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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-06-17 · 24 (17.6.1898) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
24 (17.6.1898)
Date
1898-06-17
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 468 Dr. Bloch's Wochenschrift Sir. 24 zum Heiraten in sich fühlt, sieht er sich unter den Schönen seines Landes — ein Saterländer heiratet nur eine Saterländerin — nach einer für ihn passenden Partie um und erkundigt sich nach ihrem Vermögen, ihrer Aufführung und Geschicklichkeit, einem Haushalte vorzustehen. Hat die Erwählte noch Schönheit, als Zugabe, so ist das um so besser. Doch die Bauern sind praktischen Sinnes und sehen daher, wenn sie sich ein Mädchen zur Gattin erküren, weniger auf dessen körperliche und geistige Vorzüge, als auf den materiellen Vorthcil an Geld und Gut, Ehre und Stellung, den sie durch ihre Heirat erlangen können. Die Ehe ist wie früher so auch noch heutzutage in den sehr conservativ denkenden Bauernkreisen in der Regel nicht Herzenssache, sondern geradezu ein Geschäft. Zärtliche und uneigennützige Liebe, mit welcher die Dichter die Leute des Landes ausrüsten, würden sie, wenn sie sich hinbemühten, ebensowenig dort finden, als die Sprache, die sie in ihren Operetten, Idyllen und Liedern dem Landvolke leihen. Geld i st die er st e Frage bei den wohlhabenden Bauern: Aermere begnügen sich bei der Wahl der-Lebensgenossin mit dem Requisit von einem Paar arbeitslustigen Armen. Inzwischen thut die Braut mit ihren Eltern und Geschwistern die sogenannte Beschauung, d. h. sie besieht des Bräutigams Güter, Feld, Garten, Gebäude, Viehstand, Mobilien nebst Allem, was zu dessen Wirthschaft gehört, ob Alles in gutem Zustand sich befindet und wie es in der Oekonomie aussieht. Findet sie nun, daß seine Wirthschaft ihren Wünschen entspricht, so geht das „Geschäft" seinen gewöhnlichen Gang weiter. Ist dagegen der häusliche Zustand des jungen Bauern nicht nach ihrem Sinne, so wird ihm bald zu wissen gethan, daß aus der beabsichtigten Verbindnug nichts werden könne — „um ihn nicht aufzuhalten, sich nach einer anderen Partie umzusehen." Dieses Schenken eines Geldstückes ist noch ein Rest altgermanischer Sitte. Der Eheabschlutz war bekanntlich wie bei vielen anderen Völkern so auch bei den Germanen ursprünglich weiter nichts als ein Kaufcontract, ein Geschäft zwischen den Verwandten der Braut und dem Bräutigam, nämlich eine Vergabung d. h. Schenkung der Braut " Auffallenderweise haben die Antisemiten nach diesem „Geschäft" noch nicht festgestellt, daß die Saterländer, in deren Mitte kein Jude wohnt und je gewohnt hat, durch und durch „vcrjudet" sind. Eigentlich läßt ja auch das Ehegeschäst der alten Germanen mit Naturnothwendigkeit darauf schließen, daß sie gleichfalls schon „verjudet" waren, zumal das altgermanische Ena (Ehe) nichts anderes als Contract besagt. Dr. H. L. Die Megr des jüdischen Nationalbewutztseins in Böhmen. Von Eduard H. Spielmann. „Die schönen Tage der jüdisch-coufessionellen Schulen in Böhmen sind vorüber" und der Bestand der noch existirenden circa 40 Schulen ist wenn nicht schon im Absterben begriffen, so doch für eine längere Dauer nicht haltbar. Wahrlich jene rücksichtslose und jeder moralischen, wie auch geistigen Logik hohnsprechende Agitation seitens gewisser Kreise, die „päpstlicher als der Papst" sein wollen, können mit ihrem Resultate zufrieden sein und ihre Kinder, denen sie durch dieses Vorgehen, nicht nur die zukünftige Existenz erschweren und was noch schlimmer, jenen inneren moralisch geistigen Halt von frühester Jugend an zerstören, vernichten — wahrlich diese Kinder werden genügend Ursache haben, ihren Vätern die mangelhafte Erziehung zu vergelten. All' die schönen, großthuenden und wohlklingenden Worte und Phrasen, von Assimilirung. Gemeinsinn, Gleichheit u. v. A. sind wie eben stets leere Worte geblieben; welche Erfolge diese Bestrebungen aufzuweisen haben, zeigten jene denkwürdigen Decembertage, die abermals ein schönes Blatt der czechischen Chronik liefern, ob sie nun den Titel führten „czechische Juden oder jüdische Czechen" ob sie Mitglied der »ee8llo zidovska jeünota« oder des »cesko zidovsky dorost«, der »cesko akademisch zidu« ob sie „czechische Schutzjuden" oder „deutsche Trutzjuden" waren oder wie all die Verbindungen sich heißen und nennen, ob sie dieser oder jener Richtung angehören, der liebenswürdige, von wohlmeinender Seite gutunterrichtete czechische Pöbel hat sie Alle, selbst in den belebtesten Theilen der Hauptstadt und .auf dem Lande zu finden gewußt und keinerlei Unterschied gemacht zwischen den jüdischen Abonnenten der „Narodny listy" wie des „Prager Tagblattes"; hier herrschte Assimilirung, Gemeinsinn, Gleichheit, hier wurden Alle so ziemlich gleichartig^behandelt, an Wenige wurde vergessen, man bezahlte jenes „jüdische" Nationalbewußtsein mit „klingender" Münze, zumindest wurden die Scheiben eingeschlagen. Und die jetzt in Böhmen zunehmende „judenfreundliche" Stimmung ist jedenfalls auch ein günstiges Resultat obiger Agitation. Die Schule soll stets dem politischen Getriebe fern bleiben, und gerade in unserer Zeit zerrt man die Politik von der Straße in die Schule, ja sogar in's Gotteshaus. Oder glauben die Eltern, daß das jüdische Kind in der allgemeinen Schule unter einer Glocke gesetzt ist?! Selbst bei dem loyalsten Vorgehen seitens der Erzieher und Lehrer ist eine gewisse Ausnahmsbehandlung unvermeidlich, die speciell in den Volksschulclasien das ganze Gefühlwesen des Kindes in Dissonanz bringt. Nehmen wir welchen Gegenstand immer, voni Beginn des Unterrichtes — des Gebetes — bis zum Schluß fühlt sich das „jüdische" Kind vereinsamt; selbst im Kindergarten, wenn die Kleinen das „Vater unser" beten, heißt es „Du betest nicht mit, Du bist Jude", welch' unbegreifliche, unfüllbare Lücke entsteht hier in dem Gemüthe des Kindes. Es sei mir gestattet, zur Jllustrirung des Ganzen einen kleinen Vorfall zu repliciren. Der Lehrer der 2. Volksschulclaffe, tritt zum Nachmittagsunterrichte in das Schulzimmer. Hier findet er unter 45 katholischen Kindern das einzige Judenkind in Thränen. „Warum weinst Du?" frägt er. Ich bitte Herr Lehrer, sie schlagen mich, ich hätte den Herrn Jesus gekreuzigt, der Herr Katechet hat es gesagt (Qui mue tlucon ze jsem p. Jezise kuzoval a ja ho am neznal) und ich habe ihn gar . nicht gekannt" — Tableau. Derartige Zwischenfälle könnten einen ganzen Almanach füllen. Das einigende Band, das die Israeliten zusammenführte und zusammenhielt, war von jeher die Religion, und diese erhielt die stärksten Stützen sowohl im Hause, wie speciell in der „eigenen" Schule. Hier war der Platz, wo das Kind im zartesten Alter, ohne jedwede fremde Beimischung in den Grundfesten der Religion und den Elementarwissenschaften unterrichtet wurde, hier war es, wo das jüdische Kind sich dem jüdischen Kinde anschloß, wo Religion und Wissenschaften ihre sichere Basis erhielten, und wahrlich nicht unbedeutend sind die Erfolge, welche die so sehr verpönte jüdische Schule aufzuweisen hat. Man weist stets darauf, daß die äußeren Verhältnisse die „unbedingte" Auflassung der „jüdisch-coufessionellen Schulen" veranlassen, und Schreiber dieses weiß wohl, daß man trotz aller Polemiken und einleuchtenden Gründe diese Art Vernichtungswerk, welches quasi Qll „geistigen Selbstmord" grenzt, nicht aufhalten wird und kann, aber es soll zumindest dahin gewirkt werden, daß der „jüdische Religionsunterricht" eine bessere Würdigung findet, speciell in der Provinz; denn daß das Religionswesen in der Provinz, speciell in der czechischen, ein trostloses ist, ist leider eine zu bekannte Thatsache. Wie soll derselbe auch bei dem gesetzmäßigen zweimal zu 1 Stunde in der Woche anberaumten Unterrichte gedeihen, wenn der betreffende Lehrer noch andere L-I-Functionen hat, die ihm weder Zeit, noch Ruhe gönnen? Hier wären wir bei einem Capitel angelangt, welches eine eingehendere Behandlung verlangt, die wir uns jedoch für späterhin Vorbehalten; heute wollen wir nur constatiren, daß bei diesem mangelhaften Religionsunterricht keineswegs der Religionslehrer, als vielmehr die Gemeinden die Schuldtragenden sind. Wenn auch die „jüdische Elementarschule" aufgelassen wurde, so ist ja kein Hinderniß, dieselbe in eine „Religionsschule" umzugestalten, wo die Kinder täglich in der Religion und den hiezu gehörigen Gegenständen unterrichtet werden können, und nur auf diesem Wege ist es möglich, die Lücken, welche sich unvermeidlich einstellen, zu überbrücken. Aber noch eine weitere Lücke zeigt sich, wo das jüdische Kind leer ausgeht und dessen Mangel tief empfunden wird; das ist der Mangel einer gediegenen, classischen Kinderbibliothek, im jüdischen Geiste; Kindermärchen, gesammelt und gesichtet etwa im Geiste der Brüder Grimm, Andersen u. A. Wahrlich unsere Literatur und Geschichte ist gewiß nicht arm, um genügenden Stoff zur Bearbeitung zu bieten und an berufenen Männern fehlt es auch nicht, die gerne diesem dankbaren und fruchtbringenden Stoffe ihre Feder leihen würden! Auf diesem leichten Wege, dem kindlichen Sinne am besten empfänglich, ist es möglich, etwas von Gott und seinem Walten, von den Festen, den Gebräuchen, von der Schönheit, Reinheit und Innigkeit unserer heiligen Religion, von ihrer Poesie und Gemüth der Kinderseele spielend einzuflößep! Nur durch eine dem kindlichen Sinne verständliche Lectüre ist es möglich, das Kind bereits im zarten Alter über die unvermeidliche Ausnahmsstellung in der öffentlichen Schule zu erheben und die, bei welchem Gegenstände

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