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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-06-10 · 23 (10.6.1898) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
23 (10.6.1898)
Date
1898-06-10
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 23 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite -433 Stimme, so daß bei Leipnik jedes Mißtrauen schwand und er ruhig antwortete: „Ich bin selbst aus Brauschitz und der Weg dorthin führt durch diesen Wald. Gehen Sie gefälligst diesen Pfad fort, bis Sie zu der Stelle kommen, wo sich die Wege kreuzen, dort steht auch eine kleine Capelle, diese lassen Sie links und schlagen den etwas .breiteren Weg ein, nach etwa dreivierhundert Schritten zweigt sich derselbe nach drei Richtungen ab; wenn Sie auf den mittleren etwa eine halbe Stunde gegangen sind, kommen Sie zu einer vom Blitze zertrümmerten Eiche, die an einem kleinen Teiche steht — rechts von diesem führt der Weg zu einer Anhöhe, auf welcher ein verfallenes Jägerhäuschen steht, — wenn Sie diese erstiegen haben, sehen Sie dann die Straße, auf welcher Sie dann, allerdings nicht in gerader Richtung, nach Baustritz kommen; — aber dort werden Sie schon Leute finden, die Ihnen das Nähere angeben werden." „Sie muthen meinem Gedächtnisse zu viel zu", entgegnete der junge Mann. „Sie haben den Weg zwar klar und deutlich geschildert, aber ich traue mir nicht zu, das Alles zu behalten; — waren Sie vielleicht glücklicher, lieber Rosenberg? wandte er sich an seinen Begleiter. „In der That nicht, Herr Graf!" entgegnete dieser lachend, „aber ich hatte davor gewarnt, uns in das Labyrinth eines uns ganz unbekannten Waldes zu wagen." Leipnik erröthete vor Vergnügen und freudiger Ueber- .raschung; dem jungen Manne mit den großen blauen Augen, dessen Blick prüfend auf Leipnik's Zügen lag, war dessen Bewegung nicht entgangen und er sprach im theilnehmenden Tone: „Sie scheinen bewegt, erregt, was ficht Sie plötzlich an?" „Gnädiger Herr! Ich habe, nachdem ich Ihren und Ihres Herrn Begleiters Namen gehört. Sie sofort erkannt; und halte es für eine besondere gnädige Fügung Gottes, daß er mich Sie hier im Walde finden ließ — der Herr Baron Pellwald, mein gnädiger Grundherr, hat meinen Oheim mit seinem Ansuchen, das mich betrifft, an Sie gewiesen." „Sie haben mich und meinen Begleiter erkannt?" unterbrach ihn der junge Mann lebhaft; — „und der Baron Pellwald hat Sie an mich gewiesen? — Ich muß es Ihnen gestehen, daß mir Ihre Worte vollkommen unverständlich sind!" „Sie haben Ihren Herrn Begleiter Rosenberg, dieser Sie „Herr Graf" gencknnt und es kann daher kein Zweifel darüber obwalten, daß Sie unser neuer gnädiger Herr Oberamtmann Graf, Ihr Begleiter, Herr Rosenberg, der erwartete neue Erzieher des jungen gnädigen Barons ist, welche Herren heute hier eintreffen sollen — es wäre sonst der wunderbarste Zufall, wenn zwei andere Herren gleichen Namens an ein unddemselben Tage in Brauschitz anlangen sollten." „Das muß ich allerdings einräumen, das wäre in der That der merkwürdigste Zufall, den es gibt; — aber Sie sagten, der Baron habe Ihren Onkel mit einem Anliegen, das Sie betrifft, an mich gewiesen — darf ich dieses erfahren?" „Offen gestanden, gnädiger Herr Oberamtmann, war es gar nicht meine Absicht. Ihre Ankunft abzuwarten und Ihnen meine unterthänige Bitte vorzutragen; — ich dachte, Sie würden, wie Ihr Vorgänger ein hochfahrender, stolzer Mann sein, der einen armen Juden oder Bauern gar nicht als Menschen achtet, ihn nicht anhört, ihn erbarmungslos zu Boden tritt; — aber Sie entsprechen wahrhaftig nicht dem Bilde, das ich mir von dem neuen Oberamtmann gemacht habe"; Leipnik hatte sich einen Moment von seiner Hoffnungsseligkeit hinreißen lassen; und plötzlich erkannte er wieder, daß der neue Beamte vielleicht den guten Willen, aber gewiß nicht die Macht haben würde, seinen sehnlichsten Wunsch zu erfüllen, und mit großer Offenheit fuhr er fort; „aber ich fürchte, daß dies nur ein Vorwand des Herrn Barons war, und daß selbst Ihre gütige Fürsprache kaum zu meinen Gunsten entscheidend einwirken könnte." Der junge Mann hatte Leipnik nachdenklich angehört. „Bor Allem möchte ich Sie bitten, uns den Weg aus dem Wald heraus zu zeigen, auf der Landstraße wird uns wahrscheinlich schon der Postwagen erwarten; bei dieser Gelegenheit können Sie mir auch die Bitte vortragen, welche bezüglich Ihrer an den Baron gestellt wurde und deren Erledigung er seinem neuen Oberamtmann zuwies." „Ich bin recht gerne bereit, Ihnen als Wegweiser zu dienen, gnädiger Herr!" entgegnete Leipnik und die kleine Gruppe setzte sich in Bewegung. Leipnik begann seine Leidensgeschichte zu erzählen; wie unglücklich und schwer gedrückt die Juden durch die Pharaonischen Gesetze im Allgemeinen seien, und wie gerade er sich in der unglücklichen Lage befinde, die ganze Wucht derselben zu empfinden. Er schilderte die langjährige gegenseitige Neigung, die zwischen ihm und Hanna bestand; er schilderte in einfachen, aber den Tiefen seines Herzens entquellenden Worten, wie entsetzlich er, seine Verlobte und deren Familie unter diesen Verhältnissen litten; er erzählte, vielleicht mit allzugroßer Offenheit, daß er sich entschlossen habe, nach Ungarn auszuwandern, um für sich und seine Verlobte das einzige Glück ihres Lebens zu erkämpfen. Die Thatfachen, die Leipnik erzählte, waren schon an und für sich erschütternd, er war in seinem Berichte warm geworden; ohne daß er es wußte, waren dem starken kräftigen Manne die Thränen in die Augen getreten, und eine unsägliche Rührung hatte sich seiner bemeistert. — Leipnik hatte an seinem plötzlich gewonnenen Gönner einen aufmerksamen Zuhörer gefunden. Er befragte ihn genau über die Verhältnisse der mährischen Juden im Allgemeinen und über jene auf den Pellwald'fchen Herrschaften insbesondere und auch sonst über die Zustände auf Schloß Brauschitz. Während dieses Gespräches waren die drei Männer auf der Landstraße angelangt. „Ah! das ist doch stark", meinte Rosenberg, „der Postillon ist noch nicht da; — das ist wahrhaftig unverantwortlich; wenn er uns nur nicht vorangefahren ist und uns verfehlt!" „Was läge daran?" meinte der Andere lächelnd, „es ist ein schöner Sommertag, allerdings etwas wärmer, als es für Fußreisende angenehm ist, — wie lange Zeit brauchen wir, um nach Brauschitz zu gelangen, wenn wir gezwungen sind, den Weg zu Fuß znrückznlegen? „Drei Stunden, Euer Gnaden!" entgegnete Leipnik. „Dann muß ich Sie bitten, uns den Weg nach dem Schlosse zu zeigen, damit wir ihn nicht noch durch Umwege verlängern." (Fortsetzung folgt.) Literatur. n-nattfüss na laanb o^n nwa n^ran cann "tanr jvanrr -ibd nscn ]'3j?a nnrm nanan nnbin v^>ia narr er psb ’apro n:r Warschau, 1897 p-ta jna 5]cv n«ö Zum ersten Male erscheint hier ein bis jetzt unbekanntes Werk Moses Chajim Luzattv's, das der durch zahlreiche Schriften rühmlichst bekannte Herausgeber durch einen glücklichen Zufall in Amsterdam entdeckte. Die kleine, im Jahre 1742 verfaßte Arbeit enthält einen Abriß der formalen Logik in 23 Capiteln und zeigt den Dichter Luzatto in einem ganz neuen Lichte. Was der Veröffentlichung des Büchleins erhöhten Werth verleiht, ist die in fließendem und äußerst anmuthendem Hebräisch geschriebene Einleitung des Herausgebers. In ebenso kritischer als anschaulicher Darstellung weist er nach, daß die leitenden jüdischen Geschichtswerke in einem wichtigen Punkte der Biographie M. Ch. Luzattv's im Jrrthum sind. Mit vielem Geschick wird die weitverbreitete Ansicht, daß der Dichter unter dem Bannflüche vieler Rabbinen in Amsterdam gelebt hatte, widerlegt. Die alleinige Ursache der Anfeindungen, denen er ausgesetzt war, sei Neid gewesen. Auch die schärfste Untersuchung könne keinen genügenden Grund für eine so harte Bestrafung als Bann ergeben. Ein weiteres interessantes Ergebniß der Forschungen des Herausgebers ist seine Beurtheilung von M. CH. Luzattv's berühmtem dramatischen Gedichte rnnn anv'b. Herr Kahn-Zedec weist nach, daß das Werk eigentlich ein Epos und der Held desselben kein anderer sei, als der unschuldig verfolgte Berfaffer selbst. Eine vollständige Bibliographie beschließt die Einleitung, welche die vollständigste Biographie des merkwürdigen Mannes enthält, die bis jetzt erschienen ist. Das kleine Buch verdient die Aufmerksamkeit aller Derer, die sich für neuhebräische Literatur interesfiren.

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