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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-06-10 · 23 (10.6.1898) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
23 (10.6.1898)
Date
1898-06-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 44fi Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 23 wertig die erforderlichen Kenntnisse erworben haben und als würdig für diesen Beruf befunden werden. 2. Der Rabbinenverband wählt Prüfungscommissionen, welche zur Ausstellung von Rabbinatsdiplomen ermächtigt werden. 3. Der Rabbinenverband erklärt es für unstatthaft, daß außer den für den Rabbinerberuf vorbereitenden Lehranstalten und den in Nummer 2 in Aussicht genommenen Commissionen seitens einzelner Rabbinen Autorisationen ertheilt werden. Bei den dann folgenden Ausschußwahlen werden in den Ceutral-Ausschuß gewählt, die Herren: Dr. Auerb a ch-Halberstadt mit 72, Dr. Werne r-München und Dr. G u t t m a u n-Breslau mit 71, Dr. M a y b a ü m-Berlin mrd Dr. H o r o w i tz-Fraukfurt, Dr. Präge r-Cassel mit je 70, Dr. Frank-Cöln, Dr. Großmann-Hannover und Dr. K o p f st e i n-Bcuthen mit je 69, Dr. Vogelst e i n-Stettin mit 65, Dr. S a a l f e l d-Mainz mit 63, Dr. M u n k-Marburg und Dr. Rah m e r-Magdeburg mit je 62, endlich Dr. W i n t e r-Dresden und Dr. Plaut- Frankfurt mit je 60 Stimmen. Die jüdischen Speisegrsetze und die moderne Wjstenschaft. Von Dr. M. H. Friedlander. In seinem trefflichen Artikel „Ceremonial- und Sittengesetz" hat Herr Rabbiner Dr. Biach unter Anderem auch die Speisegesetze flüchtig berührt, indem er sagt: „Die Thora selbst bemerkt in Bezug auf „trefa", dessen ursprüngliche Bedeutung „zerrissenes" ist: „Heilige Männer sollt Ihr mir sein und Fleisch des auf dem Felde zerrissenen Thieres sollet Ihr nicht genießen." (II. B. M. 22. 30); sie wollte damit sagen, daß der Mensch sich auch im Genüsse Enthaltsamkeit auferlegen und auch darin seine Heiligkeit zeigen müsse. Sollte aber auch, was nicht unwahrscheinlich ist, das Gesetz den Zweck haben, unsere Gesundheit zu erhalten, so will gleichwohl die Thora dieses Gesetz nicht zu einer Maßregel stempeln, die zu befolgen im Belieben jedes Einzelnen steht, sie betrachtet vielmehr die Erhaltung der Gesundheit als ein religiöses, als ein Sittengesetz, das mit zur Heiligkeit des Lebenswandels gehört." Hiezu mutz noch bemerkt werden, daß nicht nur dieses Gesetz, sondern auch viele andere, fast die meisten Gesetze der Thora den Zweck verfolgen, die Gesundheit der Menschen zu erhalten und ihr Leben zu verlängern. So heißt es ja ausdrücklich in der heiligen Schrift: Beobachtet meine Gesetze und meine Rechte, durch die der Mensch, wenn er sie ausübt, das Leben sich verlängern kann. (UI. B. M. 18.) Ferner muß bemerkt werden, daß die Thora nicht nur in Bezug auf trefa, d. h. verwundet, krankhaft, sondern auch bezüglich der anderen Speisegesetze dem Israeliten es einschärft, sich stets durch einen heiligen, sittlich reinen Lebenswandel auszuzeichnen. So z. B. heißt es im lll. B. M., Cap. 11, daß der Genuß unreiner Thiere strengstens verboten wird, „Macht Eure Seelen nicht zum Gräuel durch kriechende Thiere, verunreinigt Euch nicht mit denselben, denn Ihr könnet selbst durch sie unreine Geschöpfe werden. Ich bin der Ewige, Euer Gott, Ihr müßt Euch also heilig halten, so werdet Ihr heilige Geschöpfe fein, denn ich bin der Heilige." Ebenso heißt es im V. B. M., Cap. 14: „Ihr sollt kein Newela essen rc., denn Du bist ein dem Ewigen, Deinem Gott geheiligtes Volk". Mit Recht sagt daher Rabbi Chananja ben Akaschja: „Der Heilige, gelobt sei er, wollte Israel beglücken, daher gab er ihnen so viel schöne, herrliche, das geistige und leibliche Wohl fördernde Lehren im Gesetze, wie es heißt. (Jes. 42.) Gott verlangte um feines (des Volkes) Heiles willen, daß seine Lehre umfangreich und herrlich werde. (Spr. d. Väter 1.) Es kann aber nicht geleugnet werden, daß inunserer Zeit gerade diese schönen, die Gesundheit wie die Srttlichkeit und Moral fördernden Speisegesetze von sehr vielen der modernen Juden leider ganz und gar nicht mehr beachtet werden, daß man zuweilen sogar ernsten, für das Judenthum begeisterten, sich ihrer Religiosität rühmenden Leuten begegnet, die sich über die auf trefa und koscher Bezug habenden Vorschriften leichten Herzens hinwegsetzen und sich nicht im Entferntesten darüber echauffiren, wenn sie hören, daß der Functionär (Schauchet) in ihrer Gemeinde äußerst selten oder fast gar nie ein von ihm geschlachtetes Vieh für trefa erklärt. Und fragt man sie, wie sie es denn eigentlich trotz ihrer Frömmigkeit über's Herz bringen können, der Thora durch Verletzung der wichtigsten religiösen Vorschriften so kühn ins Angesicht zu schlagen, so antworten sie ganz gelassen, daß diese Speisegesetze nur aus sanitären Rücksichten erlassen wurden, die aber für uns, die wir in einer anderen Zeit, in einem anderen Klima nnd in anderen .Verhältnissen leben, gegenstandslos geworden. Welch eine falsche Argumentation. Abgesehen davon, daß nach der Lehre des Judenthums jene Gesetze, die aus sanitären Rücksichten erlassen wurden, noch strenger, beobachtet werden müssen, als rein religiöse Gesetze chamire skante meisure, zeugen ja die Resultate, die die neueren Forscher auf dem Gebiete der modernen Wissenschaft erzielt haben, daß die Thora weder unbrauchbar noch von der Cultur unserer Zeit überholt worden sei. „Die Thora, die Moses uns geboten, ist ein ewiges Erbe der Gemeinde Jacobs." Von den zahlreichen, die hygienischen Vorschriften der Bibel und des Talmud verherrlichenden Aeußerungen der her- . vorragendsten medicinischen Autoritäten der neueren Zeit mögen hier blos einige erwähnt werden. In der vor wenigen Jahren erschienenen vortrefflichen: Die Socialhygiene der Juden und des altorientalischen Völkerkreises" von Dr. Alfred Nossig, heißt es unter Anderem: „Wir finden im Pentateuch alle Theile der modernen Socialhygiene ausgebildet: Die Hygiene des Bodens, des Wassers und der Luft; der Wohnung und der Kleidung; der Nahrung und der Körperpflege; Vorschriften gegen ansteckende Krankheiten rc." (S. 35.) Ferner: „Höchst bemerkenswerth sind Vorschriften über die sanitäre Jnspection und Desinfection der Wohnhäuser." (S. 38.) „Das „Lepragesetz" gibt ein vorzügliches Maß der Entwicklung der mosaischen Hygiene und zugleich der theoretischen Grundlage derselben. Es sagt uns, daß Moses die Existenz jener kleinen Krankheitskeime, welche man heute Mikroben nennt, nicht nur „ahnte", sondern kannte. (S. 39.) Die Vorschriften des Leviticus sagen uns, daß der Verfasser der Bibel auch mit der Thatsache der verschiedenen Hartnäckigkeitsgrade der Jnfection vertraut war; man kann keine rationelleren und humaneren Desinfectionsnormen aufstellen, als es hier geschehen ist. (S. 40.) Ferner: Dieser hygienische Codex, welcher vor etwa 32OO Jahren formulirt wurde, gründet sich auch auf eine genaue Kenntniß der Bedingungen der Gesundheit des Individuums und des Stammes, auf die richtige Erforschung der Hauptursachen bedrohlicher Krankheiten. Zur Erreichung seiner Zwecke bedient er sich des ganzen prophylaktischen Apparates der modernen Staatshygiene. .(S. 61.) Jedes Wort kann auf die Goldwaage der Wissenschaft gelegt werden und sein Gewicht wird richtig befunden werden. (@. 26.) Der Talmud nähert sich in seinen socialhygienischen Partien einem modernen Codex der öffentlichen Gesundheitspflege noch viel mehr als die Bibel. (S. 75.) Die moderne Wissenschaft muß die weisen Principien des „Seder Taharah" billigen; ja, sie muß die aufmerksame Beobachtung und richtige Bestimmung der Wege, auf denen Krankheitskeime acquirirt werden können, bewundern. Am meisten dürfte jedoch der moderne Hygieniker über die Sicherheit dieser Verfügungen staunen, da doch heute bekanntlich über die Nothwendigkeit und den Erfolg vieler hygienischer Maßregeln Autoritäten ersten Ranges sich nicht einigen können. (S. 83.) Einer rückhaltlosen Anerkennung seitens der modernen W i f s e n s ch a f t erfreut sich das Gesetz über die sanitäre Jnspection der geschächteten Thiere, über „Koscher" und „T r e p h a". (S. 85.) „Welch außerordentliches Vorherwissen!" ruft ein französischer Arzt aus, „die Contagiosität der Tuberculose ist erst seit kurzer Zeit dargethan, die Uebertragbarkeit dieser Krankheit durch die Nahrung wird noch nicht von Allen zugegeben, und siehe da, das jüdische Gesetz, der modernen Wissenschaft um Jahrtausende voraneilend, enthält in seinen Vorschriften diese prophylaktischen Maßregeln gegen die Tuberculose." „Wenn unsere Schlachthäuser unter der Ueberwachung eines jüdischen (natürlich streng religiösen und gewissenhaften) Schächters stehen würden, so würde zweifellos die Zahl der Erkrankungsfälle verringert und die mittlere Lebensdauer verlängert werden u. s. w." sagte Antole Leroy-Beaulieu. In ähnlicher Weise äußerte sich vor nicht langer Zeit der berühmte Prof. Dr. Adolf Baginsky, Director des Kaiser und

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