese Ausrede sei vom Kriegsminister absichtlich erfunden und in die Personalacten Esterhazy's eingefügt worden, als derselbe vor das Kriegsgericht gestellt wurde. Aus diesem Grunde habe auch der Präsident im Zola-Proceß die Zeugenaussage des Generals Guerrier verhindert, indem er die Verspätung der Citation vorschützte. Man ist gespannt darauf, ob es Clemenceau gelingen wird, diese Manipulation der Personalacten im Kriegsministerium mit zwingenden Gründen zu beweisen. Jüdischer Antisemitismus. „Tüchtiger Stenograph, Christ, für eine Wiener Advocatenkanzlei gesucht." So war jüngst auf dem schwarzen Brette des juridischen Unterstützungsvereines zu lesen. Ein arischer College, der sich um den Posten bewerben wollte, erfragte im Bereiuslocale den Namen und die Adresse und theilte mir dieselbe voll Erstaunen mit: Dr. Arthur Freund, I., Freisingergasse 6. Interessant wäre zu erfahren, was Herrn Dr. Freund, der doch ganz gewiß Jude oder wenigstens jüdischer Abstammung ist, veranlaßt hat, in dieser Weise praktischen Antisemitismus zu betreiben, umso interessanter, als zu seinen Clienten auch die Baronin Königswarter zählt. Der Umstand, daß sich im selben Hause auch die Kanzlei des so früh dahiugegangenen Dr. Grübl befand, der bis an sein Ende jüdische Concipienten beschäftigte, fordert unwillkürlich zu einem Vergleiche heraus; zu wessen Gunsten dieser Vergleich ausfällt, möge sich Dr. Freund selbst beantworten. Goethe und die Antisemiten. Die Antisemiten pflegen gern ein paar Verse Goethe's ans dem „Jabrmarktsfest zu Plundersweilen" abzudrucken, um diesen Dichter als Gesinnungsgenossen hinzustellen. Jetzt wieder der „Dichter" Hans von Mosch in seiner „Deutschen Reform" (8. Mai). Und wie lautet die große Entdeckung? In diesem „Schönbartspiel" läßt Goethe den Hainau u. A. sagen: „Der Jude liebt das Geld und furchtet die Gefahr. Er weiß mit leichter Müh' und ohne viel zu wagen Durch Handel und durch Zins Geld aus dem Land zu tragen." Aus jedem Eonversatiouslexikon hätte sich Herr v. Mosch darüber belehren lassen können, daß Haman, der Minister bei König Ahasverus war, aus persönlichem Haß gegen den Juden Mardochai Antisemit war und den König dazu bestimmen wollte, alle Juden im persischen Reiche zu vernichten. Aber das. was König Ahasverus dem Haman antwortet, das verschweigt der Antisemit. Wir wollen es hier hinzufügen. Altmeister Goethe läßt den König Ahasverus unmittelbar darauf erwidern: „Ich weiß das nur zu gut. mein Freund; ich biu nicht blind. Dock das thun Andere mehr, die unbeschnitten sind." Fürst Bismarck und die Bibel. In dem soeben ausgegebenen vierten Bande des von Herrn v. Poschinger verfaßten Werkes: „Fürst Bismarck und der Bundesrath" findet sich folgender Brief, den der damalige preußische Ministerpräsident v. Bismarck an den König Wilhelm am 24. December 1864 richtete: „Ew. Majestät sage ich meinen ehrfurchtsvollen und wärmsten Dank dafür, daß Allerhöchstdieselben meiner heute in Gnaden gedacht haben. Möge Gott mir soviel Kraft geben, als ich guten Willen habe, den Stab, dessen Symbol Ew. Majestät mir als ein lebenslänglich theures Andenken heute schenken nach Allerhöchst Ihrem Willen zum Helle unseres Vaterlandes zu führen. Ich habe das gläubige Vertrauen zu Gott, daß Ew. Majestät Stab, im deutschen Lande blühen werde wie der Stecken Arons laut dem 4. Buch Mosis im 17. Eapitel, und daß er zur Noth sich auch in die Schlange verwandeln werde, welche die übrigen Stäbe verschlingt, wie es im 7. Eapitel des 2 Buches erzählt ist. Verzeihen Ew. Majestät meinem dankbaren Gefühl diese Bezugnahme. Angesichts des Weihnachtsfestes habe ich das Bedürfniß, Ew. Majestät zu versichern, daß meine Treue und mein Gehorsam gegen den Herrn, den Gott mir auf Erden gesetzt hat, auf derselben festen Grundlage beruhen wie mein Glaube. In tiefster Ehrfurcht und unwandelbarer Treue ersterbe ich Ew. Majetzt alleruntenhänigster." König Wilhelm hatte nämlich seinem in dem Verfassungsconflicte ausharrenden Ministerpräsidenten zum Weihnachtsfeste einen Spazierstock verehrt. Darauf erfolgte denn auch prompt die geistreiche Antwort des bibelfesten Staatsmannes! In einem alten Stammbuche, dessen ursprünglicher Besitzer einer der Schüler Mendelssohn's, David Friedrichsfeld, war. findet sich folgende Eintragung des bekannten D r. Markus Hertz, des gelehrten Gatten der schönen Henriette Hertz: „Schone Deines Kopfes wie Deines Magens Fülle, aber überfülle sie nicht. Beider Genuß sei mäßig und einfach. Zu viel oder zu vieles verderben beide und bringen statt gesunder Nahrung verdorbene Säfte und übles Ausstößen hervor. Erhalte Deine Einbildungskraft empfindlich, damit sie die Spuren der leitenden Vernunft fühlt, aber auch weichmäulig, daß sie dem mindesten Zuge gehorcht. Merkst Du, daß sie stätig wird, so vermeide mit allem Fleiße die Plätze, die sie anlocken; wird sie aber gar hartmäulig, so lasse sie ganz ungebraucht. Besser, die gute Vernunft zu Fuße wandeln lassen, als sie der Gefahr aussetzen, heruntergeworfen oder Wider Willen fortgeschleppt zu werden. Sei selbstständig im Denken und Sinnen; gib nichts Erborgtes in Gegenwart des Borgers von Dir, und auch in seiner Abwesenheit setze es nie so nackt, wie Du es empfangen hast, in die Welt, sondern wie Nathan seine Recha. Diese Regeln empfiehlt Ihnen zum Andenken Ihr wahrer und innerster Freund Berlin, 30. August 1780. Dr. Markus Hertz. Arische Ehesitten. In dem. kleinen Winkel zwischen Oldenburg und der niederländischen Grenze hat sich in den friesischen Saterländern ein kleines Stück echten, alten, unverfälschten Germanenthums zugleich mit der altfriesischen Sprache erhalten. Ihr großer Verehrer und neuester Darsteller Dr. Julius B r ö r i n g gibt so manche interessante Aufschlüsse über diesen kleinen friesischen Rest im Saterlande, von denen hier nur Einiges über Verlobung um Hochzeit wörtlich*) mitgethellt sei: „Wenn der junge Saterländer Neigung *) Dr. Julius Bröriug: Das Saterland. Eine Darstellung von Land, Leben, Leuten in Wort und Bild. 1. Theil. Oldenburg 1897. Seite 80 und 82.

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