Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 23 (10.6.1898)
- Date
- 1898-06-10
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 23 Br. Bloch's Wochenschrift Seite 453 den und Verehrern der Dahingeschiedenen betheiligte utib deren sterblichen Hülle das Geleite bis zu ihrer letzten Ruhestätte gaben. Möge ihr die Erde leicht sein und ihr Andenken zum Segen Aller gereichen, die mit ihr im Leben durch verwandtschaftliche und Freundschaftsbande verknüpft waren. H. L—r. Wien, 1. Juni. Die Schiffschulgemeinde, seit chrer Neuconstituirung „Adath Israel" benannt, hat dieser Tage einen herben Verlust erlitten. Der hier in allen jüdischen Kreisen hochgeachtete langjährige Vorsteher dcs Bethauses in der Schiffgasse Herr I. L. Benedikt ist Sonntag den 29. v., kaum daß die Festtage vorübergegangen, im achtzigsten Lebensjahre in ein besseres Jenseits abberufen worden. Der Verstorbene, den das seltene Glück zu Theil geworden, die Grenze des menschlichen Lebensalters zu erreichen, war ein biederer ehrenhafter Charakter und ein frommer gesinnungstreuer Jehudi. Als Abkömmling des berühmten Rabbi Mordcchai Bauet, war er stets den geheiligten Traditionen seiner Familie gefolgt, indem er sich als Anhänger und Förderer des unverfälschten Judenthums bewährte. Sein Dienstag am 31. v. stattgefundenes Begräbniß gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung für die Beliebtheit, deren sich der Dahingeschiedene erfreute. Es war bei demselben der Gesammtvorstand der Schiffschulgemeinde sammt dem Rabbiner Herrn I. Fürst erschienen, welch' Letzterer im Trauerhause dem Schmerz und der Trauer der Gemeinde über das Hinscheiden eines solchen verdienstvollen Vorstandsmitgliedes in ergreifenden Worten Ausdruck verlieh. Die Chewra-Kadischa tvar durch deren Vorstandsmitglied Herrn Dr. Marcus Spitzer, der Vorstand des Krankenunterstützungs-Vereins „Gomle Chesed" durch seinen Präsidenten Herr B. Kanitz und dem Cultusvorstaud Docenten Dr. Josef Grünfeld vertreten. Wir schließen mit dem Wunsche, daß die trauernde Familie des Dahingeschiedenen ihren Trost in den guten Ruf, den Derselbe hinterlassen, finden und daß „kein Bruch, kein Abgang und Klagegeschrei in unseren Straßen vernommen werden möge". H. L—r. - Mödling, am 6. Juni 1898. Am 5. d. M. fand untergroßer Betheiligung das Leichenbegängniß unseres verehrten Vorstehers Herrn Joel Singer statt. Die rege Theilnahme an dem Leichenbegängnisse legte Zeugniß davon ab, welcher Sympathien sich Herr Singer als' Präses unserer Gemeinde erfreute. Der Sarg wurde, nachdem Herr Cantor Löwy mit schöner klangvoller Stimme das Joschew Beffeser, das die Anwesenden tief ergriff, recitirte, gehoben, sodann auf dem israelitischen Friedhofe überführt, wo Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Bardo v i tz dem Verblichenen einen tiefergreifenden Hesped hielt. Er schilderte zunächst die schwere Aufgabe, die Herr Singer in seiner Amtswirksamkeit durchzuführen hatte, und daß die israelitische Cultusgemeinde Mödling in demselben einen schweren unersetzlichen Verlust erlitt. Nachdem Herr Cantor Löwy noch einen Psalm recitirte, wurde der Sarg in die Gruft gesenkt, worauf der Vicepräses unserer Gemeinde Herr Dr Josef Brust dem Dahingeschiedenen einen rührenden Nachruf widmete, der die Anwesenden zu Thränen rührte. Prag, 5. Juni. Durch die hier seit einem Jahre stattfindende Affanirung der Alt- und Josefstadt verschwindet ein großes Stück Alt-Prag, insbesondere ist das der Fall bei der ehemaligen, an geschichtlichen Erinnerungen so reichen Prager Judenstadt. Unter den vielen Gebäuden, welche bisher demolirt wurden, war auch eine von den in dem alten Prager-Ghetto befindlichen neun großen Synagogen, die Neusynagoge. Der letzte Gottesdienst wurde iu dieser Synagoge, welche über 200 Jahre bestand, am achten Pessachtage abgehalten. Der rührige Vorstand dieser Synagoge, an dessen Spitze der Landesadvocat Herr Dr. Rosenbaum steht, war jedoch bedacht, Ersatz zu schaffen und schon am Wochenfeste konnte in dem neueingerichteten Bethause der Gottesdienst abgehalten werden. Die Einweihung der neueröffneten Synagoge wurde am ersten Tage des Wochenfestes vorgenommen und sowohl die vom Herrn Rabbiner Dr. N. Grün gehaltene, vorzügliche Predigt, als auch die schönen Gesänge des Herrn Obercantors Brod gaben der Heiligkeit des weihevollen Actes entsprechenden Ausdruck. Diese Synagoge ist jedoch nur ein Jnterimslocale, da der Vorstand in anerkennenswerther Opferwilligkeit bestrebt ist, Grund und Boden zum Aufbau einer neuen Synagoge zu erwerben, und so ist zu erwarten, daß anstatt der demolirten Neusynagoge in naher Zeit ein Prachtbau entstehen wird. Auch bei den anderen unserer großen Synagogen werden durch die Affanirung entsprechende Umbauten vorgenommen werden müssen. Einige aber bleiben in ihrer ursprünglichen Gestalt bestehen, besonders gilt das von der durch ihr hohes Alter berühmten Alt-Neusynagoge. Teplrtz. Ein erhebendes Doppelfest wird am 11. d. M.. Samstag, in unserer Gemeinde geieiert. Enkel und Großvater feiern ihre Confirmation. Der Enkel, ein Gymnasialschüler, wird confirmirt und der Großvater, Herr Eduard Hahn, Großhändler, begeht seinen 70. Geburtstag, den Tag. an welchem er vor 57 Jahren sein Muftir zur Barmizwah vorgetragen hat. Aus Sensomitz bei Teplitz gebürtig, hat er seit mehreren Jahrzehnten als echt Teplitzer sich hier eingelebt und wird auch als solcher von Jedermann angesehen. Er ist Senior seiner Brüder, deren jüngster Herr Ignaz Hahn, Cultusvorsteher in Linz, und ein zweiter Herr Massin Hahn durch seine Wohlthätigkeit in Karbitz einen guten Namen hat. Der Jubilar, um welchen vier Söhne, zwei Töchter und eine große Enkelschaar und eine zahlreiche Familie sich versammelt, bietet ein schönes Bild eines innigen Familienlebens und rührenden Familienzusammenhalts, und erfreut sich großer Beliebtheit und allgemeiner Theilnahme. Bei der Rüstigkeit und Lebenseinfachheit des Jubilars läßt sich hoffen, daß sein noch im alt-jüdischen Sinne geführtes Haus noch öfter zu solchen schönen Doppelfesten sich gastlich den Glückwünschenden erschließen wird. S. Krakau. Der Landes- und Gerichtsadvvcat Dr. Raphael Landau aus Krakau, Sohn des hiesigen Bicepräsidenten der Cultusgemeinde Herrn Hirsch Landau, hat sich mit Frl. Rachel Parnes, Tochter des Großgrundbesitzers Herrn Leon Parnes aus Lemberg, verlobt. Brovy. Am 2. d. M. fand das Leichenbegängniß des hier allgemein geachteten und sehr beliebten Stadtphysikus Herrn Dr. Heinrich Leiblinger statt, welcher im 52. Lebensjahre als Opfer seines schweren Berufes fiel. In der treuen, gewissenhaften Ausübung seiner Pflichten bei armen typhösen Kranken, zog er sich selbst diese verheerende Krankheit zu, die nach wenigen Tagen schon ihn in ein besseres Jenseits zufübrte. Der Verblichene war ein Mann von hoher Bildung, biederen Charakter, seltener Menschenfreundlichkeit, die ihm die größte Sympathie und außerordentliche Beliebtheit verschaffte. Die zur Leichenfeier herbeigeströmte Volksmenge ohne Unterschied der Nation und Confession war Zeuge, daß der Verblichene nur Freunde und Verehrer hatte. Unter Anderen erschien der edle Graf Rusocki, der Bürgermeister, alle Aerzte, Advocaten. Beamte, Lehrer und fast die sämmtliche jüdische Bevölkerung. Am Grabe hielt Herr Dr. Herzel dem Heimgegangenen einen warui empfundenen Nachruf, indem er die rühmlichen Charaktereigenschaften schilderte. Kein Auge blieb thränenleer, als er den Schmerz der tiefgebeugten Gattin und Angehörigen, die Trauer der Freunde schilderte; und nachdem der Sarg der Erde übergeben war, drängte sich Alles in tiefer Bewegung hinzu, uni dem Verewigten den letzten Liebeszoll, eine Hand voll Erde, nachzusenden. Der nun sanft Gebettete war ein Jünger Aescukaps in dcs Wortes ganzer Bedeutung, der leider viel zu ftüh seine Laufbahn beschlossen. Friede seiner Asche!- M. Markstein. Prera«. In der israelitischen Cultusgemeinde Prerau ist die erste Cantorenstelle vacant und wird dieser Posten schon am 1. August zu besetzen sein. Tropparr, im Juni 1898. (N a ch a h m e nsw e r t h.) Der hiesige Cultusvorstand und der Cultusausschuß haben in ihren letzten Sitzungen einstimmig beschloffen, den vor einigen Jahren hier verstorbenen Obercantor Blum in Anerkennung seiner großen Verdienste um die hiesige Cultusgemeinde dadurch zu ehren, daß sein Name in das Maskirbuch unentgeltlich eingetragen werde, damit sein Name beim jedesmaligen Maskir genannt werde. Eine Ehrung und Auszeichnung, die nach den hiesigen Statuten nur um die hiesige Gemeinde sich besonders hervorragend verdient gemachten Männernjzu Theil werden kann. Dieser hochherzige Beschluß ehrt sowohl den weiland verstorbenen Obercantor Blum, der hier 30 Jahre zum Wähle der Gemeinde gewirkt, als auch den hiesigen löblichen Vorstand, der die Verdienste treuer pflichteifriger Beamte zu schätzen weiß. Darum sei hier der Dank unserem löblichen Vorstand ausgesprochen. S . . n. Holleschau, 5. Juli 1898. (Vom Ortsschulrathe der deutschen Volksschule.) Durch Intervention des Herrn Rabbiners Dr. Jakob F r e i m a n n, der seit seinem Amtsalltritte Mitglied des k. k. Bezirksschulrates ist, ist der Fabrikant Herr Carl Beer in den hiesigen Ortsschulrath gewählt und zum Obmann dieser Körperschaft wieder desiguirt worden. Mitglieder des Ortsschutrathes sird nächstdem die Herren: Oberlehrer S. Hönig, Heinrich Fried, Jsak Ochs, Moses Deutsch und Josef Berg. Pose«. (Verlobung.) Fräulein Martha Bloch, Tochter des gelehrten Rabbiners Tr. Philipp Bloch, hat sich mit